Kurz gesagt
Organische Reste, die Bodenlebewesen mit Luft und Feuchte zu dunkler, krümeliger Erde abgebaut haben, die das Bodenleben nährt und Nährstoffe zurückgibt.
Was ist Kompost?
Kompost ist das, was übrig bleibt, wenn Bakterien, Pilze und kleine Bodentiere organische Reste mit Hilfe von Luft und Wasser verdaut haben. Küchenreste, Schnittgut, Stroh, Laub und Mist gehen hinein, Wochen oder Monate später kommt eine dunkle, krümelige Masse heraus, die nach Waldboden riecht. Sie gibt ihre Nährstoffe langsam ab und ist selbst lebendig: Sie trägt das Bodenleben in sich, das im Boden weiterarbeitet.
Der Vorgang ahmt den Waldboden nach, nur verdichtet. Im Wald verrottet das Laub dünn verteilt dort, wo es fällt; im Haufen liegt dasselbe Material an einer Stelle, und die Mikroben arbeiten schneller. Kompost ist deshalb ein Konzentrat, an einem Ort hergestellt und an einen anderen gebracht. Er ist noch kein Humus, also nicht der stabile Anteil der organischen Substanz im Boden: Kompost nährt den Prozess, der Humus aufbaut, ersetzt ihn aber nicht.
Die vier Stellschrauben: Kohlenstoff, Stickstoff, Wasser, Luft
Kohlenstoff und Stickstoff. Mikroben nutzen Kohlenstoff als Energie und Stickstoff für den Aufbau ihres Körpers. Der FAO-Leitfaden zur Kompostierung im Betrieb nennt als bestes Ausgangsverhältnis etwa 25 bis 30 Teile Kohlenstoff auf einen Teil Stickstoff, 20 bis 40 sind noch brauchbar. Stroh, trockenes Laub und Holzhäcksel sind kohlenstoffreich, frischer Schnitt, Küchenreste und Mist stickstoffreich. Zu viel Kohlenstoff, und der Haufen bleibt kalt; zu viel Stickstoff, und er riecht nach Ammoniak, weil der Überschuss in die Luft entweicht. Am Ende sinkt das Verhältnis auf etwa 10 bis 15, weil ein großer Teil des Kohlenstoffs als Kohlendioxid entweicht.
Wasser. Mikroben leben im Wasserfilm um jedes Teilchen. Die FAO nennt 40 bis 65 Prozent Feuchte als Arbeitsbereich, zu Beginn am besten 50 bis 60. Eine kräftig gedrückte Handvoll sollte sich anfühlen wie ein ausgewrungener Schwamm. Über etwa 65 Prozent wird die Luft verdrängt, der Haufen beginnt zu faulen und zu stinken.
Luft. Kompostierung braucht Sauerstoff. Grobes Material hält den Haufen offen, Umsetzen bringt Luft in den Kern. Ein zu dichter Haufen erstickt in der Mitte, ein zu kleiner verliert seine Wärme.
Heißrotte und Kaltrotte, und wann Kompost reif ist
Ein gut aufgesetzter Haufen durchläuft eine klare Temperaturkurve. Zuerst bauen Organismen, die mäßige Wärme mögen, zwischen etwa 20 und 45 Grad Celsius, Zucker und Stärke ab. Ihre Tätigkeit heizt den Haufen auf, und wärmeliebende Organismen übernehmen bei 50 bis 70 Grad. Nach Angaben der FAO werden Krankheitserreger ab 55 Grad in der Regel abgetötet, Unkrautsamen brauchen um 62 Grad. Nach Tagen oder wenigen Wochen ist das leicht Verdauliche aufgebraucht, die Temperatur fällt; Umsetzen kann sie noch einmal anfachen. Erwärmt sich der Haufen danach nicht mehr, beginnt die Nachreife, in der Pilze, Würmer und andere Bodentiere das Material ausreifen lassen.
