Zum Inhalt springen
Pflanzenporträts

Cherimoya

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-136 Min. Lesezeit

Cherimoya-Zweig mit herzförmiger, schuppig gemusterter Frucht und einer hängenden Blüte mit fleischigen Blütenblättern

Kurz gesagt

Ein subtropischer Obstbaum aus der Familie der Annonengewächse mit cremiger Frucht; er verträgt leichten Frost, seine Blüten brauchen aber oft Handbestäubung.

Botanisch
Annona cherimola
Familie
Annonengewächse (Annonaceae)
Herkunft
Anden; womöglich Mittelamerika
Wuchs
kleiner Baum, 5 bis 9 m
Kälte
leichter Frost, etwa -3 °C
Wasser
mäßig, im Sommer regelmäßig
Schicht im Waldgarten
Kleinbaumschicht
Ernte
fest gepflückt, reift in Tagen nach
Auf Sa Medada
Freiland

Was ist eine Cherimoya?

Die Cherimoya ist ein kleiner Obstbaum aus der Familie der Annonengewächse, der Annonaceae. Ihre herz- oder rundliche Frucht hat eine grüne, schuppig gemusterte Schale und ein weißes, cremiges, süßes Fruchtfleisch, in dem große schwarze Samen sitzen. Unter ihren vielen tropischen Verwandten ist sie die aus den Bergen: Sie liebt milde Temperaturen und gedeiht nicht im heißen, feuchten Tiefland. Damit gehört sie zu den wenigen Annonen, die sich für subtropische und mediterrane Regionen eignen.

Herkunft und Wuchs

Wild wächst die Cherimoya in den Tälern der Anden, in mittleren Höhen mit milden, ausgeglichenen Temperaturen. Lange galt dies als ihre Heimat. Eine 2017 veröffentlichte genetische Studie an 1.765 Bäumen aus sechs Ländern verlegt ihren Ursprung dagegen nach Mesoamerika, mit einer Ausbreitung nach Südamerika in vorkolumbischer Zeit.

Der Baum wird 5 bis 9 Meter hoch, aufrecht, aber tief verzweigt, oft etwas strauchig. Kurz vor der Blüte im Frühjahr wirft er für kurze Zeit sein Laub ab. Die Blüten sind fleischig, grünlich und duftend und erscheinen mit dem neuen Laub.

Ansprüche

Klima. Subtropisch bis mild, ohne extreme feuchte Hitze. Starker Wind stört Bestäubung und Fruchtansatz.

Kälte. Leichter Frost wird vertragen. Morton nennt etwa -3 °C als Grenze; wenige Grad darunter können auch ältere Bäume schwer schädigen.

Wasser. Regelmäßige, mäßige Gaben während Blüte und Fruchtwachstum im Sommer; keine Staunässe.

Boden. Leichte bis schwere Böden sind möglich; am besten ein mittlerer, mäßig nährstoffreicher Boden mit guter Drainage und einem pH-Wert von etwa 6,5 bis 7,6.

Licht. Sonne bis lichter Halbschatten; junge Bäume schätzen Schutz vor der stärksten Sommersonne.

Früchte, Nutzen und Ernte

Die Frucht wird reif, aber noch fest gepflückt und reift innerhalb weniger Tage nach; reife Cherimoyas bekommen leicht Druckstellen. Das Fruchtfleisch wird roh mit dem Löffel gegessen. Die Samen sind giftig: Sie enthalten Alkaloide, wurden zerstoßen als Insektizid genutzt und können die Augen schwer schädigen. Sie werden ganz ausgespuckt und nie zerkaut.

Weil die Blüten vorweiblich sind, die weibliche Phase also vor der männlichen liegt, und außerhalb der Heimat nur wenige Insekten sie besuchen, ist der natürliche Fruchtansatz oft schwach. In Spanien ist die Handbestäubung mit einem feinen Pinsel üblich. Sie muss in einem Zeitfenster von sechs bis acht Stunden geschehen, solange die Narben weiß und klebrig sind.

