Kurz gesagt
Regenwassersammler und Autor aus Tucson (Arizona), der zeigte, wie Regen und Straßenabfluss in der Wüste Schattenbäume und Nahrung wachsen lassen.
- Wirkungsort
- Tucson, Arizona, Sonora-Wüste
- Tätig seit
- 1993, als Lehrer, Planer und Berater
- Bekannt für
- Regen- und Straßenwasser in Trockengebieten nutzen
- Hauptwerk
- Rainwater Harvesting for Drylands and Beyond (2 Bände, ab 2006)
- Lehrer
- Zephaniah Phiri Maseko, Simbabwe
- Ehrungen
- Lifetime Achievement Award der ARCSA (2015), Citizen Forester of the Year in Arizona (2021)
Wer ist Brad Lancaster?
Brad Lancaster ist jemand, der eine Wüstenstraße ansieht und einen Obstgarten sieht. Seit drei Jahrzehnten zeigt er in Tucson, Arizona, mitten in der Sonora-Wüste, dass Regen kein Problem ist, das man so schnell wie möglich ableiten muss, sondern die wertvollste Ressource eines trockenen Ortes. Seine Buchreihe Rainwater Harvesting for Drylands and Beyond gehört zu den Standardwerken der Regenwassernutzung, und sein eigenes Haus ist das beste Anschauungsstück für das, was darin steht.
Er ist Lehrer, Planer und Berater und betreibt seit 1993 ein eigenes Büro für Permakultur-Bildung und Planung. Das Besondere an seiner Arbeit ist ihr Maßstab: Alles, was er tut, lässt sich von Hand bauen, von einem Haushalt, mit Schaufel und Geduld. Und es hört nicht an der Grundstücksgrenze auf.
Lebensweg
Der Wendepunkt kam 1995 auf einer Reise durch Afrika. Lancaster verbrachte einen Tag auf dem Hof von Zephaniah Phiri Maseko in der trockensten Region Simbabwes. Phiri, weit über seinen Bezirk hinaus als der Mann bekannt, der Wasser anbaut, hatte sein Land in ein System aus Gruben, Wällen und Steinbauten verwandelt, in dem kein Tropfen ungenutzt abfloss. Lancaster schrieb, dieser eine Tag habe ihn auf seinen Weg gebracht. Als Phiri 2015 starb, nannte er ihn einen Lehrer für Tausende in aller Welt. 2014 und 2016 kehrte er nach Simbabwe zurück, um von den dortigen Wassersammlern zu lernen.
Zurück in Tucson begann er auf seinem eigenen kleinen Grundstück im Viertel Dunbar/Spring. 1998 nahm er eine Handsäge und schnitt sechs Öffnungen in den Bordstein vor dem Haus, damit das Wasser von der Straße zu den jungen Bäumen daneben floss. Erlaubt war das damals nicht. Nach High Country News dauerte es drei Jahre, bis die Stadt die Praxis legalisierte, mit Unterstützung von Nachbarn, Umweltgruppen und einem städtischen Hydrologen.
Die Idee
Im Kern ist Lancasters Idee einfach: Wasser dort ernten, wo es fällt, bevor es das Grundstück verlässt. Der beste Speicher ist kein Tank, sondern der Boden selbst, bepflanzt und bedeckt, ein lebender Schwamm. Tanks kommen dort hinzu, wo sie wirklich nötig sind. Mulden, Wälle und Gießmulden bremsen das Wasser, verteilen es und lassen es versickern. Bäume am Rand solcher Mulden nutzen das Wasser und beschatten den Boden, und ihr Laub wird zu Mulch.
Seinen Ansatz fasste er in acht Prinzipien zusammen. In unseren Worten besagen sie: lange beobachten, bevor man etwas verändert; am höchsten Punkt des Einzugsgebiets beginnen und sich nach unten arbeiten; klein und einfach anfangen, in einem Maßstab, den man selbst bauen und reparieren kann; das Wasser bremsen und versickern lassen statt es abfließen zu lassen; immer einen sicheren Überlauf planen und auch ihn als Ressource behandeln; den Boden mit möglichst viel lebendem und organischem Material bedecken; jedes Element mehrere Aufgaben erfüllen lassen; und immer wieder prüfen, was wirkt, und dann von vorn beginnen.
