Kurz gesagt
Das Eindringen von Regen in den Boden. Das Tempo hängt von Gefüge, Bedeckung, Vorfeuchte und Neigung ab und entscheidet über Bodenwasser oder Abfluss.
Was ist Versickerung?
Versickerung, fachlich Infiltration, ist der Augenblick, in dem Regen zu Bodenwasser wird. Wasser, das an der Oberfläche ankommt, dringt entweder in den Boden ein oder nicht; was nicht eindringt, sammelt sich in Mulden, verdunstet oder fließt den Hang hinab. Die Versickerung ist damit das Scharnier, um das sich der ganze Wasserhaushalt eines Standorts dreht. Sie entscheidet, ob ein Winterunwetter Boden und Quellen auffüllt oder als schlammige Flut davonzieht.
Bodenphysiker messen sie als Rate, meist in Millimetern pro Stunde. Zu Beginn eines Regens nimmt ein trockener, offener Boden Wasser schnell auf, weil seine Poren leer sind und Wasser ansaugen. Mit dem Füllen der Poren sinkt die Rate, bis sie sich bei einem recht gleichbleibenden Wert einpendelt, der Endinfiltrationsrate. Ein Schulungshandbuch der FAO nennt als Richtwerte etwa 10 bis 20 Millimeter pro Stunde für Lehm und 1 bis 5 Millimeter pro Stunde für Ton; sandige Böden sind deutlich schneller. Das sind Vergleichswerte, keine für immer feste Eigenschaft: Derselbe Lehm kann je nach Gefüge ein Vielfaches mehr oder ein Vielfaches weniger aufnehmen.
Wann Regen zu Abfluss wird
Der amerikanische Hydrologe Robert Horton beschrieb in den 1930er Jahren, was geschieht, wenn Regen schneller fällt, als der Boden ihn aufnehmen kann: Der Überschuss fließt oberflächlich ab. Dieser Abfluss aus Infiltrationsüberschuss ist typisch für Trockengebiete, verkrustete Böden und kurze, heftige Unwetter. Eine zweite Art entsteht, wenn der Boden bereits voll ist: Dann fließt auch sanfter Regen ab, weil kein Platz mehr ist. An Mittelmeerhängen überwiegt die erste Art. Der Regen kommt oft in heftigen Schüben, und er trifft auf Boden, der monatelang trocken und hart war.
Jeder Millimeter, der abfließt, geht doppelt verloren. Er fehlt im Boden, wenn der Sommer kommt, und unterwegs nimmt er Fahrt auf und reißt Boden mit. Bessere Versickerung ist deshalb der unmittelbarste Erosionsschutz und eine der günstigsten Arten, Wasser zu speichern.
Was hilft und was bremst
Wasser gelangt durch die Poren in den Boden, vor allem durch die großen, durchgehenden: Regenwurmgänge, alte Wurzelkanäle, Spalten zwischen den Bodenkrümeln. Alles, was diese Wege offen hält, fördert die Versickerung, und alles, was sie verschließt, bremst sie.
Das häufigste Hindernis entsteht an der Oberfläche. Regentropfen, die auf nackten Boden schlagen, zerlegen seine Krümel, und die feinen Teilchen werden in die Poren geschwemmt und verstopfen sie. Trocknet die Oberfläche ab, bildet sich eine Kruste, die die Versickerung drastisch senken kann. Verdichtung durch Maschinen, Fahrzeuge oder Tritt presst die größeren Poren unter der Oberfläche zusammen. Ein drittes Hindernis wiegt im Mittelmeerraum besonders schwer: Nach langer Dürre werden viele Böden wasserabweisend, weil angetrocknete organische Überzüge auf den Teilchen das Wasser abperlen lassen, statt es aufzunehmen.
Die Abhilfe ergibt sich daraus. Pflanzendecke und Mulch schützen die Oberfläche vor dem Tropfenschlag. Wurzeln und Bodenleben, genährt von organischer Substanz und Humus, bauen ein stabiles Krümelgefüge mit durchgehenden Gängen auf. Wer Verdichtung vermeidet, bewahrt, was da ist. Und am Hang hilft die Form des Geländes: Terrassen, Swales und Pflanzungen auf der Höhenlinie halten das Wasser lange genug fest, damit auch ein langsamer Boden es aufnimmt. Das ist das gemeinsame Prinzip hinter der Regenwassernutzung und dem Keyline-Design.
Versickerung messen
Versickerung lässt sich ohne Labor messen. Der Bodenqualitäts-Leitfaden des US-Landwirtschaftsministeriums beschreibt einen einfachen Ringtest: Ein Metallring von 15 Zentimetern Durchmesser wird einige Zentimeter tief in den Boden getrieben, dann werden 444 Milliliter Wasser eingefüllt, das entspricht 2,5 Zentimetern Regen. Gemessen wird die Zeit, bis kein Wasser mehr im Ring steht und die Oberfläche nur noch feucht glänzt. Auf trockenem Boden feuchtet der erste Guss oft nur an, deshalb liefert ein zweiter Guss den aussagekräftigeren Wert.
Fachleute arbeiten mit Doppelring-Infiltrometern, bei denen ein äußerer Ring verhindert, dass sich das Wasser im inneren Ring seitlich verteilt, oder mit Tensionsinfiltrometern, die den Fluss durch die Bodenmatrix unter kontrollierten Bedingungen messen. Für die praktische Arbeit auf einem Stück Land zählt weniger die absolute Genauigkeit als der Vergleich: unter alten Olivenbäumen und auf dem nackten Weg, in einer feuchten Rinne und auf der trockenen Hauptfläche, vor und nach einigen Jahren Bodenbedeckung. Wiederholt an denselben Stellen gemessen, zeigt der einfache Ring, ob der Boden wieder trinken lernt.
