Kurz gesagt
Eine Bodenoberfläche, die nach Brand oder starker Austrocknung Wasser abweist. Regen perlt ab und fließt fort, statt zu versickern.
Was ist Bodenhydrophobie?
Wer einen völlig ausgetrockneten Blumentopf gießt, kennt die Wirkung: Das Wasser perlt ab, rollt zum Rand und läuft unten wieder heraus, während die Erde innen trocken bleibt. Draußen geschieht dasselbe in viel größerem Maßstab. Die Bodenkunde nennt es Bodenhydrophobie oder Benetzungshemmung: Der Boden sträubt sich gegen das Befeuchten, und Regen bleibt als Perlen liegen oder fließt ab, statt einzusickern.
Die Ursache liegt in hauchdünnen Überzügen auf den Bodenteilchen. Pflanzen, Pilze und Mikroben geben wachs- und fettartige organische Stoffe ab, die sich auf den Körnern niederschlagen. Jedes dieser Moleküle hat einen Teil, der Wasser anzieht, und einen, der es abstößt. Solange der Boden feucht ist, fallen die Überzüge kaum ins Gewicht. Trocknet der Boden völlig aus, wenden sich die wasserabweisenden Teile nach außen, und die Teilchen verhalten sich wie eine gewachste Fläche. Untersuchungen in portugiesischen Wäldern zeigten, dass die Hydrophobie unterhalb einer bestimmten Bodenfeuchte einsetzt und oberhalb davon wieder verschwindet. Die Wirkung folgt deshalb oft den Jahreszeiten: am stärksten am Ende einer langen Trockenheit, am schwächsten in der Regenzeit.
Nicht jeder Boden neigt gleich stark dazu. Sandböden sind leichter betroffen, weil ihre groben Körner wenig Oberfläche haben und schon eine kleine Menge organischen Überzugs sie ganz bedeckt. Streu von Eukalyptus und Kiefer, harzreiche Sträucher und bestimmte Pilze gelten als Quellen wasserabweisender Stoffe; Untersuchungen in brandgefährdeten Eukalyptus- und Kiefernbeständen Portugals fanden eine ausgeprägte Hydrophobie.
Feuer und Hydrophobie
Feuer verschärft das Problem auf besondere Weise. Bei einem Brand verdampfen organische Stoffe aus Streu und Oberboden. Ein Teil des Dampfes wird nach unten in den kühleren Boden gedrückt und kondensiert dort, sodass einige Zentimeter unter der Oberfläche eine wasserabweisende Schicht entsteht. Nach der Fachliteratur verstärkt eine mäßige Erhitzung um 175 bis 200 Grad Celsius die Hydrophobie eher, während sehr hohe Temperaturen um 300 Grad und mehr sie zerstören können. Die genauen Schwellen weichen zwischen den Studien voneinander ab und hängen davon ab, wie viel Sauerstoff vorhanden ist.
Die Folgen zeigen sich mit dem ersten Starkregen nach einem Brand. Die dünne Schicht über der wasserabweisenden Zone saugt sich voll und rutscht ab, während die Schicht darunter trocken bleibt. Abfluss und Erosion an verbrannten Hängen können dadurch stark zunehmen.
Hydrophobie erkennen
Der einfachste Versuch ist einer, den auch Bodenkundler verwenden, die Tropfeneindringzeit. Man setzt einige Tropfen auf eine trockene Bodenoberfläche und misst, wie lange sie brauchen, um zu verschwinden. Binnen etwa fünf Sekunden gilt der Boden als benetzbar. Dauert es länger, ist er wasserabweisend; über eine Minute zeigt starke, über eine Stunde extreme Hydrophobie an. Weil sie oft fleckenweise auftritt, lohnt es sich, mehrere Stellen zu prüfen und die obersten Zentimeter abzukratzen, um darunter nachzusehen.
Die Hydrophobie erklärt auch eine Beobachtung, über die viele Gärtner rätseln: Nach einer langen Trockenzeit kann ein Boden wenige Zentimeter unter der Oberfläche staubtrocken sein, obwohl es geregnet hat. Das Wasser ist nicht ausgeblieben; es ist abgeflossen oder durch wenige Kanäle in die Tiefe geschossen und hat den Rest unberührt gelassen.
Wie Terra Humana die Bodenhydrophobie versteht
Für Terra Humana ist die Bodenhydrophobie einer der Gründe, warum Wasserrückhalt nicht nur eine Frage davon ist, wie viel Regen fällt, sondern ob der Boden ihn aufnehmen kann. In einem Klima mit langer Trockenzeit sind die ersten Herbstregen kostbar, und gerade dann weist ein ausgetrockneter Boden sie am ehesten ab.
Das prägt unsere Prioritäten. Boden, der nie ganz austrocknet, wird kaum wasserabweisend, also kommen Schatten und lebende Bedeckung zuerst. Lockerer Mulch hilft, wobei eine dicke, verdichtete Schicht, die hart austrocknet, selbst Wasser abweisen kann, wie unter Flächenkompostierung beschrieben. Und Erdbauwerke zur Regenwassernutzung halten das Wasser lange genug am Hang, damit es seinen Weg hinein findet, auch wo die Oberfläche sich anfangs sträubt.
