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Boden und Leben

Bodenerosion

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-127 Min. Lesezeit

Erosionsrinnen an einem kahlen Hang nach Starkregen, mit schlammigem Abfluss

Kurz gesagt

Abtrag von Boden durch Wasser oder Wind. Nackte Flächen und steile Hänge vervielfachen ihn, und was in einer Stunde verloren geht, braucht Jahrhunderte.

Was ist Bodenerosion?

Bodenerosion ist der Abtrag von Boden durch Wasser oder Wind. Für sich genommen ist das ein gewöhnlicher geologischer Vorgang: Gebirge werden abgetragen, Täler aufgefüllt. Zum Problem wird er, wenn er schneller läuft, als neuer Boden entstehen kann, und das ist überall dort der Normalfall, wo Menschen dem Land seine Decke genommen haben. Zuerst geht die oberste Schicht, die den meisten Humus, die Nährstoffe und das Bodenleben trägt. Was bleibt, ist ärmer, härter und hält weniger Wasser, und so findet der nächste Regen noch weniger Widerstand.

Boden entsteht langsam. Eine viel zitierte Übersichtsarbeit für Europa setzt die Neubildung bei höchstens etwa 1,4 Tonnen je Hektar und Jahr an, und die italienische Umweltbehörde ISPRA betrachtet jeden Verlust über einer Tonne je Hektar und Jahr innerhalb von 50 bis 100 Jahren als praktisch nicht umkehrbar. Erosion lässt sich also nicht aussitzen. Ein Boden, der weg ist, fehlt für Generationen.

Was in einer Stunde geht,,braucht JahrhunderteLehrtafel: Was in einer Stunde geht, braucht Jahrhunderte. Bodenerosion ist der Abtrag von Boden durch Wasser oder Wind. Wassererosion beginnt mit dem Tropfenschlag, der Krümel zerlegt, Feinmaterial verschlämmt die Poren. Dann trägt ein dünner Wasserfilm die Oberfläche ab, oft jahrelang unbemerkt. Wo sich der Abfluss sammelt, entstehen Rillen, wenige Zentimeter tief und noch einzuebnen, dann Rinnen und Gräben, die tief sind, hangaufwärts wachsen und das Land entwässern. Boden bildet sich höchstens mit etwa 1,4 Tonnen je Hektar und Jahr neu. Das EU-Mittel gefährdeter Flächen liegt nach dem JRC-Modell von 2015 bei 2,46 Tonnen, Italien hat mit 8,46 Tonnen den höchsten Landeswert. Über einer Tonne Verlust gilt der Schaden nach ISPRA in 50 bis 100 Jahren als praktisch nicht umkehrbar. Es sind Modellwerte auf einem 100-Meter-Raster, sie zeigen das Muster, nicht den einzelnen Hang. Im Mittelmeerklima ist nach vier oder fünf trockenen Monaten die Decke am dünnsten, die Oberfläche verkrustet und oft wasserabweisend, dann bringen Herbst und Winter Unwetter mit viel Regen in kurzer Zeit auf ungeschützten Boden. Hebel: Bedeckung fängt den Tropfenschlag ab, Wurzeln und Humus halten die Poren offen, Terrassen und Hecken auf der Höhenlinie verkürzen die Fließstrecke. TERRAWIKI · LEHRTAFEL Was in einer Stunde geht,braucht Jahrhunderte Bodenerosion ist der Abtrag von Boden durch Wasser oder Wind. 1WIE WASSER DEN BODEN ABTRÄGT 1 Tropfenschlag zerlegt Krümel, Feinmaterialverschlämmt die Poren 2 Flächenerosion ein dünner Wasserfilm trägtab, oft jahrelang unbemerkt 3 Rillen wenige Zentimeter tief,noch einzuebnen 4 Rinnen und Gräben tief, wachsen hangaufwärtsund entwässern das Land 2NEUBILDUNG GEGEN VERLUST 02468 Tonnen je Hektar und Jahr 1 tNeubildunghöchstens etwa 1,4EU-Mittelgefährdete Flächen 2,46Italienhöchster Landeswert 8,46 Über 1 Tonne Verlust: in 50 bis 100 Jahrenpraktisch nicht umkehrbar (ISPRA). Modellwerte (JRC 2015, 100-m-Raster): das Muster, nicht der einzelne Hang. 3DIE FALLE DES MITTELMEERKLIMAS Vier oder fünf trockene Monate Herbst und Winter Decke am dünnsten, Oberflächeverkrustet, oft wasserabweisend Unwetter, viel Regenin kurzer Zeit, aufungeschützten Boden Bedeckung fängt denTropfenschlag ab Wurzeln, Humus halten die Porenoffen, Wassersickert ein Unterbrechen Terrassen, Heckenauf der Höhenlinieverkürzen dieFließstrecke Grundlage: Panagos u. a., Environmental Science & Policy 54 (2015) · TerraWiki: Bodenerosion

