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Permakultur gestalten

Regionalwährung

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-2010 Min. Lesezeit

Ein Dorfplatz im Inneren Sardiniens im Abendlicht, eine offene Bäckerei mit Brot auf Holzregalen, eine Tischlerwerkstatt mit frischen Brettern und ein Markttisch mit Gemüsekisten

Kurz gesagt

Eine Regionalwährung ist ein Zahlungsmittel, das nur in einer Region oder einem Kreis von Mitgliedern gilt und das gesetzliche Geld ergänzt, nicht ersetzt.

Was ist eine Regionalwährung?

Eine Regionalwährung ist ein Zahlungsmittel, das nur in einer bestimmten Gegend oder unter den Mitgliedern eines Netzes gilt. Sie tritt neben das gesetzliche Geld und ersetzt es nicht; daher heißt sie auch Komplementärwährung, ergänzende Währung. Fast immer ist sie im Verhältnis eins zu eins an den Euro, den Franken oder das Pfund gebunden.

Geld, das in einer Gegend verdient wird, fließt oft rasch aus ihr hinaus, zu Ketten, Versendern und fernen Lieferanten. Eine Regionalwährung lenkt einen Teil davon zurück in den Kreislauf vor Ort. Der Bäcker zahlt den Müller, der Müller die Werkstatt, die Werkstatt den Bäcker. Dieselbe Kaufkraft wechselt mehrmals den Besitzer, bevor sie die Gegend verlässt.

Drei Begriffe, drei Modelle

Unter dem Wort Regionalwährung laufen recht verschiedene Dinge.

Regionalgeld mit Scheinen. Mitglieder tauschen Euro oder Pfund gegen Scheine einer eigenen Währung und bezahlen damit in teilnehmenden Geschäften. Hinter jedem Schein liegt eine Einheit des gesetzlichen Geldes als Deckung. Beispiele sind der Chiemgauer, das Brixton Pound und das Bristol Pound.

Komplementärwährung ist der Oberbegriff für jedes Zahlungsmittel, das neben dem gesetzlichen Geld besteht, ob mit Scheinen, elektronisch oder als Zeitguthaben.

Verrechnungskreis, im Englischen mutual credit, gegenseitiger Kredit, ist das dritte Modell und das für Sardinien wichtigste. Hier wird kein Euro eingezahlt. Die Mitglieder führen Konten, die bei null beginnen. Verkauft ein Betrieb einem anderen eine Leistung, steigt sein Konto, und das Konto des Käufers sinkt um denselben Betrag. Das Guthaben des einen ist die Schuld des anderen, die Summe aller Konten bleibt null. Geld entsteht also im Augenblick des Handels, und es verschwindet wieder, wenn die Schuld durch einen eigenen Verkauf ausgeglichen ist. Der Tauschring oder LETS, den die Seite über unsichtbare Strukturen beschreibt, folgt derselben Logik unter Privatleuten; die großen Verrechnungskreise arbeiten unter Unternehmen.

Von Kryptowährungen unterscheiden sich alle drei deutlich. Ein Bitcoin entsteht auf einem dezentralen Rechnernetz, sein Kurs schwankt am Markt, und er ist an keine Region gebunden. Eine Regionalwährung hat in der Regel keinen eigenen Kurs, eine verantwortliche Stelle führt die Konten, und sie braucht keine Blockchain.

Das Vorbild: der WIR in der Schweiz

Der älteste große Verrechnungskreis Europas entstand in der Weltwirtschaftskrise. 1934 gründeten sechzehn Unternehmer um Werner Zimmermann und Paul Enz in Zürich den Wirtschaftsring, kurz WIR, als Genossenschaft. Im WIR gewährten sich die Mitglieder gegenseitig zinslosen Kredit in einer eigenen Einheit. Die Gründer waren von den Ideen des Ökonomen Silvio Gesell beeinflusst. Nach einem Bericht des Schweizer Senders RSI von 2025 zählt der WIR heute über 50.000 Mitgliedsbetriebe; seit den späten 1990er Jahren bietet die WIR Bank auch Leistungen in Franken an.

Sardex: ein Verrechnungskreis aus Sardinien

Rund 75 Jahre später griffen fünf junge Sarden die Idee auf. 2009 gründeten Gabriele Littera, Giuseppe Littera, Carlo Mancosu, Piero Sanna und Franco Contu in Serramanna im Süden der Insel Sardex, mitten in der Kreditklemme nach der Finanzkrise, die kleine Betriebe auf einer ohnehin abgelegenen Insel besonders traf. Ihr Vorbild war ausdrücklich der WIR.