Im Waldgarten

Im Waldgarten gehört die Cherimoya in die Kleinbaumschicht, unter und zwischen die großen Kronenbäume. Der kurze Laubfall vor der Blüte legt jedes Jahr eine Schicht Mulch an ihren Fuß. Ihre Empfindlichkeit gegen Wind und starke Sonne in den ersten Jahren macht sie zu einer guten Kandidatin für eine Pflanzung im Windschatten schnellerer Ammenbäume und Windschutzhecken. In einer Pflanzengilde verträgt sie sich gut mit niedrigen Blühpflanzen, die kleine Insekten anlocken, auch wenn diese die Handbestäubung nicht ersetzen.

Im Mittelmeerklima

Die Costa Tropical zwischen Granada und Málaga ist das wichtigste Cherimoya-Gebiet Europas. Andalusien hatte 2018 rund 3.000 Hektar Cherimoya, 94 Prozent der spanischen Fläche, überwiegend in tief gelegenen Tälern zwischen 25 und 250 Metern über dem Meer, und die Frucht trägt eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Fast alles ist die Sorte Fino de Jete. Zwischen 2014 und 2018 schrumpfte die Fläche leicht, während in der Provinz Málaga Avocado, Mango und Wollmispel an Boden gewannen. In Süditalien wird die Cherimoya, dort Annona genannt, seit dem 19. Jahrhundert an der Küste um Reggio Calabria angebaut; nach Vittorio Farina von der Universität Palermo haben Kalabrien und Sizilien zusammen rund 100 Hektar. Auf einer Plantage bei Orosei, rund zwei Stunden nördlich von Sa Medada, tragen Cherimoyas seit Jahren Früchte.

Die spanische Erfahrung zeigt: Die Cherimoya passt besser als viele tropische Obstbäume zu einem mediterranen Küstenklima mit milden Wintern, sofern sie Windschutz und im Sommer regelmäßig Wasser bekommt. Sie steht nicht auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten.

Vermehrung und Pflege

Sorten werden auf Sämlingsunterlagen veredelt, meist nach 12 bis 24 Monaten. Trocken gelagert bleiben die Samen mehrere Jahre keimfähig und keimen in drei bis fünf Wochen. Junge Bäume werden vor Frost und Wind geschützt. Ein leichter Schnitt hält den Baum niedrig genug für Handbestäubung und Ernte.

So versteht Terra Humana sie

Auf Sa Medada ist die Cherimoya eine Bergfrucht unter den tropischen: dem Mittelmeerklima näher als Mango oder Papaya, aber angewiesen auf Sorgfalt bei der Blüte. Sie soll ihren Platz in der geschützten mittleren Schicht der Pflanzung finden. Ob ihre Früchte hier von selbst ansetzen oder nur mit dem Pinsel, gehört zu den Fragen, die wir durch Beobachtung beantworten wollen.

Das Tal von Sa Medada bei Jerzu, Sardinien, mit Olivenhain und Macchie

Sa Medada

So sieht das bei uns aus

Auf Sa Medada wächst die Cherimoya im Freiland, ausgepflanzt in die Erde des Hangs, und sie gedeiht.

Mehr über Projekt Eden

Orosei

In Orosei trägt sie schon Früchte

Rund zwei Stunden nördlich von Sa Medada, auf einer Plantage mit tropischen und subtropischen Früchten bei Orosei, die seit rund 25 Jahren wächst, trägt diese Pflanze seit Jahren Früchte. Für uns ist das der lebende Beweis, dass sie an der Ostküste Sardiniens gedeiht, und der Ausgangspunkt eines gemeinsamen Projekts, das wir dort aufbauen wollen.

Pflanzen in diesem Beitrag

Häufige Fragen

Woher stammt die Cherimoya?

