Kurz gesagt
Ein schnellwüchsiger, kurzlebiger kleiner Baum der Nachtschattengewächse aus den Anden mit glatten, eiförmigen Früchten und säuerlichem, harzigem Fleisch.
- Botanisch
- Solanum betaceum
- Familie
- Nachtschattengewächse (Solanaceae)
- Herkunft
- Anden (Peru, Ecuador, Bolivien)
- Wuchs
- brüchiger kleiner Baum, 3 bis 5,5 m
- Kälte
- -2 °C tötet Zweige und Laub
- Wasser
- gleichmäßig feucht, nicht trockenfest
- Schicht im Waldgarten
- Strauchschicht, kurzlebig
- Ernte
- ab dem 2. Jahr, reift ungleichmäßig
- Auf Sa Medada
- Topf, hat draußen überwintert
Was ist eine Baumtomate?
Die Baumtomate, auch Tamarillo genannt, ist ein kleiner Baum aus der Familie der Nachtschattengewächse. Damit ist sie mit Tomate und Kartoffel verwandt, sieht aber ganz anders aus: ein schlanker, halbverholzter Stamm, eine schirmartige Krone aus großen, weichen, herzförmigen Blättern und hängende Büschel glatter, eiförmiger Früchte. Botaniker nennen sie heute Solanum betaceum; in älterer Literatur heißt sie Cyphomandra betacea.
Die Früchte sind 5 bis 10 cm lang und 4 bis 5 cm breit, an beiden Enden zugespitzt und je nach Form violett, blutrot, orange oder gelb. Innen umgibt saftiges Fruchtfleisch viele kleine, dunkle Samen.
Herkunft und Wuchs
Die genaue Herkunft ist unsicher. Julia Morton hält sie für wahrscheinlich in den Anden Perus heimisch, vermutlich auch in Chile, Ecuador und Bolivien; viel angebaut wird sie in Kolumbien, Argentinien und Brasilien. In Ecuador wächst sie in etwa 1.500 bis 3.000 m Höhe, wo die Tage mild und die Nächte kühl sind. Von dort gelangte sie nach Mittelamerika, Ostafrika, Indien, Australien und Neuseeland, wo um 1920 ein kleiner Erwerbsanbau begann und um 1970 der Name Tamarillo eingeführt wurde.
Die Baumtomate wächst schnell und bleibt klein, meist 3 bis 5,5 m, selten mehr. Sie ist kurzlebig: Morton nennt fünf bis sechs ertragreiche Jahre, bei guter Ernährung elf bis zwölf. Sie trägt nach anderthalb bis zwei Jahren. Ihre Wurzeln sind flach, ihr Holz ist brüchig.
Ansprüche
Die Baumtomate ist eine subtropische Pflanze und gedeiht am besten, wo die Temperatur über etwa 10 °C bleibt. Frost um -2,2 °C tötet Zweige und Laub ausgewachsener Bäume, nicht aber den Hauptstamm, während Jungpflanzen im ersten Winter leicht sterben. Sie braucht fruchtbaren, lockeren Boden mit tadelloser Drainage: Schon wenige Tage stehendes Wasser können sie töten, und verdichteter, luftarmer Boden bekommt ihr nicht. Zugleich verträgt sie keine lange Trockenheit und braucht in Trockenzeiten reichlich Wasser; Morton empfiehlt Mulch, um die Feuchte zu halten. Wind ist ihr größter Feind.
Früchte, Nutzen und Ernte
Die Früchte reifen ungleichmäßig, ein Baum wird deshalb mehrmals beerntet. Morton nennt für Brasilien Erträge von etwa 20 bis 30 kg je Baum und Jahr. Die Schale ist zäh und schmeckt bitter und wird nicht gegessen; das Fruchtfleisch wird ausgelöffelt oder die Frucht geschält. Man isst sie roh mit Zucker, presst sie zu Saft, kocht Soßen, Chutneys und Marmelade daraus oder mixt sie wie in den Anden zu einem Getränk.
Im Waldgarten
Im Waldgarten gehört die Baumtomate in die Strauchschicht, und ihr kurzes Leben gibt ihr eine besondere Rolle. Sie trägt schnell, schon im zweiten Jahr, solange die langlebigen Bäume um sie herum noch klein sind, und macht Platz, wenn diese ihr Kronendach schließen. Damit ist sie eine Pflanze der frühen Stadien der Sukzession, vergleichbar damit, wie die syntropische Landwirtschaft kurzlebige Arten nutzt, um die Jahre zu überbrücken, bis die Hauptbäume tragen. Nachbarn schützen sie vor Wind; eine dauerhafte Mulchschicht hält ihre flachen Wurzeln kühl und feucht. Wird sie geschnitten oder stirbt sie ab, kehren ihr weiches Holz und ihre großen Blätter schnell in den Boden zurück.
Im Mittelmeerklima
In Südeuropa ist die Baumtomate eine Nischenkultur. Auf Madeira wird sie in kleinen Pflanzungen angebaut, vor allem um Santana an der Nordküste und Camacha im Süden, ab etwa 300 bis 400 m Höhe. Ihr Saft kommt dort in die Poncha, das traditionelle Getränk der Insel. Für den eigentlichen Mittelmeerraum gibt es kaum veröffentlichte Erfahrungen. Zwei Grenzen fallen auf: Frost unter etwa -2 °C im Winter und der lange trockene Sommer, den sie ohne Bewässerung nicht verträgt. Eine Pflanze von kühlen Andenhängen dürfte in den heißesten Stunden lichten Schatten und eine geschützte, feuchte Ecke schätzen.
