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Boden und Leben

Steinmulch

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-125 Min. Lesezeit

Junger Feigenbaum und Trockenpflanzen in einem Beet, dessen Boden mit Steinen und dunklem Kies bedeckt ist

Kurz gesagt

Eine Bodenabdeckung aus Kies, Steinen oder Vulkanasche, die Verdunstung senkt und Erosion aufhält; sie hält Jahrzehnte, bringt aber keine organische Substanz.

Was ist Steinmulch?

Steinmulch ist eine Bodenabdeckung aus mineralischem Material: Kies, Splitt, Kieseln, grobem Sand oder Vulkanasche. Er gehört zu den ältesten Formen des Mulchens. Bauern in Trockengebieten haben vor langer Zeit bemerkt, dass der Boden unter einem Stein feucht bleibt, wenn die Erde ringsum längst ausgetrocknet ist, und sie haben aus dieser Beobachtung eine Methode gemacht.

In einem wichtigen Punkt unterscheidet sich das Prinzip vom organischen Mulch. Eine Schicht aus Stroh oder Häcksel ist Nahrung: Das Bodenleben baut sie ab, und sie muss erneuert werden. Eine Steinschicht verrottet nicht. Nach Angaben der UN-Wüstenkonvention kann ein Kiesmulch bei geringer Pflege zwanzig bis fünfzig Jahre halten. Der Preis für diese Haltbarkeit ist, dass er dem Boden kaum organische Substanz zuführt. Er schützt, aber er nährt nicht.

Stein schützt,,aber er nährt nichtLehrtafel: Stein schützt, aber er nährt nicht. Steinmulch ist eine Bodenabdeckung aus Kies, Steinen oder Vulkanasche. In nacktem Boden steigt Wasser durch feine Poren an die Oberfläche und verdunstet dort, Tag für Tag. Unter einer Schicht aus grobem Kies sind die Poren zu groß für diesen Aufstieg, das Wasser bleibt darunter, und Regen läuft rasch hindurch. Ein Kiesmulch kann zwanzig bis fünfzig Jahre halten, verrottet nicht und bringt dem Boden kaum organische Substanz. Auf Lanzarote gediehen nach den Ausbrüchen von 1730 bis 1736 Pflanzen unter der Asche besser als auf offenem Boden; daraus wurde ein Anbausystem: Vulkanasche, rofe genannt, liegt etwa 12 bis 15 Zentimeter hoch, die Reben stehen in Mulden, die bis zum Boden reichen. Seinen Platz hat Steinmulch an windigen Stellen, wo Stroh verweht, an sehr heißen Flecken, wo eine dünne organische Schicht in Wochen verschwindet, und bei Brandgefahr, denn Stein brennt nicht. Vorsicht: Große dunkle Steine in voller Sonne können um junge Pflanzen den Hitzestress erhöhen; helles Material und Abstand zum Stamm helfen. TERRAWIKI · LEHRTAFEL Stein schützt,aber er nährt nicht Bodenabdeckung aus Kies, Steinen oder Vulkanasche. 1WIE ER WASSER HÄLT Nackter Boden Wasser steigt durchfeine Poren auf undverdunstet, Tag für Tag Unter Kies die Poren sind zu großfür den Aufstieg: dasWasser bleibt darunter Ein Kiesmulch kann zwanzig bis fünfzig Jahre halten.Er verrottet nicht und bringt dem Boden kaumorganische Substanz. 2LANZAROTE: REBEN IN DER ASCHE Vulkanasche (rofe)etwa 12 bis 15 cm Mulde biszum Boden Nach den Ausbrüchen von 1730 bis 1736 gediehenPflanzen unter der Asche besser als auf offenemBoden. Daraus wurde ein Anbausystem. 3WO STEIN SEINEN PLATZ HAT Windig wo Strohverweht Sehr heiß wo eine dünneorganische Schichtin Wochenverschwindet Brandgefahr Stein brenntnicht Vorsicht: Große dunkle Steine in voller Sonne könnenum junge Pflanzen den Hitzestress erhöhen. HellesMaterial und Abstand zum Stamm helfen. Grundlage: FAO, Lanzarote (2025); UNCCD, Gravel mulching · TerraWiki: Steinmulch

Wie er wirkt

Die entscheidende Wirkung des Steinmulchs ist eine Unterbrechung der kapillaren Verbindung zwischen Boden und Luft. In nacktem Boden steigt Wasser durch feine Poren an die Oberfläche und verdunstet dort, Tag für Tag, was den Boden über einen Sommer bis in beträchtliche Tiefe austrocknen kann. Eine Schicht aus grobem Kies oder Asche hat Poren, die für diesen kapillaren Aufstieg zu groß sind. Das Wasser bleibt unter der Schicht und geht viel langsamer verloren.

Zugleich lässt die Schicht Regen rasch hindurch. Das Wasser läuft zwischen den Steinen in den Boden, statt oberflächlich abzufließen. Die Steine brechen den Aufprall der Tropfen, der nackten Boden verschlämmt, und halten die Erde gegen den Wind.

Eine Wirkung verlangt Vorsicht. Steine in voller Sonne heizen sich stark auf und geben die Wärme am Abend wieder ab. Um junge Pflanzen an sehr heißen Stellen kann ein Ring aus großen dunklen Steinen den Hitzestress erhöhen statt ihn zu senken. Helles Material und ein Abstand zum Stamm helfen. Umgekehrt bleibt der Boden unmittelbar unter einem größeren Stein oft kühl und feucht, weshalb dort im Hochsommer häufig noch Feinwurzeln und Bodentiere zu finden sind, wenn die offene Fläche daneben längst ausgedörrt ist.

