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Wasser und Hang

Wasserretentionslandschaft

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-126 Min. Lesezeit

Tal mit einer Kette kleiner Seen, deutlich grüner als die trockenen Hügel ringsum

Kurz gesagt

Eine Landschaft, so gestaltet, dass Regen im Gebiet bleibt: Teiche, Swales, Terrassen, Pflanzendecke und Bodenpflege halten ihn zurück; geprägt von Sepp Holzer.

Was ist eine Wasserretentionslandschaft?

Eine Wasserretentionslandschaft ist kein einzelnes Bauwerk, sondern eine Art, ein ganzes Gebiet so zu gestalten, dass der darauf fallende Regen dort bleibt. Statt Wasser möglichst schnell abzuleiten, wie es ein großer Teil der modernen Landnutzung tut, wird es gebremst, verteilt und zum Einsickern gebracht. Die Werkzeuge sind bekannt: Teiche und Seen ohne künstliche Abdichtung, Swales und Gräben entlang der Höhenlinien, Terrassen, dauerhafte Pflanzendecke, Bäume und sorgfältige Bodenpflege. Neu ist die Verbindung. Die einzelnen Elemente werden zu einem System verknüpft, in dem das Wasser von einem zum nächsten wandert und schließlich in Boden und Grundwasser gelangt.

Dahinter steht der Gedanke des kleinen Wasserkreislaufs. Wenn Regen in einer Landschaft versickert, statt abzufließen, nährt er Boden, Pflanzen und Quellen, verdunstet vor Ort, kühlt die Luft und kann als Tau oder Regen zurückkehren. Wo das Land nackt und versiegelt ist, bricht dieser Kreislauf zusammen. Befürworter sehen in Wasserretentionslandschaften einen Weg, ihn von unten wieder zu schließen, Fläche für Fläche.

Regen, der im Land bleibtLehrtafel zur Wasserretentionslandschaft: Regen, der im Land bleibt. Viele bekannte Elemente werden zu einem System verknüpft: Pflanzendecke, Swales, Terrassen und Teiche ohne Abdichtung. Statt das Wasser abzuleiten, wird es gebremst, verteilt und zum Versickern gebracht; es wandert von einem Element zum nächsten und dann in Boden und Grundwasser, und weiter unten kann eine Quelle fließen. Im kleinen Wasserkreislauf verdunstet das Wasser vor Ort und kann als Tau oder Regen zurückkehren. Tamera im Alentejo in Portugal, mit etwa 600 Millimetern Regen im Jahr, gebaut 2006 bis 2015: 154 Hektar Gesamtfläche, 29 Seen und Retentionsräume, die Gewässerfläche wuchs von 0,62 auf etwa 8,3 Hektar. Berichtet werden eine neue Quelle im ersten Jahr und Trinkwasser aus eigenen Brunnen seit 2011. Die Ergebnisse stammen vom Projekt selbst, und 2023 war der erste See nur noch halb voll. Drei Einwände: Offenes Wasser verliert im heißen Sommer viel durch Verdunstung, unabhängige Langzeitmessungen sind selten, und oben gehaltenes Wasser kann unten fehlen. Terra Humana fängt beim Boden an: Pflanzendecke, Humus, Swales auf der Höhenlinie, erst danach ein Teich. TERRAWIKI · LEHRTAFEL Regen, der im Land bleibt Viele bekannte Elemente, zu einem System verknüpft. 1HALTEN STATT ABLEITEN Pflanzendecke Swale Terrasse Teich ohneAbdichtung Quelle Boden und Grundwasser kleiner Wasserkreislauf Gebremst, verteilt, versickert: Das Wasser wandert voneinem Element zum nächsten und dann in den Boden. 2TAMERA IM ALENTEJO, PORTUGAL etwa 600 mm Regen im Jahr · gebaut 2006 bis 2015 154 haGesamtfläche29Seen undRetentionsräume0,62 → 8,3 haGewässerfläche Berichtet: eine neue Quelle im ersten Jahr,Trinkwasser aus eigenen Brunnen seit 2011. Die Ergebnisse stammen vom Projekt selbst. 2023 warder erste See nur noch halb voll. 3DREI EINWÄNDE Verdunstung offenes Wasserverliert im heißenSommer viel Belege unabhängigeLangzeitmessungensind selten Nachbarn oben gehaltenesWasser kann untenfehlen Terra Humana fängt beim Boden an: Pflanzendecke, Humus,Swales auf der Höhenlinie. Erst danach ein Teich. Grundlage: EUA, Climate-ADAPT, Fallstudie Tamera · TerraWiki: Wasserretentionslandschaft

Sepp Holzer und Tamera

Der Ansatz ist eng mit Sepp Holzer verbunden. Auf dem Krameterhof, dem Bergbauernhof seiner Familie im Salzburger Lungau, der an den Hängen des Schwarzenbergs auf etwa 1.100 bis 1.500 Metern liegt, legte er über Jahrzehnte Terrassen, Teiche und Mischpflanzungen an, in einem Klima, das für die Landwirtschaft alles andere als günstig ist. Seine Bücher, darunter Sepp Holzers Permakultur von 2004, und seine Arbeit als Berater haben den Ansatz in viele Länder getragen. Holzer selbst ist eine umstrittene Gestalt: als Praktiker bewundert und als „Agrar-Rebell“ bekannt, der wegen seiner Methoden wiederholt mit Behörden in Konflikt geriet.

