Kurz gesagt
Eine der ältesten Kulturpflanzen des Mittelmeerraums und Nahen Ostens: ein Winter-Hülsenfrüchtler, der den Großteil seines Stickstoffs aus der Luft holt.
- Botanisch
- Vicia faba
- Familie
- Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
- Herkunft
- Naher Osten, Wildform unbekannt
- Wuchs
- aufrechte einjährige Pflanze
- Kälte
- leichter Frost; Abhärtung entscheidet
- Wasser
- wächst mit dem Winterregen
- Schicht im Waldgarten
- Krautschicht, Winterkultur
- Ernte
- Frühjahr, grün oder getrocknet
- Auf Sa Medada
- Stickstoffbinder, in der Erde
Was ist eine Ackerbohne?
Die Ackerbohne ist der Stickstoffbinder, der zum Mittelmeer gehört. Sie wird hier so lange angebaut, dass niemand ihre Wildform kennt: Verkohlte Bohnen aus jungsteinzeitlichen Siedlungen in Untergaliläa zeigen, dass Menschen sie vor rund 10.200 Jahren anbauten, die wilde Pflanze, von der sie abstammt, hat man aber nie gefunden. Seither hat sie Menschen, Vieh und Boden ernährt.
Ihr Rhythmus passt genau zum Mittelmeerklima. Gesät wird mit den ersten Herbstregen, sie wächst durch den kühlen, nassen Winter und reift im Frühjahr, bevor die Sommertrockenheit beginnt. In dieser Zeit bindet sie Stickstoff in ihren Wurzelknöllchen. Unter den stickstoffbindenden Pflanzen ist sie der Klassiker des Winterhalbjahrs: Nahrung, Futter und Gründüngung in einer Pflanze.
Herkunft und Wuchs
Die Ackerbohne stammt aus dem Nahen Osten, der Region, in der auch Weizen, Gerste, Linse und Erbse domestiziert wurden. Sie ist eine aufrechte einjährige Pflanze mit vierkantigem, hohlem Stängel, blaugrünen Blättern aus wenigen breiten Fiedern und weißen Blüten mit schwarzem Fleck, die Bienen viel besuchen. Die Hülsen stehen zuerst aufrecht, hängen später und enthalten wenige große Samen. In Jahrtausenden des Anbaus sind viele Formen entstanden, von der großsamigen Gemüsebohne bis zur kleinsamigen Ackerbohne für Futter und Gründüngung.
Ansprüche
Die Ackerbohne ist eine Kultur der kühlen Jahreszeit. Sie wächst am besten bei milder, feuchter Witterung und leidet unter Hitze. Im Mittelmeerraum gehört sie deshalb in den Winter: Im Oktober oder November gesät, lebt sie vom Winterregen und braucht kein Sommerwasser. Leichten Frost verträgt sie, wie gut, hängt aber weniger vom Tiefstwert ab als von der Abhärtung. In einem Versuch mit 24 Sorten an zwei italienischen Standorten starben im milden Foggia (minus 3,4 °C, acht Frosttage) mehr Pflanzen als im nördlichen Lodi (minus 7,3 °C, 54 Frosttage), weil die Pflanzen im Süden vor späten Frösten nicht abgehärtet waren. Sie mag tiefgründige, lehmige, nicht zu saure Böden und volle Sonne.
Rolle im Boden: Stickstoff, Biomasse und Mulch
Ihr Partner ist Rhizobium leguminosarum Symbiovar viciae, das auch an Erbse, Wicke und Linse Knöllchen bildet. Die Ackerbohne zählt zu den stärksten Bindern unter den Körnerleguminosen der kühlen Jahreszeit: Nach einer Übersichtsarbeit in Field Crops Research holt sie etwa 70 bis 95 Prozent ihres Stickstoffs aus der Luft. Passende Bakterien sind in Ackerböden verbreitet; eine Studie im Norden Großbritanniens fand wirksame Stämme sogar auf Feldern ohne jüngeren Leguminosenanbau. Mehr zur Partnerschaft steht im Artikel über Knöllchenbakterien.
