Kurz gesagt
Australischer Naturkundler und Lehrer (1928 bis 2016), der mit David Holmgren die Permakultur begründete und sie mit seinen Kursen in die Welt trug.
- Lebensdaten
- 1928 bis 2016
- Herkunft
- Stanley, Tasmanien, Australien
- Werdegang
- Naturkundler, Forscher, Hochschullehrer
- Bekannt für
- Mitbegründung der Permakultur, Permaculture Design Course
- Hauptwerk
- Permaculture: A Designers' Manual (1988)
- Ehrungen
- Right Livelihood Award 1981
Wer war Bill Mollison?
Bill Mollison war ein Naturkundler, der Wälder, Küsten und Flüsse betrachtete und fragte, was die Landwirtschaft von ihnen lernen kann. Geboren am 4. Mai 1928 in Stanley, einem kleinen Hafenort im Norden Tasmaniens, entwickelte er in den 1970er Jahren gemeinsam mit seinem Studenten David Holmgren die Permakultur: eine Art, Höfe, Gärten und ganze Siedlungen nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme zu gestalten. Wenige Ideen der ökologischen Landnutzung sind in einem einzigen Menschenleben so weit gereist. Als er 2016 starb, wurde Permakultur auf allen bewohnten Kontinenten gelehrt.
Zum Wegbereiter machte ihn keine einzelne Technik, sondern eine Art des Sehens. Er erkannte, dass eine Landschaft als Ganzes arbeitet und dass Wasser, Boden, Pflanzen, Tiere und Menschen in einen gemeinsamen Entwurf gehören statt in getrennte Abteilungen.
Lebensweg
Mollison wuchs nah am Meer und am Busch auf. Mit fünfzehn verließ er die Schule und arbeitete jahrelang mit den Händen und auf dem Wasser: zur See, in den Wäldern und als Fallensteller. 1954 trat er in die Wildlife Survey Section der CSIRO ein, der staatlichen Forschungsorganisation Australiens, und verbrachte lange Zeiten in der tasmanischen Wildnis. In den 1960er Jahren arbeitete er als Kurator am Tasmanian Museum, ab 1966 studierte er an der University of Tasmania, an der er später lehrte.
1974 begegnete ihm ein junger Student der Umweltgestaltung, David Holmgren, zufällig bei einem Seminar in Hobart und wählte ihn bald zu seinem Lehrer. Aus ihrer gemeinsamen Arbeit und aus dem Manuskript, das Holmgren für sein Studium schrieb, entstand das Buch Permaculture One (1978). Ende der 1970er Jahre verließ Mollison die Universität, gründete in Tasmanien das Permaculture Institute und widmete sich fortan ganz der Lehre.
Die Idee
Im Zentrum von Mollisons Denken stand eine einfache Beobachtung aus der Wildnis: Stabile natürliche Systeme sind vielfältig, mehrjährig und tragen sich weitgehend selbst. Sie brauchen keinen Pflug und keine Zufuhr von außen, und sie bauen Boden auf, statt ihn zu verbrauchen. Mollison wollte menschliche Landnutzung ebenso gestalten, als Geflecht, in dem jedes Element mehrere Aufgaben erfüllt und der Ertrag des einen zum Rohstoff des anderen wird.
Daraus entstanden die Werkzeuge, die die Permakultur-Planung bis heute prägen: genaues Beobachten eines Ortes vor jedem Eingriff, die Anordnung der Elemente danach, wie oft der Mensch sie braucht, die Nutzung der Ränder, an denen verschiedene Lebensräume aufeinandertreffen und das Leben besonders reich ist, und ein beständiger Blick auf Wasser und Energie. Den Begriff selbst weitete er später aus, von „permanent agriculture“ zu „permanent culture“, denn Wirtschaft, Recht und Gemeinschaft gehörten für ihn ebenso in den Entwurf wie Bäume und Teiche. Gern sagte er sinngemäß, viele Probleme der Welt wirkten verwickelt, die Antworten lägen aber oft in lebenden Systemen und seien erstaunlich einfach.
Das Werk
Mollisons Bücher gaben der Idee ihre Gestalt. Nach Permaculture One folgten Permaculture Two (1979) und 1988 Permaculture: A Designers' Manual, ein umfangreiches Handbuch für Klimazonen von den feuchten Tropen bis zu den Trockengebieten, mit Kapiteln über Wassersammlung, Böden, Waldgärten, Pflanzengilden und Siedlungen. Für viele Lehrer ist es bis heute der Referenztext.
Sein zweites großes Werk war die Lehre selbst. Anfang der 1980er Jahre entwickelte er den Permaculture Design Course, einen Kurs von etwa zwei Wochen, der das ganze System abdeckt. Absolventen sollten ihn ihrerseits weiterlehren, und so wanderte das Wissen von Mensch zu Mensch. Mollison lehrte und beriet in vielen Ländern; die Right Livelihood Foundation nennt Projekte in Brasilien, auf Hawaii, Fidschi und den Seychellen, im Vereinigten Königreich und in den USA, dazu die 1994 von ihm gegründete Permaculture Academy sowie Initiativen für ethische Geldanlage und Baumpflanzungen.
1981 erhielt er den Right Livelihood Award, nach der Begründung der Stiftung „for developing and promoting the theory and practice of permaculture“.
Was daraus wurde
Bill Mollison starb am 24. September 2016 in Hobart, mit 88 Jahren. Die Permakultur war bis dahin zu einer weltweiten Bewegung von Gärtnern, Landwirten, Planern und Lehrern geworden. Der Nachruf im Guardian schätzte, dass sie in mehr als 140 Ländern von mehr als drei Millionen Menschen angewendet wird; eine amtliche Zählung gibt es nicht, doch die Größenordnung zeigt die Reichweite seines Werks.
