Kurz gesagt
Die drei Grundwerte der Permakultur: für die Erde sorgen, für die Menschen sorgen und gerecht teilen, also Grenzen setzen und Überschüsse weitergeben.
Was die drei Ethiken sind
Bevor die Permakultur auch nur eine Technik anbietet, fragt sie, wozu die Arbeit dient. Ihre Antwort sind drei Ethiken: für die Erde sorgen, für die Menschen sorgen und gerecht teilen. Sie sind kurz genug, um sie auf einem Gang über das Feld im Kopf zu behalten, und sie dienen als Kompass, wann immer eine Gestaltungsentscheidung nicht auf der Hand liegt. Die Gestaltungsprinzipien beschreiben, wie man handelt; die Ethiken sagen, warum.
Bill Mollison stellte die Ethiken an den Anfang von Permaculture: A Designers' Manual (1988). David Holmgren fasste sie in Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability (2002) neu und gab jeder einen kurzen Arbeitssatz. Auf der Seite, die seine Prinzipien vorstellt, steht die Sorge für die Erde für den Wiederaufbau des Naturkapitals, die Sorge für die Menschen für die Sorge um sich selbst, die Seinen und die Gemeinschaft, und das gerechte Teilen dafür, Grenzen zu setzen und Überschüsse weiterzugeben. Dieselbe Seite hält fest, dass solche Ethiken nicht neu sind: Ähnliche Verhaltensregeln finden sich in den meisten traditionellen Gesellschaften, die über viele Generationen vom selben Land leben mussten.
Die drei Ethiken sind keine Rangfolge. Eine Gestaltung, die Menschen ernährt, aber den Boden auslaugt, verfehlt die erste. Ein wiederbelebter Hang, den niemand betreten darf, verfehlt die zweite. Ein Garten, dessen Überschuss hinter einem Zaun verfault, verfehlt die dritte. Gute Gestaltung in der Permakultur sucht den Ort, an dem alle drei zugleich erfüllt sind.
Für die Erde sorgen
Für die Erde sorgen heißt, sich um die lebendigen Systeme zu kümmern, von denen alles andere abhängt: Boden, Wasser, Wälder, Flüsse und die unzähligen Lebewesen darin. Holmgrens Wort vom Wiederaufbau des Naturkapitals macht deutlich, dass Schützen allein nicht genügt, wo das Land schon beschädigt ist. Das Ziel ist, wieder aufzubauen, was verloren ging, damit ein Ort mit den Jahren reicher an Leben wird statt ärmer.
Der Boden ist das einfachste Maß. Wo unter der Erde viel Leben ist, als Humus und als funktionierendes Bodenleben, hält eine Landschaft Wasser, ernährt Pflanzen und erholt sich von Dürre und Starkregen. Zur Sorge für die Erde gehört auch die Achtung vor Lebewesen, die für den Menschen keinen Nutzen zu haben scheinen. Jedes Lebewesen hat seine Rolle im Ökosystem, ob wir sie verstehen oder nicht.
In der Praxis führt diese Ethik direkt zu den Prinzipien: Energie einfangen und speichern, keinen Abfall erzeugen und den Wasserkreislauf auf dem Land in Gang halten, statt den Regen abfließen zu lassen.
Für die Menschen sorgen
Die Sorge für die Menschen beginnt nah, bei einem selbst, und weitet sich auf Familie, Nachbarn und die größere Gemeinschaft. Holmgrens Seite fügt einen Gedanken hinzu, den man leicht übersieht: Wo die Bedürfnisse der Menschen auf einfache und fürsorgliche Weise erfüllt werden, gedeiht auch das Land um sie herum. Wer sein Wohlbefinden in Beziehungen, Fähigkeiten und sinnvoller Arbeit findet, braucht weniger Dinge, und das entlastet die Erde.
Für Terra Humana hat diese Ethik einen natürlichen Anker in der Rehumanisierung, der zweiten Hälfte des eigenen Namens der Stiftung. Rehumanisierung heißt, den Menschen als bewussten, sorgenden Teilnehmer an der lebendigen Welt wiederherzustellen. Alles Soziale in der Permakultur gehört hierher.
Gemeinschaft. Gärten, Höfe und Dörfer werden für Menschen gestaltet, die zusammen leben und arbeiten. Gemeinschaften wie Tamera in Portugal zeigen, wie sich Land und Gemeinschaft als ein Ganzes planen lassen.
Wissen teilen. Die Permakultur hat sich durch Lehre verbreitet. Mollisons Gestaltungskurs sollte von seinen Absolventen weitergelehrt werden, und so wanderte das Wissen von Mensch zu Mensch. Frei geteiltes Wissen ist die dauerhafteste Form, Menschen zu pflegen.
