Rewilding

Ein Ansatz, der Ökosysteme selbsttragend macht: weniger menschliche Kontrolle, die Führung übernehmen natürliche Prozesse und heimische Arten.

Was ist Rewilding?

Rewilding ist ein Ansatz der ökologischen Renaturierung, der funktionierende, selbsttragende Ökosysteme wiederaufbauen will, indem natürliche Prozesse wiederhergestellt und der laufende menschliche Eingriff zurückgenommen wird. Wo der klassische Naturschutz oft darauf hinarbeitet, eine bestimmte Landschaft in einem festen Zustand zu halten — eine Wiese mähen, einen Wald auf den Stock setzen, eine Zielliste von Arten pflegen —, zielt Rewilding stattdessen darauf, die Bedingungen wiederherzustellen, unter denen sich die Natur selbst gestalten kann: natürliche Beweidung, Prädation, natürliche Wasserbewegung, Verfall und ungelenkte Pflanzensukzession.

Der Begriff kam durch die Naturschutzbiologen Michael Soulé und Reed Noss in den 1990er-Jahren in den wissenschaftlichen Gebrauch; sie verknüpften große Kerngebiete, die Vernetzung zwischen ihnen und die Anwesenheit von Schlüsselarten. In den folgenden Jahrzehnten verbreitete sich die Idee in der europäischen Praxis — aufgegebenes Ackerland, das in Wald zurückkehrt, aus der Kanalisierung befreite Flüsse, wiederangesiedelte große Pflanzenfresser — und wurde durch Autoren wie George Monbiot populär.

Rewilding bewegt sich auf einem Spektrum. An einem Ende stehen große Projekte, die fehlende Tiere über ganze Regionen hinweg wiederansiedeln; am anderen kleine Grundbesitzer, die einfach einen Schritt zurücktreten und einen Winkel Land verwildern lassen. Was sie vereint, ist eine Verschiebung der menschlichen Rolle vom Kontrolleur zum Ermöglicher.

Rewilding und Renaturierung sind nicht dasselbe

Beide zielen auf gesunde Ökosysteme, gehen aber entgegengesetzte Wege — und wer sie verwechselt, erzeugt falsche Erwartungen.

Rewilding zieht die menschliche Hand zurück. Es stellt die Bedingungen wieder her, unter denen sich Natur selbst steuert: natürliche Beweidung, Prädation, ungelenkte Sukzession, frei bewegtes Wasser. Der Erfolg misst sich daran, wie wenig laufende Pflege noch nötig ist. Welche Landschaft dabei entsteht, entscheidet die Natur — eigenwillig und unvorhersehbar.

Renaturierung (italienisch rinaturazione, englisch renaturalisation) stellt degradiertes Land aktiv wieder in einen lebendigen, funktionierenden Zustand — und behält den Menschen als Gärtner und Hüter im Spiel. Boden wird aufgebaut, Wasser gehalten, Bäume und Begleitarten werden gepflanzt, Systeme gestaltet. Der Erfolg misst sich an zurückkehrender Fruchtbarkeit, Biodiversität und Fülle. Die menschliche Hand zieht sich nicht zurück; sie lernt, mit den natürlichen Prozessen zu arbeiten statt gegen sie.

Was Terra Humana tut — und was nicht

Terra Humana betreibt Renaturierung, nicht Rewilding. Das ist eine bewusste Entscheidung, kein gradueller Unterschied.

Unsere Arbeit auf Sa Medada bei Jerzu auf Sardinien ist aktive Kultivierung: mediterrane Nahrungswälder, syntropische Agroforstwirtschaft, Permakulturdesign, Bodenregeneration, Wasserrückhalt und eine offene Akademie für ökologisches Lernen. Wir pflanzen, pflegen, beobachten, greifen ein. Eine mediterrane Landschaft, die viertausend Jahre menschlicher Anwesenheit geformt hat, heilt nicht dadurch, dass man sie verlässt — sie braucht Hände, die wissen, was sie tun.

Wir bezeichnen unsere Arbeit deshalb nicht als Rewilding und erheben keinen Anspruch auf Wildnisflächen oder Arten-Wiederansiedlungen. Der Begriff wird hier erklärt, weil er zum Vokabular der ökologischen Renaturierung gehört und eine echte, wertvolle Praxis benennt — betrieben von anderen, mit anderen Zielen als den unseren.

Häufige Fragen

Was ist Rewilding?

Rewilding ist eine Form der ökologischen Renaturierung, die Land oder Meer in einen Zustand zurückführen will, in dem natürliche Prozesse — Beweidung, Prädation, Sukzession, Überflutung — das Ökosystem mit minimalem laufendem menschlichem Eingriff steuern. Statt eine feste Landschaft zu erhalten, stellt Rewilding die Bedingungen wieder her, unter denen sich die Natur selbst entwickeln kann.

Betreibt Terra Humana Rewilding?

Nein. Terra Humana betreibt Renaturierung: degradiertes mediterranes Land wird aktiv wiederhergestellt — durch Nahrungswälder, syntropische Agroforstwirtschaft, Permakulturdesign und Bodenregeneration, wobei der Mensch als Gärtner und Hüter beteiligt bleibt. Rewilding geht den entgegengesetzten Weg: Es zieht die menschliche Pflege zurück, damit natürliche Prozesse führen. Beide zielen auf gesunde Ökosysteme, sind aber nicht dasselbe.

Verwandte Begriffe

In der Praxis erleben

Quellen

  • Michael Soulé & Reed Noss — Rewilding and Biodiversity: Complementary Goals for Continental Conservation (1998)
  • George Monbiot — Feral: Searching for Enchantment on the Frontiers of Rewilding (2013)
  • Rewilding Europe — Rewilding Principles

Zuletzt aktualisiert: 2026-07-15