Kurz gesagt
US-Politikwissenschaftlerin, die zeigte, wie Gemeinschaften Allmenden über Generationen selbst verwalten. 2009 erste Frau mit dem Wirtschaftsnobelpreis.
- Lebensdaten
- 7. August 1933 bis 12. Juni 2012
- Herkunft
- Los Angeles, Kalifornien
- Ausbildung
- Politikwissenschaftlerin, Promotion an der UCLA (1965)
- Bekannt für
- die Erforschung der Allmende, die acht Gestaltungsprinzipien
- Hauptwerk
- Governing the Commons (1990); Workshop in Political Theory and Policy Analysis (ab 1973)
- Ehrungen
- Preis für Wirtschaftswissenschaften in Erinnerung an Alfred Nobel (2009), als erste Frau
Foto: Holger Motzkau, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons
Wer war Elinor Ostrom?
Elinor Ostrom war eine Politikwissenschaftlerin, die nachsah, bevor sie urteilte. Seit Garrett Hardin 1968 die Tragik der Allmende beschrieben hatte, galt gemeinsam genutztes Land als verloren, solange es nicht aufgeteilt oder vom Staat verwaltet wurde. Ostrom sah sich an, wie Menschen solches Land tatsächlich teilten: in Bergdörfern, an Küsten, in Bewässerungsgemeinschaften. Viele von ihnen hatten über Generationen Regeln entwickelt, nach denen sie Weiden, Wälder, Fischgründe und Wasser nutzten, ohne sie zu zerstören.
Aus diesen Beobachtungen machte sie eine Wissenschaft der Selbstverwaltung. 2009 erhielt sie dafür als erste Frau den Wirtschaftsnobelpreis.
Lebensweg
Elinor Ostrom wurde am 7. August 1933 in Los Angeles geboren und wuchs in den Jahren der Weltwirtschaftskrise auf. 1951 schloss sie die Beverly Hills High School ab. An der University of California in Los Angeles (UCLA) studierte sie Politikwissenschaft und schloss 1954 mit dem Bachelor ab. Danach arbeitete sie einige Jahre in Büros, zuletzt als stellvertretende Personalleiterin, ehe sie an die Universität zurückkehrte: 1962 folgte der Master, 1965 die Promotion. Ihre Doktorarbeit behandelte die Bewirtschaftung von Grundwasserbecken in Kalifornien. Schon ihr erstes Forschungsthema war also ein Gut, das viele gemeinsam nutzen.
1965 kam sie mit ihrem Mann, dem Politikwissenschaftler Vincent Ostrom, an die Indiana University in Bloomington. Er erhielt eine Professur, sie zunächst eine Gaststelle als Assistenzprofessorin. Von dort aus stieg sie Schritt für Schritt auf: 1969 außerordentliche Professorin, 1974 ordentliche Professorin, von 1980 bis 1984 und von 1989 bis 1990 Leiterin des Instituts für Politikwissenschaft, ab 1991 Inhaberin der Arthur-F.-Bentley-Professur.
2006 gründete sie zusätzlich an der Arizona State University das Center for the Study of Institutional Diversity und leitete es bis zu ihrem Tod. Elinor Ostrom starb am 12. Juni 2012 in Bloomington an Krebs, im Alter von 78 Jahren. Noch am Tag vor ihrem Tod schrieb sie ihren Mitautoren über laufende Forschungsarbeiten.
Der Workshop in Bloomington
1973 gründeten Elinor und Vincent Ostrom an der Indiana University den Workshop in Political Theory and Policy Analysis. Er begann in einem ehemaligen Verbindungshaus nahe dem Campus und war von Anfang an fachübergreifend angelegt: Forschende und Studierende verschiedener Fächer arbeiteten dort gemeinsam über Institutionen und Formen der Selbstverwaltung. Elinor Ostrom leitete den Workshop mit Vincent bis 2009, danach als leitende Forschungsdirektorin. 2012 benannte die Universität ihn nach beiden; heute heißt er Vincent and Elinor Ostrom Workshop in Political Theory and Policy Analysis.
In ihren ersten rund fünfzehn Jahren in Bloomington untersuchte Ostrom Polizeibehörden in den Vereinigten Staaten, große wie kleine. Danach kehrte sie zum Thema ihrer Doktorarbeit zurück: zu den Gütern, die viele gemeinsam nutzen.
Die Antwort auf Hardin
Hardin hatte in der Zeitschrift Science eine Weide beschrieben, die allen offensteht. Jeder Hirte gewinnt den vollen Nutzen eines zusätzlichen Tieres, während den Schaden der Überweidung alle gemeinsam tragen. Also stockt jeder auf, bis die Weide zerstört ist. Als Auswege sah Hardin Privateigentum oder staatliche Kontrolle.
