Kurz gesagt
Immergrüne Rankenpflanzen der Gattung Passiflora aus Südamerika mit aromatischen, kernreichen Früchten; mehrere Arten mit sehr verschiedenen Ansprüchen.
- Botanisch
- Passiflora (hier fünf Arten)
- Familie
- Passionsblumengewächse
- Herkunft
- tropisches und subtropisches Amerika
- Wuchs
- immergrüne Kletterpflanze mit Ranken
- Kälte
- violette Form: kurz bis etwa -2 °C
- Wasser
- regelmäßig, am meisten zur Reife
- Schicht im Waldgarten
- Kletterschicht
- Ernte
- 70 bis 80 Tage nach Bestäubung
- Auf Sa Medada
- Freiland, fünf Arten
Was ist eine Passionsfrucht?
Hinter dem Wort Passionsfrucht steht eine ganze Gruppe von Früchten aus der Gattung Passiflora. Es sind immergrüne Kletterpflanzen, die sich mit eingerollten Ranken hochziehen und die kunstvollen Blüten tragen, deren Fadenkranz der Gattung ihren Namen gab. In jeder Frucht sitzen viele Samen, jeder in einem saftigen, aromatischen Samenmantel. Im deutschen Handel heißt die gelbe Form meist Maracuja.
Auf Sa Medada wachsen fünf Arten nebeneinander. Den Kletterwuchs und die kernreiche Frucht haben sie gemeinsam, ihre Heimatklimate aber sind sehr verschieden.
Herkunft und Wuchs
Violette Passionsfrucht (Passiflora edulis). Die violette Form stammt aus dem Süden Brasiliens, aus Paraguay und dem Norden Argentiniens. Sie ist die verbreitetste und für Gärten außerhalb der Tropen eine der härtesten essbaren Arten. Die Frucht ist rund, etwa eigroß, und fällt reif ab. Die Ranken wachsen kräftig, leben aber nicht lange; die California Rare Fruit Growers nennen fünf bis sieben Jahre.
Bananen-Passionsfrucht (Passiflora tripartita var. mollissima und Passiflora tarminiana). Beide kommen aus den Anden und tragen lange, gelbe, bananenförmige Früchte mit weicher Schale und rosa Blüten. In Kolumbien wird die Bananen-Passionsfrucht zwischen 1.800 und 3.200 Metern bei mittleren Temperaturen von 13 bis 16 °C angebaut. Passiflora tarminiana wurde erst 2001 beschrieben; ältere Literatur, auch die aus Hawaii, führte sie unter mollissima.
Riesengranadilla (Passiflora quadrangularis). Sie trägt die größten Früchte der Gattung, nach Morton 10 bis 30 cm lang, mit dickem, mildem Fruchtfleisch um die Samenhöhle. Sie ist eine echte Tropenpflanze, will Tag und Nacht Wärme und ist die frostempfindlichste der fünf.
Süße Granadilla (Passiflora ligularis). Eine Art des Andenhochlands, in Kolumbien zwischen 1.800 und 2.600 Metern bei 15 bis 23 °C kultiviert. Ihre glatte, harte Schale färbt sich orangegelb, innen liegt grauweißes, sehr süßes Fruchtfleisch.
Ansprüche
Kälte. Die violette Passionsfrucht übersteht kurze Fröste bis etwa -2 °C, und ihre Wurzeln treiben nach Schäden oft neu aus. Für die Bananen-Passionsfrucht nennt die UC Cooperative Extension eine ähnliche Grenze von etwa -2 °C. Weitaus am empfindlichsten ist die Riesengranadilla.
Wasser. Gleichmäßige Feuchte hält die Pflanzen in Blüte. Der Bedarf ist zur Fruchtreife am höchsten; bei Trockenheit schrumpfen die Früchte und fallen vorzeitig. Morton nennt für die violette Form mindestens 90 cm Jahresniederschlag.
Boden. Tiefgründig, sehr gut durchlässig, reich an organischer Substanz, etwa pH 6,5 bis 7,5. Die Wurzeln liegen flach, eine dicke Mulchschicht hilft.
Licht und Wind. Volle Sonne für die Blüte, Windschutz für Ranken und Blätter. Die Andenarten mögen kühle Nächte.
Früchte, Nutzen und Ernte
Die violette Passionsfrucht reift 70 bis 80 Tage nach der Bestäubung und wird vom Boden aufgelesen. Sie ist selbstfruchtbar, am besten bestäuben sie Holzbienen. Die Riesengranadilla braucht oft Handbestäubung in den ersten Stunden nach dem Aufblühen; ihre unreife Frucht wird in den Tropen als Gemüse gekocht. Für die violette Passionsfrucht und die Riesengranadilla sind cyanogene Glykoside in Blättern und jungen Früchten belegt; roh gegessen werden nur reife Früchte.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Die Arzneipassionsblume der europäischen Apotheken ist eine andere Art, Passiflora incarnata aus Nordamerika. Für ihr getrocknetes Kraut erkennt die Europäische Arzneimittel-Agentur eine traditionelle Anwendung zur Linderung leichter Symptome von nervlicher Belastung und als Einschlafhilfe an; die Bewertung stützt sich auf lange, sichere Verwendung, weil die klinischen Belege als nicht ausreichend galten.