Arbeit und Teilhabe. Sinnvolle Arbeit am Land, gemeinsam getan, gibt Menschen einen Platz und eine Aufgabe. Wer über Jahre an der Pflege eines Stücks Land teilnimmt, baut eine Bindung auf, die kein Lesen ersetzen kann.
Gesundheit. Nahrung aus lebendigem Boden, sauberes Wasser, Zeit im Freien und Arbeit mit Sinn gehören zu einem gesunden Leben. In dieser Sicht gehören die Heilung des Landes und die Heilung der Menschen zusammen.
Bildung. Kinder und Erwachsene, die lernen, eine Landschaft zu lesen, ihre Pflanzen zu benennen und ihre Kreisläufe zu verstehen, tragen dieses Wissen in ihre eigenen Gärten und Orte.
Gerecht teilen
Die dritte Ethik ist die schwerste und vielleicht die wichtigste. In Holmgrens Kurzform verlangt sie, Grenzen zu setzen und Überschüsse weiterzugeben. Ein Obstbaum gibt in einem guten Jahr mehr, als ein Haushalt essen kann; der Überschuss lässt sich teilen, haltbar machen oder dem Boden zurückgeben. Gerechtes Teilen fragt aber auch, was genug ist. Stetiges Wachstum ist auf einer endlichen Erde nicht möglich, und so muss jeder Mensch und jedes Vorhaben sein eigenes Maß finden.
Der Wortlaut hat sich über die Jahrzehnte verändert. Frühe Fassungen Mollisons sprachen von Grenzen für Bevölkerung und Verbrauch, Holmgrens Buch von Grenzen für Verbrauch und Vermehrung, und viele Lehrer sagen heute einfach gerecht teilen. Der Kern ist geblieben: nehmen, was man braucht, weitergeben, was man nicht braucht, und den Überschuss in die Pflege von Erde und Menschen zurückführen.
Überschuss ist nicht nur Ernte. Er kann Saatgut sein, das den Saatgutkreislauf in Gang hält, wenn Gärtner es tauschen, und er kann Zeit, Arbeitskraft, Werkzeug und vor allem Wissen sein. Holmgrens Seite betont, dass es bei dieser Ethik darum geht, was für uns selbst richtig ist, nicht darum, was andere tun sollten. Gerechtes Teilen beginnt im eigenen Haushalt. Zwei Prinzipien geben ihm eine praktische Seite: einen Ertrag erzielen, denn eine Gestaltung muss echte Erträge bringen, und Selbstregulierung anwenden und Rückmeldungen annehmen, denn sie muss auch ihre Grenzen kennen.
Von den Ethiken zur Gestaltung
Nützlich werden die Ethiken, wenn man sie in Fragen verwandelt. Bevor ein Baum gepflanzt, ein Teich gegraben oder ein Weg angelegt wird, kann der Gestalter fragen: Baut das Boden und Leben auf, oder verbraucht es sie? Dient es den Menschen, die hier leben, und denen, die zum Lernen kommen? Wohin geht der Überschuss? Holmgrens zwölf Prinzipien, beginnend mit Beobachten und mitwirken, und die älteren Gestaltungsregeln von Bill Mollison helfen, die Antworten zu finden. Im Kreislaufdenken treffen sich die drei Ethiken: Was auf dem Land bleibt, nährt den Boden, und was geteilt wird, nährt die Gemeinschaft.
Die drei Ethiken auf Sa Medada
Sa Medada ist ein Hang in Jerzu, in der Ogliastra auf der Ostseite Sardiniens, mit einer Trockenzeit, die etwa von Mai bis September dauert. Die Sorge für die Erde beginnt dort bei Wasser und Boden. Projekt Eden startet mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt. Swales sind geplant, gebaut ist noch keine.
Die Sorge für die Menschen gehört von Anfang an zum Projekt Eden. Zu den Plänen zählen eine Permakultur-Akademie, Räume für Begegnung und Seminare sowie die gemeinnützige Aufnahme von Freiwilligen und Forschern. Dieses TerraWiki, offen für alle, gehört zur selben Absicht: Wissen über das Land und seine Kreisläufe soll geteilt werden, nicht verwahrt.
Gerechtes Teilen heißt für uns auch Ehrlichkeit. Wir dokumentieren, was wir auf Sa Medada versuchen, auch das, was noch nicht gelingt, damit andere daraus lernen können, ohne für dieselben Fehler zu bezahlen.
Häufige Fragen
Was sind die drei Ethiken der Permakultur?
