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Wasser und Hang

Halbmond (Demi-lune)

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-127 Min. Lesezeit

Luftbild einer fast ebenen, trockenen Weidefläche mit vielen Halbmonden in versetzten Reihen, jeder mit etwas Grün im Inneren

Kurz gesagt

Ein halbkreisförmiger, hangaufwärts offener Erdwall, der Abfluss in seinem Bogen sammelt und in eine Pflanzzone versickern lässt; eine Methode aus dem Sahel.

Was ist ein Halbmond?

Ein Halbmond ist ein halbkreisförmiger Erdwall, quer auf einen flachen Hang gelegt, sodass seine beiden Enden auf derselben Höhenlinie liegen und die offene Seite hangaufwärts zeigt. Regen, der den Hang hinabläuft, fließt in den Bogen, staut sich am Wall und versickert. Im Inneren wird eine Pflanzzone vorbereitet, oft mit Kompost oder Mist, für eine Feldfrucht, einen Strauch oder einen Baum. Im französischsprachigen Afrika heißt die Form demi-lune, und auch viele deutsche Fachtexte übernehmen das französische Wort.

Der Halbmond gehört zur Familie der Gießmulden, der Mikroeinzugsgebiete: Eine Pflanze lebt nicht vom Regen ihrer eigenen Standfläche, sondern vom Abfluss einer größeren. Gegenüber den rautenförmigen Negarim-Feldern aus dem Negev hat der Halbmond an offenen Hängen einen Vorteil. Weil sein Bogen Wasser auf breiter Front auffängt, arbeitet er auch dort, wo der Abfluss nicht in sauberen Rinnen ankommt. In versetzten Reihen angelegt, fangen die Halbmonde der zweiten Reihe auf, was aus der ersten überläuft.

Das FAO-Handbuch zur Wasserernte von Will Critchley und Klaus Siegert beschreibt halbkreisförmige Wälle für Gebiete mit etwa 200 bis 750 Millimetern Jahresniederschlag und für Hangneigungen unter zwei Prozent, mit angepasster Bauweise bis fünf Prozent. Seine Beispiele mit Radien von 6 und 20 Metern sind vor allem für Weideland und Futtergras gedacht; für Bäume und Feldfrüchte empfiehlt es kleinere Bögen mit 2 bis 3 Metern Radius. Von dieser kleinen Art sind die Halbmonde, die Bauern in Burkina Faso und Niger von Hand auf ihren Feldern graben, wenige Meter breit.

Der Bogen bringt das Wasser,,der Kompost macht es nutzbarLehrtafel zum Halbmond, der Demi-lune, einer Methode aus dem Sahel: Der Bogen bringt das Wasser, der Kompost macht es nutzbar. Von oben: ein halbkreisförmiger Erdwall auf flachem Hang, beide Enden auf derselben Höhenlinie, die offene Seite hangaufwärts. Regen fließt den Hang hinab in den Bogen. In versetzten Reihen fängt die zweite Reihe auf, was aus der ersten überläuft. Der Bogen fängt Wasser auf breiter Front, auch dort, wo der Abfluss nicht in Rinnen ankommt. Im Schnitt: Das Wasser staut sich am Wall und versickert in die Pflanzzone, die mit Kompost oder Mist vorbereitet ist. Sorghum in Burkina Faso: plus 100 bis 300 Prozent gegenüber unbehandelten Flächen. Die Spanne hängt von Kompost oder Mist und vom Regen des Jahres ab; ohne organische Substanz ist die Wirkung deutlich kleiner. Am Mittelmeer füllt der Winterregen den Boden für Bäume und Sträucher vor der Trockenzeit. Auf steilem Hang braucht es kleine, dichte Bögen oder eine andere Form, und wo alte Terrassen stehen, fügt der Halbmond wenig hinzu. TERRAWIKI · LEHRTAFEL Der Bogen bringt das Wasser,der Kompost macht es nutzbar Halbmond oder Demi-lune: eine Methode aus dem Sahel. 1VON OBEN: OFFEN ZUM HANG Höhenlinie Enden aufder Höhenlinie zweite Reihefängt, wasüberläuft hangaufwärts Der Bogen fängt Wasser auf breiter Front, auch dort,wo der Abfluss nicht in Rinnen ankommt. 2IM SCHNITT Wall Kompost oder Mist Wasser staut sich Pflanzzone hangaufwärts SORGHUM IN BURKINA FASO plus 100 bis 300 % gegenüber unbehandelten Flächen Die Spanne hängt von Kompost oder Mist und vom Regen desJahres ab. Ohne organische Substanz ist die Wirkung deutlich kleiner. 3AM MITTELMEER Winterregen füllt den Bodenfür Bäume undSträucher vorder Trockenzeit Neigung auf steilem Hangkleine, dichteBögen, oder eineandere Form Terrassen wo alte Terrassenstehen, fügt derHalbmond wenighinzu Grundlage: Critchley und Siegert, FAO (1991); Sawadogo (2017) · TerraWiki: Halbmond

