Kurz gesagt
Eine maßstäbliche Zeichnung der festen Gegebenheiten eines Geländes, darüber durchsichtige Blätter für Wasser, Sektoren, Zonen und Planung.
Wozu Grundkarte und Deckblätter dienen
Jede Gestaltung braucht ein Blatt Papier, das die Wahrheit über das Gelände sagt. Die Grundkarte ist dieses Blatt: eine maßstäbliche Zeichnung von allem, was auf einem Grundstück an seinem Platz bleibt. Grenzen, Gebäude, große Bäume, Wege, Zäune, Brunnen, Teiche, Hänge. Sie trägt einen Nordpfeil und einen Maßstab und lässt leere Ränder für Notizen. Nichts Geplantes kommt darauf, und nichts, was nur vermutet ist.
Was beobachtet und was geplant wird, kommt auf Deckblätter: durchsichtige Blätter über der Grundkarte, ein Thema je Blatt. Eines zeigt, wo das Wasser nach Regen läuft und sich sammelt, eines die Sektoren von Sonne, Wind und Feuer, eines die Zonen der täglichen Nutzung, eines die Böden, und das letzte den Entwurf selbst. Jedes Blatt lässt sich allein lesen, allein neu zeichnen und mit jedem anderen zusammenlegen. Wo sich zwei Lagen treffen, entstehen Gestaltungsfragen, die keine einzelne Karte stellen würde: eine feuchte Rinne quer durch den Bereich, den man täglich begeht, ein Feuersektor genau dort, wo das Brennholz liegen sollte.
Bill Mollison behandelte Zonen, Sektoren und Hang in Permaculture: A Designers' Manual (1988) als eine zusammenhängende Planung. Auf der Grundkarte kommen die drei endlich auf dasselbe Blatt.
Schritt für Schritt zur Grundkarte
- Papier und Maßstab wählen. Die längste Seite des Geländes messen und einen Maßstab wählen, bei dem sie mit Spielraum auf das Blatt passt. Für einen Garten ist ein Maßstab wie 1:50 auf einem großen Bogen üblich, für einen Hof ein kleinerer Maßstab oder mehrere Blätter.
- Grundlinie festlegen. Ein Maßband an einer geraden Kante spannen, meist an der längsten Grenze, und sie dünn einzeichnen. Norden zeigt nach oben.
- Feste Punkte einmessen. Von beiden Enden der Grundlinie zu jeder Ecke, jedem Baum und jedem Gebäude messen. Auf dem Papier für jede Strecke mit dem Zirkel einen Bogen schlagen; wo sich die beiden Bögen schneiden, liegt der Punkt. Diese Trilateration braucht nur Maßband, Zirkel und Maßstablineal.
- Oder ein Bild nachzeichnen. Ein Luft- oder Satellitenbild mit Maßstabsleiste lässt sich im gewählten Maßstab projizieren oder drucken und nachzeichnen. Das geht schneller, Ecken und Baumstandorte sollte man aber im Gelände nachprüfen.
- Die Gestalt des Geländes eintragen. Höhenlinien zeigen, wie sich das Wasser bewegen wird. Sie stammen aus einer topografischen Karte, aus Höhendaten oder auf kleinen Flächen aus einem A-Rahmen oder einer Schlauchwaage, mit denen man Punkte gleicher Höhe markiert.
- Kopien machen. Vor allem anderen die Grundkarte mehrmals im gleichen Maßstab kopieren. Auf Deckblättern wird gekritzelt, die Grundlage muss das überstehen.
- Ein Deckblatt je Thema. Wasser, Sektoren, Zonen, Böden und vorhandene Pflanzen bekommen je ein eigenes Blatt und eine eigene Farbe. Jedes Blatt mit Datum versehen; Sommer- und Winterlage desselben Themas unterscheiden sich oft.
Vom Transparentpapier zum LiDAR
Deckblätter begannen auf Papier. Berühmt machte sie der Landschaftsplaner Ian McHarg mit Design with Nature (1969). Um für eine neue Straße die Trasse mit dem geringsten Schaden zu finden, zeichnete sein Team jeden Faktor auf eine eigene durchsichtige Karte, dunkler dort, wo die Kosten für Land oder Menschen höher waren, und legte sie übereinander. Die Trasse zeigte sich dort, wo der Stapel am hellsten blieb. Lehrmaterial der Penn State University beschreibt das als Wurzel der Kartenüberlagerung, die geografische Informationssysteme später in Software übertrugen.
