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Kreisläufe schließen

Kreislaufdenken in der Permakultur

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-1610 Min. Lesezeit

Luftbild eines mediterranen Permakulturhofs im Abendlicht: Haus, Teich, runde Schlüssellochbeete, mit Stroh abgedeckter Kompost, Hühner unter Obstbäumen und ein Waldgarten, verbunden durch Wege

Kurz gesagt

Die Sicht der Permakultur auf Land als verbundene Kreisläufe von Wasser, Nährstoffen, Kohlenstoff, Material und Saatgut, angetrieben vom Sonnenlicht.

Was Kreislaufdenken heißt

Ein Eichenblatt, das im Herbst fällt, geht nicht verloren. Im Lauf weniger Jahre zerlegen es Asseln, Springschwänze, Pilze und Bakterien, und was es enthielt, kehrt zu den Wurzeln desselben Baumes oder seiner Nachbarn zurück. Dung ernährt Käfer, Totholz ernährt Pilze. In einem intakten Ökosystem hat das Wort Abfall keine rechte Bedeutung: Was ein Lebewesen zurücklässt, ist Nahrung für ein anderes, und dieselben Atome von Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff gehen durch unzählige Leben.

Die moderne Wirtschaft läuft dagegen meist in einer Linie: holen, einmal nutzen, wegwerfen. Lebensmittel reisen in die Städte, und was von ihnen übrig bleibt, verlässt sie über Tonne und Kanal. Am Anfang der Linie wird etwas knapp, an ihrem Ende häuft sich etwas an, wo es Schaden anrichtet. Vieles von dem, was wir Verschmutzung nennen, ist ein Rohstoff am falschen Ort.

Kreislaufdenken biegt diese Linie wieder zum Ring. Es fragt bei jedem Stoff auf einem Stück Land, woher er kommt, wohin er als Nächstes geht und wer ihn unterwegs gebrauchen könnte. Ganz geschlossen ist kein echtes System: Ernten verlassen das Land, Regen wäscht einen Teil der Nährstoffe aus. Ziel sind kürzere, engere Kreisläufe, die wenig verlieren und wenig von außen brauchen.

Wie die Permakultur es versteht

Das Kreislaufdenken zieht sich von Anfang an durch die Permakultur. In Permaculture: A Designers' Manual (1988) beschrieb Bill Mollison Höfe und Gärten als Netze, in denen die Ausgabe eines Elements zur Eingabe eines anderen wird. Zwei Regeln aus seiner Lehre gehören bis heute zu vielen Gestaltungskursen. Jedes Element soll mehrere Aufgaben erfüllen, und jede wichtige Aufgabe soll von mehreren Elementen getragen werden. Ein Teich kann Wasser speichern, die Luft kühlen und Fische ernähren; umgekehrt soll die Wasserversorgung eines Gartens nicht an einem einzigen Tank hängen. Mollison wird zudem ein kühnerer Gedanke zugeschrieben: Der Ertrag eines gut gestalteten Systems habe keine feste Obergrenze, weil die Zahl der Nutzungen, die ein Rohstoff finden kann, vor allem durch das Wissen und die Vorstellungskraft des Gestalters begrenzt sei.

David Holmgren hat die Praxis der Permakultur in Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability (2002) zu zwölf Prinzipien verdichtet. Fünf davon lesen sich fast wie eine Beschreibung des Kreislaufdenkens.

Energie einfangen und speichern. Sonnenlicht, Regen und das Wachstum einer Saison sind eine Zeit lang reichlich da und dann vorbei; Holmgren stellt dem Prinzip den alten Rat zur Seite, Heu zu machen, solange die Sonne scheint. Wasser im Boden, Humus, Saatgut und Holz tragen eine Zeit der Fülle in magere Monate.

Erneuerbare Ressourcen und Leistungen nutzen und wertschätzen. Stickstoffbindende Pflanzen düngen den Boden, Regenwürmer lockern ihn, Hühner scharren und misten. Wer solche Leistungen nutzt, braucht weniger Treibstoff und weniger Zukauf.