Sardex entstand als Kreis unter Unternehmen. Jedes Mitglied erhält eine Kreditlinie in Sardex, wobei ein Sardex einem Euro entspricht. Mit diesem Kredit kauft es Waren und Leistungen bei anderen Mitgliedern, etwa der Hotelbetrieb beim Wäscheservice, der Wäscheservice bei der Druckerei, die Druckerei beim Hotel. Eine digitale Plattform bringt Angebot und Nachfrage zusammen und hält jede Buchung fest. Jeder Betrieb ist zugleich Schuldner und Gläubiger.

Wie der zinslose Kredit funktioniert

Der Kern ist der gegenseitige Kredit. Ein Betrieb, der neu dazukommt, muss nichts einzahlen. Er kann bis zur Grenze seiner Kreditlinie einkaufen und steht danach im Minus. Dieses Minus kostet keine Zinsen. Abgetragen wird es durch Leistung. Der Betrieb verkauft selbst an andere Mitglieder und bringt sein Konto so wieder ins Gleichgewicht.

Für einen kleinen Betrieb hat das zwei Folgen. Er kann einkaufen, ohne Bargeld zu binden, und er gewinnt Kunden, die er sonst nicht erreicht hätte, weil sie ihr Guthaben nur im Kreis ausgeben können. Das Guthaben wirkt so als Anreiz, innerhalb der Region zu kaufen. Der Kreis funktioniert aber nur, wenn das Geben und Nehmen über die Zeit ausgeglichen bleibt. Wer nur einkauft und nichts anbietet, das andere brauchen, belastet alle.

Was die Forschung über Sardex sagt

Laura Sartori von der Universität Bologna und Paolo Dini von der London School of Economics befragten Mitglieder und Gründer. In der Zeitschrift Stato e mercato kamen sie 2016 zu dem Schluss, dass Vertrauen für Aufbau und Betrieb des Kreises grundlegend war und bleibt. Sardex verbinde wirtschaftliche und soziale Werte und sei für den Handel auf der Insel zu einer vermittelnden Einrichtung auf regionaler Ebene geworden.

Zusammen mit Giuseppe Littera und Panayotis Antoniadis beschrieben Sartori und Dini 2017 im International Journal of Community Currency Research, was Sardex von anderen Verrechnungskreisen unterscheidet: die Gestaltung des Systems, den Anspruch, wirtschaftliche und soziale Ziele im Gleichgewicht zu halten, und ein föderiertes Wachstum.

Dieses Wachstum ist belegt. Nach einem Bericht von Forbes Italia hatte das Modell 2018 elf weitere italienische Regionen erreicht. RSI nennt 2025 eigene Netze im Piemont, in der Lombardei, im Latium, in Venetien und in den Abruzzen und gibt an, dass bis 2024 Geschäfte im Wert von insgesamt einer Milliarde Euro über Sardex liefen, bei mehr als 45.000 aktiven Nutzern. Zu ihnen zählt RSI neben kleinen und mittleren Unternehmen inzwischen auch Freiberufler, Angestellte und Verbraucher.

Weitere Beispiele

Chiemgauer. Der bekannteste Regionalgeld-Versuch im deutschsprachigen Raum begann 2003 als Schulprojekt an der Waldorfschule in Prien am Chiemsee, angestoßen vom Lehrer Christian Gelleri. Ein Chiemgauer entspricht einem Euro. Damit das Geld nicht gehortet wird, verliert es mit der Zeit an Wert; nach dem Stand von 2012 waren es zwei Prozent nach drei Monaten. Wer Chiemgauer in Euro zurücktauscht, zahlt eine Gebühr von fünf Prozent, deren größter Teil an gemeinnützige Vereine der Region geht. 2012 nahmen nach einem Bericht der Deutschen Handwerks Zeitung 596 Betriebe in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein den Chiemgauer an.

Brixton Pound. Im Londoner Stadtteil Brixton gab die Initiative Transition Town Brixton im September 2009 eine eigene Währung heraus. Sie galt nur in Brixton und sollte das Geld der Bewohner im Viertel halten.

Bristol Pound. Am 19. September 2012 startete Bristol als erste Stadt im Vereinigten Königreich eine eigene Währung, mit Scheinen und einer elektronischen Zahlungsform. Nach fast einem Jahrzehnt endete der Versuch: 2021 wurde das Bristol Pound aus dem Umlauf genommen, und wer noch Scheine hielt, konnte sie bis Ende September zurückgeben oder den Gegenwert spenden.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Mehr Geld heißt nicht mehr Wert. Eine Regionalwährung schafft keine Güter. Sie hilft, dass vorhandene Waren und Arbeit leichter zueinanderfinden, wenn das gewöhnliche Geld knapp ist.