Lange galt die Cherimoya als heimisch in den Tälern der Anden in Ecuador, Kolumbien und Bolivien, wo sie in Höhen von etwa 1.400 bis 2.000 Metern wächst. Eine genetische Studie an 1.765 Bäumen aus sechs Ländern, veröffentlicht 2017, deutet dagegen auf einen Ursprung in Mesoamerika und eine Ausbreitung nach Südamerika in vorkolumbischer Zeit. So oder so ist sie ein Baum milder Bergklimate, nicht der heißen Tieflandtropen, und gerade deshalb gedeiht sie in subtropischen Regionen so gut.

Wie viel Frost verträgt eine Cherimoya?

Sie verträgt leichten Frost. Morton nennt etwa -3 °C als Grenze; wenige Grad darunter können auch ältere Bäume schwer schädigen oder töten. Kurz vor der Blüte im Frühjahr wirft der Baum für kurze Zeit sein Laub ab, und junge Triebe und Blüten sind dann empfindlicher. Lagen, aus denen die Kaltluft abfließt, Windschutz und Schutz für junge Bäume in den ersten Wintern sind deshalb wichtig.

Warum braucht die Cherimoya Handbestäubung?

Ihre Blüten sind zwittrig, aber vorweiblich: Die Narben sind empfängnisbereit, bevor dieselbe Blüte ihren Pollen abgibt. In ihrer Heimat gelten kleine Käfer als wichtigste Bestäuber; anderswo besuchen nur wenige Insekten die Blüten. Ohne Hilfe bleiben viele Blüten ohne Frucht, und die Früchte, die doch ansetzen, sind oft klein und schief. In Spanien bestäuben die Erzeuger deshalb mit einem feinen Pinsel von Hand, in einem Zeitfenster von wenigen Stunden, in dem die Narben weiß und klebrig sind.

Sind die Samen der Cherimoya giftig?

Ja. Die Samen enthalten Alkaloide und weitere giftige Stoffe; zerstoßen wurden sie als Insektizid verwendet. Nach Morton hat der Kontakt zerstoßener Samen mit den Augen schwere Augenschäden verursacht, und schon geringe Mengen verschluckten Samenharzes lösen Beschwerden wie erweiterte Pupillen und Erbrechen aus. Die ganzen Samen sind hart und werden beim Essen einfach ausgespuckt. Sie sollten weder zerkaut noch gemahlen noch Kindern zum Spielen gegeben werden.

Wo wird die Cherimoya in Europa angebaut?

Vor allem an der Costa Tropical zwischen Granada und Málaga in Südspanien, wo die Frucht eine geschützte Ursprungsbezeichnung trägt. Andalusien hatte 2018 rund 3.000 Hektar Cherimoya, 94 Prozent der spanischen Fläche, überwiegend in tief gelegenen subtropischen Tälern zwischen 25 und 250 Metern über dem Meer. Fast die gesamte Fläche ist mit der Sorte Fino de Jete bepflanzt.

Kletternder Drachenfrucht-Kaktus an einem Pfahl, mit weißer Blüte und rosa Früchten, eine halbiertNächster in dieser ThemenweltDrachenfrucht (Pitaya)Ein Kletterkaktus aus Mexiko und Mittelamerika, dessen nachts blühende Blüten schuppige rosa oder gelbe Früchte mit weißem oder rotem Fleisch bilden.

Verwandte Begriffe

Erwähnt auf

Quellen

  • Morton, Fruits of Warm Climates (1987): Cherimoya, Purdue NewCROP
  • Larranaga u. a., A Mesoamerican origin of cherimoya (Annona cherimola Mill.): implications for the conservation of plant genetic resources, Molecular Ecology 26 (2017)
  • Junta de Andalucía, Pflanzenschutz-Bulletin und Kulturdatenblatt Cherimoya (2014 bis 2015)
  • Consejo Regulador DOP Chirimoya de la Costa Tropical de Granada-Málaga, Produktspezifikation
  • FreshPlaza, Cherimoya, the exotic fruit produced in Calabria; Improving the shelf life of Annona cherimola (mit Vittorio Farina, Universität Palermo)
  • FreshPlaza, Reduction of cherimoya acreage in southern Spain (10. Dezember 2019)

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-13