Sa Medada
So sieht das bei uns aus
In Sa Medada dauert die Trockenzeit von Mai bis September. Nach solchen Monaten ist ein ausgetrockneter Boden am ehesten wasserabweisend, und ein Teil des ersten Herbstregens fließt dann ab, statt einzusickern. Projekt Eden beginnt deshalb mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt: Beschatteter, bedeckter Boden trocknet weniger tief aus, und Wasser, das am Hang gehalten wird, hat mehr Zeit, seinen Weg hinein zu finden.
Mehr über Projekt EdenHäufige Fragen
Was ist Bodenhydrophobie?
Bodenhydrophobie bedeutet, dass ein Boden sich gegen das Benetzen sträubt. Wassertropfen bleiben als kleine Perlen auf der Oberfläche liegen, statt einzusickern, manchmal minuten- oder stundenlang. Ursache ist ein feiner Überzug aus wasserabweisenden organischen Stoffen auf den Bodenteilchen, die von Pflanzen, Pilzen und Mikroben stammen. Am stärksten ist die Hydrophobie, wenn der Boden sehr trocken ist, und meist verschwindet sie, nachdem er eine Weile feucht war. Sie kommt weltweit vor, in Wäldern und Grasland ebenso wie in Gärten und Blumentöpfen.
Warum nimmt trockener Boden kein Wasser auf?
Oft, weil er wasserabweisend geworden ist. Bodenteilchen tragen einen Überzug aus wachs- und fettartigen organischen Stoffen. Solange der Boden feucht ist, fällt er kaum ins Gewicht. Trocknet der Boden völlig aus, richten sich die wasserabweisenden Teile dieser Moleküle nach außen, und die Teilchen verhalten sich wie eine gewachste Fläche. Regen fließt dann ab oder rinnt durch wenige Kanäle in die Tiefe und lässt den Großteil des Bodens trocken. Erst wenn der Boden einige Zeit nass bleibt, lässt die Wirkung nach. Deshalb ist ausgetrocknete Blumenerde so schwer wieder zu befeuchten.
Wie macht Feuer den Boden wasserabweisend?
Bei einem Brand verdampfen organische Stoffe aus Streu und Oberboden. Ein Teil des Dampfes zieht nach unten in den kühleren Boden und schlägt sich dort auf den Teilchen nieder, sodass einige Zentimeter unter der Oberfläche eine wasserabweisende Schicht entsteht. Nach der Fachliteratur verstärkt eine mäßige Erhitzung um 175 bis 200 Grad Celsius die Hydrophobie eher, während sehr hohe Temperaturen um 300 Grad und mehr sie zerstören können; die genauen Schwellen schwanken zwischen den Studien. Nach einem Brand kann diese Schicht Abfluss und Erosion stark erhöhen.
Wie prüft man, ob ein Boden wasserabweisend ist?
Mit einem einfachen Versuch, den auch Bodenkundler nutzen: Man setzt einige Wassertropfen auf eine trockene Bodenoberfläche und misst, wie lange sie zum Einsickern brauchen. Verschwindet ein Tropfen binnen etwa fünf Sekunden, gilt der Boden als benetzbar. Dauert es länger, ist er wasserabweisend; hält sich ein Tropfen über eine Minute, spricht man von starker Hydrophobie, über eine Stunde von extremer. Der Versuch sollte an mehreren Stellen und in verschiedenen Tiefen wiederholt werden, denn Hydrophobie tritt oft fleckenweise auf.
Was hilft gegen Bodenhydrophobie?
Am wirksamsten ist, den Boden nicht völlig austrocknen zu lassen. Schatten, lebende Pflanzendecke und eine lockere Mulchschicht bremsen das Austrocknen, sodass die Bodenfeuchte über der Schwelle bleibt, unter der die Hydrophobie einsetzt. Lebende Wurzeln und Bodentiere schaffen Kanäle, durch die Wasser trotzdem eindringt. Erdbauwerke, die Regenwasser am Hang halten, geben ihm mehr Zeit zum Versickern. Bei den ersten Regen nach langer Trockenheit wirkt geduldiges, wiederholtes Befeuchten besser als eine große Wassermenge auf einmal, die größtenteils abfließt.

Verwandte Begriffe






In der Praxis erleben
Quellen
- Stefan Doerr, Richard Shakesby, Rory Walsh, Soil water repellency: its causes, characteristics and hydro-geomorphological significance, Earth-Science Reviews 51 (2000)
- Leonard DeBano, The role of fire and soil heating on water repellency in wildland environments: a review, Journal of Hydrology 231 (2000)
- Stefan Doerr, Andrew Thomas, The role of soil moisture in controlling water repellency: new evidence from forest soils in Portugal, Journal of Hydrology 231 (2000)
- Stefan Doerr, Richard Shakesby, Rory Walsh, Spatial variability of soil hydrophobicity in fire-prone eucalyptus and pine forests, Portugal, Soil Science 163 (1998)
- Stefan Doerr, On standardizing the Water Drop Penetration Time and the Molarity of an Ethanol Droplet techniques to classify soil hydrophobicity, Earth Surface Processes and Landforms 23 (1998)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12
