Kurz gesagt
Regen vom Dach über Rinne und Filter in einen geschlossenen, dunklen Speicher leiten, damit der Winterregen in der Trockenzeit Garten und Tiere versorgt.
Was Dachwassernutzung ist
Ein Dach ist die verlässlichste Auffangfläche, die es gibt. Es ist hart, geneigt und schon gebaut, und das Wasser, das von ihm abläuft, ist weit sauberer als Wasser, das über den Boden geflossen ist. Dachwassernutzung sammelt diesen Abfluss über Rinne und Fallrohr, befreit ihn von Laub und Staub und lagert ihn in einem geschlossenen Speicher, der Zisterne, bis er gebraucht wird. Wo der Regen im Winter fällt und die Trockenzeit Monate dauert, leistet die Zisterne, was der Boden nicht kann: sie trägt Wasser aus der nassen Jahreshälfte in die trockene.
Sie ist das Gegenstück zu den Erdbauten, die unter Regenwassernutzung beschrieben sind. Der Boden speichert Wasser im Hang, unsichtbar und für alle Wurzeln; die Zisterne hält es in einem Behälter, abgezählt und am Hahn verfügbar.
Wie viel ein Dach liefert
Die Rechnung ist einfach, denn ein Millimeter Regen auf einem Quadratmeter ist genau ein Liter. Der Ertrag in Litern ist Dachfläche mal Niederschlag in Millimetern mal Abflussbeiwert. Mit der Dachfläche ist die Grundfläche von oben gemeint: ein steiles Dach fängt nicht mehr Regen als ein flaches mit gleichem Grundriss. Der Beiwert erfasst, was nie im Speicher ankommt, Wasser, das die Oberfläche benetzt, verdunstet oder über die Rinne spritzt. Für harte Dächer aus Blech oder Ziegel rechnen Leitfäden meist mit etwa 0,8 bis 0,9, für Kies- oder Gründächer mit deutlich weniger.
Ein Beispiel mit angenommenen Werten: 100 Quadratmeter Dach, 600 Millimeter Regen im Jahr, Beiwert 0,8. Das ergibt 100 × 600 × 0,8 = 48.000 Liter, also 48 Kubikmeter im Jahr. Die Wirklichkeit zieht etwas ab. Labormessungen an Tonziegeln ergaben bei mäßigem und starkem Regen Beiwerte über 0,9, bei leichtem Nieselregen aber weit weniger, weil die Ziegel ihn großteils aufnehmen. Die Erstspülung wird abgeleitet, und was auf einen vollen Speicher fällt, läuft über. Im Mittelmeerraum wiegt eine weitere Grenze schwer: fast alles Wasser kommt in den kühlen Monaten, wenn der Garten wenig braucht. Was im August zur Verfügung steht, hängt weniger vom Dach ab als von der Größe der Zisterne.
Von der Rinne in den Speicher
Das Wasser durchläuft vier Stationen. Zuerst Rinne und Fallrohr, mit so viel Gefälle, dass nichts darin stehen bleibt. Dann der Laubfang, ein Sieb oder Fallrohrfilter, der Blätter, Zweige und Nadeln zurückhält. Drittens die Erstspülung. Der erste Regen nach einer Trockenphase spült Staub, Pollen und Kot vom Dach, und dieser erste Schwall füllt eine kleine Kammer, bevor das sauberere Wasser weiterfließt. Wie viel abgeleitet wird, ist nicht festgelegt; das texanische Handbuch zur Regenwassernutzung nennt rund 0,4 bis 0,8 Liter je Quadratmeter Dachfläche, unter Bäumen ist mehr sinnvoll. Die Kammer wird nach jedem Regen geleert.
