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Permakultur gestalten

Einen Ertrag erzielen

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-167 Min. Lesezeit

Ein sonnendurchfluteter, geschichteter Waldgarten im Spätsommer mit reifen Papayas, Feigen und Zitrusfrüchten über gemulchtem Boden

Kurz gesagt

Das dritte der zwölf Permakultur-Prinzipien von Holmgren: Die Arbeit soll früh und unterwegs echten Lohn bringen, an Nahrung, Material, Wissen und Freude.

Was das Prinzip sagt

Einen Ertrag erzielen, im Original obtain a yield, ist das dritte der zwölf Gestaltungsprinzipien von David Holmgren. Nach der Geduld des Beobachtens und der Voraussicht des Speicherns kommt eine bodenständige Forderung: Die Arbeit muss sich lohnen. Ein Garten, ein Hof oder ein Vorhaben soll den Menschen, die es pflegen, einen wirklich nützlichen Lohn zurückgeben, und zwar früh und unterwegs, nicht erst an einem fernen Punkt, an dem alles fertig ist.

Man kann das Prinzip als Schutz vor zwei gegensätzlichen Fehlern lesen. Der eine ist die Gestaltung, die auf dem Papier schön und in der Theorie bewundernswert ist, aber niemanden ernährt, sodass ihre Urheber müde werden und aufgeben. Der andere ist der Ertrag auf Kosten des Systems selbst: eine Ernte, die den Boden auslaugt, den Speicher leert, der unter dem vorigen Prinzip aufgebaut wurde, und das Land Jahr für Jahr ärmer zurücklässt. Ein echter Ertrag im Sinne des Prinzips kommt aus einem System, das gesund bleibt, während es gibt.

Ertrag ist weit gemeint. Nahrung ist der sichtbarste Teil, doch Holz, Fasern, Mulch, Heil- und Duftpflanzen, Saatgut, Schatten, Einkommen, Fertigkeiten, Wissen und Schönheit sind ebenso Erträge. Das gilt auch für die Freundschaften, die um gemeinsame Arbeit entstehen. Wer alle Erträge eines Elements zählt, sieht seinen Wert oft ganz neu. Eine Hecke, die scheinbar nur ein paar Beeren gibt, bricht vielleicht auch den Wind, bietet Vögeln Schutz, nährt Bienen, liefert Schnittgut für Mulch und markiert eine Grenze.

Einen Ertrag erzielenLehrtafel zu Prinzip 3 von 12: Einen Ertrag erzielen. Sprichwort: Mit leerem Magen kann man nicht arbeiten. Was die Arbeit zurückgibt: Arbeit und Pflege gehen in ein System, das gesund bleibt, während es gibt. Heraus kommen Nahrung, also Obst, Gemüse und Kräuter; Material, also Holz, Fasern und Mulch; Wissen und Freude, also Fertigkeiten, Schönheit und Freundschaften. Der Ertrag kommt früh und unterwegs, nicht erst am Ende: in den ersten Jahren schnelle Pflanzen, etwas später Sträucher, über Jahrzehnte Bäume. Worauf man achtet: Früh etwas setzen, das schnell trägt, während die langsamen Bäume wachsen. Alle Erträge eines Elements zählen, eine Hecke kann auch den Wind brechen, Bienen nähren und Mulch liefern. Kein Ertrag auf Kosten des Systems, den Boden nicht auslaugen, den Speicher nicht leeren. Elemente suchen, deren Erträge einander nähren. Im TerraWiki wirkt das Prinzip bei Waldgarten, Polykultur, Pflanzengilde, Syntropischer Landwirtschaft, Kompost und Kräuterspirale. TERRAWIKI · LEHRTAFEL · PRINZIP 3 VON 12 Einen Ertrag erzielen Sprichwort: „Mit leerem Magen kann man nicht arbeiten“ 3 1WAS DIE ARBEIT ZURÜCKGIBT Arbeit und Pflege ein System, das gesundbleibt, während es gibt Nahrung Obst, Gemüse, Kräuter Material Holz, Fasern, Mulch Wissen und Freude Fertigkeiten, Schönheit,Freundschaften Früh und unterwegs, nicht erst am Ende erste Jahre schnelle Pflanzen etwas später Sträucher über Jahrzehnte Bäume 2WORAUF MAN ACHTET Früh etwas setzen, das schnell trägt,während die langsamen Bäume wachsenAlle Erträge eines Elements zählen: Eine Hecke kannauch den Wind brechen, Bienen nähren, Mulch liefernKein Ertrag auf Kosten des Systems:den Boden nicht auslaugen, den Speicher nicht leerenElemente suchen, deren Erträge einander nähren 3WO ES IM TERRAWIKI WIRKT WaldgartenPolykulturPflanzengildeSyntropische LandwirtschaftKompostKräuterspirale Grundlage: David Holmgren, Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability (2002)

Das alte Sprichwort: Mit leerem Magen kann man nicht arbeiten

Holmgren stellt diesem Prinzip das Sprichwort you can't work on an empty stomach zur Seite, auf Deutsch: Mit leerem Magen kann man nicht arbeiten, oder umgangssprachlich: Ohne Mampf kein Kampf. Es ist das schlichteste seiner zwölf Sprichwörter und vielleicht das menschlichste. Menschen brauchen einen unmittelbaren Lohn, um weiterzumachen. Ein Plan, der Fülle in zwanzig Jahren verspricht und in dieser Saison nichts gibt, verlangt mehr, als die meisten geben können.

