Kurz gesagt
Die geordneten Schritte einer Permakultur-Planung: Land und Menschen beobachten, auswerten, gestalten, umsetzen, pflegen, prüfen, in Schleifen wiederholt.
Was der Gestaltungsablauf ist
Eine Permakultur-Planung beginnt nicht mit einer Zeichnung. Sie beginnt mit dem Schauen, und sie endet nie ganz, weil ein lebendiges System immer weiter antwortet. Der Gestaltungsablauf ist die Reihenfolge dieser Arbeit: erst sammeln, was da ist, dann verstehen, dann entscheiden, dann in Abschnitten bauen, dann pflegen und daraus lernen. Die übrigen Werkzeuge der Permakultur, etwa Zonen, Sektoren, Grundkarte und Deckblätter oder die Elementanalyse, haben jeweils ihren Platz irgendwo in diesem Ablauf.
Bill Mollison widmete den Methoden der Gestaltung ein eigenes Kapitel in Permaculture: A Designers' Manual (1988). Lehrer haben den Ablauf seither zu Kürzeln verdichtet, die man im Kopf behält. Zwei sind besonders verbreitet.
- SADIMET: Survey, Analysis, Design, Implementation, Maintenance, Evaluation, Tweaking, also Bestandsaufnahme, Auswertung, Gestaltung, Umsetzung, Pflege, Prüfung, Nachjustieren. Der britische Lehrer Aranya baut seine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Permakultur-Planung (2012) um einen solchen Ablauf.
- OBREDIMET: Observation, Boundaries, Resources, Evaluation, Design, Implementation, Maintenance, Evaluation, Tweaking. Hier wird die Bestandsaufnahme in Beobachtung, Grenzen und Ressourcen geteilt, und eine erste Bewertung wägt die Befunde ab, bevor gezeichnet wird.
Daneben gibt es kürzere und längere Formen. SADIM hört bei der Pflege auf; GoSADIM, wie es der Autor Graham Burnett beschreibt, stellt die Klärung der Ziele an den Anfang. Looby Macnamaras Design Web aus People and Permaculture (2012) nimmt dieselben Bausteine und lässt den Gestalter frei zwischen ihnen wechseln, was sich für soziale und persönliche Vorhaben eignet. Eine verbindliche Fassung gibt es nicht. Gemeinsam ist allen die Reihenfolge von Schauen, Denken, Handeln und Prüfen.
Die Schritte im Einzelnen
1. Ziele. Was soll der Ort geben, und wem? Man schreibt Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen der Beteiligten auf, auch Zeit und Geld. Ziele als Fragen („Wie halten wir das Wasser über den Sommer am Hang?“) lassen Raum für Antworten, an die noch niemand gedacht hat.
2. Bestandsaufnahme und Beobachtung. Man geht das Land bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit ab. Wo läuft und steht das Wasser, wo hält sich Frost oder Hitze, welche Pflanzen kommen ungefragt, wo verlaufen die Wege schon? Aranya rät, das Gelände vor dem ersten Gespräch mit dem Auftraggeber anzusehen, damit der erste Blick unvoreingenommen bleibt. Ein Notizbuch mit Datum, Fotos von denselben Standorten jeden Monat und ein Spaten für den Blick in den Boden reichen für den Anfang. Hierher gehört das Beobachtungsjahr: Viele Lehrer raten, einen vollen Jahreslauf abzuwarten, bevor man große, schwer umkehrbare Eingriffe vornimmt, und Aranya gibt das als Rat Mollisons wieder. Kleine, umkehrbare Versuche gehören zum Beobachten, wie das Prinzip Beobachten und mitwirken beschreibt.
3. Auswertung. Nun werden die Befunde geordnet. Welche Mittel sind kostenlos oder billig zu haben? Was begrenzt das Vorhaben: Hang, Schatten, Wasserrechte, Budget, Können? Wo gehen Wasser, Nährstoffe oder Arbeit verloren? Jedes wichtige Element wird auf Bedürfnisse, Erträge und Eigenschaften hin untersucht.
4. Gestaltung. Man arbeitet vom großen Muster zum Detail, wie es das Prinzip Vom Muster zum Detail gestalten verlangt. Das Dauerhafte kommt zuerst: Die Rangfolge der Dauerhaftigkeit gibt eine Ordnung vor, von Klima und Geländeform über Wasser und Zugang bis zu Bäumen, Gebäuden, Zäunen und Boden. Zonen und Sektoren verteilen die Elemente, und erst dann folgen die Pflanzenwahl und die Einzelheiten der Beete.
5. Umsetzung. Man baut in Abschnitten, oft nach Jahreszeiten, und beginnt mit dem, wovon alles andere abhängt, meist Wasser und Zugang. Ein kleiner erster Abschnitt, der gelingt, lehrt mehr als ein großer, der scheitert; das ist die Logik des Prinzips Kleine und langsame Lösungen nutzen.
