Kurz gesagt
Ein sommergrüner Obstbaum aus der Familie der Maulbeergewächse und eine der ältesten Kulturpflanzen; er übersteht trockene Sommer und leichten Frost.
- Botanisch
- Ficus carica
- Familie
- Maulbeergewächse (Moraceae)
- Herkunft
- Westasien, Mittelmeerraum
- Wuchs
- sommergrüner Baum, 3 bis 9 m
- Kälte
- etwa -6 bis -11 °C in guter Lage
- Wasser
- übersteht trockene Sommer
- Schicht im Waldgarten
- niedrige Baumschicht
- Ernte
- Frühsommer und Spätsommer
- Auf Sa Medada
- Topf und Freiland, draußen überwintert
Was ist eine Feige?
Die Feige ist eine der ältesten Begleiterinnen der mediterranen Landwirtschaft. Man erkennt sie leicht an den großen, gelappten Blättern, der glatten grauen Rinde und dem Milchsaft, der aus jeder Wunde tritt. Was wir Frucht nennen, ist botanisch ein hohler, fleischiger Blütenstand, innen ausgekleidet mit Hunderten winziger Blüten. Sie sehen nie das Licht, und ob sie bestäubt werden müssen, hängt von der Art der Feige ab.
Herkunft und Wuchs
Die Feige gehört zu den Maulbeergewächsen, den Moraceae. Wahrscheinlich hat sie sich von Westasien aus über den Mittelmeerraum verbreitet, wo sie heute wild in Felsspalten, auf alten Mauern und an trockenen Bachläufen wächst. Ihre Kultur reicht weit zurück. In Gilgal I, einem frühneolithischen Dorf im Jordantal, fanden Archäologen verkohlte Feigen, die auf etwa 11.400 bis 11.200 Jahre datiert sind. Kislev und Kollegen deuteten sie als Früchte einer parthenokarpen Form, die sich nur über gepflanzte Zweige vermehren lässt, und vermuteten, dass die Feige etwa tausend Jahre vor dem Getreide domestiziert wurde. Diese Deutung ist umstritten, doch der Fund zeigt, wie früh Menschen Feigenstecklinge setzten.
Der Baum wird meist 3 bis 9 Meter hoch, oft breiter als hoch, und treibt nach Frost oder Rückschnitt bereitwillig von der Basis neu aus.
Ansprüche
Klima. Die Feige ist in milden gemäßigten und mediterranen Klimaten zu Hause. Für Frischobst ist ein trockener Sommer ideal; Regen während der Reife lässt die Früchte aufplatzen.
Kälte. Julia Morton setzt die Grenze an günstigen Standorten bei etwa -6 bis -11 °C an. Junge Triebe und unreifes Holz erfrieren früher, die Wurzeln überleben aber oft und treiben neu aus. Der Kältebedarf ist gering: UF/IFAS nennt 100 bis 200 Kältestunden.
Wasser. Eingewachsene Bäume überstehen lange trockene Sommer. Etwas Wasser, während die Früchte anschwellen, ergibt größere Feigen, doch sehr heiße, trockene Phasen können auch bewässerte Bäume Früchte abwerfen lassen.
Boden und Licht. Anspruchslos: Magere, steinige und kalkhaltige Böden gehen, solange sie Wasser ableiten. Volle Sonne.
Früchte, Nutzen und Ernte
Viele Gemeine Feigen tragen zweimal: Frühfeigen, italienisch fioroni, am vorjährigen Holz im Frühsommer, und die Haupternte an den neuen Trieben ab dem Spätsommer. Feigen werden frisch gegessen, getrocknet oder zu Marmelade und Sirup gekocht. Frisch halten sie sich schlecht; Morton nennt bis zu 30 Tage bei 0 bis 1,7 °C.
Die Gemeine Feige setzt Früchte ohne Bestäubung an. Smyrna-Feigen entwickeln sich nur, wenn die winzige Feigenwespe Blastophaga Pollen der wilden Bocksfeige in sie hineinträgt; San-Pedro-Feigen brauchen die Bestäubung nur für ihre zweite Ernte.
Vorsicht. Der Milchsaft von Blättern, Trieben und unreifen Früchten reizt die Haut und kann im Sonnenlicht eine Phytophotodermatitis auslösen, eine Reaktion ähnlich einer Verbrennung. Handschuhe und lange Ärmel helfen bei Ernte und Schnitt.
Im Waldgarten
Im Waldgarten gehört die Feige zur niedrigen Baumschicht unter höheren Kronenbäumen. Seitlichen Schatten verträgt sie, am besten trägt sie aber in voller Sonne. Im Herbst fallen ihre großen Blätter als schneller, weicher Mulch. Weil sie nach dem Schnitt kräftig neu austreibt, passt sie in den Rhythmus der syntropischen Landwirtschaft, in der Bäume regelmäßig geschnitten werden und das Schnittgut auf den Boden kommt. Zusammen mit Olive, Mandel und Rebe gehört sie zur alten mediterranen Polykultur der Terrassen und trockenen Hänge.
Im Mittelmeerklima
Die Feige muss an den Mittelmeerraum kaum angepasst werden. Nach FAOSTAT ist die Türkei der größte Erzeuger der Welt. In Spanien ist die Extremadura ein Zentrum der Trockenfeige; das regionale Forschungsinstitut CICYTEX arbeitet dort mit den Sorten Calabacita, Cuello de Dama Blanco und Picholetera.
Sardinien hat einen eigenen Sortenreichtum. Die Universität Sassari erhält traditionelle Obstbäume der Insel in ihrem Erhaltungszentrum in Surigheddu bei Alghero. Ihre Liste der durch genetische Erosion bedrohten Feigensorten nennt Namen wie Bianca, Burdasciotta, Craxiou de porcu, De duas vias (auch Niedda longa genannt), Mattalona und Murra. Viele Sorten tragen mehrere Namen, und mit molekularen Untersuchungen versucht man, die Synonyme zu klären.
Auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten steht die Feige nicht. In Kalifornien stuft der Invasive Plant Council sie dagegen als mäßig invasiv ein, weil sie entlang von Bächen und Kanälen dichte Bestände bilden kann, die heimische Vegetation verdrängen. In der Nähe von Wassergräben lohnt es sich deshalb, auf Sämlinge zu achten.
Vermehrung und Pflege
Stecklinge aus einjährigem Holz bewurzeln leicht, im späten Winter direkt in die Erde oder in Töpfe. Veredeln ist selten nötig. Geschnitten wird zurückhaltend, nach der Ernte oder im späten Winter, damit die Krone niedrig genug zum Pflücken bleibt. Junge Pflanzen sind in den ersten Wintern für Frostschutz dankbar und in den ersten Sommern für einen gemulchten Wurzelbereich.
So versteht Terra Humana sie
Die Feige verbindet Sa Medada mit der ältesten Schicht mediterraner Landwirtschaft. Ein Baum, der aus einem in die Erde gesteckten Zweig wächst und mit steinigen Hängen zurechtkommt, passt gut zu einem Ort, der mit wenig Wasser arbeiten muss. Sie soll im Waldgarten zu einem niedrigen, verlässlichen Obstbaum werden, dessen Laub jeden Herbst in den Boden zurückkehrt. Die alten sardischen Sorten zeigen, wie viel Vielfalt einmal in dieser einen Art lag und wie schnell sie verloren gehen kann.
Sa Medada
So sieht das bei uns aus
Auf Sa Medada steht die Feige schon auf dem Land, zum Teil noch im Topf, zum Teil bereits in die Erde gepflanzt. Sie hat einen Winter draußen überstanden und gedeiht.
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Häufige Fragen
Woher stammt die Feige?
Die Feige (Ficus carica) gehört zu den Maulbeergewächsen und hat sich wahrscheinlich von Westasien aus über den ganzen Mittelmeerraum verbreitet, wo sie seit Langem wild in Felsspalten, Mauern und trockenen Bachbetten wächst. Ihre Kultur reicht sehr weit zurück. In Gilgal I, einem frühneolithischen Dorf im Jordantal, fanden Archäologen verkohlte Feigen, die etwa 11.400 bis 11.200 Jahre alt sind. Die Autoren der Studie deuten sie als Früchte einer Form, die sich nur über Stecklinge vermehren lässt.
Wie viel Kälte verträgt ein Feigenbaum?
Julia Morton nennt als Grenze an günstigen Standorten etwa -6 bis -11 °C. Junge Triebe und nicht ausgereiftes Holz erfrieren früher. Selbst wenn der Baum oberirdisch zurückfriert, überleben oft die Wurzeln, und er treibt von unten neu aus. Der Kältebedarf im Winter ist gering: UF/IFAS gibt für Feigen 100 bis 200 Kältestunden an, das passt zu milden Mittelmeerwintern.
Ist der Milchsaft der Feige gefährlich?
Der Milchsaft von Blättern, Trieben und unreifen Früchten reizt die Haut. Zusammen mit Sonnenlicht kann er eine Phytophotodermatitis auslösen, eine Reaktion, die wie eine Verbrennung aussieht. Bei Ernte und Schnitt sind Handschuhe und lange Ärmel sinnvoll, Saft auf der Haut wäscht man rasch ab. Reife Früchte, normal gegessen, sind davon nicht betroffen.
Braucht eine Feige eine Wespe, um Früchte zu tragen?
Das hängt vom Typ ab. Die Gemeine Feige setzt ihre Früchte ohne Bestäubung an, ein einzelner Baum trägt also allein. Smyrna-Feigen entwickeln sich nur, wenn die winzige Feigenwespe Blastophaga Pollen der wilden Bocksfeige in sie hineinträgt. San-Pedro-Feigen stehen dazwischen: Ihre erste Ernte braucht keine Bestäubung, die zweite schon.
Ist die Feige invasiv?
Auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten steht sie nicht. In Kalifornien stuft der Invasive Plant Council sie als mäßig invasiv ein: Entlang von Bächen und Kanälen kann sie dichte Bestände bilden, die heimische Pflanzen verdrängen, und ihre Samen werden von Tieren und vom Wasser verbreitet. Im Mittelmeerraum gehört die Feige seit Jahrtausenden zur Landschaft. In der Nähe nasser Gräben lohnt es sich trotzdem, Sämlinge im Blick zu behalten.

Verwandte Begriffe






Erwähnt auf
Quellen
- Morton, Fruits of Warm Climates (1987): Fig
- Kislev, Hartmann & Bar-Yosef, Early domesticated fig in the Jordan Valley, Science 312 (2006)
- Universität Sassari, Centro per la Conservazione e Valorizzazione della Biodiversità Vegetale (Surigheddu), Listen der durch genetische Erosion bedrohten Lokalsorten, PSR Sardinien 2007 bis 2013, Anlage 7 (Koord. I. Chessa)
- Chessa & Nieddu, Analysis of diversity in the fruit tree genetic resources from a Mediterranean island, Genetic Resources and Crop Evolution 52 (2005)
- Rezazadeh, Chilling requirement and its importance for fruit trees, UF/IFAS Extension St. Lucie County (2024)
- California Invasive Plant Council, Ficus carica plant assessment form
- CICYTEX, Junta de Extremadura: Forschung zur Feige (Calabacita, Cuello de Dama Blanco, Picholetera)
- FAOSTAT, Crops and livestock products: Feigen (2022)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-13

