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Permakultur gestalten

Kleine und langsame Lösungen nutzen

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-168 Min. Lesezeit

Ein winziger Eichensämling im Laub, dahinter verschwommen eine alte Eiche

Kurz gesagt

Holmgrens neuntes Prinzip der Permakultur: Kleine, langsame Systeme sind leichter zu pflegen als große, nutzen örtliche Mittel besser und halten länger.

Was das Prinzip sagt

Use small and slow solutions, „Kleine und langsame Lösungen nutzen“, ist das neunte der zwölf Prinzipien in David Holmgrens Buch Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability (2002). Die Kurzbeschreibung auf der Website des Prinzips sagt, dass kleine und langsame Systeme leichter zu pflegen sind als große, die örtlichen Mittel besser nutzen und zu dauerhafteren Ergebnissen führen. Dahinter steht eine schlichte Beobachtung: Jedes System hat eine Größe, in der es am besten arbeitet, und jenseits davon kostet es mehr, als es gibt. Eine große Maschine braucht Treibstoff, Ersatzteile und Fachleute von weit her. Eine kleine Lösung können oft die Menschen bauen, reparieren und verstehen, die sie nutzen.

Die Langsamkeit ist die andere Hälfte. Eine langsam vollzogene Veränderung lässt sich beobachten, und was man beobachtet, lässt sich korrigieren. Wer zehn Bäume pflanzt, sie durch einen Sommer begleitet und dann die nächsten zehn pflanzt, lernt mehr als einer, der tausend in einer Saison setzt und die Hälfte verliert. Langsam heißt nicht untätig. Es heißt, das Tempo der Arbeit dem Tempo anzupassen, in dem sich Boden, Pflanzen und Menschen wirklich verändern können.

Das Prinzip steht in einer Spannung zu einer von Bill Mollisons Regeln. Mollison wollte, dass Gestalter die Sukzession beschleunigen, Holmgren rät zu kleinen und langsamen Lösungen. Wie die Seite zu Mollisons Gestaltungsregeln zeigt, treffen sich beide dort, wo der Gestalter die eigene Abfolge der Natur mit bescheidenen Schritten beschleunigt, statt ein Ergebnis mit Maschinen und Treibstoff zu erzwingen. Mollisons kleinräumige intensive Systeme teilen mit diesem Prinzip das Wort klein; Holmgren fügt die Langsamkeit hinzu.

Der Gedanke reicht über das Land hinaus. Die Website des Prinzips sammelt Beispiele wie örtliche Saatgutnetze, die Sorten über viele Jahre an ihren Ort anpassen, und kleine gemeinschaftliche Arbeitstage, an denen ein Garten nach dem anderen entsteht. Viele kleine, miteinander verbundene Gärten können ein Viertel dauerhafter verändern als ein einziges großes Vorhaben.

Kleine und langsame Lösungen nutzenLehrtafel zu Prinzip 9 von 12: Kleine und langsame Lösungen nutzen. Sprichwörter: Wer hoch steigt, fällt tief; langsam, aber sicher. Tausend auf einmal oder zehn und zehn: Groß und schnell, tausend Bäume in einer Saison, die Hälfte geht verloren. Klein und langsam: zehn Bäume pflanzen, sie einen Sommer begleiten, dann die nächsten zehn; wer so vorgeht, lernt mehr. Worauf man achtet: eine kleine Lösung können die Menschen bauen, reparieren und verstehen, die sie nutzen; was langsam geschieht, lässt sich beobachten und korrigieren; viele kleine Teiche statt eines großen Damms, der bricht; nicht von einer Kultur, einem Abnehmer oder einer Maschine abhängen; jede Woche ein wenig mulchen, jedes Jahr eine Rinne im Hang schließen. Im TerraWiki wirkt das Prinzip bei Zaï-Pflanzgrube, Halbmond, Gießmulde, Tontopfbewässerung, Flächenkompostierung und Pionierpflanzen. TERRAWIKI · LEHRTAFEL · PRINZIP 9 VON 12 Kleine und langsameLösungen nutzen Sprichwörter: „Wer hoch steigt, fällt tief“ · „Langsam, aber sicher“ 9 1TAUSEND AUF EINMAL ODER ZEHN UND ZEHN Groß und schnelltausend Bäumein einer Saison die Hälfte geht verloren Klein und langsamzehn, ein Sommer,dann die nächsten zehn lernt mehr zehn pflanzeneinen Sommerbegleitendie nächsten zehn 2WORAUF MAN ACHTET eine kleine Lösung können die Menschen bauen,reparieren und verstehen, die sie nutzenwas langsam geschieht, lässt sich beobachten und korrigierenviele kleine Teiche statt eines großen Damms, der brichtnicht von einer Kultur, einem Abnehmeroder einer Maschine abhängenjede Woche ein wenig mulchen, jedes Jahreine Rinne im Hang schließen 3WO ES IM TERRAWIKI WIRKT Zaï-PflanzgrubeHalbmondGießmuldeTontopfbewässerungFlächenkompostierungPionierpflanzen Grundlage: David Holmgren, Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability (2002)

