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Wasser und Hang

Gießmulde (Mikroeinzugsgebiet)

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-126 Min. Lesezeit

Junger Baum mit Strohmulch in einer kleinen Gießmulde, deren Erdwälle das Regenwasser zu ihm leiten; am tiefsten Punkt steht etwas Wasser

Kurz gesagt

Eine kleine, umwallte Fläche, die abfließenden Regen zum Fuß eines einzelnen Baumes lenkt; so lebt eine Pflanze vom Regen einer viel größeren Fläche.

Was ist eine Gießmulde?

Eine Gießmulde ist ein kleines Stück Boden, so geformt, dass der darauf fallende Regen nicht davonläuft, sondern zu einer Stelle fließt, an der ein Baum oder Strauch steht. Niedrige Erdwälle begrenzen die Fläche, das Innere neigt sich leicht zu einer Mulde, und die Pflanze darin trinkt nicht nur den Regen ihrer eigenen Standfläche, sondern den Abfluss einer mehrfach größeren. Das Verhältnis zwischen Sammelfläche und Pflanzfläche ist der Kern der Methode: Je trockener der Standort, desto mehr Fläche muss jede Pflanze speisen. Fachleute sprechen deshalb vom Mikroeinzugsgebiet, im Englischen vom microcatchment.

Die bekannteste Form ist das Negarim: Reihen rautenförmiger Felder, jedes von kleinen Wällen eingefasst, mit einer Versickerungsgrube in der untersten Ecke. Das FAO-Handbuch zur Wasserernte von Will Critchley und Klaus Siegert beschreibt es für Bäume als geeignet, wo der Jahresniederschlag bis auf 150 Millimeter sinken kann, bei Hangneigungen bis etwa fünf Prozent und auf Böden von mindestens anderthalb Metern Tiefe. Eine Einheit umfasst je nach Baumart meist 10 bis 100 Quadratmeter. Der Name kommt vom hebräischen Wort für Oberflächenabfluss und verweist auf die Negev-Wüste. Dort bauten Michael Evenari, Leslie Shanan und Naphtali Tadmor ab den 1950er-Jahren antike Abflussfelder nach, untersuchten sie und zeigten, dass Feldfrüchte und Bäume von einem Regen leben können, der viel zu gering scheint.

Im Garten kennt jeder die Alltagsform: den Gießrand um einen frisch gepflanzten Baum, der Regen und Gießwasser am Platz hält. Es ist dasselbe Prinzip im kleinsten Maßstab.

Ein Baum trinkt den Regen,einer größeren FlächeLehrtafel zur Gießmulde, dem Mikroeinzugsgebiet: Ein Baum trinkt nicht nur den Regen seiner eigenen Standfläche, sondern den Abfluss einer mehrfach größeren Fläche. Je trockener der Ort, desto mehr Fläche braucht jeder Baum. Das Negarim von oben: rautenförmige Felder, von kleinen Wällen eingefasst, das Wasser fließt hangabwärts zu einer Grube in der untersten Ecke, in der der Baum steht. Richtwerte für Bäume nach dem FAO-Handbuch: 10 bis 100 Quadratmeter je Einheit, Wälle ab 25 Zentimetern Höhe, Hangneigung bis etwa 5 Prozent, Bodentiefe ab 1,5 Metern. Im Schnitt: Der Wall bremst das abfließende Wasser, in der Mulde sickert es tief ein, Mulch schützt vor der Verdunstung. Am Mittelmeer füllt der Winterregen den Boden unter dem Baum, und im ersten Sommer schöpfen die Wurzeln daraus. Dazu gehört: Wälle nach jedem nennenswerten Regen prüfen, auf schwerem Boden nicht zu tief graben, damit die Wurzeln nicht nass stehen, und wissen, dass eine Gießmulde kein neues Wasser erzeugt; die Sammelfläche selbst bleibt trockener. TERRAWIKI · LEHRTAFEL Ein Baum trinkt den Regeneiner größeren Fläche Je trockener der Ort, desto mehr Fläche je Baum. 1DAS NEGARIM VON OBEN Sammelfläche Wall Grubemit Baum hangabwärts10 bis 100 m²je Einheitab 25 cmHöhe der Wällebis etwa 5 %Hangneigungab 1,5 mBodentiefe Richtwerte für Bäume nach dem FAO-Handbuch 2IM SCHNITT: BREMSEN, VERSICKERN, SCHÜTZEN Wall Mulch Sammelfläche Wintervorrat im Boden 1231Der Wall bremst das abfließende Wasser.2In der Mulde sickert es tief ein.3Mulch schützt vor der Verdunstung. Am Mittelmeer füllt der Winterregen den Boden unter demBaum. Im ersten Sommer schöpfen die Wurzeln daraus. 3WAS DAZUGEHÖRT Wälle pflegen nach jedemnennenswertenRegen prüfen Nicht zu tief auf schweremBoden stehen dieWurzeln sonst nass Kein neues Wasser die Sammelflächeselbst bleibttrockener Grundlage: Critchley und Siegert, FAO (1991) · TerraWiki: Gießmulde