Ostrom stellte eine einfache Frage: Was tun Menschen tatsächlich, die eine Weide, einen Wald oder einen Fischgrund teilen? In Governing the Commons (1990) trug sie Fallstudien aus aller Welt zusammen und verglich sie. Ihr Befund: Viele Gemeinschaften haben gemeinsame Güter über lange Zeiträume erhalten, ohne sie zu privatisieren und ohne sie dem Staat zu übergeben. Hardins Weide hatte Nutzer, aber keine Gemeinschaft, keine Regeln und niemanden, der aufpasste. Die Allmenden, die Ostrom untersuchte, hatten all das. Hardin selbst räumte 1998 ein, er hätte von der unverwalteten Allmende sprechen sollen.
Ostrom verklärte die Allmende dabei nicht. Sie untersuchte auch Fälle, in denen gemeinsame Nutzung gescheitert war, und warnte vor einfachen Lösungen für alle Orte. In ihrem Nobelvortrag sagte sie, man solle „keine Allheilmittel vorschlagen“.
Beispiele aus aller Welt
Törbel im Wallis. Das Bergdorf Törbel liegt im Oberwallis oberhalb von Visp. Der amerikanische Anthropologe Robert Netting hatte es 1970 und 1971 besucht und 1981 in Balancing on an Alp beschrieben; Ostrom stützte sich auf seine Arbeit. Alpweiden und Wälder nutzt das Dorf seit Jahrhunderten gemeinsam, seine Bewässerungskanäle verwaltet es seit mindestens 1483. Eine Regel von 1517 legte fest, dass niemand mehr Kühe auf die Alp schicken durfte, als er über den Winter füttern konnte. So begrenzte das Heu aus dem eigenen Besitz die Last auf der gemeinsamen Weide. Wer Wasser aus den Kanälen nimmt, leistet dafür jedes Jahr einige Tage Arbeit an ihrem Unterhalt.
Bewässerung in Spanien. In den Huertas um Valencia, Murcia und Alicante teilen Bauern das Wasser seit Jahrhunderten nach eigenen Regeln. In Valencia entscheidet bis heute das Wassergericht über Streitfälle; es tagt jeden Donnerstag an der Apostelpforte der Kathedrale, und seine Mitglieder sind Bauern, die von den Bewässerungsgemeinschaften gewählt werden. 2009 nahm die UNESCO es zusammen mit dem Rat der Weisen der Ebene von Murcia in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.
Fischerei in Alanya. An der türkischen Südküste verteilen die Fischer von Alanya die benannten Fangplätze durch Los, und die Boote wechseln die Plätze der Reihe nach, sodass jeder einmal an die ergiebigen Stellen kommt. Den Fall hatte der Ökologe Fikret Berkes untersucht. Ostrom zeigte daran, wie Nutzer selbst Regeln erfinden, die den Streit um die besten Plätze beilegen.
Dazu kommen in ihrem Buch das Gemeinschaftsland der japanischen Dörfer Hirano, Nagaike und Yamanoka und die Grundwasserbecken Südkaliforniens, ihr eigenes erstes Forschungsfeld.
Die acht Gestaltungsprinzipien
Aus solchen Fällen leitete Ostrom acht Merkmale ab, die langlebige Allmenden gemeinsam haben. In unseren Worten:
- Klare Grenzen. Es ist klar, wer das Gut nutzen darf und wo es endet.
- Regeln, die zum Ort passen. Entnahme und Beitrag passen zu den örtlichen Bedingungen und stehen in einem angemessenen Verhältnis.
- Mitsprache der Betroffenen. Die meisten, für die die Regeln gelten, können an ihrer Änderung mitwirken.
- Überwachung. Jemand beobachtet den Zustand des Gutes und das Verhalten der Nutzer und ist ihnen gegenüber verantwortlich.
- Abgestufte Sanktionen. Ein erster Verstoß wird milde geahndet, wiederholte Verstöße strenger.
- Rasche Streitbeilegung. Konflikte lassen sich vor Ort, schnell und ohne große Kosten lösen.
- Anerkennung. Übergeordnete Behörden sprechen den Nutzern das Recht nicht ab, sich eigene Regeln zu geben.
- Verschachtelte Ebenen. Größere Systeme sind in mehreren Ebenen organisiert, mit kleinen örtlichen Einheiten als Grundlage.