Das am besten dokumentierte Beispiel in Südeuropa ist Tamera, eine Gemeinschaft im Alentejo im Süden Portugals, einer Region mit etwa 600 Millimetern Regen im Jahr und wiederkehrenden Dürren. Nach der Fallstudie auf der Plattform Climate-ADAPT der Europäischen Umweltagentur wurde die Wasserretentionslandschaft dort zwischen 2006 und 2015 geplant und gebaut. Auf 154 Hektar wurden 29 Seen und Retentionsräume angelegt, die Gewässerfläche wuchs von 0,62 auf etwa 8,3 Hektar. Das Projekt berichtet von einer neuen Quelle, die schon im ersten Jahr entstand, von eigenem Trinkwasser aus landschaftsgespeisten Brunnen seit 2011 und einer Verdoppelung des Übergangswaldes. Die Investition für eine solche Landschaft setzt die Fallstudie in der Größenordnung einer halben Million Euro an. Die Fallstudie benennt ihre Grenzen offen: Eine Kosten-Nutzen-Rechnung für 2015 bis 2050 fiel negativ aus, und mehrere Nutzen ließen sich nicht beziffern. Ihre Zahlen beruhen weitgehend auf Unterlagen Tameras. Der erste See, 2007 gebaut, ging nach Angaben Tameras auf einen Vorschlag Sepp Holzers zurück.

Kritische Stimmen

Der Ansatz hat begeisterte Anhänger und begründete Kritiker, und beide verdienen Gehör. Der häufigste Einwand betrifft die Verdunstung: In einem heißen, windigen Sommer verliert offenes Wasser viel, und im Trockengebiet muss sich jeder Quadratmeter Wasserfläche rechtfertigen. Ein zweiter betrifft die Belege: Unabhängige, langfristige hydrologische Messungen, die die Wirkung der Retentionslandschaft von Niederschlagsschwankungen trennen, sind selten. Ein dritter betrifft die Nachbarn: Oben zurückgehaltenes Wasser kann unten fehlen.

Ein Beitrag in der Berliner Zeitung vom Oktober 2023, in wohlwollendem Ton geschrieben, machte die Grenzen in Tamera selbst sichtbar: Der erste See war nur noch halb voll und schrumpfte seit etwa fünf Jahren mit dem nachlassenden Regen. Zugleich senkt die intensive Landwirtschaft der Region mit Eukalyptus-Monokulturen und Beerenanbau, der Grundwasser aus großer Tiefe nutzt, den Grundwasserspiegel, was ein einzelnes Projekt nicht ausgleichen kann. Eine Wasserretentionslandschaft kann den Wasserhaushalt ihres eigenen Gebiets verbessern; die Wasserpolitik einer Region ersetzt sie nicht.

So versteht Terra Humana die Wasserretentionslandschaft

Terra Humana teilt den Kern des Gedankens: Wasser gehört ins Land, nicht in die Rinne. An einem trockenen Mittelmeerhang ist das Halten des Winterregens die erste Bedingung für alles Weitere, und in diesem Sinn ist jede Swale, jede Terrasse und jedes Stück Bodenbedeckung Teil einer Wasserretentionslandschaft.

Vorsichtiger sind wir bei der großen offenen Wasserfläche. Fünf trockene Monate, steile Hänge und die Sicherheit von Dämmen sprechen dafür, beim Boden anzufangen: Pflanzendecke, Humus, Regenwassernutzung entlang der Höhenlinien, und erst danach, wo Lage und Wasserhaushalt es zulassen, ein Teich. Wir sehen die Wasserretentionslandschaft nicht als Vorlage zum Kopieren, sondern als Richtung, die sich auf jedem Standort durch ehrliche Beobachtung bewähren muss.

Das Tal von Sa Medada bei Jerzu, Sardinien, mit Olivenhain und Macchie

Sa Medada

So sieht das bei uns aus

Die LiDAR-Feuchtekarte von Sa Medada zeigt eine vergleichsweise trockene Hauptfläche mit feuchteren Rinnen an den Rändern. Wasserhalten ist einer der drei Anfänge von Projekt Eden, zusammen mit Pionierpflanzen und Bodenbedeckung. Swales sind geplant, gebaut ist noch keine. Der erste Schritt ist, den Winterregen im Boden des Hangs zu halten, bevor an offenes Wasser überhaupt zu denken ist.