Keinen Abfall erzeugen. Sinnbild dieses Prinzips ist der Regenwurm, einer der wirksamsten Verwerter organischer Stoffe: Er lebt von Pflanzenresten und verwandelt sie in Humus, der dem Boden, seinen Mikroben und den Pflanzen dient. Holmgren stellt dem billige Massenware gegenüber, die nicht für die Dauer gemacht ist, und Plastikverpackungen, die aus Erdöl hergestellt und nur kurz gebraucht werden. Abfall ist in dieser Sicht das Zeichen einer unfertigen Gestaltung.

Integrieren statt trennen. Kreisläufe entstehen nur, wo Elemente nah beieinander liegen und verbunden sind: ein Hühnerstall am Rand des Gemüsegartens, ein Komposthaufen zwischen Küche und Beeten.

Selbstregulierung anwenden und Rückmeldungen annehmen. Blasse Blätter, eine Kruste auf nacktem Boden oder eine Rinne nach Starkregen zeigen, wo ein Kreislauf leckt. Die Permakultur verlangt vom Gestalter, solche Zeichen zu lesen und Systeme zu bauen, die sich weitgehend selbst wieder ins Lot bringen.

Energie treibt die Kreisläufe an

Wie die Seite zum Energiefluss zeigt, kreist Energie nicht. Wasser, Nährstoffe, Kohlenstoff und Material können immer wieder durch dasselbe Feld gehen, die Energie des Sonnenlichts aber verbraucht sich beim Arbeiten und entweicht am Ende als Wärme. Mollisons Lehre spricht zwar von Energiekreisläufen, gemeint ist damit aber ein praktisches Ziel und kein physikalisches Gesetz: gespeicherte Energie vor Ort so lange wie möglich von einer Nutzung zur nächsten weiterzugeben, bevor sie verloren ist.

Die Sonne treibt zwar auch Verdunstung und Regen an, doch die lebendigen Kreisläufe des Landes drehen sich nur, solange Pflanzen frisches Sonnenlicht einfangen. Die Permakultur fragt deshalb an jedem Ort zweierlei: Wie viel des einfallenden Lichts trifft auf lebende Blätter statt auf nackten Boden, und wie lange bleibt die eingefangene Energie als Zucker, Holz, Humus und Bodenleben im System, bevor sie als Wärme entweicht? Geschichtete Pflanzungen wie ein Waldgarten, ein Boden, der nie nackt liegt, und Schnittgut, das auf dem Land bleibt, sind die Antworten darauf.

Vom Prinzip zur Gestaltung

In der Praxis heißt Kreislaufdenken, die Dinge so anzuordnen, dass der Abfall des einen Elements zur Ressource des nächsten wird.

Küchenreste wandern auf den Kompost, und der Kompost kommt auf das Beet, das die Küche versorgt. Regen vom Dach läuft in eine Zisterne und von dort in den trockenen Monaten in den Garten. Schnittgut und gemähtes Grün werden als Mulch ausgelegt, nähren Würmer und Pilze und kehren als krümelige Erde zurück. Tiere weiden, lassen ihren Mist auf der Weide, und die Weide wächst auf dem nach, was sie hinterlassen.

Entfernung zählt. Die Zonenplanung, wie Mollison sie lehrte, legt das, was täglich Aufmerksamkeit braucht, nah ans Haus und das, was wenig Pflege verlangt, weiter weg. Ein Komposthaufen am äußersten Ende des Grundstücks wird bald vernachlässigt, und die Küchenreste landen dann doch in der Tonne.

Auch Vielfalt zählt. Eine Einzelkultur zehrt immer an denselben Nährstoffen und hinterlässt Reste, die wenige andere Elemente nutzen können. Mischpflanzungen, Pflanzengilden und die Stufen der Sukzession schaffen viele kleine Tauschbeziehungen: Tiefe Wurzeln nehmen Mineralstoffe aus dem Unterboden auf, die mit dem Laub an die Oberfläche gelangen, und Stickstoffbinder versorgen ihre Nachbarn, wenn sie Laub abwerfen oder geschnitten werden. Die syntropische Landwirtschaft geht noch einen Schritt weiter und schneidet kräftig und oft, damit Pflanzenmasse beständig zum Boden zurückfließt.