Die Formen der Erosion

Wassererosion folgt einer erkennbaren Abfolge. Sie beginnt mit dem Aufprall des Tropfens. Auf nacktem Boden ist jeder Tropfen ein kleiner Schlag, der Krümel zerlegt und Teilchen hochschleudert; das Feinmaterial verstopft die Poren und verschlämmt die Oberfläche. Dann beginnt ein dünner Wasserfilm zu fließen und trägt die Oberfläche gleichmäßig ab, so gleichmäßig, dass diese Flächenerosion oft jahrelang unbemerkt bleibt: Steine scheinen aus dem Acker zu „wachsen“, und alte Bäume stehen auf freigelegten Wurzeln.

Wo sich der Abfluss sammelt, schneidet er Rillen, kleine Rinnsale von wenigen Zentimetern Tiefe. Rillen lassen sich durch Bodenbearbeitung noch einebnen. Rinnen und Gräben nicht: Sie sind tief, wachsen mit jedem Unwetter hangaufwärts zurück und entwässern das Land um sich herum. Daneben gibt es die Winderosion auf trockenem, lockerem Boden, die Bearbeitungserosion, bei der der Pflug selbst Jahr für Jahr Boden hangabwärts schiebt, und Massenbewegungen, von kleinen Abbrüchen an einer Terrassenkante bis zu Rutschungen an durchnässten Hängen.

Italien und der Mittelmeerraum

2015 veröffentlichte die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) ein einheitliches Modell der Wassererosion für die ganze EU, auf Grundlage der überarbeiteten Allgemeinen Bodenabtragsgleichung (RUSLE). Es verknüpft die Erosivität der Niederschläge, die Erodierbarkeit des Bodens, Länge und Neigung des Hangs, die Pflanzendecke und Schutzmaßnahmen. Für erosionsgefährdete Flächen in der EU ergab sich ein Mittel von 2,46 Tonnen je Hektar und Jahr. Italien hatte mit 8,46 Tonnen den höchsten Landeswert, weil dort starke Niederschläge auf steile und lange Hänge treffen. Etwa ein Viertel der EU-Fläche verlor mehr als zwei Tonnen im Jahr, und auf diese Flächen entfielen rund 87 Prozent des gesamten Bodenverlusts.

Die Studie weist ihre Werte nach Staaten aus, nicht gesondert für Sardinien, und die nationale Karte der ISPRA lässt die Insel aus, weil die regionalen Modelle dort nicht vergleichbar sind. Das Gesamtbild ist trotzdem eindeutig. Die höchsten Verluste Europas werden für den Mittelmeerraum berechnet, und Untersuchungen an aufgegebenen Terrassen in Spanien und Griechenland, die wir im Beitrag zur Terrassierung zusammengefasst haben, haben einige der höchsten Raten überhaupt gemessen.

Eine Einschränkung gehört dazu: Es sind Modellwerte auf einem 100-Meter-Raster. Sie zeigen das Muster, nicht den Verlust an einem einzelnen Hang, und manche Erosionsforscher haben den Ansatz kritisiert, weil ein Modell die Beobachtung im Gelände nicht ersetzen könne.

