Zum Inhalt springen
Wegbereiter

Wangari Maathai

Redaktionsteam Terra HumanaZuletzt aktualisiert: 2026-10-146 Min. Lesezeit

Kleine Baumschule im grünen Hochland Ostafrikas: Reihen junger Setzlinge in Beuteln und Töpfen unter einem einfachen Schattendach

Kurz gesagt

Kenianische Biologin, die das Green Belt Movement gründete, Frauen Millionen Bäume pflanzen ließ und 2004 den Friedensnobelpreis erhielt.

Lebensdaten
1. April 1940 bis 25. September 2011
Herkunft
Nyeri, Zentralkenia
Ausbildung
Biologin, erste Frau in Ost- und Zentralafrika mit Doktortitel
Bekannt für
das Green Belt Movement, Baumschulen in Frauenhand
Hauptwerk
Green Belt Movement (ab 1977); Erinnerungen Unbowed (2006)
Ehrungen
Right Livelihood Award (1984), Goldman Environmental Prize (1991), Friedensnobelpreis (2004)

Wer war Wangari Maathai?

Wangari Maathai war eine Wissenschaftlerin, die zum Boden zurückkehrte. Geboren 1940 im Hochland um Nyeri in Zentralkenia, wurde sie die erste Frau in Ost- und Zentralafrika mit einem Doktortitel und widmete ihr Leben dann etwas sehr Einfachem: Bäume pflanzen, zusammen mit den Frauen ihres Landes. Daraus wuchs das Green Belt Movement, eine der größten Baumpflanzbewegungen der Welt, und 2004 der Friedensnobelpreis.

Was sie so bedeutend macht, ist der Zusammenhang, den sie sah. Abholzung, ausgewaschene Felder, der Mangel an Brennholz und sauberem Wasser und die Armut der Frauen auf dem Land waren für sie nicht getrennte Probleme, sondern ein einziges. Wer einen Baum pflanzte, tat gegen alle zugleich etwas.

Lebensweg

Maathai wuchs auf dem Land in Zentralkenia auf. Sie studierte Biologie in den Vereinigten Staaten, am Mount St. Scholastica College in Kansas (1964) und an der University of Pittsburgh (1966), und wurde 1971 an der Universität Nairobi promoviert, als erste Frau in Ost- und Zentralafrika. Dort lehrte sie Veterinäranatomie, wurde 1976 Institutsleiterin und 1977 außerordentliche Professorin, jeweils als erste Frau der Region.

Über ihr Engagement im Nationalen Frauenrat Kenias, den sie später von 1981 bis 1987 leitete, hörte sie den Frauen vom Land zu. Wie sie in ihrem Nobelvortrag erzählte, nannten sie, was ihnen fehlte: Brennholz, sauberes Trinkwasser, ausgewogene Nahrung, ein Dach über dem Kopf und Einkommen. 1976 brachte sie die Idee gemeinschaftlichen Baumpflanzens in den Frauenrat ein. 1977 wurde daraus das Green Belt Movement.

Später ging sie auch in die Politik. 2002 wurde sie für den Wahlkreis Tetu ins kenianische Parlament gewählt und stellvertretende Ministerin für Umwelt und natürliche Ressourcen. Sie starb am 25. September 2011 in Nairobi.

Die Idee

Das Green Belt Movement beruhte auf einem einfachen Tausch. Frauengruppen legten eigene Baumschulen an, zogen Setzlinge und pflanzten sie auf Höfen, an Schulen und Kirchen und auf Streifen öffentlichen Landes, den grünen Gürteln. Für jeden Setzling, der gepflanzt wurde und anwuchs, erhielt die Gruppe eine kleine Vergütung. Wie Maathai erklärte, zahlte die Bewegung für eingeführte Arten weniger und für heimische Bäume und Obstbäume mehr. So schuf das Pflanzen zugleich Einkommen, Wissen und Unabhängigkeit. Die Frauen mussten Setzlinge nicht mehr bei der Forstverwaltung kaufen; sie zogen sie selbst.

