Kurz gesagt
Was Menschen von Ökosystemen erhalten, von Nahrung und sauberem Wasser bis zu Bestäubung, fruchtbarem Boden, kühler Luft und Erholung, meist ohne zu zahlen.
Was sind Ökosystemleistungen?
Ökosystemleistungen, oft auch Ökosystemdienstleistungen genannt, sind die Vorteile, die Menschen aus Ökosystemen ziehen. Manche kann man in die Hand nehmen: Getreide, Obst, Holz, Fasern, Süßwasser. Andere wirken im Hintergrund und fallen erst auf, wenn sie fehlen. Bienen und andere Insekten bestäuben Kulturen. Boden und Pflanzen nehmen den Winterregen auf und geben ihn langsam wieder ab. Wurzeln halten einen Hang fest. Bäume beschatten den Boden und kühlen die Luft über ihre Blätter. Wälder, Wiesen und Küsten schenken Menschen Ruhe, Schönheit und ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Bezahlt werden die meisten dieser Leistungen nie. Ein Landwirt bezahlt Saatgut und Diesel, aber nicht die Regenwürmer, die den Boden lockern, und nicht die Wildbienen im Obstgarten. Darin liegt der Kern des Begriffs: Er macht sichtbar, was die Wirtschaft für selbstverständlich hält, damit es nicht aus Versehen zerstört wird.
Woher der Begriff kommt
Der Gedanke ist alt, der Begriff jung. 1977 fragte der Ökologe Walter Westman in der Zeitschrift Science, wie viel die Leistungen der Natur wert seien. Paul und Anne Ehrlich gelten als die ersten, die 1981 genau von ecosystem services sprachen. 1997 machten zwei Veröffentlichungen das Konzept bekannt: das Buch Nature's Services, herausgegeben von Gretchen Daily, und ein erster Versuch von Robert Costanza und Kollegen, diesen Leistungen weltweit einen Wert zuzuordnen.
Den Durchbruch in der Politik brachte das Millennium Ecosystem Assessment, eine Untersuchung, die der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan im Jahr 2000 anstieß und an der von 2001 bis 2005 mehr als 1.360 Fachleute mitwirkten. Sein Synthesebericht von 2005 fand, dass rund 60 Prozent der untersuchten Ökosystemleistungen, 15 von 24, geschädigt oder nicht nachhaltig genutzt wurden.
Wie Ökosystemleistungen eingeteilt werden
Millennium Ecosystem Assessment (2005). Der Bericht ordnete die Leistungen in vier Gruppen. Versorgungsleistungen sind die Erzeugnisse der Ökosysteme: Nahrung, Wasser, Holz, Fasern, Heilpflanzen. Regulierungsleistungen halten Bedingungen stabil: Bestäubung, Schutz vor Hochwasser, Erosion und Schädlingen, Reinigung des Wassers, das örtliche Klima. Kulturelle Leistungen sind nicht materielle Vorteile wie Erholung, Schönheit, spirituelle Bedeutung und Wissen. Unterstützende Leistungen schließlich machen alle anderen möglich: Bodenbildung, Nährstoffkreislauf, das Wachstum der Pflanzen.
CICES. Die Common International Classification of Ecosystem Services entstand aus Arbeiten für die Europäische Umweltagentur, die heute für sie verantwortlich ist. Die Fassung 5.1 von Roy Haines-Young und Marion Potschin erschien 2018, die Fassung 5.2 folgte 2025. CICES kennt drei Abschnitte: Versorgung, Regulierung und Erhaltung sowie kulturelle Leistungen. Die unterstützenden Leistungen lässt sie bewusst weg und behandelt sie als die Strukturen und Vorgänge, auf denen die anderen beruhen. Der Grund ist praktisch: Wer Natur mit volkswirtschaftlichen Konten verbinden will, darf die Bodenbildung nicht einmal für sich und dann noch einmal in jeder Ernte zählen.
IPBES. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES spricht von Beiträgen der Natur für den Menschen, englisch nature's contributions to people. Das Konzept, 2018 von Sandra Díaz und Kollegen vorgestellt, deckt dasselbe Feld ab, legt aber mehr Gewicht auf Kultur und auf das Wissen indigener Völker und lokaler Gemeinschaften. Es räumt auch ein, dass die Natur schaden kann, etwa durch Schädlinge oder Krankheiten. IPBES unterscheidet 18 Kategorien in drei sich überschneidenden Gruppen: materielle, nicht materielle und regulierende Beiträge. Sein globaler Bericht von 2019 fand, dass die materiellen Beiträge wie Nahrung und Holz seit 1970 zugenommen haben, während 14 der 18 Kategorien, vor allem regulierende und nicht materielle, zurückgegangen sind.