Das ist die Heißrotte: Der Haufen wird auf einmal aus genug gemischtem Material aufgesetzt. Bei der Kaltrotte kommt nach und nach etwas dazu. Der Haufen bleibt nahe der Außentemperatur, braucht viele Monate und schont das Pilzleben, tötet aber Unkrautsamen und Pflanzenkrankheiten nicht verlässlich ab. Kranke Pflanzen und samentragendes Unkraut gehören deshalb in eine Heißrotte oder gar nicht auf den Kompost.
Reifer Kompost ist dunkel, krümelig und riecht nach Waldboden. Ein einfacher Prüfstein ist der Kressetest: Keimt Kresse in einem Topf voll Kompost gleichmäßig und bleibt grün, schadet er jungen Wurzeln nicht.
Wurmkompost
Wurmkompost entsteht durch Kompostwürmer, meist Eisenia fetida, die in verrottendem organischem Material leben und nicht im mineralischen Boden. Sie arbeiten sich durch Küchenreste und feuchte Einstreu und hinterlassen feinen, krümeligen Wurmhumus. Eine heiße Phase gibt es nicht: Die Würmer mögen etwa 15 bis 25 Grad und stoßen nach einer Übersicht von Clive Edwards um 35 Grad an ihre Grenze. Eine Wurmkiste braucht daher einen kühlen, schattigen Platz und gleichmäßige Feuchte, im Mittelmeersommer die kühlste Ecke des Geländes oder eine Kiste, die zum Teil in den Boden eingelassen ist. Die Seite Wurmkompost geht in die Praxis.
Kompost im trockenen Mittelmeerklima
Die meisten Kompostanleitungen stammen aus Gegenden mit Regen das ganze Jahr. Auf Sardinien setzt das Wasser die Grenze: Ein offener Haufen trocknet im Juli in wenigen Tagen aus, und trockener Kompost steht einfach still. Die FAO beschreibt Grubenverfahren für Gebiete mit spärlichem Regen, mit Erde abgedeckt, damit die Feuchte bleibt, und empfiehlt schattige Plätze, etwa unter großen Bäumen. Hier heißt das: im Herbst und Winter aufsetzen, wenn Regen fällt und Grünmaterial reichlich da ist, jede Schicht wässern, eine Grube oder eine schmale, mit Stroh oder Erde abgedeckte Miete statt eines lockeren, offenen Haufens wählen und den Kompost abgedeckt über den Sommer ruhen lassen.
Auch ausgebrachter Kompost braucht Schutz. Offen liegend trocknet er aus und verliert Stickstoff an die Luft, unter Mulch bleibt er feucht und nährt weiter das Bodenleben. Die Flächenkompostierung geht einen Schritt weiter und lässt das Material dort verrotten, wo es liegt. Selbst die Wärme der Rotte lässt sich nutzen: In der Provence leitete Jean Pain um 1970 Wasserrohre durch Haufen aus gehäckseltem Reisig und wärmte damit Wasser.
An einem trockenen Hang ist Kompost ein Werkzeug für Stellen, die verdichtete Fruchtbarkeit brauchen: Pflanzgruben, Anzuchtbeete, junge Bäume. Die größere Arbeit leisten Bodenbedeckung und Material, das dort verrottet, wo es fällt, denn nichts muss getragen werden und nichts trocknet unterwegs aus.
Sa Medada
So sieht das bei uns aus
Sa Medada liegt an der Ostseite Sardiniens, mit einer Trockenzeit von Mai bis September. Projekt Eden beginnt mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt, und der Schnitt der Stützpflanzen soll dort in den Boden zurückgehen, wo er wächst. Wo auf solchem Land kompostiert wird, entscheidet der Sommer über die Methode: Schatten, Abdeckung und Feuchte zählen mehr als das Rezept.
Mehr über Projekt EdenHäufige Fragen
Was ist Kompost?
Kompost ist organisches Material wie Küchenreste, Gartenschnitt, Stroh, Laub oder Mist, das Bakterien, Pilze und kleine Bodentiere unter Luft und Feuchte abgebaut haben. Heraus kommt eine dunkle, krümelige Masse, die nach Waldboden riecht. Sie enthält Nährstoffe, die langsam frei werden, und bringt eine dichte Gemeinschaft von Bodenlebewesen mit. Kompost ist aber noch kein Humus: Kompost ist ein Material, das man herstellt und ausbringt, Humus dagegen ein Zustand, den der Boden über Jahre durch die Arbeit seines eigenen Lebens erreicht.