Warum der erste Herbstregen am meisten anrichtet

Das Mittelmeerklima stellt dem Boden eine Falle. Nach vier oder fünf trockenen Monaten ist die Pflanzendecke am dünnsten, die Oberfläche verkrustet, und viele Böden sind wasserabweisend geworden: angetrocknete organische Überzüge auf den Teilchen lassen den ersten Regen abperlen, als wäre der Boden gewachst. Dann kommen die Unwetter des Herbstes und Winters, oft mit sehr viel Regen in kurzer Zeit. In den meisten Teilen Europas fällt der erosivste Regen im Sommer, wenn die Felder grün sind; der Mittelmeerraum ist die Gegend des Kontinents, in der auch in der kühlen Jahreszeit nennenswert erosiver Regen fällt, also dann, wenn der Boden am wenigsten geschützt ist.

Daraus entsteht eine Rückkopplung, wie sie der Beitrag zur Desertifikation beschreibt: nackter Boden erodiert, erodierter Boden hält weniger Wasser, und trockenerer Boden trägt weniger Pflanzen. Jeder Hebel, der diese Schleife bricht, setzt an der Oberfläche an. Bedeckung fängt den Tropfenschlag ab, lebende Wurzeln und Humus halten die Poren offen, damit Wasser einsickert, und jede Unterbrechung des Hangs, von Terrassen bis zu Hecken auf der Höhenlinie, verkürzt die Strecke, auf der Wasser Fahrt aufnehmen kann.

Wie Terra Humana sie versteht

Für Terra Humana ist Erosion das sichtbare Gesicht des Problems, an dem wir arbeiten. Es ist der Moment, in dem Jahre der Verödung zu einem schlammigen Bach werden. Deshalb beginnen wir an der Bodenoberfläche und nicht bei der Pflanzenliste. Solange Regen von einem Hang abfließt, statt in ihn einzudringen, arbeitet jeder Baum dort gegen den Strom.

Die Antwort ist alt und unspektakulär: Boden bedeckt halten, Wasser bremsen, es dort halten, wo es fällt. Die wichtigsten Werkzeuge sind keine Maschinen, sondern Pflanzen, Mulch und die Form des Geländes selbst.

Das Tal von Sa Medada bei Jerzu, Sardinien, mit Olivenhain und Macchie

Sa Medada

So sieht das bei uns aus

Sa Medada liegt an der Ostseite Sardiniens, mit einer Trockenzeit von Mai bis September. Der Regen der kühlen Jahreszeit trifft also auf Boden, der monatelang trocken lag. Die LiDAR-Feuchtekarte zeigt eine vergleichsweise trockene Hauptfläche und feuchtere Rinnen an den Rändern, und auf dem Land liegen alte Terrassen. Projekt Eden beginnt deshalb mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt: Boden, der bedeckt bleibt und Regen aufnimmt, ist der erste Schutz davor, ihn zu verlieren.

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Häufige Fragen

Was ist Bodenerosion?

Bodenerosion ist das Ablösen und Verfrachten von Bodenteilchen durch Wasser oder Wind. An jedem Hang geschieht das auch natürlich, aber in einem Maß, mit dem die Bodenbildung Schritt halten kann. Zum Problem wird es, wenn menschliche Nutzung den Abtrag beschleunigt: wenn Boden nackt liegt, wenn Hänge in Falllinie gepflügt werden, wenn Beweidung oder Maschinen die Pflanzendecke zerstören. Dann geht zuerst die dünne Oberschicht verloren, die den meisten Humus, die Nährstoffe und das Bodenleben trägt. Weil Boden äußerst langsam entsteht, wird aus wenigen Tonnen je Hektar und Jahr über ein Menschenleben ein dauerhafter Verlust.

Wie stark ist die Bodenerosion in Italien?