Beispiele aus dem Land
Bestäubung. Nach dem IPBES-Bericht von 2016 hängen mehr als drei Viertel der Nahrungspflanzen der Welt zumindest teilweise von der Bestäubung durch Insekten und andere Tiere ab, bei den wilden Blütenpflanzen sind es fast 90 Prozent. Die Seite über Bienen und Bestäuber beschreibt, wer diese Arbeit leistet.
Wasserrückhalt. Humusreicher, bedeckter Boden nimmt Regen auf wie ein Schwamm und gibt ihn langsam an Wurzeln, Quellen und Bäche ab. Derselbe Regen auf kahlem, verkrustetem Boden fließt ab, nimmt Erde mit und fehlt im Sommer. Die Seiten über Versickerung und den Wasserkreislauf erklären, wie das zusammenhängt.
Bodenbildung. Wurzeln, Pilze, Regenwürmer und Bakterien verwandeln Gestein und abgestorbene Pflanzen in lebendigen Boden. Es ist die langsamste aller Leistungen und die am schwersten zu ersetzende, deshalb wiegt ihr Verlust so schwer.
Erosionsschutz. Pflanzendecke bricht die Wucht des Regens, Wurzeln binden den Boden. Wo die Decke verloren geht, folgt Bodenerosion, oft in einem einzigen Unwetter.
Kühlung. Bäume beschatten den Boden und verdunsten Wasser über ihre Blätter, was die Luft unter ihren Kronen kühlt. In einem trockenen Mittelmeersommer kann dieser Unterschied darüber entscheiden, ob junge Pflanzen überleben.
Erholung und Bedeutung. Ein schattiger Weg, der Blick über einen alten Olivenhain, ein Ort, an dem eine Familie seit Generationen arbeitet: Kulturelle Leistungen sind schwer zu messen, aber Menschen verteidigen sie oft am entschiedensten.
Der Preis der Natur
Den bekanntesten Versuch einer Bewertung legten Robert Costanza und Kollegen vor. 1997 schätzten sie in Nature, die Leistungen der Ökosysteme der Welt seien im Mittel 33 Billionen US-Dollar im Jahr wert, in Dollar von 1995. Eine Neuberechnung von 2014 kam für das Jahr 2011 auf 125 Billionen Dollar im Jahr, in Dollar von 2007, und schätzte, dass Veränderungen der Landnutzung zwischen 1997 und 2011 Leistungen im Wert von 4,3 bis 20,2 Billionen Dollar im Jahr gekostet hatten. Die Autoren betonen selbst, dass solche globalen Zahlen die Größenordnung zeigen, aber keine konkrete Entscheidung beantworten. Greifbarer ist eine Zahl aus dem IPBES-Bericht über Bestäuber: Nahrungsmittel im Wert von 235 bis 577 Milliarden US-Dollar der jährlichen Welterzeugung hängen unmittelbar von Bestäubern ab.
Der Ansatz stieß auf deutliche Kritik. 2006 hielt der Ökologe Douglas McCauley in Nature dagegen, ein Naturschutz, der sich auf Marktwert stützt, stehe auf schwachem Grund, und die Natur sei um ihrer selbst willen zu schützen. Erik Gómez-Baggethun und Manuel Ruiz-Pérez warnten 2011, die ökonomische Bewertung könne den Weg dafür bereiten, Natur zur Ware zu machen, mit Gefahren für den Naturschutz und für einen gerechten Zugang zu ihren Gaben. Befürworter antworten, ein Wert sei eine Information und kein Preisschild, und er ersetze keine Ethik. Der Streit ist offen. Er zeigt, dass die Sprache der Leistungen ein Werkzeug zum Sehen ist, und dass sie gefährlich wird, wo man sie für die ganze Wahrheit über eine Landschaft hält.
