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Boden und Leben

Spatenprobe

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-126 Min. Lesezeit

Ausgestochener Bodenblock neben dem Spatenloch, mit krümeliger Oberschicht, Wurzeln und dichterer Lage darunter

Kurz gesagt

Ein Bodenblock wird mit dem Spaten ausgestochen und an Ort und Stelle auf Krümel, Wurzeln, Regenwürmer, Geruch und verdichtete Schichten geprüft.

Was ist eine Spatenprobe?

Eine Bodenanalyse sagt, was ein Boden enthält. Die Spatenprobe zeigt, wie er gebaut ist. Sie betrachtet den Oberboden so, wie Wurzeln und Wasser ihm begegnen: als Gefüge aus Krümeln, Poren und Gängen, das entweder offen oder verschlossen ist. Dafür wird mit dem Spaten ein Erdblock ausgestochen, herausgehoben, von Hand zerlegt und an Ort und Stelle angesehen. Laborgerät braucht es nicht, und die ganze Probe dauert keine halbe Stunde je Stelle.

Das Verfahren wurzelt in der deutschen Landwirtschaft, in der Spatendiagnose von Johannes Görbing. Auf späteren Fassungen aufbauend hat Andrea Beste sie 2003 in ihrer Dissertation an der Universität Gießen zu einer Methode mit klaren Kriterien weiterentwickelt, deren Ergebnisse sich zwischen Standorten vergleichen lassen. In Neuseeland entstand nach ähnlichem Muster die Visual Soil Assessment von Graham Shepherd, bei der jede Beobachtung anhand von Referenzfotos bewertet wird. Die FAO hat sie 2008 gemeinsam mit der Universität Teramo zu Feldanleitungen für mehrere Kulturen umgearbeitet, darunter Olivenhaine.

Die Spatenprobe gehört mit der Fingerprobe zusammen. Die Bodenart sagt, woraus ein Boden besteht; die Spatenprobe zeigt, was Bewirtschaftung, Wurzeln und Bodenleben aus diesem Material gemacht haben. Anders als die Bodenart kann sich alles, was sie erfasst, verändern, und gerade darin liegt ihr Wert: Sie macht eine Besserung oder einen Niedergang binnen weniger Jahre sichtbar.