6. Pflege, Prüfung und Nachjustieren. Eine Planung bewährt sich im Gebrauch. Was gelingt, was kränkelt, was hat sich verändert? Die Antworten fließen in kleine Korrekturen und mit den Jahren in neue Planungsrunden. Hier trifft der Ablauf auf das Prinzip Selbstregulierung anwenden und Rückmeldungen annehmen.
Ein Beispiel aus der Praxis
2017 verglich der australische Gestalter Dan Palmer neun veröffentlichte Beschreibungen des Gestaltungsablaufs, von Dave Jacke, Ben Falk, Aranya, Toby Hemenway und anderen. Die meisten folgten derselben Linie: Menschen und Gelände studieren, eine Planung vom großen Muster zum feinen Detail entwickeln, dann umsetzen. Viele Autoren räumten aber ein, dass wirkliche Vorhaben unordentlicher verlaufen. Jacke, Mitautor von Edible Forest Gardens (2005), nennt den Ablauf in seinem Buch eine idealisierte lineare Abfolge; in seiner eigenen Arbeit setzt er zentrale Teile um und plant neu, während sich das System entwickelt. Palmer stellte damit die Frage, ob sich Planen auf Papier und Arbeiten im Gelände überhaupt trennen lassen. Für Anfänger ist die Lehre praktisch: den Schritten folgen, aber damit rechnen, sie mehr als einmal zu gehen.
Typische Fehler
- Pflanzen vor dem Schauen. Bäume, die im ersten Frühjahr gekauft werden, landen oft in der Frostmulde oder im Weg der Winterfluten. Das Geld ist verloren, und ein Jahr dazu.
- Die Auswertung überspringen. Eine lange Liste von Beobachtungen ist noch keine Planung. Ohne die Ordnung nach Mitteln, Grenzen und Flüssen folgt die Zeichnung nur dem Geschmack.
- Den Plan für fertig halten. Ein Plan, der sich nicht ändern darf, wird zur Last. Prüfung und Nachjustieren gibt es, weil das Land immer etwas weiß, was der Gestalter nicht wusste.
- Die Menschen vergessen. Zeit, Geld, Gesundheit und Können gehören zum Gelände. Eine Planung, die mehr Pflege braucht, als jemand geben kann, fällt auf das zurück, was von selbst wächst.
Im TerraWiki weiter
- Beobachten und mitwirken: das Prinzip hinter Bestandsaufnahme und Beobachtungsjahr.
- Vom Muster zum Detail gestalten: die Ordnung innerhalb des Gestaltungsschritts.
- Zonen, Sektoren sowie Grundkarte und Deckblätter: die wichtigsten Zeichenwerkzeuge.
- Elementanalyse und Stockwerke und Staffelung (Stacking): Werkzeuge der Auswertung und der Detailplanung.
- Rangfolge der Dauerhaftigkeit und Mikroklima: was zuerst entschieden wird, und wie die kleinen Klimate eines Geländes die Wahl des Ortes verändern.
- Mollisons Gestaltungsregeln: die Regeln, an denen eine Planung geprüft wird.
Der Gestaltungsablauf auf Sa Medada
Sa Medada ist ein Hang in Jerzu, in der Ogliastra an der Ostseite Sardiniens, mit milden Wintern und einer Trockenzeit etwa von Mai bis September. Ein erster Blick auf das Land liegt vor: Eine LiDAR-Feuchtekarte zeigt eine vergleichsweise trockene Hauptfläche und feuchtere Rinnen an den Rändern. Banane, Mango, Avocado, Cherimoya, Papaya, Moringa und Zitrus werden im Mikroklima erprobt, und der erste Baum, ein Speierling, wurde 2024 an der sehr heißen Südflanke gepflanzt. Wie es diesen Pflanzen ergeht, gehört zur Beobachtung. Eine Laboranalyse des Bodens gibt es noch nicht.
Projekt Eden beginnt mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt. Swales sind geplant, gebaut ist noch keine.
Pflanzen in diesem Beitrag
Häufige Fragen
Welche Schritte hat der Gestaltungsablauf in der Permakultur?
Fast alle Fassungen haben denselben Kern. Am Anfang steht die Bestandsaufnahme des Geländes und der Menschen, die mit der Planung leben werden. Dann ordnet eine Auswertung, was gefunden wurde: Ressourcen, Grenzen, Flüsse und Probleme. Erst danach folgt die eigentliche Gestaltung, vom großen Muster zum Detail. Die Umsetzung geschieht in Abschnitten, dann kommen Pflege und schließlich eine Prüfung, die in kleine Korrekturen zurückfließt. Die Kürzel wechseln von Kurs zu Kurs, die Reihenfolge von Schauen, Denken, Handeln und Prüfen bleibt.