Die Straße gehört zu seinem Denken dazu. Nach High Country News rechnete er aus, dass eine durchschnittliche Meile Wohnstraße in Tucson genug Wasser abgibt, um rund 400 trockenheitsfeste, fruchttragende Bäume zu bewässern. Straßen, Dächer, Wege und sogar das Kondenswasser von Klimaanlagen werden zu Wasserquellen.
Das Werk
Das Haus, das er mit der Familie seines Bruders teilt, ist sein lebendes Labor. Nach seinen eigenen Angaben werden dort jährlich rund 100.000 US-Gallonen Regenwasser gesammelt, etwa 378.000 Liter, auf einem Grundstück von einem Achtel Acre und dem angrenzenden öffentlichen Streifen, bei einem mittleren Jahresniederschlag von etwa 280 Millimetern. Heimische Bäume, Obst und Gemüse wachsen, wo früher Kies und nackter Boden lagen.
Die beiden Bände von Rainwater Harvesting for Drylands and Beyond geben dieses Wissen weiter. Der erste, über die Leitprinzipien, erschien 2006 und in dritter Auflage 2019; der zweite, über Erdbauwerke zur Wasserernte, erschien 2008 und in zweiter Auflage 2020. Beide sind so geschrieben, dass ein Hausbesitzer damit arbeiten kann.
Er baute auch Gemeinschaft auf. Er gründete die Neighborhood Foresters mit, die in den Straßen der Innenstadt Tucsons heimische, vom Regen versorgte Bäume pflanzen, und die gemeinnützigen Desert Harvesters, die zeigen, wie man heimische Wüstennahrung wie Mesquite-Schoten erntet und nutzt.
Was daraus wurde
Das Beispiel machte Schule. In seiner Nachbarschaft fangen Regengärten entlang der öffentlichen Straßenräume nach seiner Darstellung heute über eine Million Gallonen Regenabfluss im Jahr auf und beschatten die Straßen. Im Oktober 2008 wurde Tucson die erste Stadt der Vereinigten Staaten, die neue Gewerbebauten verpflichtet, die Hälfte ihrer Grünflächenbewässerung mit gesammeltem Regenwasser zu decken; die Regel trat im Juni 2010 in Kraft. Lancaster hat auf mehreren Kontinenten unterrichtet und mit Gemeinden an Regeln gearbeitet, die Wasserernte erlauben und fördern. Zu seinen Ehrungen gehören der Lifetime Achievement Award der American Rainwater Catchment Systems Association 2015 und der Titel Citizen Forester of the Year der Forst- und Brandschutzbehörde Arizonas 2021.
Was wir von Brad Lancaster lernen
Terra Humana übernimmt von Brad Lancaster vor allem die Reihenfolge der Arbeit. Vor jeder Pflanzung wollen wir wissen, wo das Wasser am Hang von Sa Medada fließt, woher es kommt und wo es das Gelände verlässt. Wir beginnen oben, wir fangen klein an, und wir bauen so, dass wir alles selbst reparieren können. Zuerst kommt der Boden als Speicher, dann der Tank.
Wir übernehmen auch seinen Blick auf Wege und Fahrspuren. Jede Spur am Hang sammelt Wasser und kann Rinnen schneiden; in eine bepflanzte Mulde geleitet, nährt dasselbe Wasser einen Baum. Und wir übernehmen seine Ehrlichkeit beim Maßstab. Der Sommermonsun Tucsons ist nicht der Winterregen Sardiniens, die Mengen lassen sich nicht übertragen. Die Prinzipien schon: Wasser halten, wo es fällt, den Boden bedecken und die Pflanzen, zusammen mit einer trockenheitstoleranten Bepflanzung, den Rest tun lassen.
Häufige Fragen
Wer ist Brad Lancaster?
