Kurz gesagt
Eine Toilette ohne Spülwasser, in der Ausscheidungen mit trockenem Material abgedeckt und durch Rotte und Lagerung zu einem hygienischen Bodenstoff werden.
Was ist eine Komposttoilette?
Eine Komposttoilette ist eine Toilette ohne Spülung. Was ein Wasserklosett mit mehreren Litern Trinkwasser fortträgt, bleibt hier in einem Behälter, wird mit trockenem, kohlenstoffreichem Material bedeckt und über Monate zu einem erdähnlichen Stoff umgesetzt. Das Prinzip ist alt. Neu ist das Wissen, wie man es hygienisch und angenehm macht, gesammelt in den vergangenen Jahrzehnten von der Sanitärforschung, besonders in Skandinavien und in der Entwicklungszusammenarbeit.
Ausscheidungen allein sind zu nass und zu stickstoffreich, um gut zu kompostieren. Kot hat ein Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff von nur etwa 7 bis 8, Mikroben arbeiten am besten bei 25 bis 30. Die Einstreu, meist Sägemehl, Hobelspäne, trockenes Laub oder gehäckseltes Stroh, schließt diese Lücke. Sie saugt Feuchte auf, bindet Gerüche, hält Fliegen fern und liefert den Kohlenstoff. Ohne sie gibt es keine Rotte, nur eine nasse, riechende Masse.
Bauarten: Trenntoilette, Kompostkammer und Eimersystem
Trockentrenntoiletten haben einen Sitz oder eine Schüssel mit zwei Öffnungen oder Bereichen: Der Urin fließt nach vorn in einen Behälter oder eine Versickerung, der Kot fällt nach hinten in eine Kammer. Mit Asche, Sägemehl oder Erde bedeckt, trocknet er eher aus, als dass er im strengen Sinn kompostiert. Viele dieser Toiletten haben zwei Kammern, die abwechselnd genutzt werden: Während die eine sich füllt, ruht und trocknet die andere.
Kompostkammern halten das Material feucht genug für eine echte Rotte, oft zusammen mit Küchenresten. Ein Lüftungsrohr zieht Luft durch die Kammer. In durchlaufenden Anlagen kommt frisches Material oben hinein, fertiger Kompost wird unten entnommen; in Wechselanlagen wird eine Kammer gefüllt, verschlossen und zum Reifen stehen gelassen, während die zweite in Betrieb ist. Wechselanlagen gelten als sicherer, weil sich frisches und reifes Material nie mischen.
Das Eimersystem ist die einfachste Form, ausführlich beschrieben von Joseph Jenkins im Humanure Handbook. Ein Eimer unter einem Sitz bekommt nach jeder Benutzung etwas Einstreu. Ist er voll, wird er in einen eigenen Kompostbehälter im Freien geleert, mit Stroh oder Laub bedeckt und zusammen mit Garten- und Küchenabfällen heiß kompostiert. Jenkins arbeitet mit zwei Behältern: Einer wird etwa ein Jahr lang gefüllt und ruht dann etwa ein Jahr, während der zweite sich füllt. Die eigentliche Behandlung geschieht in dieser Nachrotte.
Rotte, Lagerzeit und Hygiene
Menschlicher Kot kann Krankheitserreger tragen: Bakterien, Viren, Einzeller und die Eier parasitischer Würmer. Die WHO-Leitlinien zur Nutzung von Ausscheidungen in der Landwirtschaft setzen deshalb klare Sperren. Eine Heißrotte sollte mindestens eine Woche lang wenigstens 50 Grad Celsius erreichen und halten; weil ein Haufen selten überall gleich heiß wird, braucht es in der Praxis eine längere Rottezeit. Wo keine Hitze entsteht, übernimmt die Lagerzeit: anderthalb bis zwei Jahre bei 2 bis 20 Grad, mehr als ein Jahr über 20 Grad. Heben Asche oder Kalk den pH-Wert über 9, verkürzt sich die Lagerung auf mindestens sechs Monate. Die Eier des Spulwurms Ascaris sind am widerstandsfähigsten und bestimmen diese Zeiten.