Wofür steht SADIMET?
SADIMET steht für die englischen Wörter Survey, Analysis, Design, Implementation, Maintenance, Evaluation und Tweaking, also Bestandsaufnahme, Auswertung, Gestaltung, Umsetzung, Pflege, Prüfung und Nachjustieren. Das Kürzel wird in britischen und europäischen Permakulturkursen viel gelehrt, und der Lehrer Aranya baut seine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Permakultur-Planung um einen solchen Ablauf. Die letzten beiden Schritte sind die wichtigsten: Sie machen aus einer Linie eine Schleife, denn was man nach dem Pflanzen lernt, verändert die nächste Planungsrunde. Kürzere Formen wie SADIM lassen sie weg, längere wie GoSADIM stellen die Klärung der Ziele an den Anfang.
Was ist OBREDIM oder OBREDIMET?
OBREDIM ist eine Abwandlung, die in vielen Permakulturkursen verwendet wird. Die Buchstaben stehen für Observation, Boundaries, Resources, Evaluation, Design, Implementation und Maintenance, also Beobachtung, Grenzen, Ressourcen, Bewertung, Gestaltung, Umsetzung und Pflege; OBREDIMET hängt eine zweite Prüfung und das Nachjustieren an. Die Bestandsaufnahme wird hier dreigeteilt: was man auf dem Land sieht, was das Vorhaben begrenzt und welche Mittel bereitstehen. Die erste Bewertung wägt diese Befunde ab, bevor gezeichnet wird. Das erinnert daran, dass Zeit, Geld und Können ebenso Grenzen und Ressourcen sind wie Boden und Wasser.
Muss man ein Gelände wirklich ein ganzes Jahr beobachten?
Viele Lehrer raten, einen vollen Jahreslauf abzuwarten, bevor man große Eingriffe vornimmt, die schwer rückgängig zu machen sind, etwa Erdarbeiten, Teiche oder die wichtigsten Baumpflanzungen. Aranya gibt das als Rat von Bill Mollison wieder. Eine einzige Jahreszeit verbirgt zu viel: Staunässe im Winter, Hitze im Sommer, die tiefe Wintersonne, die Wege der Stürme. Das Beobachtungsjahr ist kein Jahr des Nichtstuns. Kleine, umkehrbare Schritte wie einige Beete, Mulch oder Probepflanzungen gehören dazu, weil sie zeigen, wie der Ort antwortet.
Wie wendet Terra Humana den Gestaltungsablauf auf Sa Medada an?
Für Sa Medada liegt ein erster Blick auf das Land vor: Eine LiDAR-Feuchtekarte zeigt eine vergleichsweise trockene Hauptfläche und feuchtere Rinnen an den Rändern. Banane, Mango, Avocado, Cherimoya, Papaya, Moringa und Zitrus werden im Mikroklima erprobt, und wie es ihnen ergeht, gehört zur Beobachtung. Eine Laboranalyse des Bodens gibt es noch nicht. Projekt Eden beginnt mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt; Swales sind geplant, gebaut ist noch keine.

Verwandte Begriffe






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Frei zugängliche Quellen, die wir zum Vertiefen empfehlen.
- WebsitePermaculture design process, part 1: the site survey (Aranya, Permaculture Teachers' Partnership)permateachers.eu
- WebsiteThe permaculture design process, GoSADIM step by step (Graham Burnett, Spiralseed)spiralseed.co.uk
- WebsiteOn the relation between designing and implementing in permaculture (Dan Palmer, Resilience)resilience.org
- KursScales of Permanence, from Introduction to Permaculture (Andrew Millison, Oregon State University)eng.libretexts.org
- WebsitePrinciple 7: Design from patterns to details (Holmgren Design)permacultureprinciples.com
Quellen
- Bill Mollison, Permaculture: A Designers' Manual, Tagari Publications (1988)
- Aranya, Permaculture Design: A Step-by-Step Guide, Permanent Publications (2012)
- Dave Jacke und Eric Toensmeier, Edible Forest Gardens, Band 2: Ecological Design and Practice for Temperate-Climate Permaculture, Chelsea Green (2005)
- Dan Palmer, On the relation between designing and implementing in permaculture, Teil 2, Making Permaculture Stronger, erneut veröffentlicht bei resilience.org (2017, abgerufen im Oktober 2026)
- Graham Burnett, The permaculture design process, spiralseed.co.uk (abgerufen im Oktober 2026)
- Looby Macnamara, People and Permaculture, Permanent Publications (2012)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-16






