Zum Inhalt springen
Boden und Leben

Biomassepflanzen

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-125 Min. Lesezeit

Frisch geschnittene Zweige eines Stützstrauchs als Mulchring um einen jungen Obstbaum, der Stamm bleibt frei

Kurz gesagt

Schnellwüchsige Pflanzen, die vor allem für ihr Schnittgut wachsen: immer wieder geschnitten, liefern sie Mulch und organische Substanz direkt vor Ort.

Was sind Biomassepflanzen?

Biomassepflanzen sind Arten, die vor allem für die Masse an Pflanzenmaterial wachsen, die sie bilden. Geerntet werden weder Früchte noch Holz. Stattdessen werden sie immer wieder zurückgeschnitten, und ihre Zweige und Blätter kommen als Mulch auf den Boden. So erzeugen sie an Ort und Stelle das Material, das den Boden schützt und das Bodenleben nährt.

Die Idee ist zentral für die von Ernst Götsch entwickelte syntropische Landwirtschaft und für viele Waldgärten. In diesen Systemen sind Biomassepflanzen keine Zugabe, sondern der Motor. Sie wachsen in den ersten Jahren schnell, solange die Obstbäume noch klein sind, und liefern Schatten, Windschutz und vor allem einen stetigen Strom organischer Substanz. Wenn die Pflanzung reift, werden sie ausgelichtet und weichen nach und nach den Bäumen, für die sie den Boden bereitet haben. Viele von ihnen sind Pionierpflanzen, und viele sind Leguminosen, die zugleich Stickstoff ins System bringen.

Eine Pflanzung, die ihren,Mulch selbst wachsen lässtLehrtafel: Eine Pflanzung, die ihren Mulch selbst wachsen lässt. Biomassepflanzen sind schnellwüchsige Pflanzen, die vor allem für ihr Schnittgut wachsen. Bei Chop and Drop nährt ein Schnitt zweimal: von oben, weil Zweige und Blätter liegen bleiben, wo sie hinfallen, rund um die Obstbäume; von unten, weil die geschnittene Pflanze einen Teil ihrer Wurzeln abstößt, die organische Substanz in den Boden bringen, und bei Leguminosen Stickstoff aus den Knöllchen frei wird. Die Helfer treten mit der Zeit zurück: Am Anfang wachsen sie schnell und liefern Schatten, Windschutz und Schnittgut, solange die Obstbäume klein sind; je größer der Bedarf der Bäume, desto mehr Schnittgut liefern sie; mit der Reife werden sie ausgelichtet und weichen den Bäumen. Geschnitten wird im Winter und Vorfrühling, solange der Niederschlag die Verdunstung noch übersteigt und sich der Schnitt im feuchten Boden zersetzt. Im Sommer bleibt jeder Schatten stehen. Kräftige Arten bleiben gelenkt: Sie werden schrittweise ausgelichtet und ersetzt, sobald die Zielarten übernehmen. TERRAWIKI · LEHRTAFEL Eine Pflanzung, die ihrenMulch selbst wachsen lässt Schnellwüchsige Pflanzen, die vor allem für ihr Schnittgut wachsen. 1CHOP AND DROP: EIN SCHNITT NÄHRT ZWEIMAL Biomassepflanze Obstbaum von obenZweige und Blätterbleiben liegen, wosie hinfallen von untenWurzeln sterben ab;Leguminosen gebenStickstoff frei 2HELFER, DIE ZURÜCKTRETEN Anfang die Helfer wachsenschnell: Schatten,Windschutz,Schnittgut Wachsen je größer der Bedarfder Bäume, destomehr Schnittgut Reife ausgelichtet,weichen sieden Bäumen 3GESCHNITTEN WIRD IM WINTER Winter, Vorfrühling der Niederschlag übersteigtnoch die Verdunstung, derSchnitt zersetzt sich imfeuchten Boden Sommer jeder Schattenbleibt stehen Kräftige Arten bleiben gelenkt: schrittweiseausgelichtet und ersetzt, sobald die Zielartenübernehmen. Grundlage: Ernst Götsch, Break-through in agriculture (1995) · TerraWiki: Biomassepflanzen

