Kurz gesagt
Die bewusste Verbindung von Bäumen, Futterpflanzen und Weidetieren auf derselben Fläche, so dass alle drei einander tragen.
Was ist ein silvopastorales System?
Ein silvopastorales System verbindet auf derselben Fläche drei Dinge: Bäume, Futterpflanzen und Weidetiere. Das Wort setzt das lateinische silva, Wald, mit der Weide zusammen. Was es von Bäumen unterscheidet, die zufällig auf einer Wiese stehen, ist die Absicht: Die Bäume werden nach dem ausgewählt und gepflegt, was sie den Tieren und dem Boden geben, und die Beweidung wird nach dem gesteuert, was sie mit den Bäumen und dem Unterwuchs macht.
Es ist eine der fünf Praktiken, die die Agroforst-Fachwelt unterscheidet, neben Streifenanbau, Windschutzhecken, Uferrandstreifen und der Nutzung unter geschlossenem Kronendach. In Europa ist es mit Abstand die größte davon. In der Europäischen Union machen silvopastorale Systeme etwa vier Fünftel der gesamten Agroforstfläche aus, in Italien ebenso den überwiegenden Teil, was das Land in Europa auf den vierten Platz nach silvopastoraler Fläche setzt.
Der Austausch ist handfest. Bäume werfen Eicheln, Hülsen und Blätter ab, die Tiere fressen. Ihr Kronendach senkt die Bodentemperatur im Sommer, und das wird mit jedem Jahrzehnt wichtiger. Ihre Wurzeln halten einen Hang und holen Wasser und Nährstoffe aus Tiefen, die Gras nicht erreicht. Umgekehrt hält die Beweidung die Strauchschicht offen, und im mediterranen Sommer heißt das: sie hält die Brandlast klein. Der Dung führt Nährstoffe dorthin zurück, wo sie entnommen wurden.
Die bekanntesten europäischen Ausprägungen haben eigene Namen. Die spanische Dehesa und die portugiesische Montado sind beides silvopastorale Systeme auf Steineiche und Korkeiche, mit Beweidung, gelegentlichem Ackerbau und Korkgewinnung in derselben Landschaft. Sie gehören zu den artenreichsten Agrarlandschaften Europas, und sie sind vollständig von Menschen gemacht.
Das europäische Agrarrecht hat das inzwischen nachgezogen. Die Regeln zum Dauergrünland erlauben ausdrücklich, dass Sträucher und Bäume, die beweidet werden können, Teil der beihilfefähigen Fläche bleiben. Erst das macht bestockte Weiden förderfähig statt nachteilig.
So versteht Terra Humana es
Das silvopastorale System beschreibt den Boden, auf dem Terra Humana arbeitet, unabhängig davon, ob die Stiftung selbst Tiere hält.
Auf Sardinien stehen knapp die Hälfte aller Schafe Italiens, rund 2,7 Millionen, verteilt auf etwa 15.000 Betriebe, Stand Ende 2024. Die durchschnittliche sardische Herde ist mehr als dreimal so groß wie im nationalen Mittel. Das ist keine Statistik-Randnotiz, das ist die Gestalt der Insel: Was wir als mediterrane Landschaft beschreiben, ist eine beweidete, und die Bäume darin stehen dort, wo die Beweidung sie stehen ließ.
Die amtliche Landschaftsuntersuchung der Ogliastra, unseres eigenen Bezirks, sagt das unumwunden. Sie hält fest, dass die Besatzdichten im letzten Jahrhundert stark gestiegen sind, und nennt Überweidung neben Feuer und ungeeigneter Bodenbearbeitung als Grund dafür, dass die ursprüngliche Kork- und Steineichendecke verloren ging. Und sie empfiehlt, die Herden zu verkleinern und die Beweidung zu regeln.
Wir nehmen beide Hälften ernst. Beweidung ist nicht der Feind einer bewaldeten mediterranen Landschaft, sie ist eine der Kräfte, die sie geformt haben. Zu viel davon, ungeregelt, ist das, was sie kahl macht. Der Unterschied liegt in der Steuerung, nicht in der Anwesenheit.
Deshalb gehören silvopastorale Systeme und Reconciliation Ecology zusammen. Ein beweideter Wald ist der Lehrbuchfall für Biodiversität in einer genutzten Landschaft: Niemand zieht sich zurück, die Fläche bleibt produktiv, und sie trägt mehr Leben als eine kahle Weide oder eine geschlossene Pflanzung es täte.

Sa Medada
So sieht das bei uns aus
Auch auf Sa Medada ist das silvopastorale Erbe amtlich festgehalten: Knapp 2.000 der 18.725 Quadratmeter führt das Kataster als pascolo arborato, als baumbestandene Weide, der Rest ist Olivenhain. Die Frage, wie Bäume und Beweidung wieder ins Gleichgewicht kommen, stellt sich für uns deshalb nicht abstrakt, sondern auf einer konkreten Parzelle.
Mehr über Projekt EdenHäufige Fragen
Was ist ein silvopastorales System?
Ein silvopastorales System verbindet bewusst Bäume und Sträucher mit Futterpflanzen und Weidetieren auf derselben Fläche. Es ist eine der fünf anerkannten Agroforst-Praktiken, neben Streifenanbau, Windschutzhecken, Uferrandstreifen und der Nutzung unter Kronendach. Die Bäume geben Schatten, Futter und Schutz, die Tiere halten den Unterwuchs offen und führen Nährstoffe zurück. Keines von beiden ist Beiwerk: das System ist von Anfang an für beide gedacht.
Warum zählt das auf Sardinien besonders?
Weil es die Landschaft selbst ist. Auf Sardinien steht knapp die Hälfte aller Schafe Italiens, und die traditionelle sardische Landschaft ist genau dies: Steineichen und Korkeichen über beweidetem Boden. Silvopastorale Systeme machen rund vier Fünftel der europäischen Agroforstfläche aus, und Italien liegt darin auf dem vierten Platz in Europa. Wer auf Sardinien Land renaturiert, arbeitet mit der Beweidung oder neben ihr.

Verwandte Begriffe






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Quellen
- USDA National Agroforestry Center, Silvopasture: An Agroforestry Practice (AN-8)
- Reduced grazing and changes in the area of agroforestry in Europe, Frontiers in Environmental Science (2023), Datenbasis LUCAS 2018
- Banca Dati Nazionale dell'anagrafe zootecnica, Ministero della Salute, Tierbestände Stand 31.12.2024
- Segretariato Regionale MiC per la Sardegna, Atlante dei Paesaggi della Sardegna, Makroeinheit Ogliastra
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-01