Die sechs Kreisläufe im TerraWiki

Der Bereich Kreisläufe schließen betrachtet sechs Kreisläufe einzeln: wie jeder in der Natur läuft, wo die übliche Landnutzung ihn bricht, welche Techniken ihn wieder schließen und wie es auf Sa Medada aussieht.

  • Der Wasserkreislauf folgt dem Regen vom Blatt über den Boden bis zum Dampf und zeigt, warum Wasserhalten im Hang vor jedem Tank kommt.
  • Der Nährstoffkreislauf verfolgt Stickstoff, Phosphor und andere Nährstoffe aus Luft und Gestein durch Pflanzen und Bodenleben zurück zu den Wurzeln.
  • Kohlenstoff und Humus beschreibt, wie Kohlenstoff aus der Luft in den Boden gelangt, wie lange er dort bleibt und warum dieser Vorrat wieder verloren gehen kann.
  • Energie: der Fluss, der alles antreibt erklärt ausführlich, warum das Sonnenlicht alle anderen Kreisläufe antreibt und wo die Landnutzung es verschenkt.
  • Biomasse und Material folgt Laub, Holz und Schnittgut vom Wachsen bis zum Humus und fragt, warum so viel davon verbrannt oder abgefahren wird.
  • Der Saatgutkreislauf zeigt, wie Pflanzen sich selbst aussäen und über Generationen anpassen, und wie Gärtner daran teilhaben können.

Wie Terra Humana es auf Sa Medada angehen will

Sa Medada ist ein Hang in Jerzu, in der Ogliastra auf der Ostseite Sardiniens, mit milden Wintern und einer Trockenzeit, die etwa von Mai bis September dauert. Ein alter Olivenhain bedeckt einen Teil des Landes, an den steileren Hängen wächst Macchie, und die LiDAR-Feuchtekarte zeigt eine vergleichsweise trockene Hauptfläche mit feuchteren Rinnen an den Rändern. Auf solchem Land gibt das Wasser jedem anderen Kreislauf den Takt vor.

Projekt Eden beginnt deshalb mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt. Swales sind geplant, gebaut ist noch keine. Mehrere Stickstoffbinder stehen bereits in der Erde, darunter Tephrosia, der Korallenbaum, Inga edulis und Leucaena. Ihr Schnitt soll als Mulch dort auf den Boden zurückgehen, wo sie wachsen, damit das, was am Hang wächst, auch am Hang bleibt; wie viel das bringt, ist nicht gemessen. Eine Laboranalyse des Bodens gibt es noch nicht, und so treffen wir keine Aussagen über seinen Humus oder seine Nährstoffe.

Terra Humana versteht ihre Arbeit als Renaturierung und Rehumanisierung: beschädigtem Land das Leben zurückzugeben und dem Menschen einen Platz innerhalb dieser Kreisläufe zu geben statt außerhalb. Dazu gehört unser Blick auf sogenannte invasive Arten. Wuchsstarke Neuankömmlinge sind nach unserem Verständnis die eigene Strategie der Natur, gestörten Boden wieder zu heilen, und sie haben das größte Potenzial für eine rasche Renaturierung, wenn sie gelenkt und schrittweise ersetzt werden. Arten der EU-Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten verwendet Terra Humana dagegen nie.

Pflanzen in diesem Beitrag

Häufige Fragen

Was heißt es in der Permakultur, einen Kreislauf zu schließen?

Es heißt, einen Garten, einen Hof oder eine Siedlung so anzulegen, dass das, was ein Element zurücklässt, von einem anderen genutzt wird, statt im Müll zu landen. Küchenreste werden zu Kompost für die Beete, die die Küche versorgen, Dachwasser wird für die trockenen Monate gespeichert, Schnittgut wird zu Mulch für das Bodenleben. Geschlossen ist ein Kreislauf, wenn das Land wenig von außen braucht und wenig nach außen verliert. Ganz dicht ist kein echtes System; das Ziel sind kürzere, engere Kreisläufe, keine Vollkommenheit.

Gibt es in der Natur wirklich keinen Abfall?