Aus denselben Leitlinien folgen weitere Sperren. Auch behandeltes Material wird in den Boden eingearbeitet und nicht über Blätter verteilt, und zwischen letzter Gabe und Ernte liegt mindestens ein Monat. Bei roh gegessenen Kulturen ist die meiste Sorgfalt nötig; Obstbäume und Zierpflanzungen sind das sicherste Ziel.
Urin als Stickstoffdünger
Urin enthält den größten Teil der Nährstoffe, die ein Mensch ausscheidet. In den schwedischen Beispielwerten des Stockholm Environment Institute scheidet ein Erwachsener im Jahr rund 550 Liter Urin aus, mit etwa 4 Kilogramm Stickstoff und 0,37 Kilogramm Phosphor, gegenüber etwa 0,55 Kilogramm Stickstoff und 0,18 Kilogramm Phosphor im Kot. Der Urin trägt damit knapp neun Zehntel des Stickstoffs und rund zwei Drittel des Phosphors. Die Werte schwanken mit der Ernährung.
Frischer Urin gesunder Menschen enthält wenige Krankheitserreger; das Hauptrisiko ist die Verunreinigung mit Kot. Für einen Haushalt, der den eigenen Urin auf die eigenen Kulturen bringt, erlauben die WHO-Leitlinien die direkte Verwendung, mit einem Monat zwischen Düngung und Ernte. Wo andere die Ernte essen, empfehlen sie eine Lagerung von mindestens sechs Monaten bei 20 Grad oder mehr. Urin wird oft mit etwa drei Teilen Wasser verdünnt, um die Pflanzen ausgebracht und rasch eingearbeitet. Er enthält auch Salz. Wo wenig Regen den Boden durchspült, ist es sinnvoll, die Stelle ab und zu zu wechseln und maßvoll zu dosieren.
Wie sich der Kreislauf zwischen Küche, Mensch und Boden schließt
Der Nährstoffkreislauf eines Hofes bricht an keiner Stelle so vollständig wie hier: Was die Ernte fortgetragen hat, geht durch den Menschen und endet im Kanal. Die Komposttoilette schließt diese Lücke. Die Nahrung kommt aus dem Boden, geht durch Küche und Körper und kehrt als Kompost und Urindünger an den Ort zurück, von dem sie kam.
Dazu spart sie Wasser. In Haushalten der Vereinigten Staaten entfallen nach Angaben der EPA knapp 30 Prozent des Wasserverbrauchs im Haus auf die Toilette. Auf trockenem Land ohne Kanal, wo das Grauwasser aus dem Waschen schon in den Garten zurückgeht, macht die Komposttoilette den zweiten Schritt: Kein Trinkwasser wird mehr gebraucht, um Nährstoffe fortzutragen.
Häufige Fragen
Was ist eine Komposttoilette?
Eine Komposttoilette ist eine Toilette, die ohne Spülwasser auskommt. Statt weggespült zu werden, wird der Kot nach jeder Benutzung mit trockenem, kohlenstoffreichem Material wie Sägemehl, Hobelspänen oder trockenem Laub bedeckt. Das bindet Feuchte und Geruch und gibt den Mikroben den Kohlenstoff, den sie brauchen. Danach wird das Material verrottet und gelagert, in einer Kammer unter der Toilette oder in einem eigenen Kompostbehälter, bis daraus ein erdähnlicher Stoff geworden ist. Viele Bauarten fangen den Urin getrennt auf, weil er für sich ein wertvoller Dünger ist und den festen Teil viel leichter handhabbar macht.
Riecht eine Komposttoilette?