Was aus diesem Stickstoff wird, entscheidet die Ernte. Trockene Bohnen nehmen viel davon mit. In der Blüte geschnitten, wird die ganze Pflanze zu Gründüngung oder Mulch und gibt das meiste ihres Stickstoffs an den Boden zurück. Auch nach einer Bohnenernte lassen Wurzeln und Stängel Stickstoff und organische Substanz zurück. Darum ist die kleinsamige Ackerbohne, italienisch favino, in Olivenhainen und Weinbergen Italiens eine traditionelle Gründüngung: im Herbst gesät, im Frühjahr geschnitten, liegen gelassen.
Im Waldgarten
Im Waldgarten gehört die Ackerbohne in die Krautschicht, und in den Winter. Zwischen jungen Bäumen füllt sie den Boden in der Jahreszeit, in der die Bäume ruhen und Licht durchfällt. In der syntropischen Landwirtschaft bilden solche Kulturen die erste, kurzlebigste Stufe: Sie werden zusammen mit Bäumen und Sträuchern gesät, nach einer Saison geerntet oder geschnitten, und ihre Reste nähren die Pflanzen, die bleiben. Weil sie im Winter wächst und im Sommer verschwunden ist, nimmt sie Sommerkulturen kein Wasser weg. Als Winterbegrünung schützt sie den offenen Boden vor den heftigen Winterregen.
Im Mittelmeerklima
Hier ist die Ackerbohne zu Hause. Auf Sardinien, Sizilien, in Spanien, Griechenland und der Levante wird sie seit der Antike angebaut und gehört zum traditionellen Winterfeldbau der ganzen Region. Die mediterrane Züchtung zielt auf Sorten für die Herbstsaat, und in Süditalien brachte eine frühe Wintersaat in Feldversuchen bessere Erträge als eine späte. Die Hauptrisiken sind ein später Kälteeinbruch nach mildem Winter, Frühjahrstrockenheit während Blüte und Hülsenfüllung und die Schwarze Bohnenlaus an den Triebspitzen im Frühjahr.
Die Ackerbohne ist eine Feldkultur und steht auf keiner Liste invasiver Arten.
Vermehrung und Pflege
Ackerbohnen werden im Herbst direkt gesät, etwa fünf Zentimeter tief. Stickstoffdünger brauchen sie nicht. Hohe Sorten werden an windigen Stellen gestützt. Das Ausbrechen der Triebspitzen nach der Blüte mindert den Lausbefall. Zur Gründüngung schneidet man die Pflanzen in voller Blüte und lässt sie auf dem Beet liegen; für Bohnen erntet man im Frühjahr grün oder lässt sie trocknen.
Ein Hinweis zur Vorsicht gehört hierher, gerade auf Sardinien. Menschen mit angeborenem G6PD-Mangel können nach dem Verzehr von Ackerbohnen einen schweren Zerfall roter Blutkörperchen erleiden, den Favismus. Der Mangel ist auf Sardinien vergleichsweise häufig; im Bezirk Sassari hatten ihn nach einer Studie aus den frühen 1990er-Jahren etwa 7,5 Prozent der Männer und Jungen.
So versteht Terra Humana sie
Auf Sa Medada steht die Ackerbohne für die älteste Form der Bodenpflege in dieser Landschaft: eine Winterkultur, die Menschen ernährt und Stickstoff zurücklässt. Sie verbindet die neue Pflanzung mit einer bäuerlichen Praxis, die weit älter ist als jeder der Bäume. Dass sie zum Ort gehört, ist klar; was sie zwischen jungen Bäumen beitragen kann, wird sich zeigen.
Sa Medada
So sieht das bei uns aus
Auf Sa Medada stehen Ackerbohnen als einer der Stickstoffbinder in der Erde. Wie alle von ihnen wurden sie ohne Impfung mit Knöllchenbakterien gepflanzt.
Mehr über Projekt EdenPflanzen in diesem Beitrag
Häufige Fragen
Was ist eine Ackerbohne?
Die Ackerbohne, auch Favabohne, Saubohne oder Dicke Bohne genannt (Vicia faba), ist ein einjähriger Hülsenfrüchtler und eine der ältesten Kulturpflanzen der Alten Welt. Verkohlte Bohnen aus jungsteinzeitlichen Siedlungen in Untergaliläa zeigen, dass sie vor rund 10.200 Jahren angebaut wurde; ihre Wildform hat man nie gefunden. Rund ums Mittelmeer wird sie im Herbst gesät, wächst durch den regenreichen Winter und wird im Frühjahr geerntet, als grüne Bohne oder als trockener Samen. Man baut sie als Nahrung, als Futter und als Gründüngung an.