Ökosystemleistungen, Renaturierung und Permakultur
Renaturierung lässt sich als Reparatur von Leistungen lesen, die der Verfall abgeschaltet hat. Ein Hang, der wieder bedeckt ist, hält seinen Regen, sein Boden beginnt sich neu zu bilden, Blüten kehren zurück und mit ihnen die Bestäuber. Die Wiederbegrünung trockener Regionen folgt demselben Weg. Die Reihenfolge zählt: zuerst Wasser und Boden, weil alle anderen Leistungen von ihnen abhängen.
Die Permakultur kam von der praktischen Seite zum selben Gedanken. David Holmgrens fünftes Prinzip verlangt, erneuerbare Ressourcen und Leistungen zu nutzen und wertzuschätzen und Lebewesen Arbeit tun zu lassen, die sonst Treibstoff und Geld kostet. Das dritte Prinzip, Einen Ertrag erzielen, zählt Schatten, kühlere Luft, fruchtbaren Boden und Schönheit zu den Erträgen einer Gestaltung. Beide beschreiben Erträge des Landes, die kein Markt bezahlt. Wirtschaftsformen wie die Solidarische Landwirtschaft, in der die Mitglieder einen Hof als Ganzes tragen, statt einzelne Produkte zu kaufen, können diesen Erträgen Raum geben.
Wie Terra Humana Ökosystemleistungen versteht
Für Terra Humana ist der Begriff nützlich, weil er benennt, was eine geschädigte Landschaft verloren hat und was Renaturierung zurückgeben kann: Wasser, das im Hang bleibt, Boden, der wieder wächst, Schatten, Blüten und die Tiere, die von ihnen leben. Wir gebrauchen die Sprache der Leistungen, um diese Erträge sichtbar zu machen, nicht um Land mit einem Preis zu versehen. Manches, was ein Ort gibt, seine Stille, seine Schönheit, seine Bedeutung für die Menschen, die ihn pflegen, lässt sich nicht in Geld ausdrücken, und das muss es auch nicht. Die Leistungen unseres eigenen Landes beschreiben wir nur so weit, wie wir sie beobachtet haben.
Sa Medada
So sieht das bei uns aus
Sa Medada ist ein Hang in Jerzu an der Ostseite Sardiniens, mit milden Wintern und einer Trockenzeit etwa von Mai bis September. Projekt Eden beginnt mit Pionierpflanzen, Bodenbedeckung und dem Halten von Wasser, Leistungen, die das Land weitgehend selbst erbringen kann, sobald sie in Gang gesetzt sind. Ein alter Olivenhain bedeckt einen Teil des Geländes, an den steileren Hängen wächst Macchie; beide beschatten schon heute den Boden und werfen Laub darauf. Die Blüten der Ackerbohne, eines der Stickstoffbinder im Boden, werden von Bienen stark besucht. Eine Laboranalyse des Bodens gibt es noch nicht, und wir versehen diese Leistungen weder mit Zahlen noch mit Preisen.
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Häufige Fragen
Was sind Ökosystemleistungen?
Ökosystemleistungen, auch Ökosystemdienstleistungen genannt, sind die Vorteile, die Menschen aus Ökosystemen ziehen. Manche kann man in die Hand nehmen, etwa Nahrung, Holz, Fasern und Süßwasser. Andere wirken im Hintergrund: Insekten bestäuben Kulturen, Boden und Pflanzen halten Regen zurück und geben ihn langsam ab, Wurzeln halten Hänge fest, Bäume kühlen die Luft, Landschaften schenken Erholung und Bedeutung. Die meisten dieser Leistungen bezahlt niemand, und deshalb werden sie leicht übersehen, bis sie ausfallen.
Welche Arten von Ökosystemleistungen gibt es?
Das Millennium Ecosystem Assessment von 2005 unterschied vier Gruppen: Versorgungsleistungen wie Nahrung und Wasser, Regulierungsleistungen wie Bestäubung, Hochwasser- und Erosionsschutz, kulturelle Leistungen wie Erholung und spirituelle Bedeutung und unterstützende Leistungen wie Bodenbildung und Nährstoffkreislauf. Die europäische Einteilung CICES behält die ersten drei und behandelt die unterstützenden Leistungen als die Vorgänge, die alle anderen erst möglich machen.
Was sind Beiträge der Natur für den Menschen?
