Kurz gesagt
Horstbildendes tropisches Gras mit tiefen, zugfesten Wurzeln, das als dichte Hecke auf der Höhenlinie Hänge sichert und Erosion bremst.
Was ist Vetivergras?
Vetiver ist ein hohes Gras aus Süd- und Südostasien, das in dichten Horsten bis etwa zwei Meter hoch wird. Botaniker führen es heute als Chrysopogon zizanioides, ältere Literatur als Vetiveria zizanioides. Über Jahrhunderte wurde es wegen seiner Wurzeln angebaut, die ein schweres, erdiges ätherisches Öl für die Parfümerie liefern. In Indien sind Matten und Vorhänge aus Vetiverwurzeln ein altes Handwerk.
Seine Rolle im Bodenschutz ist viel jünger. In den 1980er Jahren griffen Agrarfachleute der Weltbank in Indien einen alten örtlichen Brauch auf, Vetiver entlang der Feldgrenzen zu pflanzen. Daraus entwickelten sie eine einfache Methode, die sie unter dem Titel Vetiver Grass: The Hedge against Erosion verbreiteten. 1993 legte der amerikanische National Research Council eine gründliche Übersicht vor. Das Vetiver-Netzwerk (The Vetiver Network International) sammelte später die Erfahrungen aus vielen Ländern in technischen Handbüchern. Heute wird das „Vetiver-System“ von Australien über Afrika bis Lateinamerika eingesetzt: auf Äckern, an Straßenböschungen, Flussufern und Dammböschungen.
Wie Vetiver einen Hang hält
Wurzeln als Bewehrung
Was Vetiver besonders macht, liegt unter der Erde. Anders als die meisten Gräser, die ein feines Wurzelgeflecht im Oberboden ausbreiten, treibt Vetiver einen dichten Vorhang aus Wurzeln fast senkrecht nach unten. Feldberichte aus Thailand und Australien nennen zwei bis vier Meter Tiefe im ersten Jahr; drei Meter ist der am häufigsten zitierte Wert. Das ist eine Richtgröße, kein Versprechen: In flachgründigem, steinigem Boden oder über Fels wächst keine Wurzel so tief.
Diese Wurzeln sind zudem bemerkenswert zugfest. Hengchaovanich und Nilaweera maßen in Zugversuchen je nach Durchmesser etwa 40 bis 180 Megapascal. Je dünner die Wurzel, desto fester ist sie pro Quadratmillimeter. Für die häufigsten Wurzeln von 0,7 bis 0,8 Millimetern Stärke gaben sie im Mittel rund 75 Megapascal an, was oft als etwa ein Sechstel der Festigkeit von Baustahl beschrieben wird. Andere Forscher kamen mit einem anderen Messverfahren auf etwas höhere Werte.
Für einen Hang heißt das: Die Wurzeln durchziehen die obere Bodenschicht wie Bewehrungsstäbe und verdübeln sie mit den Schichten darunter. Das wirkt vor allem gegen flache Rutschungen, wie sie nach Starkregen eine Terrassenkante oder eine Straßenböschung abreißen. Gegen tiefe Rutschungen mit einer Gleitfläche viele Meter unter der Oberfläche hilft kein Gras.
Die Hecke auf der Höhenlinie
Die zweite Wirkung liegt über der Erde. Vetiver wird nicht als Einzelhorst gepflanzt, sondern als geschlossene Reihe auf der Höhenlinie. Die Stecklinge, jeweils einige von einem Horst abgeteilte Triebe, werden im Abstand von etwa 10 bis 15 Zentimetern gesetzt, oft in doppelter Reihe. Innerhalb von ein bis zwei Wachstumsperioden schließt sich die Reihe zu einer steifen, dichten Hecke.
Läuft Wasser den Hang hinab, hält die Hecke es nicht auf, sie bremst es. Das Wasser staut sich, verteilt sich entlang der Reihe und sickert langsam hindurch; der mitgeführte Boden setzt sich vor der Hecke ab. Mit den Jahren baut sich dort eine Stufe auf, und an einem Hang mit mehreren Reihen entsteht eine Folge lebender Terrassen, ohne dass jemand Erde bewegt hat. Der Höhenabstand zwischen den Reihen hängt von Neigung, Boden und Niederschlag ab; das Vetiver-Netzwerk nennt als üblichen Richtwert etwa zwei Meter Höhenunterschied.
Hier trifft die Methode auf ältere Techniken. Eine Vetiverhecke arbeitet nach demselben Prinzip wie die Terrassierung oder die Linien des Keyline-Designs: Sie zerlegt einen langen Hang in kurze Abschnitte, damit das Wasser nie genug Fahrt aufnimmt, um Boden mitzureißen.