Vertrauen ist die eigentliche Deckung. Ein Verrechnungskreis hält nur, solange die Mitglieder darauf vertrauen, dass ihre Guthaben im Kreis etwas wert sind. Wer im Minus steht und nichts mehr anbietet, schwächt dieses Vertrauen.

Klein und gut gepflegt. Ein Kreis braucht genug verschiedene Angebote, damit Guthaben auch ausgegeben werden können, und eine Stelle, die Konten führt, Mitglieder begleitet und Ungleichgewichte erkennt. Das kostet Arbeit, wie das Ende des Bristol Pound gezeigt hat.

Regionalwährungen in der Permakultur

Bill Mollison beendete Permaculture: A Designers' Manual 1988 mit einem Kapitel über Strategien für eine alternative Nation, in dem er Geld, Land und Arbeit mit demselben Gestaltungsdenken betrachtete wie einen Garten. David Holmgren führt in seiner Permakultur-Blume Finanzen und Wirtschaft als eigenen Bereich. Eine Regionalwährung gehört zu den unsichtbaren Strukturen: Sie gestaltet keinen Boden, aber die Wege, auf denen Waren und Arbeit in einer Gegend fließen.

Sie hält Erträge in der Region, wie es das Prinzip Einen Ertrag erzielen für einen Ort verlangt. Sie wächst am besten so, wie es kleine und langsame Lösungen beschreiben, Kreis um Kreis statt in einem Sprung. Und sie ist verwandt mit der Allmende und der solidarischen Landwirtschaft: In allen drei Fällen ordnen Menschen eine gemeinsame Sache nach Regeln, die sie sich selbst geben. Wie solche Regeln in einer Gruppe entstehen können, zeigt die Soziokratie. In der Sprache der drei Ethiken der Permakultur ist ein Verrechnungskreis eine Form, die Sorge für die Menschen und das gerechte Teilen praktisch zu machen.

Wie Terra Humana Regionalwährungen versteht

Terra Humana nutzt keine Regionalwährung und betreibt keinen Verrechnungskreis. Wir beschreiben das Thema, weil es zur Permakultur gehört und weil ein vielfach untersuchtes Beispiel auf Sardinien entstanden ist. Sardex zeigt, wie Betriebe einer Region einander Kredit geben können, wenn Bankkredit knapp ist. Die Studien dazu lenken den Blick auf das, was solche Kreise trägt: Vertrauen unter den Mitgliedern und Regeln, die sie gemeinsam gestalten.

Das Tal von Sa Medada bei Jerzu, Sardinien, mit Olivenhain und Macchie

Sa Medada

So sieht das bei uns aus

Terra Humana nutzt keine Regionalwährung und betreibt keinen Verrechnungskreis. Das Thema steht im TerraWiki, weil David Holmgren in seiner Permakultur-Blume Finanzen und Wirtschaft als eigenen Bereich führt, in dem es um Erträge geht, die bleiben, und um Tausch vor Ort. Sardex ist auf derselben Insel entstanden, auf der Sa Medada liegt, ein Hang in Jerzu in der Ogliastra an der Ostseite Sardiniens. Was die Stiftung heute teilt, ist Wissen: Das TerraWiki ist für alle frei zugänglich.

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Häufige Fragen

Was ist eine Regionalwährung?

Eine Regionalwährung ist ein Zahlungsmittel, das nur in einer bestimmten Region oder unter den Mitgliedern eines Netzes angenommen wird. Sie ergänzt den Euro und ersetzt ihn nicht, deshalb spricht man auch von Komplementärwährung. Meist ist sie im Verhältnis eins zu eins an das gesetzliche Geld gebunden. Ihr Zweck ist, Kaufkraft in einer Gegend zu halten, damit Geld dort öfter den Besitzer wechselt, wo es verdient wurde. Bekannte Beispiele sind der Chiemgauer in Oberbayern bis 2021 das Bristol Pound in England.

Was ist ein Verrechnungskreis oder Mutual Credit?

In einem Verrechnungskreis, im Englischen mutual credit, gibt niemand vorab Geld aus. Die Mitglieder führen Konten, die bei null beginnen. Verkauft ein Betrieb einem anderen eine Leistung, steigt sein Konto, und das Konto des Käufers sinkt um denselben Betrag. Das Guthaben des einen ist die Schuld des anderen, die Summe aller Konten bleibt null. Jedes Mitglied erhält eine Kreditlinie, bis zu der es ins Minus gehen darf. Diese Schuld trägt es ab, indem es selbst an den Kreis verkauft. Zinsen fallen dabei keine an.