Aus dem Sahel: Herkunft und Ergebnisse

Anders als die Zaï-Pflanzgrube ist der Halbmond keine alte bäuerliche Technik. Das FAO-Handbuch vermerkt ausdrücklich, dass er traditionell nicht verwendet wurde. Nach der Darstellung von Chris Reij, Gray Tappan und Melinda Smale erprobte ein von Oxfam finanziertes Agroforstprojekt Halbmonde in den 1980er-Jahren in der Region Yatenga in Burkina Faso, wo sie sich zunächst nicht durchsetzten. Erst im Jahrzehnt vor Erscheinen der Studie 2009, als ein Projekt des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung sie förderte, verbreiteten sie sich stärker, und Bauern nutzten sie, so die Autoren, zunehmend.

Die Ertragswirkung ist gut belegt und zugleich lehrreich. Hamado Sawadogo, ein Agrarforscher aus Burkina Faso, der zur Wasserernte arbeitet, berichtete 2017 auf einem FAO-Workshop von Ertragssteigerungen bei Sorghum um 100 bis 300 Prozent gegenüber unbehandelten Flächen. Die Spanne selbst ist die Lehre: Wo Kompost oder Mist in den Halbmond kommt und das Jahr nicht zu trocken ist, fällt die Wirkung groß aus; ohne organische Substanz bleibt sie deutlich kleiner. Auf erschöpftem Boden wird Wasser erst zu Ertrag, wenn etwas im Boden ist, das es nutzen kann. Die Hürden, die derselbe Vortrag nennt, kennt man von allen handgebauten Erdwerken: viel Arbeit, zu wenig Mist und der Bedarf an einfachen Geräten, um die Höhenlinie zu finden.

Was davon ans Mittelmeer passt

Die Physik passt, der Kalender nicht. Im Sahel dient der Halbmond Hirse und Sorghum in der sommerlichen Regenzeit. Am Mittelmeer kommt der Regen im Herbst und Winter, und die Kultur, die profitieren soll, ist selten ein einjähriges Getreide. Hier ist der Halbmond vor allem für Bäume und Sträucher in ihren ersten Jahren sinnvoll: Er füllt im Winter den Boden auf, damit die Wurzeln zu Beginn der Trockenzeit einen Vorrat finden.

Drei Grenzen gehören ehrlich benannt. Erstens die Neigung: Die Bemessungsgrenzen der FAO von wenigen Prozent sind an mediterranen Hängen schnell überschritten, und auf steilem Gelände müssen die Bögen klein und dicht werden, oder eine andere Form passt besser. Zweitens die Terrassen: Wo alte Terrassen bestehen, halten sie auf jeder Stufe bereits Wasser, und ein Halbmond fügt wenig hinzu. Drittens die organische Substanz: Die Ergebnisse aus dem Sahel zeigen, dass die Wasserwirkung ohne Kompost bescheiden bleibt, und das gilt auf armen Mittelmeerböden genauso. Spanische Renaturierungsforschung, etwa die Arbeiten von Andrés Martínez de Azagra und Kollegen zu kleinen Sammelmulden bei Aufforstungen in Spanien, zeigt, wie sich solche Formen für trockene Hänge in Europa bemessen und anpassen lassen.

So versteht Terra Humana den Halbmond

Für Terra Humana ist der Halbmond weniger ein Vorbild zum Kopieren als ein Beispiel dafür, wie Bauern in einer der trockensten Ackerbauregionen der Welt verödetes Land wieder zu Feldern gemacht haben: mit ihren Händen, mit dem Spaten und mit dem, was Land und Tiere hergaben. Das liegt nah an unserem eigenen Weg auf Sardinien, wo Regenwassernutzung und der Schutz des Bodens vor jeder Pflanzung stehen.

In der Praxis ist der Halbmond ein Werkzeug für bestimmte Orte: ein Hangstück ohne Terrassen, ein einzelner Baum an einer exponierten Stelle, ein Rinnenrand, an dem Wasser gebremst werden soll, bevor es sich sammelt. Am besten wirkt er zusammen mit Mulch im Bogen, der das gesammelte Wasser vor der Verdunstung schützt, und mit Pflanzen auf dem Wall, die ihn festhalten.

Das Tal von Sa Medada bei Jerzu, Sardinien, mit Olivenhain und Macchie

Sa Medada

So sieht das bei uns aus

Auf Sa Medada gibt es alte Terrassen, und wo sie noch stehen, hält die Stufe selbst das Wasser: Dort hat ein Halbmond wenig hinzuzufügen. Swales sind geplant, aber noch nicht gebaut. Projekt Eden beginnt mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserhalten, und der Halbmond gehört zum Werkzeug für das Letzte davon, für Stellen, an denen ein einzelner Strauch oder Jungbaum sein eigenes Wasser braucht.

Mehr über Projekt Eden

Häufige Fragen

Was ist ein Halbmond in der Wasserernte?