Wie Terra Humana sie versteht
Auf trockenem Land ist das Problem oft nicht, dass zu wenig Regen fällt, sondern dass zu wenig davon in den Boden gelangt. Entschieden wird das bei der Versickerung, in den ersten Zentimetern des Bodens. Deshalb schauen wir zuerst auf die Oberfläche und erst dann auf den Wassertank. Ein Boden, der schnell trinkt, braucht später weniger Leitungen, und jede Verbesserung seines Gefüges und seiner Bedeckung macht den Regen des nächsten Winters mehr wert.
Sa Medada
So sieht das bei uns aus
Auf Sa Medada dauert die Trockenzeit von Mai bis September, der Regen der kühlen Jahreszeit fällt also auf Boden, der monatelang trocken lag. Die LiDAR-Feuchtekarte zeigt eine vergleichsweise trockene Hauptfläche und feuchtere Rinnen an den Rändern. Swales sind geplant, noch nicht gebaut. Projekt Eden beginnt mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserhalten, damit mehr vom Winterregen in den Boden geht, statt abzufließen.
Mehr über Projekt EdenHäufige Fragen
Was ist Versickerung (Infiltration)?
Versickerung, fachlich Infiltration, ist der Vorgang, bei dem Wasser an der Oberfläche in den Boden eindringt. Gemessen wird sie als Infiltrationsrate, meist in Millimetern pro Stunde. Zu Beginn eines Regens nimmt ein trockener, offener Boden Wasser schnell auf; mit dem Füllen der Poren sinkt die Rate, bis sie sich bei einem recht gleichbleibenden Wert einpendelt, der Endinfiltrationsrate. Was schneller fällt, als der Boden aufnehmen kann, sammelt sich in Mulden oder fließt oberflächlich ab. Die Versickerung entscheidet also, wie viel Regen zu Boden- und Grundwasser wird und wie viel zu Abfluss und Erosion.
Wie schnell versickert Wasser im Boden?
Das hängt vor allem vom Boden ab. Ein Schulungshandbuch der FAO nennt als Richtwerte für die Endinfiltrationsrate etwa 10 bis 20 Millimeter pro Stunde für Lehm und 1 bis 5 Millimeter pro Stunde für Ton, während sandige Böden Wasser deutlich schneller aufnehmen. Das Bodengefüge kann diese Werte stark in beide Richtungen verschieben: Ein krümeliger Lehm voller Regenwurmgänge nimmt weit mehr auf als der Richtwert, ein verdichteter oder verkrusteter weit weniger. Ein mediterraner Wolkenbruch bringt leicht mehr Wasser pro Stunde, als ein verkrusteter Ton aufnehmen kann.
Wie misst man die Versickerung im Gelände?
Am einfachsten mit dem Ringtest aus dem Bodenqualitäts-Leitfaden des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA). Ein Metallring von 15 Zentimetern Durchmesser wird einige Zentimeter tief in den Boden getrieben, dann werden 444 Milliliter Wasser eingefüllt, das entspricht 2,5 Zentimetern Regen. Gemessen wird die Zeit, bis das Wasser von der Oberfläche verschwunden ist. Weil der erste Guss trockenen Boden oft nur anfeuchtet, liefert ein zweiter Guss den aussagekräftigeren Wert. Fachleute arbeiten mit Doppelring- oder Tensionsinfiltrometern. Um Stellen auf demselben Land zu vergleichen, reicht der einfache Ring völlig.
Was verbessert die Versickerung?
Alles, was die Oberfläche offen und die Poren verbunden hält. Pflanzendecke und Mulch fangen die Wucht der Regentropfen ab und verhindern, dass die Oberfläche zu einer Kruste verschlämmt. Wurzeln und Bodentiere, vor allem Regenwürmer, schaffen durchgehende Gänge, durch die Wasser tief in den Boden gelangt. Humus und ein stabiles Krümelgefüge halten den Porenraum offen. Wer Verdichtung durch Fahrzeuge und Tritt vermeidet, bewahrt ihn. Am Hang helfen Terrassen, Swales und Pflanzungen auf der Höhenlinie, weil sie das Wasser lange genug festhalten, damit es einsickern kann.
Warum stößt trockener Boden manchmal Wasser ab?
Weil viele Böden wasserabweisend werden, wenn sie völlig austrocknen. Organische Verbindungen aus Pflanzenresten, Wurzeln und Pilzen überziehen die Bodenteilchen und wirken im trockenen Zustand wie eine dünne Wachsschicht. Der erste Regen perlt dann an der Oberfläche ab und fließt weg, statt einzusickern, obwohl der Boden darunter durstig ist. Die Erscheinung ist unter mediterranen Sträuchern und Kiefern, nach langer Trockenheit und nach Bränden verbreitet. Meist lässt sie nach, wenn der Boden eine Weile feucht war; deshalb sind die ersten Herbstregen die kritischsten.

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Quellen
- FAO (Brouwer u. a.), Irrigation Water Management Training Manual No. 5: Irrigation Methods, Anhang 2, Infiltration rate and infiltration test (1988)
- USDA ARS und NRCS, Soil Quality Test Kit Guide (1999)
- D. Hillel, Introduction to Environmental Soil Physics, Elsevier Academic Press (2004)
- R. E. Horton, The role of infiltration in the hydrologic cycle, Transactions of the American Geophysical Union 14 (1933)
- Doerr, Shakesby und Walsh, Soil water repellency: its causes, characteristics and hydro-geomorphological significance, Earth-Science Reviews 51, S. 33-65 (2000)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12