Das Sprichwort erklärt auch, warum gute Gestaltungen mit etwas beginnen, das schnell trägt. Einjähriges Gemüse, Kräuter, schnelle Pionierpflanzen und ein paar frühe Früchte bringen einen Ertrag, während die langsamen Bäume wachsen. Jede kleine Ernte ist nicht nur Nahrung. Sie ist Ermutigung und hält die Menschen, die das Land pflegen, in einer lebendigen Beziehung zu ihm.

Wie es in der Natur aussieht

In der Natur muss jedes Lebewesen einen Ertrag erzielen, oder es verschwindet. Eine Pflanze, die mehr Zucker in Blätter und Wurzeln steckt, als diese Blätter und Wurzeln wieder einbringen, übersteht die nächste Dürre nicht. Ein Fuchs, der für seine Beute weiter läuft, als die Beute wert ist, verhungert. Die natürliche Auslese ist unter anderem eine lange Prüfung, welche Lebensweisen mehr zurückgeben, als sie kosten.

Viele der erfolgreichsten Verbindungen in der Natur sind Tauschgeschäfte, bei denen beide Seiten gewinnen. Blüten bezahlen Bestäuber mit Nektar und Pollen und erhalten dafür die Beförderung ihres eigenen Pollens. In der Mykorrhiza geben Pflanzen Zucker an Pilze in ihren Wurzeln ab, und die Pilze zahlen mit Wasser und Phosphor aus Poren, die keine Wurzel erreicht. Pionierpflanzen tragen schnell: Sie bedecken nackten Boden innerhalb einer Saison, und ihre Blätter und Wurzeln werden zur ersten Nahrung für das Bodenleben, auf das die langsameren Arten später angewiesen sind. Eine gute Gestaltung ahmt diese Logik nach und sucht Elemente, deren Erträge einander nähren.

Wo das Prinzip im TerraWiki wirkt

Diese Techniken zeigen verschiedene Wege, einen Ertrag zu erzielen, ohne das Land zu verbrauchen:

  • Waldgarten: Viele Schichten essbarer und nützlicher Pflanzen liefern über das Jahr einen Strom verschiedener Ernten, mit weniger Arbeit, je reifer das System wird.
  • Polykultur: Gemischte Kulturen teilen sich Licht, Wasser und Boden in Raum und Zeit, sodass ein Stück Land mehreres zugleich trägt.
  • Pflanzengilde: eine Gruppe von Pflanzen um einen zentralen Baum, von denen jede einen Ertrag oder eine Leistung beisteuert, die die anderen brauchen.
  • Syntropische Landwirtschaft: Pflanzen unterschiedlicher Lebensdauer werden zusammen gesetzt, sodass schnelle Kulturen in den ersten Jahren tragen, während die langlebigen Bäume wachsen.
  • Agroforstwirtschaft: Bäume und Feldfrüchte auf derselben Fläche geben Holz, Obst und Feldernte nebeneinander.
  • Silvopastorales System: Tiere, die zwischen Bäumen weiden, verwandeln Gras in Milch, Fleisch oder Wolle, während die Bäume Schatten, Früchte und Holz geben.
  • Biomassepflanzen und stickstoffbindende Pflanzen: Ihr Hauptertrag geht als Mulch und Fruchtbarkeit an den Boden, eine Ernte für die nächste Ernte.
  • Kompost: verwandelt die Reste eines Ertrags in die Fruchtbarkeit für den nächsten.
  • Kräuterspirale: ein kleiner, naher Ertrag an Kräutern direkt neben der Küche, wo er jeden Tag gebraucht wird.

Die Seite zum Kreislaufdenken ergänzt einen Gedanken, der Bill Mollison zugeschrieben wird: dass der Ertrag eines gut gestalteten Systems vor allem durch das Wissen und die Vorstellungskraft des Gestalters begrenzt ist.

Auf Sa Medada

Sa Medada ist ein Hang in Jerzu, in der Ogliastra an der Ostseite Sardiniens, mit milden Wintern und einer Trockenzeit, die etwa von Mai bis September dauert. Das Projekt Eden beginnt mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt, der Vorarbeit, auf der jede spätere Ernte ruht.

Der erste Ertrag ist Wissen. Banane, Mango, Avocado, Cherimoya, Papaya, Moringa, Zitrus und weitere Arten wachsen im Freiland und werden im Mikroklima des Hangs erprobt, und was dort gedeiht und was scheitert, wird ehrlich festgehalten. Mehrere Stickstoffbinder stehen schon in der Erde, darunter Tephrosia, der Korallenbaum, Inga edulis und Leucaena; ihr Ertrag ginge, wenn man sie wie in syntropischen Systemen zurückschneidet, an den Boden. Zum Vorhaben gehört eine Permakultur-Akademie, in der dieses Wissen weitergegeben wird. Erntezahlen nennen wir keine, weil noch keine gemessen wurden.

