Zum Inhalt springen
Pflanzenporträts

Guave

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-136 Min. Lesezeit

Kleiner Guavenbaum mit abblätternder kupferfarbener Rinde, gelbgrünen Früchten und weißen Blüten

Kurz gesagt

Ein kleiner, zäher Baum aus der Familie der Myrtengewächse mit duftenden Früchten; er verträgt Trockenheit, ist aber in vielen Tropenregionen invasiv.

Botanisch
Psidium guajava
Familie
Myrtengewächse (Myrtaceae)
Herkunft
tropisches Amerika
Wuchs
kleiner Baum oder Strauch, bis 6 m
Kälte
jung -2 bis -3 °C, älter -3 bis -4 °C
Wasser
erträgt lange Trockenheit
Schicht im Waldgarten
Kleinbaumschicht
Ernte
Sämlinge nach 2 bis 8 Jahren
Auf Sa Medada
Freiland

Was ist eine Guave?

Die Guave ist ein kleiner, zäher Obstbaum aus dem tropischen Amerika. Sie wächst ein- oder mehrstämmig bis etwa 6 Meter hoch, mit glatter Rinde, die in kupferfarbenen Schuppen abblättert, und gegenständigen, kräftig geäderten Blättern. Sie gehört zu den Myrtengewächsen, den Myrtaceae, wie die Myrte der mediterranen Macchie und der Eukalyptus. Ihre Blüten sind weiß mit einem dichten Pinsel aus Staubblättern, und ihre reifen Früchte erfüllen einen ganzen Raum mit Duft.

Herkunft und Wuchs

Aus dem tropischen Amerika wurde die Guave früh in alle Tropen und Subtropen gebracht. Sie wächst schnell, verzweigt sich tief und trägt jung: Sämlinge fruchten nach Morton nach zwei bis vier Jahren, nach der Universität Florida nach drei bis acht, und sie fallen nicht sortenecht aus. Weil der Baum bereitwillig aus dem Fuß und den Wurzeln neu austreibt, übersteht er Schäden, an denen viele andere Obstbäume eingehen. Dieselbe Eigenschaft macht ihn schwer zu entfernen, wenn er einmal verwildert ist.

Ansprüche

Kälte. Junge Bäume können bei -3 bis -2 °C absterben; ältere überstehen kurze Phasen von -4 bis -3 °C ohne größeren Schaden.

Wasser. Lange Trockenheit erträgt die Guave, indem sie das Wachstum einstellt. Für gute Früchte braucht sie Wasser während Blüte und Fruchtentwicklung. Kurze Staunässe verträgt sie mäßig.

Boden. Anspruchslos, von Sand bis Lehm, solange das Wasser nicht lange steht.

Licht. Sonne; im Schatten wächst sie sparrig und trägt wenig.

Früchte, Nutzen und Ernte

Guaven werden frisch gegessen, zu Saft, Gelee oder einer festen, schnittfähigen Paste verarbeitet. Die Frucht ist reich an Vitamin C: Die Nährwertdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums nennt etwa 228 Milligramm je 100 Gramm roher Frucht. Reife Früchte werden weicher und verfärben sich leicht; sie bekommen schnell Druckstellen und halten nur wenige Tage. Blätter und Schnittgut taugen als Mulch.

In vielen tropischen Ländern sind Guavenblätter ein überliefertes Hausmittel, vor allem als Tee bei Durchfall; eine Übersichtsarbeit im Journal of Ethnopharmacology (2008) trägt diese Verwendungen und die Laborbefunde dazu zusammen. In Japan ist ein Guavenblättertee als Lebensmittel mit zugelassener Gesundheitsangabe im Handel, der den Anstieg des Blutzuckers nach dem Essen dämpft. Belegt ist das durch Enzym- und Tierversuche und einige kleine Studien am Menschen, 2010 zusammengefasst von Forschern des Herstellers.