Eine Familie von Formen

Gießmulden sind ein Zweig der Regenwassernutzung, und zwar der Zweig, der Pflanze für Pflanze arbeitet statt Hang für Hang. Ihre Verwandten unterscheiden sich vor allem in Gestalt und Größe. Der Halbmond, ein zum Hang hin offener, halbkreisförmiger Wall, stammt aus dem Sahel und fängt Wasser für eine Pflanzzone in seinem Bogen. Die Zaï-Pflanzgrube, ebenfalls aus Westafrika, ist die kleinste von allen: ein von Hand gegrabenes Loch mit Kompost oder Mist am Grund, das Wasser und Nährstoffe für eine einzige Pflanze bündelt. Am anderen Ende der Skala stehen Swales, Terrassen und Keyline-Design, die Wasser entlang ganzer Höhenlinien verteilen.

Gemeinsam ist ihnen eine Abfolge: Wasser bremsen, versickern lassen, vor Verdunstung schützen. Der letzte Schritt wird oft vergessen. Eine Mulde aus nackter Erde in der Sonne verliert viel von dem, was sie gefangen hat. Eine Schicht Mulch aus Laub oder Schnittgut hält den Boden darin kühl und das Wasser im Boden.

Gießmulden im Mittelmeerraum

Im Sahel fällt der Regen im Sommer, in der Wachstumszeit, wenn die Pflanzen ihn am dringendsten brauchen. Am Mittelmeer ist es, wie im Negev, umgekehrt: Der Regen kommt im Herbst und Winter, der Sommer bleibt trocken. Damit verschiebt sich die Aufgabe der Gießmulde. Sie soll hier im Winter den Bodenkörper unter dem Baum möglichst tief auffüllen, damit die Wurzeln im ersten und zweiten Sommer aus diesem Vorrat schöpfen können. Ein Baum, dessen Wurzeln der Feuchte in die Tiefe folgen, gewinnt einen Vorsprung, den ihm keine Gießkanne im folgenden Juli geben kann.

Die Methode hat auch eine eigene mediterrane Geschichte. Spanische Forstwissenschaftler um Andrés Martínez de Azagra an der Universität Valladolid arbeiten seit Ende der 1990er-Jahre an dem, was sie Oasifikation nennen: Bei der Aufforstung trockener Hänge in Spanien wird der Boden so geformt, dass kleine Mulden Abfluss, Feinerde und Nährstoffe für jeden Setzling sammeln, und es wird berechnet, wie groß jedes Einzugsgebiet sein muss. In Tunesien werden Olivenhaine seit Langem vom Abfluss unbebauter Oberhänge gespeist.

So versteht Terra Humana die Gießmulde

Für Terra Humana ist die Gießmulde die unmittelbarste Antwort auf den schwersten Moment im Leben eines gepflanzten Baumes: seinen ersten trockenen Sommer. Sie braucht keine Maschine, entsteht mit dem Spaten, lässt sich jedes Jahr nachformen, und jeder Baum kann eine erhalten, die zu seinem Platz passt. Sie ist ein Werkzeug der Geduld und Aufmerksamkeit, nicht der großen Erdbewegung.

Zur ehrlichen Beschreibung gehören auch die Grenzen. Auf schweren Böden kann eine tiefe Mulde nach einem Gewitter zu lange Wasser halten; viele Praktiker, Brad Lancaster unter ihnen, setzen die Pflanze deshalb etwas oberhalb des tiefsten Punktes statt hinein. Wälle brechen bei Wolkenbrüchen und müssen ausgebessert werden, worauf das FAO-Handbuch ausdrücklich hinweist. Und eine Gießmulde erzeugt kein Wasser, sie verteilt das, was fällt, um. Nimmt ein Baum den Abfluss von 20 Quadratmetern auf, bleiben diese 20 Quadratmeter trockener. An einem Hang, an dem Wasser im Land bleiben soll, sind Gießmulden deshalb ein Baustein in einem größeren Muster, zusammen mit Bodenbedeckung, Swales und dem Schutz des Bodens vor Desertifikation.

Das Tal von Sa Medada bei Jerzu, Sardinien, mit Olivenhain und Macchie

Sa Medada

So sieht das bei uns aus

Sa Medada liegt an der Ostseite Sardiniens, die Trockenzeit reicht von Mai bis September. Für einen jungen Baum ist der erste Sommer die härteste Probe. Der erste Baum, der auf dem Land gepflanzt wurde, ein Speierling im Jahr 2024, steht an einer sehr heißen Südflanke. Projekt Eden beginnt mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserhalten; die Gießmulde um einen einzelnen Baum ist die kleinste Form dieses letzten Schritts.