Steriler Klon oder samenbildende Wildform
Keine Frage zu Vetiver ist wichtiger als diese, und sie hat eine klare Antwort. Es gibt zwei Gruppen. Die Wildformen Nordindiens blühen reichlich, bilden keimfähigen Samen und können sich selbst ausbreiten; die belegten Fälle, in denen Vetiver verwilderte, betreffen diese fruchtbaren Typen. Die Kulturformen Südindiens dagegen blühen spät, bilden weitgehend sterilen Pollen und setzen kaum Samen an. Sie werden nur durch Teilung der Horste vermehrt.
Eine DNA-Studie von Adams und Kollegen zeigte 1998, dass fast alles Vetiver, das außerhalb Südasiens zur Erosionsbekämpfung gepflanzt wird, zu einem einzigen Klon gehört, bekannt als Sunshine, aus dieser sterilen Kulturgruppe. Die australische Sorte Monto gehört zum selben Typ. Eine Risikobewertung für die Pazifikinseln stufte diese sterilen Sorten als geringes Risiko ein. „Weitgehend steril“ heißt allerdings nicht vollkommen steril: Indische Versuche berichten, dass südindische Pflanzen unter nordindischen Bedingungen durchaus etwas keimfähigen Samen bildeten.
Auf der EU-Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten steht Vetiver nicht, auch nicht in der seit August 2025 geltenden Fassung. Damit ist die Frage der Liste beantwortet, die praktische nicht. Für jede Pflanzung in Europa zählt die Herkunft des Materials: nur zertifiziert sterile Klone, vegetativ vermehrt, nie Saatgut. Die Studie von 1998 weist zudem auf ein anderes Risiko hin: Weil fast die ganze Welt einen einzigen Klon pflanzt, könnte ein Schädling oder eine Krankheit, die ihn befällt, Hecken überall gleichzeitig treffen.
Frost, Dürre und das sardische Klima
Vetiver ist ein tropisches Gras und wächst in der Wärme. Frost lässt die Blätter absterben, sie färben sich purpurn und vertrocknen, während die Triebknospen im Boden überleben. Nach Angaben des Vetiver-Netzwerks überstanden Pflanzen in Australien Bodenfröste von minus 14 Grad; im US-Bundesstaat Georgia überlebten sie Bodentemperaturen von minus 10 Grad, aber nicht von minus 15. Die Pflanze stirbt, wenn der Boden um ihren Wurzelstock durchfriert. Wurzelwachstum wurde bis hinunter zu 13 Grad beobachtet, sein Stillstand wird bei etwa 5 Grad vermutet.
Solcher Frost ist an Sardiniens Küste und an den unteren Hängen selten. Die eigentliche Frage für eine Mittelmeerinsel liegt woanders. Hier fällt der Regen in der kühlen Jahreshälfte, also genau dann, wenn Vetiver kaum wächst, und die warme Jahreshälfte ist trocken. Eingewachsene Pflanzen vertragen lange Dürre gut, junge Stecklinge aber brauchen Feuchtigkeit zum Anwurzeln; eine Pflanzung bräuchte also im ersten Sommer Wasser. Ob sich eine Hecke unter diesen Bedingungen schnell genug schließt und wie sie sich im Winterregen verhält, wenn die Blätter ruhen, ist für Sa Medada nicht untersucht. Es müsste zuerst in einem kleinen Versuch erprobt werden, bevor man größer denkt.
Wie Terra Humana es sieht
Vetiver steht im TerraWiki, weil es eines der am besten erforschten pflanzlichen Werkzeuge zur Hangsicherung ist und weil es zeigt, wie viel eine einzige lebende Hecke auf der Höhenlinie gegen Erosion leisten kann.
Für Sa Medada wäre es eine Möglichkeit, die zu prüfen ist, mit klaren Bedingungen: nur sterile Klone, zuerst ein kleiner Versuch, und ein ehrlicher Blick darauf, ob ein tropisches Gras zu einem trockenen Mittelmeersommer passt oder ob heimische Sträucher und die Bauweisen der Ingenieurbiologie dieselbe Arbeit mit weniger Aufwand leisten. Dabei gilt, was wir für alle wuchsstarken Pionierpflanzen halten: ihre Kraft gezielt und gesteuert nutzen, nie unkontrolliert laufen lassen.
Häufige Fragen
Was ist Vetivergras?