Die alten Sprichwörter

Holmgren gibt diesem Prinzip zwei Sätze mit: „the bigger they are, the harder they fall“ und „slow and steady wins the race“. Das erste heißt sinngemäß: Je größer, desto tiefer der Fall; im Deutschen sagt man „Wer hoch steigt, fällt tief“. Das zweite entspricht unserem „Langsam, aber sicher“ oder „Eile mit Weile“.

Das erste warnt vor der Größe. Ein großer Baum fällt mit mehr Wucht als ein Schössling, und ein großes System scheitert mit mehr Schaden als ein kleines. Ein einziger großer Damm, der bricht, richtet mehr an als viele kleine Teiche, und ein Hof, der von einer Kultur, einem Abnehmer oder einer Maschine abhängt, kann an einem einzigen Ausfall zugrunde gehen.

Das zweite stammt aus der alten Fabel vom Hasen und der Schildkröte. Der Hase ist schneller, legt sich aber zur Ruhe; die Schildkröte geht weiter und kommt zuerst an. Auf dem Land ist die Schildkröte der Gärtner, der jede Woche ein wenig mulcht, der Bauer, der jedes Jahr eine Rinne im Hang schließt, der junge Baum, dem man Zeit zum Wurzeln lässt, bevor er tragen soll.

Wie es in der Natur aussieht

Ihre dauerhaftesten Gebilde baut die Natur langsam. Der Boden ist das deutlichste Beispiel. Nach Angaben der FAO kann die Bildung von nur zwei bis drei Zentimetern Boden bis zu tausend Jahre dauern; andere Texte der FAO nennen dieselbe Spanne für einen einzigen Zentimeter. Die Erosion dagegen kann den Boden in sehr kurzer Zeit abtragen. Die Zahlen sind ein grober Richtwert, denn das Tempo hängt von Klima, Gestein, Hang und Leben ab, aber sie erklären, warum Boden, einmal verloren, innerhalb eines Menschenlebens als praktisch nicht erneuerbar gilt.

Die Sukzession folgt demselben Takt. Auf nacktem Boden kommen zuerst schnelle, kurzlebige Pionierpflanzen. Sie wachsen rasch, sterben rasch ab und hinterlassen Schatten, Streu und lockereren Boden. In ihrem Schutz folgen langsamere, langlebigere Arten, und die langsamsten, etwa die Eichen eines mediterranen Waldes, brauchen Jahrzehnte bis zu ihrer vollen Größe. Die Schnelligkeit gehört an den Anfang der Abfolge, die Dauer an ihr Ende. Die Sukzession beschreibt diese Stufen im Einzelnen.

Die Natur zieht auch viele kleine Einheiten wenigen großen vor. Regen kommt nicht als eine Flut, sondern als unzählige Tropfen, und ein gesunder Hang nimmt ihn in unzähligen kleinen Mulden, Wurzelgängen und Tierbauten auf. Wo diese kleinen Speicher fehlen, läuft das Wasser zu einem einzigen Strom zusammen und trägt den Boden mit sich fort.