Viertens die Zisterne. Beton und Mauerwerk sind schwer, langlebig und halten das Wasser kühl; Regenwasser ist von Natur aus leicht sauer und sehr weich und nimmt in solchen Speichern etwas Mineralstoff aus den Wänden auf. Tanks aus Polyethylen sind leicht und günstiger, Stahltanks brauchen eine Innenbeschichtung gegen Korrosion. Gleich welches Material, die Gegner bleiben Licht und Wärme: Licht nährt Algen, Wärme beschleunigt das Verderben. Eine Zisterne ist deshalb lichtdicht und geschlossen, am besten unterirdisch oder wenigstens im Schatten. Ein beruhigter Zulauf verhindert, dass einströmendes Wasser den Bodensatz aufwirbelt, eine schwimmende Entnahme saugt knapp unter der Oberfläche an, und Lüftung und Überlauf sind gegen Mücken und Kleintiere gesichert.
Der Überlauf gehört von Anfang an in den Plan. Statt im Kanal zu verschwinden, kann der Überschuss in eine bepflanzte Mulde, ein Beet unter Mulch oder eine waagerechte Swale am Hang laufen, wo er versickert wie der übrige Regen, mit Abstand zu Fundamenten.
Wofür das Wasser dient
Dachwasser passt zum Garten: weich, ohne Chlor und dann zur Hand, wenn der Sommer am längsten ist. Am weitesten reicht es mit Verfahren, die nichts verschwenden, Tropfschläuchen oder Ollas, Tontöpfen, die im Beet vergraben und aus der Zisterne nachgefüllt werden. Tiere können es trinken, wenn der Speicher sauber gehalten wird. Im Haus kann es die Toilette spülen, über ein eigenes, deutlich gekennzeichnetes Leitungsnetz, das nie mit der Trinkwasserleitung verbunden ist, und nach diesem ersten Gebrauch kann ein Teil als Grauwasser ein zweites Mal aufs Land zurück. Trinken ist eine andere Sache: unbehandeltes Dachwasser kann Keime tragen und braucht vorher Filterung, Desinfektion und regelmäßige Untersuchung.
Zisternen in der Geschichte des Mittelmeerraums
Wo Flüsse selten und Sommer lang sind, sind Zisternen alt. In der punischen Stadt Tharros an der Westküste Sardiniens gehören zum ausgegrabenen Wassersystem mehrere Zisternen vom Typ „a bagnarola“, lange Becken mit abgerundeten Enden, eine für die punische Welt typische Form, die im römischen Sardinien in Gebrauch blieb; die privaten sammelten Regenwasser für den Haushalt. Auf Malta verlangten die Erbauer Vallettas nach der Großen Belagerung von 1565, auf einer Halbinsel ohne Quellen, für jedes Haus einen unterirdischen Regenwasserspeicher; die Malteser nennen diese Zisternen bis heute Brunnen. Malta zeigt auch die Grenze: eine Choleraepidemie in den 1860er-Jahren deckte auf, wie viele Zisternen durch undichte Abwasserkanäle und Sickergruben verunreinigt waren. Eine Zisterne ist nur so sauber wie ihr Dach, ihre Filter und ihre Pflege.
Häufige Fragen
Wie viel Regenwasser liefert mein Dach?
Ein Millimeter Regen auf einem Quadratmeter ergibt einen Liter. Man multipliziert die Grundfläche des Dachs in Quadratmetern, von oben gesehen, mit dem Jahresniederschlag in Millimetern und mit einem Abflussbeiwert, für harte Dächer aus Blech oder Ziegel meist etwa 0,8 bis 0,9. Ein Dach mit 100 Quadratmetern bei angenommenen 600 Millimetern Regen und einem Beiwert von 0,8 bringt 48.000 Liter im Jahr. Praktisch ist es weniger, weil Nieselregen kaum abläuft, die Erstspülung abgeleitet wird und ein voller Speicher überläuft. Im Mittelmeerklima begrenzt meist die Größe der Zisterne den Sommervorrat stärker als das Dach.
Was ist eine Erstspülung (First Flush)?