Ostrom verstand diese Prinzipien als Muster aus der Beobachtung. Sie beschreiben, was gelingende Allmenden verbindet, und schreiben keiner Gemeinschaft vor, wie ihre Regeln im Einzelnen aussehen müssen. Ausführlich erklärt sind sie im Artikel über die Allmende.
Nobelpreis und Spätwerk
Am 12. Oktober 2009 gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften bekannt, dass Elinor Ostrom den Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Erinnerung an Alfred Nobel erhält, für ihre Analyse wirtschaftlichen Handelns, besonders der Gemeingüter. Sie teilte ihn mit Oliver E. Williamson. Ostrom war die erste Frau, die diesen Preis erhielt, und die erste Professorin der Indiana University mit dieser Auszeichnung. Ihren Nobelvortrag hielt sie unter dem Titel Beyond Markets and States, jenseits von Markt und Staat. Darin beschrieb sie eine polyzentrische Ordnung, in der viele Entscheidungszentren auf verschiedenen Ebenen nebeneinander bestehen.
Ihr Blick weitete sich vom Land auf neue Güter. 2007 gab sie mit Charlotte Hess Understanding Knowledge as a Commons heraus und stellte darin dieselben Fragen an das Wissen: wer es nutzen darf, wer es pflegt und welche Regeln es schützen. 2010 erhielt sie zusammen mit Vincent die Universitätsmedaille der Indiana University, 2012 nahm das Magazin Time sie unter die hundert einflussreichsten Menschen auf.
Ostrom und die Permakultur
Ostrom gehörte nicht zur Permakulturbewegung, doch ihre Arbeit trifft einen Kern davon. In der Sprache der Permakultur sind Allmenden unsichtbare Strukturen: Regeln über Land, Entscheidungen und Wissen, die in keinem Plan stehen und doch entscheiden, ob eine Weide, eine Quelle oder eine Saatgutsammlung Bestand hat.
Ihre Prinzipien lassen sich mit mehreren Gedanken der Permakultur zusammenlesen. Überwachung und abgestufte Sanktionen sind Rückkopplungen, wie sie das Prinzip Selbstregulierung und Rückmeldung beschreibt. Die Mitsprache der Betroffenen versuchen Verfahren wie die Soziokratie innerhalb einer Gruppe zu sichern. Die solidarische Landwirtschaft, in der ein Hof und eine Gruppe von Haushalten Ernte und Risiko teilen, steht vor denselben Fragen, die Ostrom stellte: wer dazugehört, wer was beiträgt und wie gemeinsam entschieden wird. Und der Grundsatz des gerechten Teilens unter den drei Ethiken der Permakultur findet in der Allmende eine seiner ältesten Formen.
Was wir von Elinor Ostrom lernen
Terra Humana übernimmt von Elinor Ostrom zuerst ihre Haltung: erst hinsehen, dann urteilen. Sie traute den Menschen vor Ort viel zu und prüfte Annahmen an wirklichen Orten. Das ist auch der Kern des Grundsatzes beobachten und mitwirken.
Wir übernehmen auch ihre Warnung vor Patentrezepten. Was an einem Hang in den Alpen trägt, muss an einem anderen Ort nicht tragen; Regeln für Land und Wasser müssen zu diesem Land und diesen Menschen passen. Und wir übernehmen ihren Gedanken, dass auch Wissen ein Gemeingut ist. Was wir über Boden, Wasser und Pflanzen lernen, teilen wir offen, damit andere darauf aufbauen können.
Sa Medada
So sieht das bei uns aus
Sa Medada liegt in Jerzu, in der Ogliastra an der Ostseite Sardiniens, auf einer Insel mit einer langen eigenen Geschichte der Gemeinschaftsrechte, die der Artikel über die Allmende erzählt. Die Allmende, die der Arbeit von Terra Humana am nächsten liegt, ist das Wissen: Dieses TerraWiki ist für alle frei lesbar, und die Stiftung dokumentiert, was sie auf Sa Medada versucht, auch was noch nicht gelingt.
Mehr über Projekt EdenHäufige Fragen
Wer war Elinor Ostrom?
Elinor Ostrom war eine US-amerikanische Politikwissenschaftlerin, geboren am 7. August 1933 in Los Angeles, gestorben am 12. Juni 2012 in Bloomington, Indiana. Sie lehrte ab 1965 an der Indiana University und gründete dort 1973 mit ihrem Mann Vincent Ostrom den Workshop in Political Theory and Policy Analysis. Ihr Lebensthema waren Güter, die viele gemeinsam nutzen: Weiden, Wälder, Fischgründe und Wasser. 2009 erhielt sie als erste Frau den Wirtschaftsnobelpreis.