Wie viel Stickstoff bindet die Ackerbohne?
Sie gehört zu den stärksten Stickstoffbindern unter den Körnerleguminosen der kühlen Jahreszeit. Eine Übersichtsarbeit in Field Crops Research beziffert den Anteil ihres Stickstoffs, der aus der Luft stammt, auf etwa 70 bis 95 Prozent, und der Nutzen für die Folgekulturen ist oft hoch. Wie viel im Boden bleibt, hängt von der Ernte ab: Trockene Samen nehmen einen großen Teil des Stickstoffs mit, ein als Gründüngung untergearbeiteter oder als Mulch liegender Bestand gibt das meiste zurück.
Braucht die Ackerbohne eine Impfung?
Oft nicht. Ihr Partner ist Rhizobium leguminosarum Symbiovar viciae, dasselbe Bakterium, das auch an Erbse, Wicke und Linse Knöllchen bildet. Wo diese Pflanzen oder ihre wilden Verwandten wachsen, sind passende Bakterien meist vorhanden. Eine Studie auf Höfen im Norden Großbritanniens fand wirksame Rhizobien sogar auf Feldern ohne jüngeren Leguminosenanbau. In Böden, die nie solche Pflanzen getragen haben, kann sich eine Impfung trotzdem lohnen. Auf Sa Medada wurden Ackerbohnen ohne Impfung gepflanzt.
Was ist Favismus?
Favismus ist ein Zerfall roter Blutkörperchen, der bei Menschen mit einem angeborenen Mangel des Enzyms G6PD nach dem Verzehr von Ackerbohnen auftreten kann. Die Bohnen enthalten Vicin und Convicin, die im Körper zu stark oxidierenden Stoffen umgebaut werden, denen solche Blutkörperchen nicht standhalten. Frische Bohnen sind der häufigste Auslöser. Der Mangel ist in Sardinien häufig: Im Bezirk Sassari hatten ihn nach einer Studie aus den frühen 1990er-Jahren etwa 7,5 Prozent der Männer und Jungen. Wer einen G6PD-Mangel hat, sollte Ackerbohnen meiden.
Verträgt die Ackerbohne Frost?
Leichte Fröste ja, wie viel, hängt von Sorte und Abhärtung ab. Ein Versuch mit 24 Sorten an zwei italienischen Standorten ergab ein überraschendes Bild: Im südlichen Foggia mit nur acht Frosttagen und einem Tiefstwert von minus 3,4 °C starben über Winter mehr Pflanzen als im nördlichen Lodi mit 54 Frosttagen und minus 7,3 °C. Der milde Winter hatte die Pflanzen vor späten Frösten nicht abhärten lassen. Im Mittelmeergarten ist ein später Kälteeinbruch nach milder Witterung die größere Gefahr.

Verwandte Begriffe






Erwähnt auf
Quellen
- Caracuta et al., The onset of faba bean farming in the Southern Levant, Scientific Reports 5 (2015)
- Jensen, Peoples & Hauggaard-Nielsen, Faba bean in cropping systems, Field Crops Research 115 (2010)
- Maluk et al., Fields with no recent legume cultivation have sufficient nitrogen-fixing rhizobia for crops of faba bean (Vicia faba L.), Plant and Soil 472 (2022)
- Annicchiarico & Iannucci, Winter survival of pea, faba bean and white lupin cultivars in contrasting Italian locations and sowing times, Journal of Agricultural Science 145 (2007)
- Sellami, Lavini, Calandrelli, De Mastro & Pulvento, Evaluation of genotype, environment, and management interactions on fava beans under Mediterranean field conditions, Agronomy 11 (2021)
- Luzzatto & Arese, Favism and Glucose-6-Phosphate Dehydrogenase Deficiency, New England Journal of Medicine 378 (2018)
- Meloni et al., Favism and hemolytic anemia in glucose-6-phosphate dehydrogenase-deficient subjects in North Sardinia, Acta Haematologica 70 (1983)
- Meloni, Forteleoni & Meloni, Marked decline of favism after neonatal glucose-6-phosphate dehydrogenase screening and health education: the Northern Sardinian experience, Acta Haematologica 87 (1992)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-13