Was ist Sardex?

Sardex ist ein Verrechnungskreis unter Unternehmen, gegründet 2009 in Serramanna im Süden Sardiniens von fünf jungen Sarden. Jedes Mitglied erhält eine zinslose Kreditlinie in Sardex, wobei ein Sardex einem Euro entspricht, und kauft damit Waren und Leistungen bei anderen Mitgliedern. Eine digitale Plattform bringt Angebot und Nachfrage zusammen. Vorbild war der WIR, ein Wirtschaftsring, den Unternehmer 1934 in Zürich gründeten. Nach einem Bericht des Schweizer Senders RSI wurden über Sardex bis 2024 insgesamt Geschäfte im Wert von einer Milliarde Euro abgewickelt.

Ist eine Regionalwährung eine Kryptowährung?

Nein. Eine Regionalwährung oder ein Verrechnungskreis hat in der Regel keinen eigenen Kurs, sondern ist eins zu eins an den Euro gebunden, und eine verantwortliche Stelle führt die Konten. Kryptowährungen wie Bitcoin entstehen auf dezentralen Rechnernetzen, ihr Kurs schwankt am Markt, und sie sind an keine Region gebunden. Ein Verrechnungskreis braucht keine Blockchain. Was er braucht, ist Vertrauen unter Mitgliedern, die einander kennen oder kennenlernen.

Welche Regionalwährungen gibt es in Europa?

Das älteste große Beispiel ist der WIR in der Schweiz, seit 1934 ein Kreis von Unternehmen, laut RSI heute mit über 50.000 Mitgliedsbetrieben. In Sardinien entstand 2009 Sardex. In Oberbayern läuft seit 2003 der Chiemgauer, der als Schulprojekt an der Waldorfschule in Prien am Chiemsee begann. In London startete 2009 das Brixton Pound, in Bristol 2012 das Bristol Pound, das 2021 wieder aus dem Umlauf genommen wurde. Die Modelle unterscheiden sich: Manche geben Scheine gegen Euro oder Pfund aus, andere sind reine Verrechnungskreise unter Betrieben.

Was haben Regionalwährungen mit Permakultur zu tun?

David Holmgren zeichnet die Permakultur als Blume mit sieben Bereichen, einer davon heißt Finanzen und Wirtschaft. Bill Mollison widmete schon 1988 ein Kapitel seines Designers' Manual der Frage, wie Geld, Land und Arbeit anders geordnet werden können. Eine Regionalwährung ist eine unsichtbare Struktur im Sinn der Permakultur: Sie gestaltet keinen Boden, aber die Wege, auf denen Waren und Arbeit in einer Gegend fließen.

Aufplatzende trockene Ackerbohnenhülsen neben Gläsern mit Bohnen und auf einem Leinentuch trocknenden SamenNächster in dieser ThemenweltSaatgut gewinnen und tauschenSaatgut von den eigenen Pflanzen gewinnen, es trocknen und haltbar lagern und weitergeben, damit Sorten lebendig bleiben und sich an den Ort anpassen.

Verwandte Begriffe

Erwähnt auf

In der Praxis erleben

Quellen

  • Littera, G., Sartori, L., Dini, P. und Antoniadis, P., From an idea to a scalable working model: merging economic benefits with social values in Sardex, International Journal of Community Currency Research 21 (2017), S. 6 bis 21
  • Sartori, L. und Dini, P., From complementary currency to institution: a micro-macro study of the Sardex mutual credit system, Stato e mercato 2/2016, S. 273 bis 304
  • RSI Radiotelevisione svizzera, WIR e Sardex, due volti di una stessa risposta alla crisi del denaro, rsi.ch (28. Juli 2025)
  • Maria Rita Corda, La moneta virtuale made in Sardinia vuole diventare grande, Forbes Italia (11. Dezember 2018)
  • Gelleri, C., Chiemgauer Regiomoney: Theory and Practice of a Local Currency, International Journal of Community Currency Research 13 (2009)
  • Ulrich Steudel, Regionalgeld: Zahlungsmittel ohne Zinsen, Deutsche Handwerks Zeitung (3. Juli 2012)
  • ITV News West Country, Bristol Pound launches (19. September 2012)
  • Bristol247, End of the line for Bristol Pound after nearly a decade (Juli 2021)
  • London Museum, How London's alternative currencies made change, londonmuseum.org.uk (abgerufen Oktober 2026)
  • Bill Mollison, Permaculture: A Designers' Manual, Kapitel 14, Tagari Publications (1988)
  • David Holmgren, The permaculture flower, Bereich Finance and economics, permacultureprinciples.com (abgerufen Oktober 2026)

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-20