Chop and Drop

Die Praxis hinter den Biomassepflanzen heißt Chop and Drop, sinngemäß schneiden und fallen lassen. Eine Pflanze wird zurückgeschnitten, und das Material bleibt liegen, wo es hinfällt, rund um die Bäume, die es nähren soll. Es wird nicht abtransportiert, anderswo kompostiert oder verbrannt. Das spart Arbeit und Transport und hält die Nährstoffe am Ort.

Der Schnitt wirkt auch unter der Erde. Eine Pflanze, die einen großen Teil ihrer Blätter verliert, kann ihr ganzes Wurzelwerk nicht mehr versorgen und stößt einen Teil davon ab. Die abgestorbenen Wurzeln bringen organische Substanz in den Boden selbst, und bei Leguminosen wird Stickstoff aus den Wurzelknöllchen frei. Ein einziger Schnitt nährt den Boden so von oben und von unten. Manche Biomassepflanzen wirken zudem als dynamische Akkumulatoren und holen Nährstoffe aus tieferen Schichten in ihre Blätter.

Welche Arten, und wie sie gelenkt bleiben

Die ideale Biomassepflanze wächst schnell, verträgt starken und wiederholten Rückschnitt, treibt rasch wieder aus und kommt mit dem örtlichen Klima zurecht. Für den Mittelmeerraum nennen Literatur und Praxis unter anderem:

  • Leucaena (Leucaena leucocephala), ein Leguminosenbaum aus Mittelamerika, der nach dem Schnitt kräftig austreibt; er ist frostempfindlich.
  • Tagasaste (Cytisus proliferus), ein Leguminosenstrauch von den Kanaren, trockenhart und seit Langem als Futterpflanze genutzt.
  • Pfahlrohr (Arundo donax), im Mittelmeerraum seit Langem eingebürgert, mit sehr hoher Biomasseleistung.
  • Binsenginster (Spartium junceum) und Baumschneckenklee (Medicago arborea), heimische mediterrane Leguminosensträucher.

Keine dieser Arten steht auf der EU-Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten. Einige breiten sich dennoch kräftig aus: Die Leucaena sät sich reichlich aus, das Pfahlrohr wandert über seine Rhizome. Terra Humana setzt solche Arten bewusst wegen ihrer Kraft ein, die einen müden Boden überhaupt erst in Bewegung bringen kann, aber immer gelenkt: Die Leucaena wird geschnitten, bevor sie viel Samen bildet, das Pfahlrohr steht dort, wo seine Rhizome nicht wandern können, und alle werden schrittweise ausgelichtet und ersetzt, sobald die Zielarten übernehmen.

Wie Terra Humana Biomassepflanzen versteht

Für Terra Humana beantworten Biomassepflanzen eine einfache Frage: Woher kommt der Mulch? Material von außen kostet Transport, kann Samen und Rückstände mitbringen und macht das Land von Lieferungen abhängig. Eine Pflanzung, die ihren Mulch selbst wachsen lässt, ist von alldem frei. Sie wächst zudem mit ihrer Aufgabe: Je größer der Bedarf der jungen Bäume wird, desto mehr Schnittgut liefern die Begleitpflanzen, bis die Bäume selbst genug Laub abwerfen und die Helfer zurücktreten können.

Der Zeitpunkt folgt dem Klima. Geschnitten wird im Winter und Vorfrühling, solange der Niederschlag die Verdunstung noch übersteigt und sich der Schnitt im feuchten Boden zersetzt. Im Sommer bleibt jeder Schatten stehen. So bilden Biomassepflanzen, Mulch und Boden einen einzigen Kreislauf, und der Boden wird von derselben Stelle aus genährt, an der er geschützt wird. Schnittgut, das für Mulch zu holzig ist, lässt sich noch anders nutzen, etwa als Ausgangsstoff für Pflanzenkohle.

