Kurz gesagt
Einer der seltensten Kulturbäume Europas (Sorbus domestica): tiefwurzelnd, hitze- und trockenheitshart, und darum ein Hoffnungsträger der Klimadebatte.
- Botanisch
- Sorbus domestica
- Lebensdauer
- mehrere hundert Jahre
- Wurzel
- tiefe Pfahlwurzel
- Auf Sa Medada
- seit 2024, der erste Baum
Wissenspfad: Bäume, die bleiben
Station 7 von 7
Was ist ein Speierling?
Wer einem alten Speierling begegnet, begegnet einer Rarität: kaum eine Baumart Mitteleuropas ist seltener geworden als Sorbus domestica. Dabei war der Baum einmal ein selbstverständlicher Teil der Kulturlandschaft, gepflanzt an Weinbergen, Feldrainen und in Streuobstwiesen, geschätzt für seine herben Früchte im Apfelwein und für ein Holz, das zu den dichtesten und wertvollsten Europas gehört.
Der Speierling wächst langsam und lebt lange, mehrere hundert Jahre sind möglich. Seine Krone bleibt licht, seine gefiederten Blätter erinnern an die Eberesche, mit der er verwandt ist. Was ihn aber für die Gegenwart so interessant macht, liegt unter der Erde: eine tiefe Pfahlwurzel, die ihn an Wasser bringt, das anderen Arten verschlossen bleibt. Zusammen mit seiner südlichen Herkunft, das natürliche Areal reicht bis Nordafrika und Kleinasien, macht sie ihn zu einem der widerstandsfähigsten Laubbäume für heiße, trockene Lagen. In den Zukunftsbaum-Listen der Forstwissenschaft taucht er darum mit erstaunlicher Regelmäßigkeit auf: ein fast vergessener Baum als Antwort auf eine sehr gegenwärtige Frage.
Wie Terra Humana ihn versteht
Für Terra Humana ist der Speierling mehr als eine Position auf einer Artenliste: er ist der Gründungsbaum von Sa Medada. Als erster Baum, der auf Sa Medada überhaupt gepflanzt wurde, kam 2024 ein Speierling in die heißeste Südflanke des Geländes, bewusst dorthin, wo das Land am wenigsten verzeiht. Er gedeiht prächtig.
Damit trägt dieser eine Baum die Grundfrage des ganzen Ortes in sich: welche Bäume bestehen im Klima, das kommt, nicht im Klima, das war? Ein mitteleuropäischer Hoffnungsträger, gepflanzt in der mediterranen Härte, die vielen Regionen Europas erst noch bevorsteht, ist dafür ein präziserer Versuch, als es jede Simulation sein könnte. Und er verkörpert eine zweite Überzeugung: dass Seltenheit kein Museumsfall ist. Ein Baum, der Jahrhunderte leben kann, wird nicht für eine Saison gepflanzt, sondern für Generationen.

Sa Medada
So sieht das bei uns aus
Der Speierling ist der erste Baum, den wir auf Sa Medada gepflanzt haben, 2024 und bewusst an die heißeste Stelle der Südflanke. Er gedeiht. Im Forschungsregister von Projekt Eden steht er als Baum Nr. 1, und an ihm wollen wir über Jahre festhalten, was dieser seltene Baum im mediterranen Sommer leistet.
Mehr über Projekt EdenHäufige Fragen
Was ist ein Speierling?
Der Speierling (Sorbus domestica) ist ein sommergrüner Wildobstbaum aus der Familie der Rosengewächse und zählt zu den seltensten Baumarten Mitteleuropas. Er wächst langsam, kann mehrere hundert Jahre alt werden und bildet eine tiefe Pfahlwurzel, mit der er auch auf trockenen, flachgründigen Standorten besteht. Seine apfel- oder birnenförmigen Früchte gaben ihm den Namen: herb und gerbstoffreich, seit Jahrhunderten als klärender Zusatz im Apfelwein geschätzt. In Deutschland wurde er 1993 zum Baum des Jahres gewählt, auch um auf seine Seltenheit aufmerksam zu machen.
Warum gilt der Speierling als klimaresistent?
Drei Eigenschaften kommen zusammen. Erstens die tiefe Pfahlwurzel: sie erreicht Wasser, an das flacher wurzelnde Arten nicht herankommen. Zweitens seine Herkunft: das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von Mitteleuropa über den Mittelmeerraum bis nach Kleinasien und Nordafrika, Hitze und Sommertrockenheit gehören also zu seinem Erbe. Drittens seine Genügsamkeit auf warmen, auch kalkreichen und zeitweise trockenen Standorten. Die Forstwissenschaft führt ihn deshalb regelmäßig in den Listen der Zukunftsbäume für trocken-warme Lagen.
Sind die Früchte des Speierlings essbar?
Ja, aber mit Geduld. Frisch vom Baum sind die Früchte hart, sauer und durch ihre Gerbstoffe zusammenziehend. Erst teigig nachgereift, wie bei der Mispel, werden sie mild und aromatisch. Traditionell wurden sie vor allem verarbeitet: als klärender und haltbarmachender Zusatz zum Apfelwein, besonders in der Frankfurter Kelterkultur, außerdem zu Bränden, Mus und getrockneten Früchten. Auch die Vogelwelt schätzt sie, was den Speierling zusätzlich zu einem wertvollen Baum für die Artenvielfalt macht.
Wie selten ist der Speierling wirklich?
Er gehört zu den seltensten Baumarten Deutschlands: die Bestände alter, großkroniger Exemplare werden auf wenige tausend Bäume geschätzt, viele davon in Hessen, Franken und am Oberrhein. Zur Seltenheit beigetragen haben die langsame Jugendentwicklung im Schatten schnellerer Arten, die Verwechslung mit der Elsbeere und die geringe forstliche Nutzung im 20. Jahrhundert. Seit der Wahl zum Baum des Jahres 1993 wird er wieder gezielt gepflanzt, auch weil sein Holz zu den dichtesten und wertvollsten europäischen Laubhölzern zählt.
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Quellen
- Kausch-Blecken von Schmeling, Der Speierling (2000)
- Stiftung Baum des Jahres, Der Speierling, Baum des Jahres 1993
- BLE, Genetische Ressourcen seltener Baumarten in Deutschland
- Forstliche Versuchsanstalten, Anbauversuche Sorbus domestica auf Trockenstandorten
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-01