Ein kleines Bauteil zwischen Fallrohr und Zisterne, das das erste Wasser jedes Regens auffängt und vom Speicher fernhält. Nach einer Trockenphase trägt gerade dieser erste Schwall das meiste von dem, was sich auf dem Dach abgesetzt hat: Staub, Pollen, Blattreste, Vogelkot. Ein Standrohr oder eine Kammer füllt sich zuerst damit, erst danach fließt das sauberere Wasser in die Zisterne weiter. Eine feste Regel für die Menge gibt es nicht; das texanische Handbuch zur Regenwassernutzung etwa empfiehlt rund 0,4 bis 0,8 Liter je Quadratmeter Dachfläche, nach langer Trockenheit oder unter Bäumen ist mehr sinnvoll. Die Kammer muss nach jedem Regen geleert werden.
Zisterne oberirdisch oder unterirdisch?
Beides geht, solange das Wasser dunkel und kühl bleibt. Unterirdische Speicher halten das ganze Jahr eine gleichmäßig niedrige Temperatur, brauchen keinen Platz und sind vor Sonne und Frost geschützt, kosten aber mehr im Bau und brauchen meist eine Pumpe. Oberirdische Tanks sind günstiger und schneller aufgestellt, und wenn sie höher stehen als der Garten, liefern sie mit eigenem Gefälle. Sie müssen lichtdicht sein und sollten im Schatten stehen, weil Licht Algen wachsen lässt und Wärme alles beschleunigt, was Wasser verdirbt. In jedem Fall gehören ein beruhigter Zulauf, eine Entnahme knapp unter der Oberfläche und gesicherte Öffnungen dazu.
Kann man Regenwasser aus der Zisterne trinken?
Nicht ohne Aufbereitung. Dachwasser kann Keime aus Vogel- und Tierkot tragen und Stoffe, die vom Dach oder aus der Luft abgewaschen werden. Wer es trinken will, braucht ein geeignetes Dachmaterial, eine gepflegte Erstspülung, eine Filterung, einen Desinfektionsschritt etwa mit UV-Licht und regelmäßige Wasseruntersuchungen. Die Geschichte zeigt, warum: Auf Malta deckte eine Choleraepidemie in den 1860er-Jahren auf, wie viele Zisternen durch undichte Abwasserkanäle und Sickergruben verunreinigt waren. Für Garten, Tiere und Toilettenspülung braucht Dachwasser weit weniger Aufwand und ist dafür oft besser geeignet als Leitungswasser.
Wohin mit dem Überlauf der Zisterne?
In die Fläche statt in den Kanal. Jede Zisterne läuft irgendwann über, und was überläuft, ist immer noch sauberes Regenwasser. In eine bepflanzte Mulde, ein gemulchtes Beet oder einen waagerechten Graben auf der Höhenlinie geleitet, versickert es wie der übrige Regen und durchfeuchtet den Boden für Bäume und Sträucher. Der Überlauf liegt etwas tiefer als der Zulauf, ist gegen Mücken und Kleintiere gesichert und mündet mit sicherem Abstand zu Fundamenten und Mauern. So werden Zisterne und Erdbauten am Hang zu einem System: der Speicher behält, was später gebraucht wird, der Boden den Rest.

Verwandte Begriffe






Erwähnt auf
Diese Prinzipien wirken hier
Die Gestaltungsprinzipien nach David Holmgren, die diese Seite in die Praxis bringt.
Quellen
- Texas Water Development Board, The Texas Manual on Rainwater Harvesting, 3. Aufl. (2005)
- Brad Lancaster, Rainwater Harvesting for Drylands and Beyond, Bd. 1: Guiding Principles, 3. Aufl. (2019)
- Silveira A., de Lima J. L. M. P., Dinis C., Abrantes J. R. C. B., Influence of rainfall intensity on the production of runoff on ceramic tile roofs, Engenharia Sanitária e Ambiental 23(4) (2018)
- Regione Autonoma della Sardegna, Sardegna Virtual Archaeology: Tharros, das Wassersystem (online)
- Robert Ghirlando, Malta's underground water world, Il-Bizzilla 125 (2023)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-15