Was unterscheidet Heißrotte und Kaltrotte?
Bei der Heißrotte wird ein großer, gut gemischter Haufen auf einmal aufgesetzt, mit dem richtigen Verhältnis von Kohlenstoff, Stickstoff, Wasser und Luft. Die Mikroben vermehren sich so rasch, dass sich der Kern auf etwa 50 bis 70 Grad erhitzt. Ab 55 Grad werden Krankheitserreger nach Angaben der FAO in der Regel abgetötet, Unkrautsamen brauchen um 62 Grad. Bei der Kaltrotte kommt das Material nach und nach dazu, wie es anfällt. Der Haufen wird höchstens warm, braucht viele Monate und schont Pilze und Würmer, tötet aber Unkrautsamen und Pflanzenkrankheiten nicht zuverlässig ab.
Wie mische ich grünes und braunes Material richtig?
Mikroben brauchen etwa 25 bis 30 Teile Kohlenstoff auf einen Teil Stickstoff, so der FAO-Leitfaden zur Kompostierung im Betrieb; 20 bis 40 gehen noch. Braunes, kohlenstoffreiches Material sind Stroh, trockenes Laub, Holzhäcksel und Pappe. Grünes, stickstoffreiches Material sind frischer Schnitt, Küchenreste und Mist. Zu viel Braunes, und der Haufen bleibt kalt und träge. Zu viel Grünes, und er wird nass und schmierig, riecht nach Ammoniak und verliert seinen Stickstoff an die Luft. Ein guter Anfang sind etwa gleiche Volumen frischer und trockener Stoffe, danach wird nach Geruch und Griff nachgesteuert.
Woran erkenne ich reifen Kompost?
Reifer Kompost ist dunkelbraun bis schwarz, krümelig und riecht nach Waldboden, nicht nach Ammoniak oder Fäulnis. Die Ausgangsstoffe sind bis auf holzige Stücke kaum noch zu erkennen. Ein gutes Zeichen ist, dass sich der Haufen nach dem Umsetzen nicht mehr erwärmt: Die heiße Phase ist vorbei, die Nachreife hat begonnen. Ein einfacher Test für zu Hause ist der Kressetest. Man sät Kresse in einen Topf mit Kompost. Keimt sie gleichmäßig und bleiben die Keimlinge grün und aufrecht, enthält er nichts, was jungen Wurzeln schadet. Unreifer Kompost kann Sämlinge verbrennen und im Boden Stickstoff binden.
Wie kompostiert man in heißem, trockenem Klima?
Indem man Wasser als knappste Zutat behandelt. Kompost arbeitet am besten bei etwa 50 bis 60 Prozent Feuchte, und im Mittelmeersommer trocknet ein offener Haufen in wenigen Tagen aus. Also im Schatten aufsetzen, jede Schicht beim Aufsetzen wässern und mit Stroh, Erde oder einer dicken Mulchschicht abdecken. Eine Grube oder eine schmale, abgedeckte Miete hält die Feuchte weit besser als ein lockerer, offener Haufen. Die beste Zeit zum Aufsetzen sind Herbst und Winter, wenn Regen fällt und Grünmaterial reichlich da ist. Im Sommer ruht der Haufen abgedeckt bis zum ersten Regen.

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Quellen
- R.V. Misra, R.N. Roy und H. Hiraoka, On-farm composting methods, FAO Land and Water Discussion Paper 2 (2003)
- Cornell Waste Management Institute, Cornell Composting: Science and Engineering, Online-Leitfaden (1996)
- Clive A. Edwards, The science of vermiculture: the use of earthworms in organic waste management (2006)
- Bill Mollison, Permaculture: A Designers' Manual (1988)
- Johannes Lehmann und Markus Kleber, The contentious nature of soil organic matter, Nature 528 (2015)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-15