Wo das Prinzip im TerraWiki wirkt

  • Die Zaï-Pflanzgrube ist ein von Hand gegrabenes Pflanzloch, das Wasser und Kompost genau dort sammelt, wo ein Samen wächst; Yacouba Sawadogo ließ mit solchen Gruben über Jahrzehnte einen Wald auf kahlem Land in Burkina Faso wachsen.
  • Der Halbmond und die Gießmulde halten Regen in vielen kleinen Becken statt in einem großen Speicher.
  • Die Tontopfbewässerung gibt Wasser langsam durch die Wand eines eingegrabenen Tontopfs ab, direkt an den Wurzeln.
  • Die Flächenkompostierung baut Boden an Ort und Stelle auf, Schicht um Schicht, ohne Maschinen.
  • Der Kompost macht aus kleinen täglichen Mengen von Resten über Monate Humus.
  • Pionierpflanzen und Ammenbäume bereiten den Boden Schritt für Schritt für die Arten vor, die nach ihnen kommen.
  • Tony Rinaudo zeigte, dass Bauern Bäume aus den lebenden Stümpfen und Wurzeln nachwachsen lassen können, die schon in ihren Feldern stecken, ein Feld nach dem anderen und fast ohne Kosten; für den Süden Nigers schätzten Chris Reij und Kollegen 2009, dass Bauern auf diese Weise rund fünf Millionen Hektar wieder begrünt hatten.

Auf Sa Medada

Sa Medada ist ein Hang in Jerzu, in der Ogliastra auf der Ostseite Sardiniens, mit milden Wintern und einer Trockenzeit von etwa Mai bis September. Projekt Eden steht dort noch am Anfang. Der erste Baum, ein Speierling, wurde 2024 an der sehr heißen Südflanke gepflanzt. Banane, Mango, Avocado, Cherimoya, Papaya, Moringa und Zitrus werden im Kleinklima erprobt, und wie jede von ihnen zurechtkommt, gehört zu dem, was das Land uns lehrt.

Swales sind geplant, gebaut ist noch keine. Projekt Eden beginnt mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt. Pionierpflanzen sind von Natur aus schnell, der Anfang mit ihnen beschleunigt also die Sukzession in Mollisons Sinn; das Prinzip fügt hinzu, dass jeder Schritt klein genug bleiben soll, um ihn zu beobachten. Eine Laboranalyse des Bodens gibt es noch nicht, deshalb treffen wir keine Aussagen darüber, wie schnell sich der Boden verändert.

Auf der Reise weiter

Das achte Prinzip, Integrieren statt trennen, verbindet die Teile einer Gestaltung; dieses gibt das Tempo vor, in dem die Verbindungen wachsen können. Das zehnte, Vielfalt nutzen und wertschätzen, fügt hinzu, dass viele verschiedene kleine Lösungen gemeinsam stärker sind als eine große.

Pflanzen in diesem Beitrag

Häufige Fragen

Was bedeutet Kleine und langsame Lösungen nutzen in der Permakultur?

Es ist das neunte der zwölf Permakultur-Prinzipien von David Holmgren. Es besagt, dass kleine und langsame Systeme leichter zu pflegen sind als große, die örtlichen Mittel besser nutzen und zu dauerhafteren Ergebnissen führen. Eine kleine Lösung können meist die Menschen bauen, verstehen und reparieren, die sie nutzen. Eine langsame lässt Zeit, zu beobachten, was geschieht, und den Kurs zu korrigieren. Zusammen ziehen sie viele bescheidene, gut beobachtete Schritte einem großen Eingriff vor, der von Maschinen, Treibstoff und fremdem Fachwissen abhängt.

Heißt langsam, abzuwarten und nichts zu tun?