Für die hier wachsenden Fruchtarten ist die Beleglage dünner. Zwei kleine, doppelblinde, placebokontrollierte Studien derselben Forschergruppe gaben Erwachsenen einen Extrakt aus der Schale der violetten Passionsfrucht, 150 mg am Tag. Bei 42 Menschen mit Asthma gingen Giemen, Husten und Atemnot in vier Wochen zurück (Watson und andere 2008). Bei 33 Menschen mit Kniearthrose besserten sich die Werte für Schmerz und Steifigkeit in zwei Monaten (Farid und andere 2010). Beide Studien betreffen einen Extrakt, nicht die frische Frucht, beide sind klein, und einer der Autoren ist als Erfinder auf Patenten für den Extrakt genannt. Sie sind ein Ansatz für weitere Forschung, keine gesicherte Wirkung.
Im Waldgarten
Die Passionsfrucht besetzt im Waldgarten die Kletterschicht. Sie braucht etwas zum Hochranken: ein Gerüst, einen Zaun oder einen kräftigen Baum mit lichter Krone. In einer Pflanzengilde nutzt sie den senkrechten Raum, den andere freilassen, und trägt nach ein bis zwei Jahren, lange vor den Bäumen. In der syntropischen Landwirtschaft gehört sie zu den frühen Phasen. Weil die Ranken kurzlebig sind, geht ihr Schnittgut als Mulch an den Boden zurück, und neue Pflanzen folgen aus Samen.
Im Mittelmeerklima
Auf Madeira ist die Passionsfrucht ein alltägliches Garten- und Marktobst, und auf São Miguel (Azoren) trägt die dortige Passionsfrucht eine geschützte Ursprungsbezeichnung. In Sizilien wird sie neben Mango und Avocado unter den subtropischen Kulturen angebaut. Auf einer Plantage bei Orosei, rund zwei Stunden nördlich von Sa Medada, trägt sie seit Jahren Früchte. Schwierig sind der Winter für die tropischen Arten und die Sommertrockenheit für alle. Die Andenarten stammen zudem aus kühlem Hochland; wie sie mit der Hitze tieferer Lagen zurechtkommen, ist weniger geklärt als bei der violetten Form.
Die Gattung mahnt auch zur Umsicht. Passiflora tarminiana wurde zu einem der schlimmsten Eindringlinge in Hawaiis Wäldern, Passiflora tripartita var. mollissima ist in Neuseeland vom Handel ausgeschlossen, Passiflora edulis ist auf den Galápagos verwildert und gilt in Teilen Ostaustraliens als Umweltunkraut. Vögel und Säugetiere verbreiten die Samen. Auf der EU-Liste steht keine dieser Arten. Für die Praxis heißt das: Fallobst auflesen und in der umgebenden Macchie auf Sämlinge achten.
Vermehrung und Pflege
Frische Samen keimen in 10 bis 20 Tagen. Auch Stecklinge aus ausgereiftem Holz mit drei bis vier Knoten bewurzeln. Auf Böden mit Wurzelkrankheiten wird auf widerstandsfähige Unterlagen veredelt.
So versteht Terra Humana sie
Auf Sa Medada soll die Passionsfrucht zeigen, wie schnell die senkrechte Schicht eines Waldgartens Früchte tragen kann und wie sich nahe Verwandte aus Tiefland und Hochanden am selben Hang verhalten. Ihre bekannte Fähigkeit, sich anderswo auszubreiten, behalten wir im Blick und begegnen ihr mit Sorgfalt, statt sie zu übergehen.
Sa Medada
So sieht das bei uns aus
Auf Sa Medada wächst die Passionsfrucht im Freiland, und zwar in mehreren Arten nebeneinander: die violette Passionsfrucht, die Bananen-Passionsfrucht in zwei Arten, Passiflora tripartita var. mollissima und Passiflora tarminiana, die Riesengranadilla und die orangefarbene Süße Granadilla. Alle gedeihen.
Mehr über Projekt EdenOrosei
In Orosei trägt sie schon Früchte
Rund zwei Stunden nördlich von Sa Medada, auf einer Plantage mit tropischen und subtropischen Früchten bei Orosei, die seit rund 25 Jahren wächst, trägt diese Pflanze seit Jahren Früchte. Für uns ist das der lebende Beweis, dass sie an der Ostküste Sardiniens gedeiht, und der Ausgangspunkt eines gemeinsamen Projekts, das wir dort aufbauen wollen.