So nennt der Weltbiodiversitätsrat IPBES seit 2018 dasselbe Feld, englisch nature's contributions to people. Der Begriff legt mehr Gewicht auf Kultur und auf das Wissen indigener Völker und lokaler Gemeinschaften. IPBES ordnet die Beiträge in 18 Kategorien und drei sich überschneidende Gruppen: materielle, nicht materielle und regulierende. Sein globaler Bericht von 2019 fand, dass 14 dieser 18 Kategorien seit 1970 zurückgegangen sind.
Wie viel sind Ökosystemleistungen wert?
Ein Team um Robert Costanza schätzte 1997, die Leistungen der Ökosysteme der Welt seien im Mittel 33 Billionen US-Dollar im Jahr wert. Eine Neuberechnung von 2014 kam für das Jahr 2011 auf 125 Billionen Dollar im Jahr, in Dollar von 2007. Die Autoren betonen selbst, dass solche globalen Zahlen die Größenordnung zeigen, aber keine konkrete Entscheidung beantworten. Kritiker warnen, dass ein Preis die Natur zur Ware machen kann.
Lassen sich Ökosystemleistungen wiederherstellen?
Viele, zumindest zum Teil. Wird ein kahler Hang wieder bedeckt, nimmt sein Boden den Regen auf, statt ihn zu verlieren, die Erosion lässt nach, Blüten kehren zurück und mit ihnen die Bestäuber. Renaturierung lässt sich als Reparatur von Leistungen lesen, die der Verfall abgeschaltet hat. Das braucht Zeit, und manche Leistungen, etwa die Bildung neuen Bodens, erholen sich weit langsamer als andere.
Was haben Ökosystemleistungen mit Permakultur zu tun?
David Holmgrens fünftes Prinzip verlangt, erneuerbare Ressourcen und Leistungen zu nutzen und wertzuschätzen: Lebewesen Arbeit tun zu lassen, die sonst Treibstoff und Geld kostet. Das dritte Prinzip, Einen Ertrag erzielen, zählt Schatten, kühlere Luft, fruchtbaren Boden und Schönheit zu den Erträgen einer Gestaltung. Beide beschreiben, was die Ökologie Ökosystemleistungen nennt: die Erträge des Landes jenseits des Marktes.

Verwandte Begriffe






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Frei zugängliche Quellen, die wir zum Vertiefen empfehlen.
Quellen
- Walter E. Westman, How much are nature's services worth?, Science 197 (1977)
- Erik Gómez-Baggethun, Rudolf de Groot, Pedro L. Lomas und Carlos Montes, The history of ecosystem services in economic theory and practice, Ecological Economics 69 (2010)
- Gretchen C. Daily (Hrsg.), Nature's Services: Societal Dependence on Natural Ecosystems, Island Press, Washington DC (1997)
- Millennium Ecosystem Assessment, Ecosystems and Human Well-being: Synthesis, Island Press, Washington DC (2005)
- Roy Haines-Young und Marion Potschin, Common International Classification of Ecosystem Services (CICES) V5.1 and Guidance on the Application of the Revised Structure (2018), cices.eu
- Statistikabteilung der Vereinten Nationen, Classification detail: CICES, unstats.un.org (abgerufen Oktober 2026)
- Sandra Díaz u. a., Assessing nature's contributions to people, Science 359 (2018)
- IPBES, Summary for policymakers of the global assessment report on biodiversity and ecosystem services, IPBES-Sekretariat, Bonn (2019)
- IPBES, The assessment report on pollinators, pollination and food production, S. G. Potts, V. L. Imperatriz-Fonseca und H. T. Ngo (Hrsg.), IPBES-Sekretariat, Bonn (2016)
- FAO, Pollinators vital to our food supply under threat, Pressemitteilung zum IPBES-Bericht, fao.org (26. Februar 2016)
- Robert Costanza u. a., The value of the world's ecosystem services and natural capital, Nature 387 (1997)
- Robert Costanza u. a., Changes in the global value of ecosystem services, Global Environmental Change 26 (2014)
- Douglas J. McCauley, Selling out on nature, Nature 443 (2006)
- Walter V. Reid u. a., Nature: the many benefits of ecosystem services, Nature 443 (2006)
- Erik Gómez-Baggethun und Manuel Ruiz-Pérez, Economic valuation and the commodification of ecosystem services, Progress in Physical Geography 35 (2011)
- David Holmgren, Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability, Holmgren Design Services (2002)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-19