Mehr über Projekt Eden

Häufige Fragen

Was ist eine Gießmulde?

Eine Gießmulde ist ein kleines, bewusst geformtes Stück Boden, das den darauf fallenden Regen sammelt und zu einer Pflanzstelle leitet. Niedrige Erdwälle begrenzen die Fläche, das Innere fällt leicht zu einer Mulde ab, in der ein Baum oder Strauch steht. Dahinter steckt eine einfache Vervielfachung: Die Pflanze lebt nicht vom Regen, der auf ihre eigene kleine Standfläche fällt, sondern vom Abfluss einer mehrfach größeren Fläche. Deshalb funktionieren Gießmulden auch dort, wo der Jahresniederschlag allein einen jungen Baum nicht am Leben hielte.

Was bedeutet Negarim?

Negarim heißt eine bestimmte Form des Mikroeinzugsgebiets: rautenförmige Felder, von kleinen Wällen eingefasst, mit einer Versickerungsgrube in der untersten Ecke, in der der Baum steht. Nach dem FAO-Handbuch zur Wasserernte von Critchley und Siegert geht das Wort auf den hebräischen Ausdruck für Oberflächenabfluss zurück. Entwickelt wurde die Form in der Negev-Wüste in Israel, wo Forscher um Michael Evenari antike Abflussfelder untersuchten; erste Berichte über die Technik stammen laut Handbuch allerdings aus Südtunesien.

Wie groß sollte eine Gießmulde sein?

Eine einzige richtige Größe gibt es nicht, denn sie hängt von Niederschlag, Boden und Pflanze ab. Das FAO-Handbuch nennt für Bäume etwa 10 bis 100 Quadratmeter je Einheit, Wälle von mindestens 25 Zentimetern Höhe, Hangneigungen bis rund fünf Prozent und Böden von mindestens anderthalb Metern Tiefe. Je trockener der Standort, desto größer muss die Sammelfläche je Baum sein. Auf schweren Böden sollte die Mulde nicht zu tief ausfallen, damit die Wurzeln nach einem Starkregen nicht im Wasser stehen.

Ist eine Gießmulde dasselbe wie ein Gießrand um den Baum?

Es ist dieselbe Familie. Der Erdring, den Gärtner um einen frisch gepflanzten Baum ziehen, ist das kleinste und einfachste Mikroeinzugsgebiet: Er hält Gießwasser und Regen am Platz. Eine geplante Gießmulde geht einen Schritt weiter und vergrößert die Fläche, die zum Baum entwässert, sodass sie Regen auch von außerhalb der eigenen Standfläche erntet. Halbmond und Zaï-Pflanzgrube sind verwandte Formen aus dem Sahel; Swales und Terrassen übertragen dasselbe Prinzip auf einen ganzen Hang.

Brauchen Gießmulden Pflege?

Ja, vor allem in den ersten Jahren. Ein Starkregen kann einen Wall durchbrechen, und eine nicht reparierte Lücke lässt Wasser abfließen und wird mit jedem weiteren Regen breiter. Das FAO-Handbuch rät deshalb, die Wälle nach jedem nennenswerten Regen zu kontrollieren und Schäden sofort auszubessern. Eine Mulchschicht in der Mulde hält das gesammelte Wasser vor der Verdunstung zurück, Gras oder niedriger Bewuchs auf den Wällen schützt sie vor dem Ausspülen. Hat der Baum tief gewurzelt, verliert die Form an Bedeutung und darf langsam verflachen.

Mulchmulde mit Holzhäcksel unter einem jungen Feigenbaum, eine Grauwasserleitung verschwindet unter dem MulchNächster in dieser ThemenweltGrauwasserHaushaltswasser aus Dusche, Waschbecken und Waschmaschine, ohne Toilettenwasser. Ein zweites Mal im Garten genutzt, schließt es einen Teil des Wasserkreislaufs.

Verwandte Begriffe

Erwähnt auf

In der Praxis erleben

Quellen

  • Critchley, W. und Siegert, K., Water Harvesting: A Manual for the Design and Construction of Water Harvesting Schemes for Plant Production, FAO (1991)
  • Evenari, M., Shanan, L. und Tadmor, N., The Negev: The Challenge of a Desert, 2. Auflage, Harvard University Press (1982)
  • Lancaster, B., Rainwater Harvesting for Drylands and Beyond, Bd. 1, 3. Auflage (2019) und Bd. 2, 2. Auflage (2019), Rainsource Press
  • Martínez de Azagra Paredes, A., Mongil Manso, J., del Río, J. und Rojo Serrano, L., Conceptos, modelos y ejemplos sobre oasificación, Ecología 20 (2006) 453 bis 470

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12