Das Pflanzen führte weiter. Wer Bäume pflegt, fragt bald, wem das Land gehört und wer darüber bestimmt. Maathai verband die Arbeit in den Baumschulen mit politischer Bildung, und die Bewegung wurde zu einer Stimme für den Schutz öffentlichen Landes. Sie verteidigte den Uhuru Park im Zentrum Nairobis gegen ein geplantes Hochhaus und den Karura-Wald am Stadtrand gegen die Aufteilung an Privatleute. Beide blieben öffentlich, und Karura ist heute ein Wald, der den Menschen Nairobis offensteht.

Das Nobelkomitee fasste ihren Ansatz in einem einfachen Satz: Sie denkt global und handelt lokal. Sie selbst sah die Sorge um Land, Wasser und Wald als Friedensarbeit, weil dort, wo Ressourcen knapp und umkämpft sind, Gewalt wächst.

Das Werk

Ihr Hauptwerk ist das Green Belt Movement. Nach Angaben der Right Livelihood Foundation gab es Anfang der 1980er Jahre rund 600 Baumschulen mit 2.000 bis 3.000 Frauen und etwa 2.000 grüne Gürtel mit je rund 1.000 Setzlingen; mehr als eine halbe Million Schulkinder machten mit. 1986 entstand ein panafrikanisches Green-Belt-Netzwerk, das den Ansatz in andere Länder trug.

Ihre Geschichte erzählte sie in den Erinnerungen Unbowed (2006) und in weiteren Büchern, darunter The Challenge for Africa (2009) und Replenishing the Earth (2010).

Was daraus wurde

Wie viele Bäume gepflanzt wurden, lässt sich nur mit Jahr und Quelle sagen, und die Zahlen stammen aus den Berichten der Bewegung selbst. Nach der Right Livelihood Foundation meldeten die Frauen bis Ende 1993 über 20 Millionen Bäume; der Goldman Environmental Prize nannte über 20 Millionen Bäume und rund 5.000 Baumschulen in Kenia; bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 2004 sprach die Nobelstiftung von über dreißig Millionen.

Ihre Ehrungen zeichnen ihren Weg nach: der Right Livelihood Award 1984 dafür, die ökologische Debatte Kenias in massenhaftes Handeln für die Wiederaufforstung verwandelt zu haben, der Goldman Environmental Prize 1991 und 2004 der Friedensnobelpreis für ihren Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung, Demokratie und Frieden. Sie war die erste Afrikanerin, die ihn erhielt.

Was wir von Wangari Maathai lernen

Terra Humana übernimmt von Wangari Maathai die Einsicht, dass ein Baum nie nur ein Baum ist. Wer einen pflanzt, verändert auch die Beziehung zwischen Menschen und Land.

Wir übernehmen auch ihre Aufmerksamkeit für die Baumschule. Eine Bewegung, die ihre Setzlinge selbst aus örtlichem Saatgut zieht, wird unabhängig und lernt, was wo wächst. Dass sie Obstbäume und Bäume für den bäuerlichen Anbau gezielt förderte, weist in dieselbe Richtung wie unsere eigene Arbeit: Pflanzen, die Menschen nähren und dem Boden dienen. Und wir übernehmen ihre Beharrlichkeit. Renaturierung braucht mehr als guten Boden; sie braucht Menschen, die über Jahrzehnte zu einem Ort stehen. Auch das gehört zu dem, was wir Rehumanisierung nennen.

Häufige Fragen

Wer war Wangari Maathai?

Wangari Maathai war eine kenianische Biologin und Umweltschützerin, geboren am 1. April 1940 in Nyeri, Kenia, gestorben am 25. September 2011. Sie war die erste Frau in Ost- und Zentralafrika mit einem Doktortitel und gründete 1977 das Green Belt Movement, in dem Frauen Bäume pflanzten und damit ein Einkommen verdienten. 2004 erhielt sie als erste Afrikanerin den Friedensnobelpreis.