David Holmgren nannte ihre Begegnung in seinem Nachruf die prägende Beziehung seines Lebens. Mollison habe ihm gezeigt, die Welt aufzubauen, die man sich wünscht, statt gegen die zu kämpfen, die man ablehnt. Viele Verfahren in diesem TerraWiki, von der Regenwassernutzung und der Polykultur bis zum Keyline-Design als Teil einer Gesamtplanung, haben über die von ihm begründete Bewegung ein breites Publikum erreicht.
Was wir von Bill Mollison lernen
Terra Humana verdankt Mollison mehr als eine Sammlung von Methoden. Wir übernehmen von ihm die Gewohnheit, einen Ort lange anzuschauen, bevor man ihn verändert, und bei Wasser und Boden zu beginnen statt bei einer Pflanzenliste. Auf Sa Medada, einem steilen Hang in Sardinien mit langen trockenen Sommern, heißt das: zuerst fragen, wo der Regen ankommt, wo er abfließt und wo er sich halten lässt.
Wir übernehmen auch seine Überzeugung, dass Wissen wächst, wenn man es teilt. Ein Kurs, ein Vorzeigeort, ein offenes Handbuch: Mollison hat sein Lebenswerk auf das Weitergeben gebaut. In diesem Sinn dokumentieren wir unsere eigene Arbeit im Projekt Eden, auch das, was noch nicht gelingt, damit andere daraus lernen können, wie wir von ihm gelernt haben.
Häufige Fragen
Wer war Bill Mollison?
Bill Mollison (1928 bis 2016) war ein australischer Naturkundler, Forscher und Lehrer aus Tasmanien. Gemeinsam mit seinem Studenten David Holmgren entwickelte er in den 1970er Jahren die Permakultur, eine Art, Höfe, Gärten und Siedlungen nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme zu gestalten. Mit seinen Büchern und seiner Lehre trug er die Idee aus Tasmanien in die ganze Welt.
Wofür erhielt Bill Mollison den Right Livelihood Award?
Die Right Livelihood Foundation ehrte ihn 1981 für die Entwicklung und Verbreitung von Theorie und Praxis der Permakultur. Der Preis, oft Alternativer Nobelpreis genannt, würdigte damit beide Seiten seiner Arbeit: das Gestaltungssystem selbst und seinen unermüdlichen Einsatz, es über Kurse und Institute weiterzugeben.
Was ist der Permaculture Design Course?
Es ist das Lehrformat, das Mollison Anfang der 1980er Jahre schuf: ein Kurs von etwa zwei Wochen, der das ganze Gestaltungssystem abdeckt, vom Lesen eines Ortes und dem Umgang mit Wasser bis zu Boden, Pflanzen, Tieren und Siedlungen. Absolventen sollten ihn selbst weiterlehren. Diese Kette von Lehrern ist der wichtigste Grund, warum sich die Permakultur so schnell über die Kontinente verbreitete.
Welche Bücher schrieb Bill Mollison?
Das erste war Permaculture One (1978), gemeinsam mit David Holmgren, gefolgt von Permaculture Two (1979). Sein Hauptwerk ist Permaculture: A Designers' Manual (1988), für viele Lehrer bis heute der Referenztext. Später folgten Introduction to Permaculture (1991), ein Buch über Fermentation und Ernährung (1993) und die Autobiografie Travels in Dreams (1996).
Wie verbreitet ist die Permakultur heute?
Eine amtliche Zählung gibt es nicht. Der Nachruf im Guardian sprach 2016 von Permakultur in mehr als 140 Ländern und von mehr als drei Millionen Menschen, die sie anwenden. Das sind Schätzungen und keine Erhebung, aber sie zeigen, wie weit eine Idee aus Tasmanien in einem einzigen Menschenleben gekommen ist.

Verwandte Begriffe






Erwähnt auf
- Beobachten und mitwirken
- David Holmgren
- Der Gestaltungsablauf
- Der Wasserkreislauf
- Die drei Ethiken der Permakultur
- Einen Ertrag erzielen
- Elementanalyse
- Emilia Hazelip
- Energie: der Fluss, der alles antreibt
- Geoff Lawton
- Grundkarte und Deckblätter
- Hühner im System
- Integrieren statt trennen
- Keinen Abfall erzeugen
- Kleine und langsame Lösungen nutzen
- Kreislaufdenken in der Permakultur
- Mollisons Gestaltungsregeln
- Permakultur
- Ränder nutzen und das Randständige wertschätzen
- Retentionsteich
- Rewilding
- Sektoren
- Sepp Holzer
- Stockwerke und Staffelung (Stacking)
- Swale (Höhenliniengraben)
- Unsichtbare Strukturen
- Vielfalt nutzen und wertschätzen
- Vom Muster zum Detail gestalten
- Wandel kreativ nutzen und darauf reagieren
- Zonen in der Permakultur
Quellen
- Right Livelihood Foundation, Bill Mollison, Laureatenseite, Right Livelihood Award 1981 (abgerufen Oktober 2026)
- Right Livelihood Foundation, The Right Livelihood Award Foundation mourns the loss of the father of permaculture, Bill Mollison (27. September 2016)
- Dunwell, M., Bill Mollison obituary, The Guardian (11. Oktober 2016)
- Holmgren, D., Holmgren farewells Bill Mollison, permacultureprinciples.com (2016)
- Mollison, B.; Holmgren, D., Permaculture One (1978)
- Mollison, B., Permaculture: A Designers' Manual, Tagari Publications (1988)
- Wikipedia, Bill Mollison (nur als Wegweiser zu Primärquellen genutzt, abgerufen Oktober 2026)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-14