Heute läuft dieselbe Logik am Rechner. Ein freies Programm wie QGIS stapelt Lagen wie Transparentpapier und kann aus alten Lagen neue berechnen. Die wertvollsten Daten für die Landgestaltung liefert luftgestütztes LiDAR. Ein Flugzeug sendet Laserimpulse zum Boden und misst ihre Rückkehr; nach NOAA entsteht daraus eine dichte Punktwolke mit Lage und Höhe, aus der Höhenmodelle und Höhenlinien gerechnet werden. Aus einem Höhenmodell lassen sich Hangneigung, Ausrichtung zur Sonne und die Linien ableiten, entlang derer sich Wasser wahrscheinlich sammelt. In Italien veröffentlichen das Umweltministerium und mehrere Regionen, darunter Sardinien, LiDAR-Geländemodelle für Teile des Landes, oft entlang von Flüssen und Küsten.
Digitale Lagen sind genau, aber sie sind keine Beobachtung. Sie zeigen nicht, wo Menschen wirklich gehen, wo der Boden verdichtet ist, wo der Hund des Nachbarn durchläuft oder wo der Wind Äste bricht. Diese Deckblätter entstehen weiter mit Stiefeln im Gelände, einem Notizbuch und einem Jahr Beobachten.
Typische Fehler
- Pläne auf der Grundkarte. Ist ein geplantes Beet erst auf der Grundlage eingezeichnet, weiß bald niemand mehr, was wirklich da war. Die Grundkarte bleibt sauber.
- Alles auf einem Blatt. Eine Karte mit Wasser, Wind, Zonen und Pflanzen zugleich wird unlesbar, und nichts lässt sich ändern, ohne das Ganze neu zu zeichnen.
- Dem Bildschirm mehr trauen als dem Land. Ein Höhenmodell weiß nichts vom Durchlass unter dem Feldweg oder von der Quelle, die nur im März erscheint. Jede wichtige Linie im Gelände prüfen.
- Kein Maßstab, kein Nordpfeil. Ohne sie lässt sich eine Kopie oder ein Foto der Karte nicht mehr ausmessen, und die Deckblätter verrutschen gegeneinander.
- Nur einmal kartieren. Wasser, Sonne und Nutzung ändern sich im Lauf des Jahres. Deckblätter aus einer Jahreszeit brauchen einen zweiten Blick in der entgegengesetzten.
Im TerraWiki weiter
- Sektoren und Zonen sind die ersten beiden Deckblätter fast jeder Gestaltung.
- Der Gestaltungsablauf zeigt, wo das Kartieren zwischen Beobachtung und Entwurf steht.
- Das Keyline-Design und die Swale hängen an genauen Höhenlinien.
- Das Mikroklima liest sich leichter, wenn Hangneigung und Ausrichtung kartiert sind.
- Zeigerpflanzen und die Spatenprobe füllen die Deckblätter für Boden und Bewuchs mit dem, was die Daten nicht sehen.
- Vom Muster zum Detail gestalten erklärt, warum die großen Lagen vor der Wahl der Pflanzen kommen.
Karten von Sa Medada
Für Sa Medada, einen Südhang bei Jerzu in der Ogliastra, gibt es Karten der Höhe, der Hangneigung, der Feuchte und der Sonnenausrichtung aus LiDAR-Daten. Der Hang steigt von 247 auf 341 Meter an, seine Flanken erreichen Neigungen von 25 bis 45 Grad. Die Feuchtekarte zeigt eine vergleichsweise trockene Hauptfläche um das Haus und zwei saisonale Wasserläufe an den Seiten des Geländes. Die Karte der Sonnenausrichtung zeigt die wärmsten und geschütztesten Teile des Hangs.
Auf diesen Karten sollen Swales und Keyline-Linien gezogen werden. Swales sind geplant, gebaut ist noch keine.
Häufige Fragen
Was ist eine Grundkarte in der Permakultur?
Die Grundkarte ist eine maßstäbliche Zeichnung eines Geländes, die nur das Feste zeigt: Grenzen, Gebäude, große Bäume, Wege, Zäune, Wasser und, wo möglich, Höhenlinien. Sie trägt einen Nordpfeil und einen Maßstab und lässt an den Rändern Platz für Notizen. Alles, was später beobachtet oder geplant wird, kommt auf eigene durchsichtige Blätter darüber. So bleibt die Grundkarte eine neutrale Bestandsaufnahme und durch alle Stufen der Gestaltung brauchbar.