Mehr über Projekt Eden

Häufige Fragen

Was ist eine Wasserretentionslandschaft?

Eine Wasserretentionslandschaft ist ein Gebiet, das bewusst so gestaltet wird, dass der darauf fallende Regen dort bleibt, statt abzufließen. Teiche und Seen ohne künstliche Abdichtung, Swales entlang der Höhenlinien, Terrassen, dauerhafte Pflanzendecke und sorgfältige Bodenpflege wirken zusammen: Das Wasser wird gebremst, verteilt und kann in Boden und Grundwasser einsickern. Ziel ist, den kleinen Wasserkreislauf einer Landschaft wieder in Gang zu bringen, sodass Quellen wieder fließen und das Land länger in die Trockenzeit hinein grün bleibt.

Wer hat die Wasserretentionslandschaft entwickelt?

Der Ansatz ist eng mit dem österreichischen Landwirt Sepp Holzer verbunden. Auf dem Krameterhof, seinem Bergbauernhof im Salzburger Lungau auf etwa 1.100 bis 1.500 Metern Höhe, legte er über Jahrzehnte Terrassen, Teiche und Mischpflanzungen an und beriet später Projekte in vielen Ländern. Das bekannteste Beispiel in Südeuropa ist Tamera im portugiesischen Alentejo, wo seit 2007 ein System aus Seen und Retentionsräumen entstanden ist, beginnend mit einem ersten See, den Holzer vorgeschlagen hatte.

Was hat Tamera erreicht?

Nach der Fallstudie auf der Plattform Climate-ADAPT der Europäischen Umweltagentur schuf Tamera zwischen 2006 und 2015 auf 154 Hektar 29 Seen und Retentionsräume und vergrößerte die Fläche der Gewässer von 0,62 auf etwa 8,3 Hektar. Das Projekt berichtet von einer neuen Quelle im ersten Jahr, eigenem Trinkwasser aus Brunnen seit 2011 und einer Verdoppelung des Übergangswaldes. Die Investition für eine solche Landschaft setzt die Fallstudie in der Größenordnung einer halben Million Euro an. Diese Ergebnisse stammen vom Projekt selbst; eine unabhängige Langzeitmessung legt die Fallstudie nicht vor.

Was sagen Kritiker zu Wasserretentionslandschaften?

Die wichtigsten Einwände betreffen die Verdunstung offener Wasserflächen im heißen Sommer, das Fehlen unabhängiger hydrologischer Langzeitdaten und die Frage, ob oben zurückgehaltenes Wasser unten anderen fehlt. Ein insgesamt wohlwollender Beitrag in der Berliner Zeitung von 2023 berichtete, dass Tameras erster See nur noch halb voll war und seit etwa fünf Jahren mit dem nachlassenden Regen schrumpfte und dass die intensive Landwirtschaft der Region das Grundwasser absenkt. Das kann ein einzelnes Projekt nicht ausgleichen.

Passt eine Wasserretentionslandschaft nach Sardinien?

Das Prinzip ja: Den Winterregen im Hang zu halten ist die Kernaufgabe auf jedem trockenen Mittelmeerstandort. Das vollständige Modell mit großen offenen Wasserflächen verlangt eine sorgfältige Abwägung. Die Verdunstung in fünf trockenen Monaten und die Sicherheit von Dämmen sprechen dafür, beim Boden anzufangen: Pflanzendecke, Humus, Swales und Höhenlinienarbeit halten Wasser dort, wo es fällt. Teiche können folgen, wo Lage und Wasserhaushalt es erlauben.

Halbmondförmige Erdmulden mit jungen Pflanzen an einem kahlen HangNächster in dieser ThemenweltWiederbegrünung (Regreening)Lebendige Vegetation und Fruchtbarkeit auf ausgetrocknetes Land zurückbringen und den Weg zur Wüste umkehren, englisch Regreening.

Verwandte Begriffe

Erwähnt auf

In der Praxis erleben

Quellen

  • Europäische Umweltagentur, Climate-ADAPT-Fallstudie: Tamera water retention landscape to restore the water cycle and reduce vulnerability to droughts
  • Gratias, E., Das fehlende Element: Mit Wasserretention gegen die Klima-Katastrophe, Berliner Zeitung, Open-Source-Beitrag (26. Oktober 2023)
  • Holzer, S., Sepp Holzers Permakultur, Leopold Stocker Verlag (2004)
  • Krameterhof, Holzer'sche Permakultur, krameterhof.at (abgerufen 2026)
  • Mollison, B., Permaculture: A Designers' Manual, Tagari Publications (1988)
  • Tamera, Projektseite Monte do Cerro auf explorer.land, Beitrag zum ersten Wasserretentionsraum (2007)

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12