Was der Block auf dem,Spaten verrätLehrtafel: Was der Block auf dem Spaten verrät. Die Analyse sagt, was ein Boden enthält, der Spaten zeigt, wie er gebaut ist. Vorgehen: feucht, aber nicht nass graben, am Mittelmeer also in der feuchten Jahreszeit, sommertrockener Boden ist zu hart. Stellen wählen, die für die Fläche stehen, dazu eine Vergleichsstelle unter ungestörtem Bewuchs. Eine Grube von etwa 20 mal 20 Zentimetern und 30 Zentimetern Tiefe graben, ein Messer an der Wand abwärts ziehen und die Tiefe des Widerstands merken. Einen Block in Spatenbreite, etwa 20 Zentimeter je Seite, auf eine Plane legen und ohne Kraft entlang der Risse zerlegen. Ein offener Boden zeigt runde, poröse Krümel, gleichmäßig verteilte Wurzeln, Würmer, Gänge und Losung, braune Farbe, oben dunkler durch Humus, und riecht erdig. Ein verschlossener zeigt scharfkantige Brocken und Platten, seitlich abknickende Wurzeln, eine harte Sohle mit scharfer Grenze, graue Flecken und Rostsprenkel, und riecht säuerlich oder faulig. Die FAO-Anleitung wertet mehr als 30 Regenwürmer je Block als gut; am trockenen Mittelmeer zählt der Vergleich derselben Stelle über die Jahre mehr. Dieselbe Stelle, jedes Jahr zur selben Jahreszeit gegraben und fotografiert, zeigt, ob der Boden sich öffnet oder schließt. Bei Verdichtung lockern Wurzeln und Bodenleben über die Zeit, nicht Maschinen, und die Oberfläche bleibt bedeckt. TERRAWIKI · LEHRTAFEL Was der Block auf demSpaten verrät Die Analyse sagt, was er enthält. Der Spaten, wie er gebaut ist. 1SO GEHT MAN VOR 1 Zur richtigen Zeit Feucht, aber nicht nass: am Mittelmeer die feuchteJahreszeit. Sommertrockener Boden ist zu hart. 2 Stellen und Vergleich Stellen, die für die Fläche stehen, dazu eineVergleichsstelle unter ungestörtem Bewuchs. 3 Grube und Messer Grube etwa 20 mal 20 cm, 30 cm tief. Messer ander Wand abwärts: Tiefe des Widerstands merken. 4 Block ausstechen Spatenbreit, etwa 20 cm je Seite, auf eine Planelegen und ohne Kraft entlang der Risse zerlegen. 2OFFEN ODER VERSCHLOSSEN Offen runde, poröse KrümelWurzeln gleichmäßig verteiltWürmer, Gänge und Losungbraun, oben dunkler: Humusriecht erdig Verschlossen scharfkantige Brocken, PlattenWurzeln knicken seitlich abharte Sohle, scharfe Grenzegraue Flecken, Rostsprenkelriecht säuerlich oder faulig Regenwürmer: Die FAO-Anleitung wertet mehr als 30 je Block als gut.Am trockenen Mittelmeer zählt der Vergleich derselben Stelleüber die Jahre mehr als die absolute Zahl. Dieselbe Stelle, jedes Jahr zur selben Jahreszeit gegraben undfotografiert, zeigt, ob der Boden sich öffnet oder schließt. Zeigt sie Verdichtung, graben wir nicht mit Maschinen tiefer.Wurzeln und Bodenleben lockern über die Zeit, die Oberflächebleibt währenddessen bedeckt. Grundlage: Shepherd u. a., VSA Olive Orchards, FAO (2008) · TerraWiki: Spatenprobe

So geht man vor

Der Boden soll feucht, aber nicht nass sein. Die FAO-Anleitung prüft das mit einer Walze von etwa fünf Zentimetern Länge und vier Millimetern Dicke; lässt sie sich mühelos rollen, heißt es warten. Im Mittelmeerraum ist das die feuchte Jahreszeit. Sommertrockener Boden ist zu hart und sagt wenig.

Man wählt Stellen, die für die Fläche stehen, und dazu eine Vergleichsstelle unter ungestörtem Bewuchs, am Feldrand oder unter einer Hecke. Der Vergleich sagt oft mehr als jedes einzelne Ergebnis.

Zuerst gräbt man eine kleine Grube von etwa 20 mal 20 Zentimetern und 30 Zentimetern Tiefe und zieht ein Messer an der Seitenwand von oben nach unten. Wo es plötzlich mehr Widerstand findet, merkt man sich die Tiefe. Dann sticht man einen Block in Spatenbreite aus, etwa 20 Zentimeter nach jeder Seite, hebt ihn auf dem Blatt heraus und legt ihn auf eine Plane. Die FAO-Anleitung lässt den Block bis zu dreimal aus etwa einem Meter Höhe auf ein festes Brett fallen, damit er entlang seiner natürlichen Risse zerfällt. Behutsames Auseinanderziehen von Hand geht ebenso, solange man keine Kraft aufwendet.