Vetiver (Chrysopogon zizanioides, früher Vetiveria zizanioides) ist ein hohes, horstbildendes Gras, dessen natürliches Verbreitungsgebiet zwischen Indien und Indochina liegt. Seit Jahrhunderten wird es wegen des duftenden Öls in seinen Wurzeln angebaut. Seine zweite Laufbahn begann in den 1980er Jahren, als die Weltbank es in Indien als günstiges Mittel des Bodenschutzes verbreitete. In dichten Reihen auf der Höhenlinie gepflanzt, wachsen die Horste zu einer steifen lebenden Hecke zusammen, die abfließendes Wasser bremst und Boden zurückhält. Seitdem wird es in vielen tropischen und subtropischen Ländern zur Erosionsbekämpfung und Hangsicherung eingesetzt.
Wie tief wurzelt Vetivergras, und wie fest sind die Wurzeln?
Vetiver bildet eine dichte, überwiegend senkrecht wachsende Wurzelmasse. Berichte des Vetiver-Netzwerks und Versuche in Thailand und Australien beschreiben Wurzeltiefen von etwa zwei bis vier Metern im ersten Jahr, drei Meter sind ein häufig genannter Wert; die tatsächliche Tiefe hängt stark von Boden und Standort ab. Zugversuche von Hengchaovanich und Nilaweera ergaben je nach Wurzeldurchmesser rund 40 bis 180 Megapascal, im Mittel etwa 75 Megapascal für die häufigsten Wurzeln von 0,7 bis 0,8 Millimetern. Das wird oft mit rund einem Sechstel der Festigkeit von Baustahl verglichen.
Ist Vetivergras invasiv?
Das hängt vom Typ ab. Das weltweit zur Erosionsbekämpfung gepflanzte Vetiver ist fast ausschließlich ein einziger Klon namens Sunshine, der zur kultivierten, weitgehend sterilen Gruppe südindischer Herkunft gehört. Diese Pflanzen blühen, bilden aber kaum keimfähigen Samen und werden durch Teilung der Horste vermehrt. Eine Risikobewertung für die Pazifikinseln stufte solche sterilen Sorten als geringes Risiko ein. Die Wildformen Nordindiens dagegen samen reichlich aus, und die belegten Fälle von Verwilderung betreffen sie. Auf der EU-Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten steht Vetiver nicht. Entscheidend ist, nur zertifiziert sterile Klone zu pflanzen.
Wächst Vetivergras im Mittelmeerklima wie auf Sardinien?
Möglicherweise, aber mit klaren Grenzen. Vetiver ist ein tropisches Gras, das in der Wärme wächst und in der Kälte ruht. Leichter Frost lässt die Blätter absterben, die unterirdischen Triebknospen überleben. In Australien überstanden Pflanzen Bodenfröste von minus 14 Grad, in den USA starben sie, als der Boden minus 15 Grad erreichte. Das größere Hindernis auf Sardinien ist der Zeitpunkt: Der Regen fällt in der kühlen Jahreszeit, wenn Vetiver kaum wächst, und die warme Jahreszeit ist trocken. Junge Pflanzen bräuchten im ersten Sommer Wasser. Wie gut eine Hecke unter diesen Bedingungen anwächst, müsste vor Ort erprobt werden.
Wie pflanzt man eine Vetiverhecke?
Vetiver wird nicht als einzelner Horst gepflanzt, sondern als geschlossene Reihe auf der Höhenlinie. Man teilt Horste in Stecklinge mit wenigen Trieben und setzt sie im Abstand von etwa 10 bis 15 Zentimetern, oft in doppelter Reihe, damit sich die Lücken in ein bis zwei Wachstumsperioden schließen. Der Abstand zwischen den Reihen richtet sich nach Neigung und Niederschlag; ein üblicher Richtwert sind etwa zwei Meter Höhenunterschied von Reihe zu Reihe. Ist die Hecke geschlossen, wirkt sie als Filter: Das Wasser wird langsamer, verteilt sich und lässt den mitgeführten Boden fallen. Mit den Jahren baut sich hinter der Hecke eine natürliche Stufe auf, eine Art lebende Terrasse.

Verwandte Begriffe






In der Praxis erleben
Quellen
- National Research Council, Vetiver Grass: A Thin Green Line Against Erosion, National Academy Press (1993)
- Weltbank (J. Greenfield), Vetiver Grass: The Hedge against Erosion, Beratungshandbuch (ab 1987, mehrere Auflagen)
- Hengchaovanich und Nilaweera, An assessment of strength properties of vetiver grass roots in relation to slope stabilization, First International Conference on Vetiver, Thailand (1996)
- Adams, Zhong, Turuspekov, Dafforn und Veldkamp, DNA fingerprints reveal clonal nature of Vetiveria zizanioides, Molecular Ecology 7, S. 813-818 (1998)
- Truong, Tan Van und Pinners, Vetiver System Applications: Technical Reference Manual, The Vetiver Network International (2008)
- Verordnung (EU) 1143/2014 und Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141, Unionsliste in der Fassung der (EU) 2025/1422
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12