Pflanzen in diesem Beitrag

  • LeucaenaLeucaena leucocephala
  • TagasasteChamaecytisus proliferus
  • GinsterSpartium junceum

Häufige Fragen

Was sind Biomassepflanzen?

Biomassepflanzen sind Arten, die nicht hauptsächlich für eine Ernte wachsen, sondern für das Pflanzenmaterial, das sie bilden. Sie wachsen schnell, vertragen starken Rückschnitt und treiben rasch wieder aus. Ihr Schnittgut wird als Mulch auf den Boden gelegt, wo es den Boden schützt und das Bodenleben nährt. In der syntropischen Landwirtschaft und in vielen Waldgärten sind sie der Motor des Systems: Sie erzeugen die organische Substanz, die die Obstbäume später brauchen, genau dort, wo sie gebraucht wird, ohne dass etwas herangeschafft werden muss.

Was bedeutet Chop and Drop?

Chop and Drop, sinngemäß schneiden und fallen lassen, ist die Praxis hinter den Biomassepflanzen. Eine Pflanze wird zurückgeschnitten, und das Schnittgut bleibt liegen, wo es hinfällt, rund um die Bäume, die es nähren soll. Nichts wird abtransportiert, anderswo kompostiert oder verbrannt. Zweige und Blätter werden zu Mulch, zersetzen sich und geben ihre Nährstoffe an den Boden zurück. Ein starker Schnitt verändert die Pflanze auch unter der Erde: Sie stößt einen Teil ihrer Wurzeln ab, was organische Substanz in den Boden selbst bringt und bei Leguminosen Stickstoff aus den Knöllchen freisetzt.

Welche Biomassepflanzen passen ins Mittelmeerklima?

Arten, die Sommertrockenheit aushalten und nach dem Schnitt kräftig austreiben. Häufig genannt werden die Leucaena, ein schnellwüchsiger Leguminosenbaum aus Mittelamerika, der Tagasaste, ein trockenharter Leguminosenstrauch von den Kanaren, und das Pfahlrohr, das sehr große Mengen Material liefert. Auch heimische und alteingesessene Mittelmeerarten wie Binsenginster und Baumschneckenklee leisten diesen Dienst. Keine der hier genannten Arten steht auf der EU-Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten; wuchsstarke werden trotzdem nur gelenkt gepflanzt.

Wann werden Biomassepflanzen geschnitten?

Im Mittelmeerklima im Winter und Vorfrühling, solange der Niederschlag die Verdunstung noch übersteigt. Dann zersetzt sich der Schnitt im feuchten Boden, die Pflanzen treiben schnell wieder aus, und das geöffnete Kronendach schadet nicht. Im Sommer gilt das Gegenteil: Jeder Schatten bleibt, weil Schatten den Boden besser schützt als jede Mulchschicht, und ein starker Schnitt in der Hitze würde sowohl den Boden als auch die Bäume bloßlegen, die er schützen soll.

Bohrstock im Hang, ein Eimer mit Mischprobe und leere ProbentütenNächster in dieser ThemenweltBodenanalyseLaboruntersuchung einer Bodenprobe auf pH, Humus, Nährstoffe, Kalk, Salz und Natrium, am besten gelesen zusammen mit Feldproben wie der Spatenprobe.

Verwandte Begriffe

In der Praxis erleben

Quellen

  • Ernst Götsch, Break-through in agriculture, AS-PTA, Rio de Janeiro (1995)
  • Orwa et al., Agroforestree Database: a tree reference and selection guide, Version 4.0, World Agroforestry Centre (2009)
  • Dave Jacke & Eric Toensmeier, Edible Forest Gardens, Band 2: Ecological Design and Practice (2005)
  • Verordnung (EU) 1143/2014 mit Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141, Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten, konsolidierte Fassung vom 7. August 2025

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12