Das vorige Prinzip, Energie einfangen und speichern, legt die Vorräte an, aus denen ein Ertrag genommen werden kann. Das nächste, Selbstregulierung anwenden und Rückmeldungen annehmen, fragt, wie viel man nehmen kann, ohne dem System zu schaden.

Pflanzen in diesem Beitrag

Häufige Fragen

Was bedeutet „einen Ertrag erzielen“ in der Permakultur?

Es ist das dritte der zwölf Gestaltungsprinzipien von David Holmgren (englisch obtain a yield). Es verlangt, dass die Arbeit, die man in einen Garten, einen Hof oder ein Vorhaben steckt, einen wirklich nützlichen Lohn zurückbringt, und zwar nicht erst in ferner Zukunft, sondern früh und unterwegs. Ohne Ertrag verlieren die Menschen, die ein System pflegen, Kraft und Mut, und auch die beste Gestaltung wird aufgegeben. Das Prinzip bringt die lange Geduld des Beobachtens und Speicherns ins Gleichgewicht mit dem schlichten Bedürfnis, satt zu werden.

Welches Sprichwort gehört zu diesem Prinzip?

Holmgren stellt ihm das englische you can't work on an empty stomach zur Seite: Mit leerem Magen kann man nicht arbeiten. Umgangssprachlich sagt man im Deutschen: Ohne Mampf kein Kampf. Gemeint ist, dass Menschen einen unmittelbaren Lohn brauchen, um weiterzumachen. Ein Plan, der Fülle in zwanzig Jahren verspricht und heute nichts gibt, verlangt zu viel. Eine gute Gestaltung enthält deshalb etwas, das schnell trägt, während die langsameren Teile des Systems wachsen.

Ist mit Ertrag nur Nahrung gemeint?

Nein. Nahrung ist der sichtbarste Ertrag, doch die Permakultur zählt viele weitere: Holz, Fasern, Brennstoff, Mulch, Heil- und Duftpflanzen, Saatgut, Einkommen, Schatten, kühlere Luft, Fertigkeiten, Wissen, Schönheit und die Freundschaften, die um gemeinsame Arbeit wachsen. Eine Schar Hühner gibt Eier, aber auch Mist für den Kompost und Hilfe bei Küchenresten und Unkraut. Wer alle Erträge eines Elements zählt, merkt oft, dass es weit mehr wert ist als sein Hauptprodukt.

Wie misst man den Ertrag eines Waldgartens?

Nicht je Baum. Eine Plantage ist darauf getrimmt, aus einer einzigen Art das Meiste herauszuholen; einen Waldgarten misst man besser an der gesamten Ernte über das Jahr im Verhältnis zur Arbeit, die er braucht. Weil viele Arten zu verschiedenen Zeiten tragen und einander stützen, kann ein reifer Waldgarten mit vergleichsweise wenig Pflege einen steten Strom unterschiedlicher Erträge liefern. Die Erträge verteilen sich auch über die Zeit: Schnelle Pflanzen tragen in den ersten Jahren, Sträucher etwas später, Bäume über Jahrzehnte.

Welche Erträge strebt das Projekt Eden auf Sa Medada an?

Das Projekt Eden steht am Anfang. Sein erster Ertrag ist Wissen: Banane, Mango, Avocado, Cherimoya, Papaya, Moringa und Zitrus werden im Mikroklima des Hangs erprobt, und was gedeiht und was scheitert, wird festgehalten. Zum Vorhaben gehört eine Permakultur-Akademie, in der dieses Wissen weitergegeben wird. Über Erntemengen machen wir keine Aussagen, weil es noch keine gemessenen Zahlen gibt.

Gestapelte Shiitake-Stämme im Halbschatten unter einem Anzuchttisch voller JungpflanzenNächster in dieser ThemenweltElementanalyseEin Gestaltungswerkzeug der Permakultur: Es hält fest, was jedes Element braucht, gibt und ist, damit die Erträge des einen den Bedarf des anderen decken.

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Frei zugängliche Quellen, die wir zum Vertiefen empfehlen.

Quellen

  • David Holmgren, Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability, Holmgren Design Services (2002, überarbeitete Ausgabe Melliodora Publishing 2017)
  • Holmgren Design, Principle 3: Obtain a yield, permacultureprinciples.com (abgerufen Oktober 2026)
  • Bill Mollison, Permaculture: A Designers' Manual, Tagari Publications (1988)
  • Martin Crawford, Creating a Forest Garden, Green Books (2010)
  • Smith und Read, Mycorrhizal Symbiosis, 3. Auflage, Academic Press (2008)
  • FAO, The 10 elements of agroecology: guiding the transition to sustainable food and agricultural systems (2018)

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-16