Was sind Deckblätter, und wozu dienen sie?
Deckblätter, oft auch Overlays genannt, sind durchsichtige Lagen über der Grundkarte, jede mit einem Thema: Wasserlauf, Sektoren wie Sonne, Wind und Feuer, Zonen der Nutzung, Böden, vorhandene Pflanzen oder der fertige Entwurf. Getrennte Themen bleiben lesbar, und eine Lage lässt sich neu zeichnen, ohne die übrigen anzurühren. Legt man mehrere übereinander, sieht man, wo Bedingungen zusammentreffen. Der Gedanke geht auf den Landschaftsplaner Ian McHarg zurück, der in seinem Buch Design with Nature (1969) durchsichtige Karten stapelte.
Wie zeichne ich eine Grundkarte ohne besondere Geräte?
Für einen Garten reichen Maßband, Zirkel, Bleistift, Maßstablineal und Papier. Man legt eine Grundlinie an einer Seite fest, misst von beiden Enden zu jedem festen Punkt und trägt auf dem Papier ein, wo sich zwei Kreisbögen schneiden; das nennt man Trilateration. Alternativ projiziert oder druckt man ein Luftbild mit Maßstabsleiste im gewünschten Maßstab und zeichnet die wichtigsten Linien nach. Von der fertigen Zeichnung macht man mehrere Kopien, damit ein verpatztes Deckblatt nie die Grundkarte kostet.
Ersetzen LiDAR und GIS die Karte auf Papier?
Sie machen die Grundlage weit genauer, ersetzen aber nicht den Gang über das Land. Luftgestütztes LiDAR vermisst den Boden mit Laserimpulsen und liefert Höhenmodelle, aus denen sich Höhenlinien, Hangneigung, Ausrichtung zur Sonne und wahrscheinlich feuchte Stellen berechnen lassen. Ein freies Programm wie QGIS stapelt diese Lagen wie Transparentpapier. Was die Daten nicht zeigen: wo Menschen wirklich gehen, wo eine Hecke dünn ist, wo der Boden verdichtet ist oder wo die Nachbarn Feuer machen. Diese Lagen kommen weiter aus der Beobachtung.
Welche Karten gibt es von Sa Medada?
Für Sa Medada gibt es Karten der Höhe, der Hangneigung, der Feuchte und der Sonnenausrichtung aus LiDAR-Daten. Sie zeigen einen Südhang, der von 247 auf 341 Meter ansteigt, Flanken mit Neigungen von 25 bis 45 Grad, zwei saisonale Wasserläufe an den Seiten des Geländes und eine vergleichsweise trockene Hauptfläche um das Haus. Die Karte der Sonnenausrichtung zeigt die wärmsten und geschütztesten Teile des Hangs. Swales sind geplant, und diese Karten sind die Grundlage, um sie zu ziehen; gebaut ist noch keine.

Verwandte Begriffe






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Frei zugängliche Quellen, die wir zum Vertiefen empfehlen.
- WebsitePermaculture design process 2: making a base map (Milkwood)milkwood.net
- KursPermaculture Design Process 2: Creating a base map (Permaculture Teachers)permateachers.eu
- KursMap overlay concept (Penn State University, GEOG 160)courses.ems.psu.edu
- WebsiteWhat is lidar? (NOAA National Ocean Service)oceanservice.noaa.gov
- WebsiteQGIS, free and open source geographic information systemqgis.org
Quellen
- Ian L. McHarg, Design with Nature, Natural History Press (1969)
- Bill Mollison, Permaculture: A Designers' Manual, Tagari Publications (1988)
- Kirsten Bradley, Permaculture design process 2: making a base map, Milkwood, milkwood.net (2015, abgerufen im Oktober 2026)
- Penn State University, GEOG 160 Mapping our Changing World, 9.4 Map overlay concept, courses.ems.psu.edu (abgerufen im Oktober 2026)
- NOAA National Ocean Service, What is lidar?, oceanservice.noaa.gov (abgerufen im Oktober 2026)
- Italienisches Umweltministerium, Piano Straordinario di Telerilevamento Ambientale, DTM LiDAR con risoluzione a terra 1 metro, Regione Sardegna (2013), Metadatensatz im INSPIRE-Geoportal (abgerufen im Oktober 2026)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-16