Wo sie sich wohlfühlt, kann sich die Baumtomate ausbreiten: In Neuseeland und Südafrika gilt sie als Unkraut, in New South Wales wächst sie verwildert an Regenwaldrändern. Vögel tragen die Samen fort. Auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten steht sie nicht. Ob sie sich im trockenen Mittelmeersommer selbst aussät, ist nicht belegt; wer die Früchte erntet und verirrte Sämlinge zieht, behält sie im Griff.
Vermehrung und Pflege
Baumtomaten wachsen leicht aus Samen oder Stecklingen. Sämlinge bilden hohe, aufrechte Bäume, Stecklinge niedrigere, buschigere Pflanzen, die an windigen Standorten besser zurechtkommen. Jungpflanzen werden oft früh entspitzt, damit sie sich verzweigen. Zu den Schädlingen zählen Blattläuse und Fruchtfliegen, die häufigste Krankheit ist Echter Mehltau.
So versteht Terra Humana sie
Auf Sa Medada ist die Baumtomate eine Pflanze des Anfangs. Sie verspricht keine Dauer, wohl aber schnelle Früchte und weiche Biomasse in den Jahren, in denen die jungen Bäume noch ihren Platz suchen. Terra Humana nutzt kräftige, nicht EU-gelistete Arten bewusst als Methode; bei der Baumtomate heißt das, sie aufmerksam zu beernten und im Blick zu behalten, wohin ihre Samen gehen.
Sa Medada
So sieht das bei uns aus
Auf Sa Medada wächst die Baumtomate im Topf, zum Teil schon ausgepflanzt. Sie hat einen Winter draußen überstanden und gedeiht.
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Häufige Fragen
Was ist eine Baumtomate?
Die Baumtomate oder Tamarillo (Solanum betaceum) ist ein kleiner, halbverholzter Baum aus der Familie der Nachtschattengewächse und mit Tomate, Kartoffel und Aubergine verwandt. Sie stammt aus den Anden und trägt eiförmige, an beiden Enden zugespitzte Früchte von 5 bis 10 cm Länge mit violetter, roter, oranger oder gelber Schale. Der Name Tamarillo wurde um 1970 in Neuseeland eingeführt; einen kleinen Erwerbsanbau gab es dort schon seit etwa 1920. Der ältere botanische Name Cyphomandra betacea ist in der Literatur noch verbreitet.
Wie isst man eine Baumtomate?
Die Schale ist zäh und schmeckt unangenehm, deshalb wird die Frucht geschält oder halbiert und ausgelöffelt. Das Fruchtfleisch ist saftig, säuerlich und leicht harzig, rote Früchte meist herber, gelbe milder. Man isst es roh mit etwas Zucker, verarbeitet es zu Saft, Soßen, Chutneys und Marmelade, und in Kolumbien und Ecuador wird es oft mit Wasser und Zucker zu einem Getränk gemixt. Auf Madeira kommt der Saft auch in die Poncha, das traditionelle Getränk der Insel.
Wie viel Frost verträgt eine Baumtomate?
Wenig. Nach Julia Morton tötet ein Frost von etwa -2,2 °C die kleinen Zweige und Blätter ausgewachsener Bäume, nicht aber den Hauptstamm, und Sämlinge und Stecklinge erfrieren im ersten Jahr leicht. Am besten gedeiht die Pflanze, wo die Temperatur über etwa 10 °C bleibt. In Gegenden mit gelegentlichem Frost pflanzt man sie an den wärmsten, geschütztesten Platz und hält Jungpflanzen im Winter im Topf und geschützt.
Warum braucht die Baumtomate Windschutz?
Ihre Wurzeln sind flach und ihr Holz ist brüchig. Morton beschreibt, wie Bäume leicht umgeweht werden und Äste bei Böen brechen, besonders wenn sie voller Früchte hängen. Windschutz, ein geschützter Platz zwischen anderen Pflanzen und Stützen für schwer behangene Äste verhindern Schäden. Ganz abschirmen sollte man sie nicht, denn die normalerweise selbstbestäubenden Blüten setzen mit Bienen besser Frucht an.
Ist die Baumtomate invasiv?
In manchen Regionen ist sie aus Gärten entkommen. Eine hawaiianische Risikobewertung führt sie als Unkraut in Neuseeland und Südafrika und als eingebürgert in Australien und Taiwan; in New South Wales wächst sie in gestörtem Regenwald und an Waldrändern. Vögel verbreiten die Samen, einzelne Pflanzen setzen allein Samen an, die Pflanze verträgt Schatten und treibt nach dem Schnitt wieder aus. Auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten steht sie nicht. Für die Praxis heißt das: Früchte ernten, nicht den Vögeln überlassen, und auf Sämlinge achten.

Verwandte Begriffe






Erwähnt auf
Quellen
- Morton, Fruits of Warm Climates (1987), Kapitel Tree Tomato, über Purdue University NewCROP
- Plant Pono, Hawaii Pacific Weed Risk Assessment, Solanum betaceum
- PlantNET / Plants of South Eastern New South Wales (Lucid), Solanum betaceum
- Regionale Informationen zum Tamarillo-Anbau auf Madeira, Santana und Camacha (thisismadeiraisland.com)
Zuletzt aktualisiert: 2026-10-13