Es sind die Sorge für die Erde, die Sorge für die Menschen und das gerechte Teilen. Für die Erde sorgen heißt, sich um Boden, Wasser, Wälder und alles Lebendige zu kümmern und Beschädigtes wieder aufzubauen. Für die Menschen sorgen heißt, menschliche Bedürfnisse auf einfache und fürsorgliche Weise zu erfüllen, bei sich selbst beginnend bis hin zu Familie und Gemeinschaft. Gerecht teilen heißt, dem eigenen Verbrauch Grenzen zu setzen und Überschüsse weiterzugeben. Zusammen bilden sie das Fundament, auf dem die Gestaltungsprinzipien der Permakultur ruhen.
Was bedeutet gerecht teilen in der Permakultur?
Gerecht teilen verlangt zweierlei: Grenzen setzen und Überschüsse weitergeben. Eine Gestaltung soll echte Erträge bringen, aber sie soll auch wissen, was genug ist, denn grenzenloses Wachstum ist auf einer endlichen Erde nicht möglich. Was über den eigenen Bedarf hinausgeht, ob Ernte, Saatgut, Zeit, Werkzeug oder Wissen, wird an andere Menschen weitergegeben oder fließt in die Pflege des Landes zurück. Diese Ethik beginnt im eigenen Haushalt, nicht mit Forderungen an andere.
Was gehört zur Sorge für die Menschen?
Zur Sorge für die Menschen gehört alles Soziale in der Permakultur: Gemeinschaft, geteiltes Wissen, sinnvolle Arbeit und Teilhabe, Gesundheit und Bildung. Sie beginnt bei der Sorge für sich selbst und reicht zu Familie, Nachbarn und der weiteren Gemeinschaft. Für Terra Humana ist ihr natürlicher Anker die Rehumanisierung, die Erneuerung des Menschen als bewusster und sorgender Teilnehmer an der lebendigen Welt. Wer seine Bedürfnisse durch Beziehungen, Fähigkeiten und sinnvolle Arbeit erfüllt, braucht weniger Dinge, und auch das Land gewinnt.
Wer hat die Ethiken der Permakultur formuliert?
Bill Mollison stellte die Ethiken 1988 an den Anfang von Permaculture: A Designers' Manual. David Holmgren fasste sie 2002 in seinem Buch über die zwölf Prinzipien neu und gab jeder einen kurzen Arbeitssatz: Naturkapital wieder aufbauen, für sich, die Seinen und die Gemeinschaft sorgen, Grenzen setzen und Überschüsse weitergeben. Holmgrens Seite weist darauf hin, dass solche Regeln nicht neu sind: Ähnliche Verhaltensregeln finden sich in den meisten traditionellen Gesellschaften, die über Generationen vom selben Land lebten.
Wie lebt Terra Humana die drei Ethiken?
Auf Sa Medada in Sardinien beginnt die Sorge für die Erde bei Wasser und Boden: Projekt Eden startet mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt. Die Sorge für die Menschen steckt in den Plänen, zu denen eine Permakultur-Akademie, Räume für Begegnung und Seminare sowie die gemeinnützige Aufnahme von Freiwilligen und Forschern gehören. Gerechtes Teilen zeigt sich im offenen Wissen: Dieses TerraWiki ist frei lesbar, und die Stiftung dokumentiert, was sie versucht, auch das, was noch nicht gelingt.

Verwandte Begriffe






Erwähnt auf
In der Praxis erleben
Weiterlesen in der Welt
Frei zugängliche Quellen, die wir zum Vertiefen empfehlen.
- WebsitePermaculture ethics: Earth care, People care, Fair sharepermacultureprinciples.com
- WebsitePeople care: look after self, kin and communitypermacultureprinciples.com
- WebsiteFair share: set limits and redistribute surpluspermacultureprinciples.com
- WebsitePermaculture ethics (Brighton Permaculture Trust)brightonpermaculture.org.uk
- WebsiteWhat is permaculture? (Permaculture Association, Britain)permaculture.org.uk
- WebsiteEthics and principles (Permaculture Australia)permacultureaustralia.org.au
Quellen
- Bill Mollison, Permaculture: A Designers' Manual, Tagari Publications (1988)
- David Holmgren, Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability, Holmgren Design Services (2002, überarbeitete Ausgabe Melliodora Publishing 2017)
- Permaculture Principles (Holmgren Design), Ethics: Earth care, People care, Fair share, permacultureprinciples.com (abgerufen im Oktober 2026)
- Permaculture Association (Britain), What is permaculture?, permaculture.org.uk (abgerufen im Oktober 2026)
- Brighton Permaculture Trust, Permaculture ethics, brightonpermaculture.org.uk (abgerufen im Oktober 2026)
- Stiftung Terra Humana, Gründungsurkunde und Mission (2024)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-16