Im Sinn nutzloser Reste, die sich anhäufen und Schaden anrichten, kaum. Fast alles, was ein Lebewesen hinterlässt, ist Nahrung für ein anderes, vom Herbstlaub über den Dung bis zum Totholz. Verluste gibt es trotzdem: Regen wäscht Nährstoffe in Flüsse und Meer, und wo die Zersetzung stockt, etwa im Moor, kann organisches Material sehr lange liegen bleiben. Diese Stoffe bleiben aber Teil größerer Kreisläufe. Abfall im strengen Sinn entsteht vor allem in menschlichen Wirtschaftsweisen, die Dinge einmal benutzen und dann wegwerfen.

Welche Prinzipien der Permakultur handeln von Kreisläufen?

Fast alle berühren sie, doch fünf der zwölf Prinzipien von David Holmgren beschreiben sie am unmittelbarsten: Energie einfangen und speichern, erneuerbare Ressourcen und Leistungen nutzen und wertschätzen, keinen Abfall erzeugen, integrieren statt trennen sowie Selbstregulierung anwenden und Rückmeldungen annehmen. Aus der Lehre von Bill Mollison stammen die Regeln, dass jedes Element mehrere Aufgaben erfüllen und jede wichtige Aufgabe von mehreren Elementen getragen werden soll. Zusammen beschreiben sie eine Gestaltung, in der Ausgaben zu Eingaben werden und kein einzelner Ausfall das Ganze bricht.

Wo kann ich im eigenen Garten anfangen, Kreisläufe zu schließen?

Bei dem, was den Garten heute schon verlässt. Küchenreste und Gartenabfälle, die in die Tonne wandern, können auf den Kompost. Laub und Schnittgut, das zusammengerecht und abgefahren wird, kann als Mulch unter Sträuchern und Bäumen bleiben. Regen, der vom Dach in den Kanal läuft, lässt sich auffangen oder in eine bepflanzte Mulde leiten. Der Boden sollte das ganze Jahr bedeckt bleiben, und der Kompost gehört nah an die Küche, denn ein Kreislauf, für den man weit laufen muss, wird bald aufgegeben.

Wie wendet Terra Humana das Kreislaufdenken auf Sa Medada an?

Auf diesem sommertrockenen Hang in Sardinien entscheidet das Wasser, wie schnell sich jeder andere Kreislauf drehen kann. Projekt Eden beginnt deshalb mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt. Swales sind geplant, gebaut ist noch keine. Mehrere Stickstoffbinder stehen bereits in der Erde, und das Ziel ist, dass das, was auf dem Land wächst, als Nahrung für den Boden auf dem Land bleibt. Weil es noch keine Laboranalyse des Bodens gibt, sagen wir nichts darüber, wie weit diese Kreisläufe schon geschlossen sind.

Frisch geschnittene Zweige und Blätter liegen als dicke Mulchschicht zwischen jungen Obstbäumen, darunter zerfällt älterer Mulch zu dunkler ErdeNächster in dieser ThemenweltBiomasse und MaterialDer Weg der Pflanzenmasse vom Wachstum über Schnitt, Ernte und Bodendecke bis zum Humus, wo Verbrennen und Abfuhr ihn brechen und wie man ihn wieder schließt.

Verwandte Begriffe

Erwähnt auf

In der Praxis erleben

Diese Prinzipien wirken hier

Die Gestaltungsprinzipien nach David Holmgren, die diese Seite in die Praxis bringt.

Quellen

  • Bill Mollison, Permaculture: A Designers' Manual, Tagari Publications (1988)
  • Bill Mollison und Reny Mia Slay, Introduction to Permaculture, Tagari Publications (1991)
  • David Holmgren, Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability, Holmgren Design Services (2002, überarbeitete Ausgabe Melliodora Publishing 2017)
  • David Holmgren, Essence of Permaculture, Kurzfassung der Prinzipien, holmgren.com.au (abgerufen im Oktober 2026)
  • Permaculture Principles (Holmgren Design), The 12 permaculture design principles, permacultureprinciples.com (abgerufen im Oktober 2026)

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-16