Eine gut geführte kaum oder gar nicht. Geruch entsteht vor allem dort, wo sich Urin und Kot mischen und nass bleiben, sodass Ammoniak entweicht und das Material ohne Luft zu faulen beginnt. Genug Einstreu nach jeder Benutzung löst das meiste davon: Sie saugt Flüssigkeit auf und legt eine trockene Schicht obenauf. Die Urintrennung hilft weiter, ebenso ein Lüftungsrohr, das Luft aus der Kammer zieht. Riecht eine Komposttoilette, liegt es meist an zu wenig Einstreu, zu viel Feuchte oder einem Lüftungsrohr, das nicht zieht.
Ist Kompost aus menschlichen Ausscheidungen sicher?
Er kann es sein, wenn Zeit und Temperatur ihre Arbeit tun dürfen. Die WHO-Leitlinien zur Nutzung von Ausscheidungen in der Landwirtschaft nennen zwei Wege. Eine Heißrotte sollte mindestens eine Woche lang wenigstens 50 Grad erreichen, was in der Praxis eine längere Rottezeit erfordert. Ohne Hitze übernimmt die Lagerung: anderthalb bis zwei Jahre bei 2 bis 20 Grad, über ein Jahr bei mehr als 20 Grad, kürzer, wenn Asche oder Kalk den pH-Wert über 9 heben. Die Eier des Spulwurms Ascaris sind die zähesten Erreger und geben das Tempo vor.
Wie verwendet man Urin als Dünger?
Urin ist ein schnell wirkender Stickstoffdünger. In der Hauspraxis wird er oft mit etwa drei Teilen Wasser verdünnt und um die Pflanzen herum auf den Boden gegossen, nicht auf die Blätter, und rasch eingearbeitet oder eingewässert, damit weniger Stickstoff als Ammoniak entweicht. Er passt zu nährstoffhungrigen Kulturen in ihrer Hauptwachstumszeit; gedüngt wird bis etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Zeit bis zur Ernte, und die WHO-Leitlinien sehen mindestens einen Monat zwischen letzter Gabe und Ernte vor. Der Jahresurin eines Menschen reicht nach dem Stockholm Environment Institute für etwa 300 bis 400 Quadratmeter Kulturen.
Wie viel Wasser spart eine Komposttoilette?
Das gesamte Wasser, das sonst gespült würde. In Haushalten der Vereinigten Staaten entfallen nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA knapp 30 Prozent des Wasserverbrauchs im Haus auf die Toilette. In einer trockenen Gegend ist das Trinkwasser, das ein paar hundert Gramm Material abtransportiert. Die Komposttoilette hält außerdem Nährstoffe aus dem Abwasser heraus, wo sie zur Belastung würden, und gibt sie dem Land zurück. Sie braucht keinen Kanalanschluss und ist deshalb besonders für abgelegene Orte, Gärten und Land ohne Leitungsnetz interessant.

Verwandte Begriffe






Erwähnt auf
Diese Prinzipien wirken hier
Die Gestaltungsprinzipien nach David Holmgren, die diese Seite in die Praxis bringt.
Quellen
- WHO, Guidelines for the safe use of wastewater, excreta and greywater, Volume 4: Excreta and greywater use in agriculture, Tabellen 4.4 bis 4.6, S. 68-70 (2006)
- Jönsson, Richert Stintzing, Vinnerås und Salomon, Guidelines on the Use of Urine and Faeces in Crop Production, EcoSanRes Publications Series 2004-2, Stockholm Environment Institute, Tabelle 1 und S. 7 (2004)
- Schönning und Stenström, Guidelines for the Safe Use of Urine and Faeces in Ecological Sanitation Systems, EcoSanRes Publications Series 2004-1, Stockholm Environment Institute, Tabelle 1 und S. 7 (2004)
- Tilley, Ulrich, Lüthi, Reymond, Schertenleib und Zurbrügg, Compendium of Sanitation Systems and Technologies, 2. überarbeitete Auflage, Eawag (2014)
- Joseph Jenkins, The Humanure Handbook, 4. Auflage (2019)
- US EPA WaterSense, Residential Toilets (online, abgerufen 2026)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-15