Im Waldgarten

Im Waldgarten gehört die Guave in die Kleinbaumschicht: unter die hohen Kronenbäume, in die Sonne an Rändern oder in Lücken. Weil sie Trockenheit und magere Böden verträgt und nach dem Schnitt wieder austreibt, lässt sie sich kräftig und wiederholt zurückschneiden; das Schnittgut deckt als Mulch den Boden. In der Sukzession spielt sie die Rolle eines robusten frühen Obstbaums, der trägt, solange die langlebigen Bäume noch jung sind. Ihre invasive Neigung ist die Kehrseite dieser Zähigkeit und will beobachtet sein: In einer Pflanzengilde soll sie bleiben, wo sie gepflanzt wurde.

Im Mittelmeerklima

Rund um das Mittelmeer wird die Guave unter anderem in Ägypten erwerbsmäßig angebaut, und dort gehört die Mittelmeerfruchtfliege zu ihren wichtigsten Schädlingen. Eine Studie im Nildelta fand, dass der Befall im August und September seinen Höhepunkt bei etwa einem Fünftel der Früchte erreichte. In Süditalien berichten Forscher der Universität Palermo, dass sich in Sizilien eine ganze Reihe tropischer und subtropischer Obstbäume anbauen lässt, wenn Kleinklima, Sorten, Bewässerung und Windschutz gut gewählt sind. Auf einer Plantage bei Orosei, rund zwei Stunden nördlich von Sa Medada, tragen Guaven seit Jahren Früchte.

Die Guave steht nicht auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten, ist aber auf vielen tropischen Inseln und im südlichen Afrika invasiv, wo Vögel und Säugetiere ihre Samen verbreiten. Ob sie sich im Mittelmeerraum ausbreiten kann, ist kaum dokumentiert. Terra Humana setzt einige Arten, die anderswo invasiv sind, bewusst als Methode ein; das ist eine Haltung, keine Rechtfertigung. Es heißt, darauf zu achten, wo Sämlinge aufkommen, und sie dort zu entfernen, wo sie nicht erwünscht sind.

Vermehrung und Pflege

Gute Sorten werden durch Abmoosen, Stecklinge oder Veredelung vermehrt; Samen dienen für Unterlagen. Junge Bäume brauchen in den ersten Wintern Frostschutz. Ein Schnitt nach der Ernte hält den Baum kompakt und regt neue Fruchttriebe an, denn die Guave blüht am jungen Holz.

So versteht Terra Humana sie

Auf Sa Medada steht die Guave für einen zähen, früh tragenden Obstbaum, der mit trockenen Sommern und kräftigem Schnitt zurechtkommt. Sie soll der Pflanzung Früchte bringen, während die langsameren Bäume wachsen, und mit ihrem Schnittgut Biomasse liefern. Weil sie sich anderswo leicht ausbreitet, beobachten wir sie zugleich mit besonderer Sorgfalt.

Das Tal von Sa Medada bei Jerzu, Sardinien, mit Olivenhain und Macchie

Sa Medada

So sieht das bei uns aus

Auf Sa Medada wächst die Guave im Freiland, ausgepflanzt in die Erde des Hangs, und sie gedeiht.

Mehr über Projekt Eden

Orosei

In Orosei trägt sie schon Früchte

Rund zwei Stunden nördlich von Sa Medada, auf einer Plantage mit tropischen und subtropischen Früchten bei Orosei, die seit rund 25 Jahren wächst, trägt diese Pflanze seit Jahren Früchte. Für uns ist das der lebende Beweis, dass sie an der Ostküste Sardiniens gedeiht, und der Ausgangspunkt eines gemeinsamen Projekts, das wir dort aufbauen wollen.

Pflanzen in diesem Beitrag

Häufige Fragen

Was ist eine Guave?

Die Guave (Psidium guajava) ist ein kleiner immergrüner Baum oder großer Strauch aus der Familie der Myrtengewächse, der Myrtaceae, zu der auch die Myrte der sardischen Macchie gehört. Sie stammt aus dem tropischen Amerika und ist heute in allen Tropen und Subtropen verbreitet. Ihre runden bis birnenförmigen Früchte haben weißes, rosa oder rotes Fruchtfleisch, viele kleine harte Samen und einen kräftigen, süßen Duft. Die Rinde ist glatt und blättert in dünnen Schuppen ab.