Was man sieht

  • Gefüge: runde, poröse Krümel verschiedener Größe sind ein gutes Zeichen. Scharfkantige Brocken mit glatten Flächen, flache Platten oder große dichte Blöcke ohne sichtbare Poren zeigen ein geschädigtes Gefüge.
  • Wurzeln: Feinwurzeln verteilen sich gleichmäßig im Block, auch nach unten. Wurzeln, die seitlich abknicken, sich abflachen oder nur Risse nutzen, sind auf ein Hindernis gestoßen.
  • Regenwürmer und Gänge: Würmer zählen, Gänge und Losung suchen. Die FAO-Anleitung wertet mehr als 30 Würmer je Block als gut; ihre Skala stammt aus feuchteren Klimazonen, auf trockenem Mittelmeerboden zählt deshalb der Vergleich derselben Stelle über die Jahre mehr als die absolute Zahl. In der Trockenzeit ziehen sich die Würmer tief in den Boden zurück, ein weiterer Grund, im Winter zu graben.
  • Farbe und Flecken: braune, gelbliche oder rötliche Töne zeigen gute Durchlüftung, dunklere Töne nahe der Oberfläche Humus. Graue oder blaugraue Flecken und rostfarbene Sprenkel zeigen, wo Wasser steht und Luft fehlt.
  • Geruch: erdig ist gut. Säuerlich, modrig oder faulig bedeutet Sauerstoffmangel.
  • Oberfläche: locker und krümelig, oder nach Regen verschlämmt und verkrustet.
  • Übergänge: Eine scharfe Grenze zwischen lockerem Boden oben und einer harten Schicht darunter ist das klassische Zeichen einer verdichteten Sohle, etwa wo jahrelang in gleicher Tiefe gepflügt wurde.

Wie Terra Humana die Spatenprobe versteht

Für Terra Humana ist die Spatenprobe weniger ein einzelnes Urteil als eine Reihe von Beobachtungen. Dieselbe Stelle, jedes Jahr zur selben Jahreszeit gegraben und fotografiert, zeigt, ob der Boden sich öffnet oder schließt. Sie ist ehrlich auf eine Weise, die zur Renaturierung passt: Eine Maßnahme, die an der Oberfläche erfolgreich aussieht, gilt nicht als Erfolg, solange der Block auf dem Spaten noch dichte Brocken, abgeknickte Wurzeln und keine Würmer zeigt.

Sie hält außerdem den Blick dort, wo die Arbeit geschieht. Bodendecke, Mulch und tiefwurzelnde Pflanzen sollen Krümel und Gänge schaffen; mit der Spatenprobe prüfen wir, ob sie es tun. Wo sie Verdichtung zeigt, heißt das für uns nicht, mit Maschinen tiefer zu graben, sondern Wurzeln und Bodenleben die Lockerung über die Zeit zu überlassen und die Oberfläche währenddessen bedeckt zu halten.

Das Tal von Sa Medada bei Jerzu, Sardinien, mit Olivenhain und Macchie

Sa Medada

So sieht das bei uns aus

Sa Medada liegt an der Ostseite Sardiniens, mit einer Trockenzeit von Mai bis September. In diesen Monaten ist der Boden zu hart für eine aussagekräftige Spatenprobe, ihre Zeit ist die Regenzeit, wenn der Boden feucht ist, ohne zu schmieren. Projekt Eden beginnt mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und Wasserrückhalt. Ob die Bodenbedeckung wirkt, zeigt sich zuerst im Bodenblock auf dem Spaten: an seinen Krümeln, seinen Wurzeln und seinen Wurmgängen.

Mehr über Projekt Eden

Häufige Fragen

Was ist eine Spatenprobe?

Die Spatenprobe ist ein Feldverfahren, mit dem man den Zustand des Oberbodens beurteilt, und zwar mit nicht mehr als Spaten, Messer und einer Plane als Unterlage. Ein Bodenblock wird ausgestochen, herausgehoben, von Hand zerlegt und betrachtet: wie er zerfällt, ob die Krümel rund und porös oder scharfkantig und dicht sind, wie die Wurzeln verlaufen, wie viele Regenwürmer und Wurmgänge er enthält, welche Farbe er hat und wie er riecht. Das Verfahren geht auf die Spatendiagnose von Johannes Görbing zurück und wurde zu Feldanleitungen mit Bewertungsskalen weiterentwickelt, darunter die Visual Soil Assessment der FAO.