Ein Halbmond, im französischsprachigen Afrika Demi-lune genannt, ist ein halbkreisförmiger Erdwall, manchmal mit Steinen verstärkt, der so auf einen flachen Hang gelegt wird, dass seine beiden Enden auf der Höhenlinie liegen und die offene Seite hangaufwärts zeigt. Regen, der den Hang hinabläuft, sammelt sich im Bogen, staut sich dort und versickert. Im Inneren wird eine Feldfrucht, ein Strauch oder ein Baum gepflanzt. Der Halbmond ist eine Form der Gießmulde, bei der eine Pflanze vom Abfluss einer größeren Fläche lebt.

Woher kommt der Halbmond?

Halbmonde sind eine Methode des Sahel, vor allem Burkina Fasos und Nigers. Anders als die Zaï-Pflanzgrube, die aus alten Pflanzgruben hervorging, sind sie keine überlieferte Technik: Das FAO-Handbuch zur Wasserernte vermerkt, dass sie traditionell nie verwendet wurden. Nach Chris Reij und Kollegen erprobte ein Agroforstprojekt in der Region Yatenga in Burkina Faso sie in den 1980er-Jahren, zunächst ohne großen Anklang. Erst als ein vom Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung finanziertes Projekt sie im Jahrzehnt vor Erscheinen der Studie 2009 förderte, griffen Bauern sie in größerem Umfang auf.

Steigern Halbmonde wirklich den Ertrag?

Im Sahel ja, und vor allem zusammen mit organischer Substanz. Hamado Sawadogo berichtete 2017 auf einem FAO-Workshop aus Burkina Faso von Ertragssteigerungen bei Sorghum um 100 bis 300 Prozent gegenüber unbehandelten Flächen, je nachdem, ob Kompost oder Mist eingebracht wurde und wie viel es in dem Jahr regnete. Wasser allein reicht auf erschöpften Böden nicht. Der Halbmond bringt das Wasser zur Pflanze, der Kompost macht es nutzbar. Die größten Hürden sind die Grabarbeit und der Mangel an Mist.

Wie groß ist ein Halbmond?

Die Größe hängt von Niederschlag, Hangneigung und Zweck ab. Das FAO-Handbuch von Critchley und Siegert beschreibt halbkreisförmige Wälle für Niederschläge von etwa 200 bis 750 Millimetern und Hangneigungen unter zwei Prozent, mit angepasster Bauweise bis fünf Prozent. Seine beiden Bauvorschläge mit Radien von 6 und 20 Metern sind vor allem für Weideland und Futterbau gedacht; für Bäume und Feldfrüchte empfiehlt es kleinere Bögen mit 2 bis 3 Metern Radius. Von dieser kleinen Art sind die von Hand gegrabenen Halbmonde auf Sahelfeldern, wenige Meter breit. Steileres Gelände verlangt kleinere, enger gesetzte Bögen, versetzt angeordnet, sodass die nächste Reihe auffängt, was aus der vorigen überläuft.

Funktionieren Halbmonde im Mittelmeerraum?

Zum Teil. Die Physik lässt sich übertragen: Ein Wall, der Abfluss bremst, bringt mehr Wasser in den Boden. Doch der Halbmond des Sahel wurde für Feldfrüchte in der sommerlichen Regenzeit entwickelt, am Mittelmeer fällt der Regen im Winter. Hier dient der Halbmond vor allem Bäumen und Sträuchern in ihren ersten Jahren, indem er den Boden vor der Trockenzeit auffüllt. An steileren Hängen sind die Neigungsgrenzen der FAO schnell überschritten, und wo alte Terrassen bestehen, erledigen diese dieselbe Arbeit. Spanische Forschung zu kleinen Sammelmulden bei Aufforstungen zeigt, wie sich das Prinzip an trockene Mittelmeerhänge anpassen lässt.

Luftbild eines Hangs mit Pflanzreihen entlang der HöhenlinienNächster in dieser ThemenweltKeyline-DesignEine Landplanungsmethode, die die Hangform liest, um Regenwasser aus feuchten Tälern zu trockeneren Rücken zu verteilen und im Boden zu halten.

Verwandte Begriffe

Erwähnt auf

In der Praxis erleben

Quellen

  • Critchley, W. und Siegert, K., Water Harvesting: A Manual for the Design and Construction of Water Harvesting Schemes for Plant Production, FAO (1991)
  • Reij, C., Tappan, G. und Smale, M., Agroenvironmental Transformation in the Sahel: Another Kind of Green Revolution, IFPRI Discussion Paper 00914 (2009)
  • Sawadogo, H., Water Harvesting: Country Experience Burkina Faso, Vortrag auf einem FAO-Workshop, Bari (2017)
  • WOCAT, Global SLM Database, Burkina Faso: Steinreihen, Wälle und Halbmonde (Technologie 1176)
  • Martínez de Azagra Paredes, A. u. a., Conceptos, modelos y ejemplos sobre oasificación, Ecología 20 (2006) 453 bis 470

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12