Nein. Langsam heißt, dass sich das Tempo der Arbeit nach dem Tempo richtet, in dem sich Boden, Pflanzen und Menschen tatsächlich verändern können. Wer jede Woche ein wenig mulcht, jede Saison ein paar Bäume pflanzt und beobachtet, wie sie gedeihen, arbeitet stetig und wartet nicht. Wovor das Prinzip warnt, ist der große Sprung, der sich nicht beobachten lässt: einen ganzen Hang auf einmal räumen, tausend Bäume in einer Saison pflanzen oder Erdbauten anlegen, bevor das Land gelesen ist. Kleine Schritte lassen Raum, aus jedem zu lernen.

Warum sind kleine Systeme oft widerstandsfähiger als große?

Ein kleines System versagt im Kleinen. Leckt einer von vielen kleinen Teichen, halten die anderen noch Wasser; bricht ein großer Damm, kann der Schaden schwer sein. Kleine Systeme hängen auch weniger an fernen Lieferungen von Treibstoff, Ersatzteilen und Fachleuten und arbeiten deshalb weiter, wenn diese ausbleiben. Und weil viele kleine Einheiten über eine Landschaft verteilt sind, fangen sie Regen, Schatten und Nährstoffe dort auf, wo sie gebraucht werden, statt sie an einem Ort zu sammeln und wieder zu verteilen.

Wie lassen sich kleine und langsame Lösungen im eigenen Garten nutzen?

Am besten beginnt man mit einem Beet nahe dem Haus und pflegt es gut, bevor das nächste kommt. Gemulcht und kompostiert wird in kleinen Mengen übers ganze Jahr statt in einem großen Kraftakt im Frühling. Ein paar Bäume pflanzen, sie durch einen Sommer begleiten und dort weiterpflanzen, wo sie gediehen sind. Handwerkzeug, ein paar eingegrabene Tontöpfe zum Gießen und kleine Mulden, die Regen halten, genügen oft. Saatgut und Stecklinge tauscht man mit den Nachbarn. Jeder Schritt ist billig, lässt sich rückgängig machen und lehrt etwas über den eigenen Ort.

Wie wendet Terra Humana das Prinzip auf Sa Medada an?

Auf Sa Medada in Jerzu auf Sardinien steht Projekt Eden noch am Anfang. Der erste Baum, ein Speierling, wurde 2024 an der sehr heißen Südflanke gepflanzt. Banane, Mango, Avocado, Cherimoya, Papaya, Moringa und Zitrus werden im Kleinklima erprobt, und wie jede von ihnen zurechtkommt, gehört zu dem, was das Land uns lehrt. Swales sind geplant, aber noch nicht gebaut. Eine Laboranalyse des Bodens gibt es noch nicht.

Mulden in schwarzer Vulkanasche, jede mit einer grünen Rebe in einem niedrigen SteinringNächster in dieser ThemenweltMikroklimaDas Klima eines kleinen Ortes, etwa eines Hanges, einer Mulde oder eines Mauerfußes, das in Wärme, Frost, Wind und Feuchte stark vom Klima der Region abweicht.

Verwandte Begriffe

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Frei zugängliche Quellen, die wir zum Vertiefen empfehlen.

Quellen

  • David Holmgren, Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability, Holmgren Design Services (2002, überarbeitete Ausgabe Melliodora Publishing 2017)
  • Holmgren Design, Principle 9: Use small and slow solutions, permacultureprinciples.com (abgerufen im Oktober 2026)
  • FAO, World Soil Day, fao.org/world-soil-day (abgerufen im Oktober 2026), und FAO Newsroom, Cherishing the ground we walk on (5. Dezember 2017)
  • Ross Mars, Principles of Permaculture, Gegenüberstellung der Prinzipien von Mollison und Holmgren, Permaculture West, permaculturewest.org.au (abgerufen im Oktober 2026)
  • Chris Reij, Gray Tappan und Melinda Smale, Agroenvironmental Transformation in the Sahel: Another Kind of Green Revolution, IFPRI Discussion Paper 00914 (2009)
  • World Vision Australia, FMNR Hub, Farmer Managed Natural Regeneration, fmnrhub.com.au (abgerufen im Oktober 2026)

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-16