Nach dem einheitlichen Modell der Europäischen Kommission hat Italien den höchsten mittleren Bodenabtrag durch Wasser unter den EU-Staaten: rund 8,5 Tonnen je Hektar und Jahr auf erosionsgefährdeten Flächen, gegenüber rund 2,5 Tonnen im EU-Mittel. Die Gründe sind steile, lange Hänge und heftige Niederschläge. Die italienische Umweltbehörde ISPRA nutzt dieselben JRC-Daten für ihre Umweltindikatoren und hält fest, dass jeder Verlust über einer Tonne je Hektar und Jahr innerhalb von 50 bis 100 Jahren als nicht umkehrbar gelten kann. Es sind Modellwerte, keine Messungen, und vor Ort schwanken die Raten stark.

Welche Arten von Bodenerosion gibt es?

Die Wassererosion verläuft in erkennbaren Stufen. Am Anfang steht der Tropfenschlag: Regentropfen treffen nackten Boden und schleudern Teilchen hoch. Danach folgt die Flächenerosion, ein dünner Abfluss, der die Oberfläche gleichmäßig und fast unsichtbar abträgt. Wo sich das Wasser sammelt, schneidet es Rillen, die sich durch Bodenbearbeitung noch einebnen lassen, und dann Rinnen und Gräben, über die kein Traktor mehr fährt. Daneben gibt es die Winderosion auf trockenen, lockeren Böden, die Bearbeitungserosion, bei der der Pflug selbst Jahr für Jahr Boden hangabwärts schiebt, und Massenbewegungen wie Rutschungen an durchnässten Hängen.

Warum richten Herbstgewitter nach einem trockenen Sommer so viel Erosion an?

Weil mehrere Schwachstellen zusammenfallen. Am Ende eines mediterranen Sommers ist die Pflanzendecke am dünnsten, trockener Boden hat oft eine Kruste gebildet, und manche Böden sind wasserabweisend geworden und lassen den ersten Regen abperlen wie von einer gewachsten Fläche. Kommt dann ein Starkregen, kann das Wasser nicht schnell genug eindringen und fließt ab, nimmt Fahrt auf und Boden mit. In weiten Teilen Europas fällt der erosivste Regen im Sommer. Im Mittelmeerraum fällt ein erheblicher Teil auch in der kühlen Jahreszeit, also genau dann, wenn der Boden am schlechtesten geschützt ist.

Wie lässt sich Bodenerosion aufhalten?

Der wirksamste Schutz ist ein Boden, der nie nackt liegt. Pflanzendecke und Mulch fangen die Wucht der Tropfen ab und halten die Oberfläche offen, damit Wasser einsickern kann. Am Hang hilft alles, was den Weg des abfließenden Wassers verkürzt: Terrassen, Hecken oder bewachsene Streifen auf der Höhenlinie, Swales und Rückhaltebecken. Wo Böschungen oder Terrassenkanten bereits rutschen, setzt die Ingenieurbiologie lebende Pflanzen als Baustoff ein. Auf Dauer nicht bewährt hat sich, verödete Hänge sich selbst zu überlassen und abzuwarten; aufgegebene Terrassen im Mittelmeerraum gehören zu den Orten mit den höchsten gemessenen Verlusten.

Krümeliger, lebendiger Boden neben einem dichten, glatten Klumpen verdichteter ErdeNächster in dieser ThemenweltBodengefüge (Krümelstruktur)Die Anordnung der Bodenteilchen zu Krümeln und der Poren dazwischen. Sie bestimmt, wie ein Boden atmet, Wasser aufnimmt und Wurzeln durchlässt.

Verwandte Begriffe

Erwähnt auf

In der Praxis erleben

Quellen

  • Panagos u. a., The new assessment of soil loss by water erosion in Europe, Environmental Science & Policy 54, S. 438-447 (2015)
  • ISPRA, Indikator Erosione idrica del suolo, Annuario dei dati ambientali (auf Basis der JRC-Daten 2015)
  • Verheijen, Jones, Rickson und Smith, Tolerable versus actual soil erosion rates in Europe, Earth-Science Reviews 94 (2009)
  • Ballabio u. a., Mapping monthly rainfall erosivity in Europe, Science of the Total Environment 579 (2017)
  • R. P. C. Morgan, Soil Erosion and Conservation, 3. Auflage, Blackwell (2005)

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12