Wie viel Kälte verträgt eine Guave?

Nach Angaben der Universität Florida können junge Guaven bei -3 bis -2 °C absterben. Ältere Bäume überstehen kurze Phasen von -4 bis -3 °C ohne größeren Schaden. Tiefere Temperaturen können Triebe, Äste und Stamm töten. Bäume aus Stecklingen oder Abmoosung treiben nach solchen Schäden oft aus dem Fuß wieder aus und tragen zwei bis drei Jahre später erneut.

Ist die Guave trockenheitsverträglich?

Ja, gemessen an tropischen Obstbäumen. Die Universität Florida beschreibt die Guave als tolerant gegenüber langer Trockenheit: Der Baum stellt in Trockenphasen einfach das Wachstum ein. Trockenheit während Blüte und Fruchtentwicklung verringert allerdings Fruchtansatz und Fruchtgröße. Kurze Staunässe von ein bis zwei Wochen erträgt sie mäßig gut; längere Überflutung führt zu Blattfall und Absterben von Trieben.

Ist die Guave invasiv?

In vielen tropischen Regionen ja. Sie gilt unter anderem auf Hawaii, den Galápagos-Inseln, in Südafrika, Ostafrika und Queensland als invasiv. Vögel, Fledermäuse, Rinder und Schweine fressen die Früchte und verbreiten die Samen, und die Pflanze treibt aus den Wurzeln neu aus. Im Süden Floridas rät die Universität Florida von der Pflanzung ab. Auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten steht sie nicht. Praktisch heißt das: Fallobst einsammeln und Sämlinge entfernen, die abseits der Pflanzung aufkommen.

Welche Schädlinge treffen die Guave am Mittelmeer?

Der wichtigste ist die Mittelmeerfruchtfliege, Ceratitis capitata, die ihre Eier in reifende Früchte legt. In einer Studie aus zwei Provinzen des Nildeltas in Ägypten erreichte der Anteil befallener Guavenfrüchte im August und September seinen Höhepunkt bei etwa 20 Prozent. Zügiges Ernten, das Einsammeln von Fallobst und im Garten das Einbeuteln einzelner Früchte verringern den Schaden.

Büschel länglicher grüner Indianerbananen unter großen hängenden Blättern, eine geöffnet mit gelbem FruchtfleischNächster in dieser ThemenweltIndianerbanane (Pawpaw)Eine frostharte nordamerikanische Verwandte der Cherimoya. Ihre große grüne Frucht hat weiches, gelbes, puddingartiges Fleisch mit Aromen von Banane und Mango.

Verwandte Begriffe

Erwähnt auf

Quellen

  • Crane & Balerdi, Guava Growing in the Florida Home Landscape, UF/IFAS Extension HS4/MG045
  • Morton, Fruits of Warm Climates (1987): Guava, Purdue NewCROP
  • Orwa u. a., Agroforestree Database 4.0 (World Agroforestry, 2009): Psidium guajava
  • Heleno u. a., Seed dispersal networks in the Galápagos and the consequences of alien plant invasions, Proceedings of the Royal Society B 280 (2013)
  • Morsi, El-Ashram & Abdou, Mittelmeerfruchtfliege Ceratitis capitata in Guavenpflanzungen in Dakahlia und Kafr El-Sheikh, Journal of Plant Protection and Pathology 14 (2023) 49 bis 52
  • Gambero Rosso, tropische Früchte in Sizilien, mit Vittorio Farina, Universität Palermo
  • USDA National Nutrient Database (SR28), Guavas, common, raw (NDB 09139)
  • Gutiérrez, Mitchell & Solis, Psidium guajava: a review of its traditional uses, phytochemistry and pharmacology, Journal of Ethnopharmacology 117 (2008)
  • Deguchi & Miyazaki, Anti-hyperglycemic and anti-hyperlipidemic effects of guava leaf extract, Nutrition & Metabolism 7 (2010) 9

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-13