Was ist das Green Belt Movement?

Das Green Belt Movement entstand aus Maathais Idee gemeinschaftlichen Baumpflanzens, die sie 1976 in den Nationalen Frauenrat Kenias einbrachte. Gegründet wurde es 1977. Frauengruppen legten eigene Baumschulen an, zogen Setzlinge und erhielten für jeden Setzling, der gepflanzt wurde und anwuchs, eine Vergütung. Gepflanzt wurde auf Höfen, an Schulen und Kirchen und auf Streifen öffentlichen Landes, den grünen Gürteln, die der Bewegung ihren Namen gaben.

Wie viele Bäume hat das Green Belt Movement gepflanzt?

Die Zahlen hängen von Jahr und Quelle ab und stammen aus den Berichten der Bewegung selbst. Nach der Right Livelihood Foundation meldeten die Frauen bis Ende 1993 über 20 Millionen gepflanzte Bäume. Der Goldman Environmental Prize nannte über 20 Millionen Bäume und rund 5.000 Baumschulen. Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 2004 sprach die Nobelstiftung von über dreißig Millionen Bäumen. Die Website der Bewegung zeigt heute deutlich höhere Zählungen, die spätere Programme einschließen.

Warum erhielt Wangari Maathai den Friedensnobelpreis?

Das norwegische Nobelkomitee verlieh ihr den Friedenspreis 2004 für ihren Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung, Demokratie und Frieden. Das Komitee beschrieb ihren Weg zu nachhaltiger Entwicklung als ganzheitlich, mit Demokratie, Menschenrechten und besonders den Rechten der Frauen. Maathai selbst vertrat, dass sorgsamer Umgang mit Land, Wasser und Wald Konflikten vorbeugt, weil Mangel und Streit um Ressourcen Gewalt nähren.

Welche Bücher hat Wangari Maathai geschrieben?

Ihr bekanntestes Buch sind die Erinnerungen Unbowed, erstmals erschienen im Oktober 2006. Außerdem schrieb sie The Green Belt Movement über den Ansatz ihrer Bewegung, The Challenge for Africa (2009) und Replenishing the Earth (2010) über die geistigen Werte hinter der Sorge um die Erde. Der Dokumentarfilm Taking Root: The Vision of Wangari Maathai (2008) erzählt von ihrer Arbeit.

Reihen von Zaï-Pflanzgruben mit Mist auf verkrustetem Sahelboden, dahinter junge BäumeNächster in dieser ThemenweltYacouba SawadogoBauer aus Burkina Faso, der die überlieferten Zaï-Pflanzgruben verbesserte, auf kahlem Land einen Wald wachsen ließ und Tausende darin unterwies.

Verwandte Begriffe

Erwähnt auf

Quellen

  • Right Livelihood Foundation, Wangari Maathai, Preisträgerseite (Preis 1984)
  • Nobelstiftung, Friedensnobelpreis 2004, Wangari Maathai, Fakten und Biografie
  • Maathai, W., Nobelvortrag, Oslo (10. Dezember 2004)
  • Maathai, W., Rede zur Verleihung des Right Livelihood Award, Right Livelihood Foundation
  • Goldman Environmental Prize, Wangari Maathai, Africa 1991
  • Green Belt Movement, Wangari Maathai, Biografie, und Tree planting and water harvesting (abgerufen Oktober 2026)
  • McGill University, Beatty Memorial Lecture 2002, Biografie Wangari Maathai
  • Maathai, W., Unbowed: A Memoir, New York (2006)
  • Nation (Nairobi), Prof Maathai relentlessly fought state to save Uhuru Park, Karura Forest
  • Merton, L. und Dater, A., Taking Root: The Vision of Wangari Maathai, Dokumentarfilm, Marlboro Productions (2008)

Zuletzt aktualisiert: 2026-10-14