Pflanzen in diesem Beitrag
Häufige Fragen
Was ist eine Passionsfrucht?
Passionsfrucht heißen die Früchte mehrerer kletternder Arten der Gattung Passiflora, die vor allem aus dem tropischen und subtropischen Amerika stammt. Am bekanntesten ist die violette Passionsfrucht, Passiflora edulis, deren runde, beim Reifen schrumpelnde Frucht voller Samen steckt, jeder umhüllt von duftendem, süßsaurem Fruchtmantel. Die Pflanzen klettern mit Ranken, tragen die auffälligen Blüten, nach denen die Gattung benannt ist, und fruchten früh. Nahe Verwandte wie Bananen-Passionsfrucht, Riesengranadilla und Süße Granadilla unterscheiden sich in Klima und Frucht deutlich.
Wie viel Frost verträgt die Passionsfrucht?
Wenig. Die California Rare Fruit Growers beschreiben die violette Passionsfrucht als subtropisch und am besten frostfrei, doch manche Sorten überstehen Temperaturen um -2 °C ohne ernsten Schaden. Selbst wenn der oberirdische Teil erfriert, treiben die Wurzeln oft wieder aus. Die gelbe Form und die Riesengranadilla sind weit empfindlicher; Julia Morton berichtet von mehrjährigen Riesengranadillen, die an der Riviera im Winter erfroren.
Ist die unreife Passionsfrucht giftig?
Passionsfrüchte enthalten cyanogene Glykoside, Verbindungen, die Blausäure freisetzen können. Nach Morton ist ihr Gehalt in der violetten Passionsfrucht in ganz jungen, unreifen Früchten am höchsten und in reifen, abgefallenen, schrumpeligen Früchten so niedrig, dass er toxikologisch keine Rolle spielt. Auch Blätter, Schale und unreife Samen der Riesengranadilla enthalten sie, und ihre rohe Wurzel gilt als giftig. Roh gegessen werden nur reife Früchte.
Ist die Bananen-Passionsfrucht invasiv?
Mancherorts ja. Auf Hawaii zählt Passiflora tarminiana, lange für Passiflora mollissima gehalten, zu den schlimmsten eingeschleppten Pflanzen: Sie überwuchert den heimischen Wald, und ihre Früchte nähren verwilderte Schweine, die die Samen verbreiten. In Neuseeland steht Passiflora tripartita var. mollissima im National Pest Plant Accord und darf weder verkauft noch vermehrt werden. Keine Passiflora-Art steht auf der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten der EU.
Wann ist eine Passionsfrucht reif?
Die violette Passionsfrucht reift etwa 70 bis 80 Tage nach der Bestäubung. Reif färbt sich die Schale tief violett, und die Frucht fällt binnen weniger Tage ab, sodass man sie vom Boden aufliest. Eine schrumpelige Schale ist kein Mangel, das Fruchtfleisch ist dann oft am süßesten. Die Süße Granadilla wird orangegelb, die Bananen-Passionsfrucht gelb und weich, und die Riesengranadilla wird geerntet, wenn ihre grünliche Schale glänzt und an der Spitze gelb wird.

Verwandte Begriffe






Erwähnt auf
Quellen
- Julia F. Morton, Fruits of Warm Climates (1987): Passionfruit; Giant Granadilla
- California Rare Fruit Growers, Passion Fruit (Merkblatt)
- UC Cooperative Extension Ventura County, Passion fruit
- Fischer & Miranda, Review on the ecophysiology of important Andean fruits: Passiflora L., Revista Facultad Nacional de Agronomía Medellín 74(2) (2021)
- Coppens d'Eeckenbrugge et al., Passiflora tarminiana, a new cultivated species of Passiflora subgenus Tacsonia, Novon 11 (2001)
- IUCN Global Invasive Species Database: Passiflora tarminiana; Passiflora edulis
- New Zealand Department of Conservation, Unkrautdatenbank: Passiflora tripartita var. mollissima, National Pest Plant Accord
- Il Fatto Alimentare, Frutti tropicali in Italia: Sizilien, Passionsfrucht und Litschi
- EU-Register der geografischen Angaben (eAmbrosia): Maracujá dos Açores / S. Miguel, geschützte Ursprungsbezeichnung
- Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 in der Fassung der (EU) 2025/1422, Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten
- Europäische Arzneimittel-Agentur, Passiflorae herba: Zusammenfassung und gemeinschaftliche Pflanzenmonographie EMA/HMPC/669740/2013
- Watson et al., Oral administration of the purple passion fruit peel extract reduces wheeze and cough and improves shortness of breath in adults with asthma, Nutrition Research 28(3) (2008)
- Farid et al., Oral intake of purple passion fruit peel extract reduces pain and stiffness and improves physical function in adult patients with knee osteoarthritis, Nutrition Research 30(9) (2010)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-13