Brad Lancaster ist Lehrer, Planer und Berater aus Tucson in Arizona und betreibt seit 1993 ein eigenes Büro für Permakultur-Bildung und Planung. Er ist Autor der Buchreihe Rainwater Harvesting for Drylands and Beyond und Mitgründer der Neighborhood Foresters, die entlang der Straßen Tucsons heimische, vom Regen versorgte Bäume pflanzen. Er hat in Nordamerika, im Nahen Osten, in Asien, Europa, Afrika und Australien unterrichtet.
Wie viel Wasser sammelt Brad Lancaster?
Nach seinen eigenen Angaben sammeln er und die Familie seines Bruders jährlich rund 100.000 US-Gallonen (etwa 378.000 Liter) Regenwasser auf einem Stadtgrundstück von einem Achtel Acre (etwa 0,05 Hektar) und dem angrenzenden öffentlichen Streifen, an einem Ort mit im Mittel nur etwa 280 Millimetern Regen im Jahr. In den öffentlichen Straßenräumen der Nachbarschaft fangen Regengärten nach seiner Darstellung über eine Million Gallonen Regenabfluss im Jahr auf.
Was sind Bordsteinöffnungen (curb cuts)?
Bordsteinöffnungen sind Durchlässe im Randstein einer Straße, durch die das Wasser von der Fahrbahn in bepflanzte Mulden daneben fließt statt in den Gully. Lancaster sägte die ersten 1998 mit einer Handsäge, als das noch nicht erlaubt war. Nach High Country News dauerte es drei Jahre, bis die Stadt Tucson die Praxis mit Unterstützung von Nachbarn, Umweltgruppen und einem städtischen Hydrologen erlaubte.
Wer hat Brad Lancaster geprägt?
Die entscheidende Begegnung war 1995, als er einen Tag auf dem Hof von Zephaniah Phiri Maseko in der trockensten Region Simbabwes verbrachte. Phiri, bekannt als der Mann, der Wasser anbaut, hielt mit Gruben, Wällen und Steinbauten jeden Regentropfen auf seinem Land. Lancaster schrieb, Phiri habe ihn auf seinen Weg gebracht, und dessen Geschichte und Lehre bilden den Kern des ersten Bandes seines Buches. 2014 und 2016 kehrte er nach Simbabwe zurück.
Was lässt sich von Lancaster für trockenes Land am Mittelmeer lernen?
Das Prinzip lässt sich übertragen, die Maße nicht. Tucson hat Monsunregen im Sommer und sehr hohe Verdunstung, das Mittelmeer hat Winterregen. Überall gilt seine Reihenfolge: lange beobachten, oben im Einzugsgebiet beginnen, klein anfangen, das Wasser bremsen und versickern lassen, immer einen Überlauf vorsehen und den Boden mit lebenden Pflanzen und Mulch bedecken, damit er zum Schwamm wird.

Verwandte Begriffe






Erwähnt auf
Quellen
- Lancaster, B., Rainwater Harvesting for Drylands and Beyond, Bd. 1: Guiding Principles to Welcome Rain into Your Life and Landscape, Rainsource Press, 1. Aufl. 2006, 3. Aufl. 2019
- Lancaster, B., Rainwater Harvesting for Drylands and Beyond, Bd. 2: Water-Harvesting Earthworks, Rainsource Press, 1. Aufl. 2008, 2. Aufl. 2020
- HarvestingRainwater.com, Pressemappe und Seite der Auszeichnungen (abgerufen Oktober 2026)
- Lancaster, B., The Eight Rainwater-Harvesting Principles, Handreichung, HarvestingRainwater.com
- Lancaster, B., The passing of mentor and master water harvester Mr. Phiri, HarvestingRainwater.com (Mai 2016)
- Davis, T., Tucson's rain-catching revolution, High Country News (27. April 2015)
- Water Resources Research Center, University of Arizona, City of Tucson commercial rainwater harvesting ordinance (1. Juni 2010)
- Wikipedia, Brad Lancaster (nur als Wegweiser zu Primärquellen, abgerufen Oktober 2026)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-14