Lanzarote und andere Beispiele

Das bekannteste Beispiel ist das Enarenado auf Lanzarote. Zwischen 1730 und 1736 bedeckte eine Folge von Ausbrüchen große Teile der Insel mit Lava und Asche. Die Bauern bemerkten, dass Pflanzen unter der Asche besser gediehen als auf offenem Boden, und machten daraus ein Anbausystem. Sie breiten die Vulkanasche, rofe genannt, gezielt über vorbereiteten Boden, nach Angaben der FAO in einer Schicht von etwa 12 bis 15 Zentimetern. Reben werden in Mulden gepflanzt, die durch die Schicht bis zum Boden reichen. Auf einer Insel mit sehr wenig Regen hält die Asche Feuchte und begrenzt die Verdunstung. Die FAO hat das System 2025 ausführlich dokumentiert.

Im trockenen Nordwesten Chinas legen Bauern seit Langem Kies und Sand über Felder, zum selben Zweck. Kleinere Formen sind überall verbreitet: ein Steinring um einen Jungbaum, Kieswege zwischen Beeten oder Steine, die beim Räumen eines Feldes gesammelt und auf die Oberfläche gelegt werden, statt sie wegzutragen.

Wie Terra Humana Steinmulch versteht

Für Terra Humana ist Steinmulch eine Ergänzung, kein Ersatz. Das Ziel ist ein lebendiger, an Humus reicher Boden, und Stein baut keinen Humus auf. Organischer Mulch und lebende Decke bleiben deshalb die erste Wahl, wo immer genug Material vorhanden ist.

Steinmulch hat seinen Platz dort, wo organisches Material versagen würde: an windigen Stellen, wo Stroh verweht, an sehr heißen Flecken, wo eine dünne organische Schicht binnen Wochen verschwunden wäre, und im brandgefährdeten Sommer, wo Stein nicht brennt. Kombiniert mit organischem Material darunter oder mit einem Pflanzloch, das mit Kompost oder Pflanzenkohle angereichert ist, kann eine Steindecke eine junge Pflanze durch ihre ersten Sommer bringen, bis ihr eigener Schatten übernimmt.

Häufige Fragen

Was ist Steinmulch?

Steinmulch ist eine Abdeckung des Bodens aus mineralischem Material: Kies, Splitt, Kieseln, grobem Sand oder Vulkanasche. Wie organischer Mulch schirmt er den Boden gegen Sonne und Wind ab, bremst den Wasserverlust und schützt die Oberfläche vor dem Aufprall des Regens. Anders als organischer Mulch verrottet er nicht. Eine Steinschicht hält Jahrzehnte und braucht wenig Pflege, füttert aber das Bodenleben nicht und bringt keine organische Substanz. In Trockengebieten wird er seit Jahrhunderten genutzt, von den Kanaren bis in den trockenen Nordwesten Chinas.

Wie hält Steinmulch den Boden feucht?

Vor allem, indem er den Weg unterbricht, auf dem Wasser den Boden verlässt. In nacktem Boden steigt Wasser durch feine Poren an die Oberfläche und verdunstet dort. Eine Schicht aus grobem Kies oder Asche hat Poren, die für diesen kapillaren Aufstieg zu groß sind, also bleibt das Wasser darunter. Zugleich läuft Regen rasch durch die Lücken zwischen den Steinen in den Boden, und die Steine brechen die Wucht von Tropfen und Wind. Der Boden unter einem Stein oder einer Kiesschicht ist oft spürbar feuchter als nackter Boden daneben.

Was ist das Enarenado auf Lanzarote?

Enarenado ist das traditionelle Anbausystem der Kanareninsel Lanzarote. Nachdem die Ausbrüche von 1730 bis 1736 große Teile der Insel mit Vulkanasche bedeckt hatten, bemerkten die Bauern, dass Pflanzen unter der Asche besser wuchsen als auf offenem Boden. Sie lernten, dieses Material, rofe genannt, gezielt über den Boden zu breiten, nach Angaben der FAO in einer Schicht von etwa 12 bis 15 Zentimetern. Reben werden in Mulden gepflanzt, die durch die Schicht bis zum Boden reichen. Die Asche hält Feuchte und senkt die Verdunstung auf einer Insel mit sehr wenig Regen.

Hat Steinmulch auch Nachteile?

Ja. Er ist mühsam auszubringen und, einmal verlegt, schwer wieder zu entfernen. Er bringt keine organische Substanz und baut deshalb keinen Humus auf. Steine in voller Sonne heizen sich auf und können Wärme an Pflanzen zurückstrahlen, was an heißen Südhängen zählt. Und eine Kiesschicht erschwert es, später Kompost einzubringen oder nachzupflanzen. Steinmulch passt daher dorthin, wo organischer Mulch verwehen, sofort austrocknen oder brennen würde, und wirkt am besten als Ergänzung zur organischen Decke, nicht als Ersatz.

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Verwandte Begriffe

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Quellen

  • UNCCD, Sand and Dust Storms Toolbox: Gravel mulching
  • FAO, Agricultural systems in jable and volcanic sands in Lanzarote Island, Bilddokumentation (2025)
  • FAO, Lanzarote's volcanic miracle (2025)
  • Kader et al., Recent advances in mulching materials and methods for modifying soil environment, Soil and Tillage Research 168 (2017)

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12