Wie hat Elinor Ostrom auf Hardins Tragik der Allmende geantwortet?
Garrett Hardin hatte 1968 in Science argumentiert, dass eine gemeinsam genutzte Weide zwangsläufig übernutzt wird, und als Auswege nur Privateigentum oder staatliche Kontrolle gesehen. Ostrom prüfte das an der Wirklichkeit. In Governing the Commons (1990) zeigte sie an Fällen aus aller Welt, dass Gemeinschaften gemeinsame Güter über lange Zeit selbst erhalten haben, mit eigenen Regeln, eigener Aufsicht und eigenen Sanktionen. Hardins Weide hatte Nutzer, aber keine Regeln. Hardin räumte 1998 selbst ein, er hätte von der unverwalteten Allmende sprechen sollen.
Was sind Ostroms acht Gestaltungsprinzipien?
Es sind Merkmale, die Ostrom bei langlebigen Allmenden immer wieder fand: klare Grenzen, Regeln, die zum Ort passen, Mitsprache der Betroffenen, Überwachung, abgestufte Sanktionen, rasche Streitbeilegung vor Ort, Anerkennung des Rechts auf Selbstverwaltung durch übergeordnete Behörden und, bei größeren Systemen, mehrere ineinander verschachtelte Ebenen. Sie verstand sie als Muster aus der Beobachtung, nicht als Rezept.
Welche Beispiele beschreibt Governing the Commons?
Zu den bekanntesten gehören die Alpweiden und Wälder von Törbel im Schweizer Kanton Wallis, wo eine Regel von 1517 festlegte, dass niemand mehr Kühe auf die Alp schicken durfte, als er über den Winter füttern konnte. Dazu kommen das Gemeinschaftsland japanischer Dörfer, die Bewässerungsgemeinschaften der spanischen Huertas um Valencia, Murcia und Alicante und die Küstenfischerei von Alanya in der Türkei, wo die Fischer die Fangplätze durch Los verteilen.
Wofür erhielt Elinor Ostrom den Nobelpreis?
Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften verlieh ihr 2009 den Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Erinnerung an Alfred Nobel für ihre Analyse wirtschaftlichen Handelns, besonders der Gemeingüter. Sie teilte ihn mit Oliver E. Williamson. Ostrom war die erste Frau, die diesen Preis erhielt, und die erste Professorin der Indiana University mit dieser Auszeichnung.
Was hat Elinor Ostrom mit Permakultur zu tun?
Ostrom war keine Permakulturistin, doch ihre Arbeit beantwortet eine Frage, die jedes gemeinschaftliche Landprojekt stellt: Wie teilen Menschen ein Gut so, dass es bleibt? In der Sprache der Permakultur gehören Allmenden zu den unsichtbaren Strukturen, den Regeln über Land, Entscheidungen und Wissen, die in keinem Plan stehen. Ihre Prinzipien der Überwachung und abgestuften Sanktionen entsprechen dem Gedanken der Selbstregulierung und Rückmeldung.

Verwandte Begriffe






Erwähnt auf
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Quellen
- Ostrom, E., Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action, Cambridge University Press (1990)
- Nobelstiftung, Elinor Ostrom, Fakten, nobelprize.org (abgerufen Oktober 2026)
- Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, The Prize in Economic Sciences 2009, Pressemitteilung (12. Oktober 2009), nobelprize.org
- Ostrom, E., Beyond Markets and States: Polycentric Governance of Complex Economic Systems, Nobelvortrag, Stockholm (8. Dezember 2009)
- Indiana University, Bicentennial Blog, Elinor Ostrom: An Uncommon Scholar (29. Mai 2020)
- Indiana University, Ostrom Workshop, About (abgerufen Oktober 2026)
- Hardin, G., The Tragedy of the Commons, Science 162, S. 1243 bis 1248 (13. Dezember 1968)
- Hardin, G., Extensions of 'The Tragedy of the Commons', Science 280 (1. Mai 1998)
- Netting, R. McC., Balancing on an Alp: Ecological Change and Continuity in a Swiss Mountain Community, Cambridge University Press (1981)
- House of Switzerland (Präsenz Schweiz, EDA), The Swiss village that changed ecology, twice (abgerufen Oktober 2026)
- Berkes, F., Local-level management and the commons problem: A comparative study of Turkish coastal fisheries, Marine Policy 10 (1986)
- UNESCO, Irrigators' tribunals of the Spanish Mediterranean coast, Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit (2009)
- Hess, C. und Ostrom, E. (Hrsg.), Understanding Knowledge as a Commons: From Theory to Practice, MIT Press (2007)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-20