Wann ist die beste Zeit für eine Spatenprobe?

Wenn der Boden feucht, aber nicht nass ist, also in dem Zustand, in dem man ihn bearbeiten könnte. Die FAO-Feldanleitung nennt eine einfache Prüfung: Man rollt etwas Erde zu einer Walze von etwa fünf Zentimetern Länge und vier Millimetern Dicke. Gelingt das mühelos, ist der Boden zu nass; reißt die Walze vorher, passt es. Im Mittelmeerklima heißt das: in der feuchten Jahreszeit, nach den ersten Herbstregen und bevor der Boden im späten Frühjahr austrocknet. Im Hochsommer ist er zu hart, um Aussagekräftiges zu zeigen.

Wie sieht ein gesunder Bodenblock aus?

Er zerfällt beim Fallenlassen oder sanften Auseinanderziehen in runde, poröse Krümel unterschiedlicher Größe. Feine Wurzeln durchziehen ihn gleichmäßig in alle Richtungen, auch nach unten. Wurmgänge und Wurmlosung sind leicht zu finden. Die Farbe ist braun, an der Oberfläche oft dunkler, ohne graue oder blaugraue Flecken. Und er riecht erdig, nach den Stoffen, die Bodenmikroorganismen bilden. Ein guter Block zeigt außerdem keine scharfe Grenze, an der lockerer Boden plötzlich in eine harte Schicht übergeht.

Woran erkennt man bei der Spatenprobe eine Bodenverdichtung?

Am Widerstand und am Verhalten der Wurzeln. Man sticht ein Messer von oben nach unten in die Grubenwand: Wo es plötzlich deutlich mehr Widerstand findet, liegt eine dichte Schicht. Wurzeln, die in dieser Tiefe seitlich abknicken, sich abflachen oder nur Risse nutzen, bestätigen den Befund. Verdichteter Boden zerfällt in große, scharfkantige Brocken oder Platten statt in Krümel, hat wenige Poren und Wurmgänge und zeigt oft graue Flecken und rostfarbene Sprenkel, wo Wasser steht und Luft fehlt.

Was verrät der Geruch des Bodens?

Mehr, als man denkt. Der angenehme, erdige Geruch stammt zu einem guten Teil von Geosmin, einem Stoff, den Bodenbakterien aus der Gruppe der Actinomyceten abgeben, und zeigt einen belebten, gut durchlüfteten Boden an. Ein säuerlicher, modriger oder fauliger Geruch deutet auf Sauerstoffmangel hin, meist weil Wasser in einer verdichteten oder verschlämmten Schicht steht und organisches Material ohne Luft zersetzt wird. Ein Boden, der nach fast nichts riecht, ist oft schlicht arm an Leben und organischer Substanz.

Junger Feigenbaum und Trockenpflanzen in einem Beet, dessen Boden mit Steinen und dunklem Kies bedeckt istNächster in dieser ThemenweltSteinmulchEine Bodenabdeckung aus Kies, Steinen oder Vulkanasche, die Verdunstung senkt und Erosion aufhält; sie hält Jahrzehnte, bringt aber keine organische Substanz.

Verwandte Begriffe

Erwähnt auf

In der Praxis erleben

Quellen

  • Andrea Beste, Weiterentwicklung und Erprobung der Spatendiagnose als Feldmethode, Dissertation, Universität Gießen (2003)
  • G. Shepherd, F. Stagnari, M. Pisante und J. Benites, Visual Soil Assessment Field Guide: Olive Orchards, FAO (2008)
  • T. G. Shepherd, Visual Soil Assessment, Band 1, 2. Auflage, Horizons Regional Council, Neuseeland (2008)
  • Hochschule Geisenheim, Spatenprobe / Spatendiagnose, nach B. Ziegler, Bodenpflege im Weinbau (2012)

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-12